Start / Allgemein / Sicherheit bei Reithelmen in der Vielseitigkeit

Sicherheit bei Reithelmen in der Vielseitigkeit

Übergangsnorm seit Anfang des Jahres in Kraft / Helmnutzung 2015 / Start im Ausland

Das Thema Sicherheit wird in der Vielseitigkeit großgeschrieben. Helm und Schutzweste sind stets auf dem Prüfstand und entsprechen den neusten Standards. Doch bei den Reithelmen bewegen sich Reiter und Turnierveranstalter stellenweise noch in einer Grauzone. Was muss ich beim Helm Kauf beachten? Darf ich mit meinem alten Helm noch starten und wie sehen die Bestimmungen eigentlich im Ausland aus?

Reithelme zählen nach dem Produktsicherheitsgesetz zur sogenannten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) des Reiters. Eine entsprechende Kennzeichnung bzw. Zertifizierung bescheinigt, dass sie unter Einhaltung der Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen nach den europäischen Richtlinien hergestellt wurden und den Anforderungen entsprechen. Zu diesen Anforderungen zählen zum Beispiel die zulässigen Materialien oder die Schlagabsorption an verschiedenen Stellen des Helms bei hohen und niedrigen Temperaturen.

Bisher griff auf dem Europäischen Markt die CE-Kennzeichnung, deren Grundlage die Reithelmnorm EN 1384 ist. Doch diese EN-Norm ist seit Ende letzten Jahres hinfällig. Laut EU Kommission stimmt die Reithelmnorm EN 1384 nicht mehr mit dem aktuellen Stand der Technik und den Sicherheitsanforderungen der PSA-Richtlinie überein.

Übergangsnorm VG01
TÜV und weitere notifizierte Stellen müssen nun alternative Zusatzprüfungen für Reithelme entwickeln. Seit der offiziellen Veröffentlichung der aktualisierten Liste der harmonisierten Normen im „Official Journal“ im Dezember 2014, tritt die Übergangsnorm VG01 in Kraft. Mit der Veröffentlichung einer neuen Reithelmnorm im Amtsblatt der Europäischen Union wird erst 2016 gerechnet.

Ein wesentlicher Bestandteil der neuen VG01-Norm ist eine größere Dichte innerhalb der Innenschale. Die wichtigen internationalen Helmnormen sind: ASTM F1163 (USA), PAS015:2011 (Großbritannien), VG1 01.40 2014-12 (Europa) und SNELL E2001 (international).

Verkauf und Nutzung alter EN-Norm Helme
Nach Angaben des TÜV Rheinland darf Ware, die vor Änderung der Richtlinie produziert wurde, noch verkauft werden, da von den Helmen keine direkte Gefahr ausgeht. Auch der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie legt dar, dass Reithelme mit CE-Kennzeichnung, die sich bereits auf dem Markt befinden, weiterhin vertrieben werden dürfen.

Seit dem Stichtag im Dezember 2014 gilt für die EN-Norm Helme allerdings absoluter Produktionsstopp. Alle Helme, die nach Dezember 2014 produziert wurden, müssen die neue VG01 Kennzeichnung besitzen.

Turniere im In- und Ausland
Wer noch im Besitz eines alten Helms nach EN-Norm ist, darf somit noch auf Turnieren starten – wenn der Veranstalter nichts Gegenteiliges bestimmt. Der Dachverband British Eventing (BE) hat beispielweise entschieden, dass zukünftig auf Turnieren nur noch Helme mit den englischen PSA Normen und den amerikanischen ASTM Normen getragen werden dürfen. Auf der BE Website heißt es, dass EN-Norm Helme noch bis Ende 2015 zugelassen werden, danach nicht mehr. Anders als in Deutschland, schreiben dort die Verbände nicht nur vor, wie der Helm beschaffen sein muss (in Deutschland ist es die 5-Punkt-Beriemung), sondern auch, welchem Standard sie entsprechen müssen. Gleiches gilt in den meisten skandinavischen Ländern und USA.

In der Konsequenz heißt dies für die Buschreiter-Szene: Die von der EU Kommission final abgesegnete Reithelmnorm bleibt abzuwarten. Der ältere Helm muss früher oder später sowieso aussortiert werden. Bei einem Start im Ausland, kommt an der aktuellen VG01 Kennzeichnung keiner vorbei. Sollte allerdings kein Auslandsstart geplant sein, kann der vor Dezember 2014 erworbene Helm weiterhin genutzt werden.

Quellen: Amtsblatt der Europäischen Union / TÜV Rheinland /Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie / Britisch Eventing