Buschreiter.de Interview: Rüdiger Schwarz
Drei Sterne schon 2005 in Aachen

Große Auszeichnung und große Herausforderung: Bundestrainer Rüdiger Schwarz hat den Auftrag erhalten, für die Weltreiterspiele 2006 in Aachen die Geländestrecke zu konzipieren. Im Gegensatz zu anderen klassischen Turnierorten gibt es um die Soers bisher keine Cross-Strecke aus Sicht des Course Designers eine reizvolle Aufgabe. Allerdings drängt die Zeit und Schwarz braucht für das Projekt genügend Vorlauf, um die Strecke und die organisatorischen Rahmenbedingungen realistisch zu testen. Im buschreiter-Interview kündigte er an, dass 2005 also ein Jahr vor den WEG dort eine Drei-Sterne-Prüfung stattfinden wird. Große Unbekannte für Rüdiger Schwarz: Noch immer ist die Diskussion nicht beendet, ob künftig Weltreiterspiele als Kurz- oder als Lang-Prüfung ausgetragen werden. Schwarz: "Im Moment muss man einfach so planen, als ob Aachen eine lange Prüfung wird." Das Interview führte Wolf-Dietrich Nahr am Rande der Nachwuchs-DM in Kreuth.
Buschreiter: Sie sind als Course Designer für die Weltreiterspiele 2006 in Aachen ausgewählt worden. Wie erhält man diese Aufgabe? Mit welchen Vorleistungen qualifiziert man sich den dafür?
Schwarz: Ausschlaggebend ist sicher einmal, dass die Weltreiterspiele in Deutschland stattfinden. Der Verband ist bemüht gewesen, einen deutschen Aufbauer vorzuschlagen. Man muss Kuse gebaut haben, die von kompetenten und ausländischen Reitern akzeptiert worden sind. Ansonsten komme ich durch meine Trainertätigkeit sehr viel in der Welt rum. Diese drei Dinge zusammen haben den Ausschlag dafür gegeben, dass ich erst einmal vorgeschlagen wurde. Außerdem muss das mit dem Veranstalter abgesprochen werden. Und der Verband muss dahinterstehen.
Buschreiter: Können Sie große Turnier nennen, die für Sie Schlüsselereignisse waren?
Schwarz: Das kann ich nicht sagen, dass das spezielle Turniere waren. Ich habe ein paar S aufgebaut, ich habe ein paar Meisterschaften aufgebaut. Dabei hatte ich immer das Glück, dass dies Veranstaltungen waren, die sehr gut mit internationalen Reitern besetzt waren. Es ist gar nicht so wichtig, dass man viel aufbaut. Wichtig ist, wie man aufbaut und dass die Veranstaltung gut läuft, sich gut reiten lässt. Kritierium im Gelände ist immer: Es soll schwer sein, der Klasse entsprechen und es soll sich gut reiten lassen.
Buschreiter: Wir haben die Weltreiterspiele in Jerez hinter uns. Da waren nicht alle Beobachter, Fans, Aktive, Offizielle glücklich, ohne dass man die Kritik im einzelnen hier nochmal benennt. Welche Lehren ziehen Sie persönlich aus Jerez? Welche Auswirkungen wird Jerez auf die Weltreiterspiele in Aachen haben?
Schwarz: Jeder, der ein Championat baut, ist sich eigentlich schon darüber bewusst, was gefordert ist: Er soll die Besten nach vorne bringen, aber wir wollen auch kein Desaster. Ich kenne Jerez nur vom Fernsehen und den Kritiken. Deshalb kann ich selbst gar nicht in die Kritik einsteigen. Wenn man das Ergebnis liest, wirkt das noch gar nicht so schlecht. Trotzdem ist es dort nicht so gelaufen, wie man sich eine solche Prüfung vorstellt. Zu viele Stürze, zu viele unschöne Bilder.
Buschreiter: Wenn man Jerez positiv wendet: Was bedeutet dies für die Zukunft? Weniger technische Anforderungen? Das Abfragen von mehr Springvermögen? Vielleicht noch mehr technische Anforderungen, Rittigkeitstests? Wo geht der Trend für ein solches internationales Championat hin?

Schwarz: Ganz wichtig ist, dass nach wie vor das Gelände, gerade auch bei Championaten, eine gewisse Selektion haben muss. Das Gelände muss so gestaltet werden, dass die Besten nach Möglichkeit nach vorne kommen, die gut gerittenen und ausgebildeten Pferde. Außerdem muss das Gelände so konzipiert sein, dass Mannschaften zusammengehalten werden. Das gilt für Weltmeisterschaften und für Olympische Spiele. Das ist Feeling, manche Dinge kann man nicht lernen, die hat man. Ich sehe es als Vorteil, dass ich sehr viel selber geritten bin, sowohl im Busch als auch im Springsport. Diese Kombination hat mir unheimlich geholfen. Ich kann mich auch mal vergreifen, aber ich glaube, ich habe es immer geschafft, die Pferde ans Springen zu bekommen, den Reitern den nötigen Respekt beim Abgehen einzuflößen. Das Schlechteste in unserem Sport sind Kurse, die optisch den Eindruck vermitteln, sie sind leicht zu reiten, und dann stellt sich eine Gleichgültigkeit, Lässigkeit ein. Das führt zu nicht hundertprozentig konzentriertem Reiten. Die Pferde sollen einen Super-Anlauf haben und sich in eine Art Rage springen. Dafür ein Fingerspitzengefühl zu haben, ist wichtig.
Buschreiter: Es ist in und nach Jerez darüber diskutiert worden, welche Anforderungen die Weltreiterspiele haben sollen. Wird Aachen eine lange Vier-Sterne-Prüfung sein?
Schwarz: Im Moment ist es so. Es Gespräche und Diskussionen gegeben, auch im Eventing-Komitee (der FEI), ob das nach Jerez noch sinnvoll ist. Hinzu kommt die Umgestaltung der Olympischen Spiele. Es wäre zumindest einmal wert, darüber nachzudenken, ob man Europa- oder Weltmeisterschaften als Kurzprüfung laufen lässt. Es gibt Verantwortliche, die finden es interessant, darüber nachzudenken. Es gibt aber auch Hardliner, die hundertprozentig auf der langen Prüfung bestehen. Es gibt aber auch Reiter, die auf der Weltrangliste ganz vorne stehen und mit dem Argument kommen: Das ist unsere Top-Disziplin, hier sind wir gut, werden wir durch eine Umgestaltung die anderen wieder stark machen? Man kann verstehen, wenn ein Reiter so denkt. Es ist fraglich, ob es mit Kurzprüfungen deutlich leichter wird. Die müssen auch eine gewisse Länge haben. Das Cross bei den Olympischen Spielen wird zehn Minuten lang sein, 5700 Meter. Das finde ich gut, denn es muss eine entsprechende Anforderung da sein. Aber: Ob wir dadurch andere Bilder bekommen, das liegt ganz wesentlich am Aufbauer. Der muss weitgehendst Stürze ausschließen. Ganz wird man das nicht ausschließen können.

Buschreiter: An anderen Turnierplätzen ist schon sehr viel an Infrastruktur da. In Aachen gibt es ja bisher keine Vielseitigkeit. Ist das für Sie eine Erschwernis oder besonders reizvoll, dass man an der tabula rasa dieses Cross vollkommen neu konzipieren kann?
Schwarz: Ich persönlich finde es gut, dass gar nichts dasteht. Jeder Aufbauer sollte sich nach und nach eine eigene Handschrift zulegen. In dieser Klasse praktisch von null auf hundert zu bauen, beinhaltet eine gewisse Schwierigkeit, weil man wenig Vorwerte über Geläufe, über Verhaltensweisen der Pferde hat. Jeder Kurs gibt auch etwas anderes wieder. Jeder Kurs hier (in Kreuth) oder in Luhmühlen oder in Warendorf aufgebaut, würde anders ausfallen, weil die Bodenbeschaffenheit und vieles anders ist. Für Aachen gibt es die Planung, nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr eine mittlere Prüfung zu machen. Ob das so schnell geht, muss man sehen, weil erst geregelt werden muss, auf welchem Gelände die Vielseitigkeit stattfindet. Trassen und das Geläuf müssen angelegt werden. Hier und da ist vielleicht Bodenaustausch erforderlich, es müssen Teiche angelegt werden, es müssen Wälle und Hohlwege gebaut werden. Dies muss möglichst schnell in Angriff genommen werden, weil der Boden noch einmal ein oder zwei Jahre braucht. Ohne ein oder besser noch zwei Vorlauf-Turniere ist es kaum denkbar. Das war vielleicht auch die Schwierigkeit in Jerez.
Buschreiter: Also gibt es im nächsten Jahr eine internationale Vielseitigkeit in Aachen?
Schwarz: Es ist die Frage: Inwieweit bekommen die Aachener das Areal, das sie gerne hätten, in Griff oder in Besitz oder in Pacht oder wie auch immer ... Dann kann man relativ schnell loslegen. Wird es Herbst oder noch später, dann sehe ich für nächstes Jahr fast keine Chance, eine Prüfung da zu machen. Man könnte aus organisatorischen Gründen sagen: Wir besorgen uns ein paar Stellteile und machen einfach eine Kurz-M da. 2005 muss eine Drei-Sterne-Prüfung dort stattfinden. Dann steht die Entscheidung immer noch aus, wie es generell weitergeht. Es gibt noch einmal ein Zusammentreffen nach Punchestown mit der Frage: Wollen wir eine kurze oder eine lange Prüfung? Im Moment muss man einfach so planen, als ob Aachen eine lange Prüfung wird.
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