Drei-Sterne-Event und Mannschaftsmeisterschaft im Gespräch
Lebt in Schwaiganger Achselschwang wieder auf?
VON WOLF-DIETRICH NAHR
In Süddeutschland ersteht ein neuer Turnierort für internationale Vielseitigkeiten: Auf dem Gelände des freistaatlichen Haupt- und Landgestüts Schwaiganger zwischen München und Garmisch-Partenkirchen findet 2009 zum ersten Mal eine Zwei-Sterne-Prüfung statt (11. bis 13. September 2009) – mit der Perspektive auf noch mehr. Viele Buschreiter erinnern sich an das legendäre Achselschwang und hoffen, dass der Event eines Tages eine ähnliche Bedeutung erlangt.
"Das hat damals furchtbar wehgetan, ich fand es traurig, dass Achselschwang weggefallen ist, immerhin war das ja fast eine weltweite Attraktion", sagte Landstallmeister Dr. Eberhard Senckenberg im buschreiter-Interview. Die Nachfolge von Achselschwang antreten? Nein, so vermessen wäre der Chef des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger nicht. "Wir haben das nicht wirklich im Hinterkopf, Achselschwang zu ersetzen." Die denkwürdige internationale Vielseitigkeit oberhalb des bayerischen Ammersees war Schauplatz nationaler und internationaler Championate und zahlreicher Sichtungen für Meisterschaften und Olympia in den Jahren 1973 bis 2000 gewesen. Zwei Jahre später wurde dort die staatliche Pferdehaltung eingestellt und die Anlage an einen privaten Betreiber verpachtet.
"Ich bin so verrückt"
Schwaiganger liegt gar nicht so weit von Achselschwang entfernt: Gut 40 Kilometer südlich davon an der A 95 zwischen Kochelsee und Staffelsee. Auf dem Haupt- und Landgestüt des Freistaates Bayern wird es in diesem Jahr erstmals einen CIC** geben, nachdem die Weilheimer Pferdefreunde dort zwei Jahre hintereinander eine Ein-Sterne-Prüfung ausgerichtet haben. 2009 ermitteln die Bayern dort ihren Seniorenchampion. Das Gestüt mit Hengsthaltung und eigenen Stutenherden mit insgesamt 370 Kalt- und Warmblütern sowie mit Haflingern wird den Event mit der herbstlichen Gestütsschau verbinden. "Das bedeutet, dass wir schöne Besucherzahlen kriegen", freut sich Landstallmeister Senckenberg. Der Gestütschef hat einen Narren an der Vielseitigkeit gefressen: "Dafür habe ich was übrig, das gefällt mir, ich bin so verrückt." Und der staatliche Träger lässt den Landstallmeister bei den neuen Buschreiter-Plänen gewähren. "Ich habe noch keine Knüppel zwischen die Beine bekommen, immerhin nützt eine solche Veranstaltung dem Betrieb."
Rüdiger Schwarz war da
Das hügelige Cross auf dem insgesamt 750 Hektar großen Areal im Voralpenland mit Blick auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze, wartet mit exzellenten Bedingungen auf. "Ein tolles Gelände mit allen Hindernisvarianten, das mit zwei Teichen bestens ausgestattet ist", schwärmt Bruno Six, der vormalige Turnierorganisator in Kreuth, der in Schwaiganger beratend tätig ist. Als Course Designer fungiert der bayerische Landestrainer Johannes Grupen. Er hat eine Kapazität von Weltruf quasi beratend zur Seite: Bundestrainer Rüdiger Schwarz, Designer der WM in Aachen 2006, war schon da und sei "ganz angetan" von Strecke und Infrastruktur gewesen, berichtet Bruno Six.
Brauerei als Hauptsponsor
Über das Zwei-Sterne-Level und die Landesmeisterschaft hinaus ist noch mehr denkbar. Für eine Drei-Sterne-Aufwertung sind "die Möglichkeiten da", meint Berater Six. Doch der Schwaiganger-Chef Senckenberg äußert sich zunächst "ungern" zu dem Thema. Dies hänge von dem Plazet des Freistaates, entsprechendem Organisationspotenzial und Sponsoren ab, meint der Landstallmeister. Aber da gibt es gar nicht so schlechte Aussichten: Im Moment ist der Hauptsponsor die König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg, die vom ehemaligen bayerischen Königshaus der Wittelsbacher betreiben wird. Im vergangenen Jahr war die Brauerei sogar Namensgeber des "König-Ludwig-Cups" gewesen.
Team-Championat schon 2010?
Dann gibt es die Information, dass möglicherweise 2010 in Schwaiganger die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft stattfinden wird. Heftig dementiert wird dies im Gestüt nicht. "Wir wären dafür offen", sagt der Landstallmeister zurückhaltend. Und Berater Bruno Six hält ein Team-Championat im nächsten Jahr für "nicht abwegig".
Startversuch mit "Alpencup"
Schwaiganger ist keineswegs Vielseitigkeits-Neuland: Bereits Mitte der 80er Jahre gab es dort nationale Events wie eine Bayerische Meisterschaft mit Rennbahn. Vor einigen Jahren kreierte das Landgestüt zusammen mit einer Arbeitsgemeinschaft von Pferdezuchtverbänden aus Süddeutschland und Österreich einen "Alpencup" für junge Pferde in Dressur, Springen und Gelände. Nach mehreren Turnieren ist das Projekt allerdings wieder eingeschlafen.
www.schwaiganger.bayern.de
Ihre Meinung zum Thema? Kontakt
|