Buschreiter.de aktuell: Dirk Schrade/Badminton 2006
Chance und Alternative für Weltreiterspiele
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die deutsche Vielseitigkeitsreiterei schließt weiter zum Weltniveau auf: Erstmals nach vielen Jahren werden voraussichtlich zwei Eventer beim englischen Klassiker Badminton am Start sein. Nach Andreas Dibowski hat nun auch Dirk Schrade auf Anfrage von buschreiter.de erklärt, dass er 2006 bei dem Vier-Sterne-Event gerne in der Startbox stehen will mit der 11-jährigen Stute Sindy (Fotos Julia Rau). (29.Dezember 2005)

Die vierbeinige Sportlerin findet nach Einschätzung des 27 Jahre alten Perspektivgruppen-Mitgliedes aus Warendorf in Badminton genau die richtige Herausforderung: "Sie ist ein ganz tolles Geländepferd mit einer unglaublichen Einstellung, sie will immer und hat kein Problem an einem Sprung." Die Stute mit dem Württemberger Brand stammt von Stan the Man xx und ist aus einer Tassilo-Mutter. Nach dem erfolgreichen Auftritt beim Bundeschampionat 2000 setzte das Buschpferd im Zwei-Sterne-Bereich die Karriere fort, um "nahtlos" in das Drei-Sterne-Metier hineinzuwachsen. Dirk Schrade im buschreiter-Interview: "Sie war bisher bei jeder Drei-Sterne-Prüfung platziert." Schleifen aus Marbach, Hamburg und Cavertitz sind im Trophäenschrank aufgereiht. Im Jahr 2004 belegte das Paar bei der Weltcup-Qualifikation in Luhmühlen den 3. Platz und wurde beim CCI*** in Kreuth 4. Der 27-jährige Wahl-Warendorfer hat zwei Motivationen, so früh in der Saison Badminton in Angriff zu nehmen. Wie viele Vielseitigkeitsreiter möchte Schrade einen "Traum" verwirklichen und bei der heimlichen Weltmeisterschaft des Eventing-Sports am Start sein: "Das ist wie Wimbledon im Tennis." Außerdem rechnet sich der Profi mit einer "außergewöhnlichen Leistung" im Schloßpark des Duke of Beaufort vielleicht doch noch die Chance auf eine WM-Teilnahme in Aachen aus. "Wir haben sechs ordentliche Paare für die Weltreiterspiele, wenn man sich da reinarbeiten will, dann muss man schon etwas Besonderes machen." Und "außergewöhnliche Leistung" heißt für den Eventer: Ein Resultat unter den ersten Zehn. Dirk Schrade kennt den Turnierplatz bereits als Zuschauer aus der Zeit seiner Hospitanz bei Bettina und Andrew Hoy in Gatcombe. "Schwer, aber zu schaffen." So charakterisiert er das legendäre Cross, das im Grundcharkater über die Jahre nur wenige Veränderungen erfahren hat. Traditionell scheitert bei vielen Deutschen das Vorhaben Badminton an der terminlichen Lage des Turniers
früh in der Sasion: Während es in England zu der Zeit bereits genug Gelegenheit gegeben hat, um sich mit schweren Prüfungen auf den CCI**** vorzubereiten, hat hierzulande gerade die grüne Saison begonnen. Folgerichtig ist für Sindy die Winterpause längst beendet. "Das Training ist voll im Gang, die Stute wird bereits dressurmäßig richtig gearbeitet." Weil ohne eine ordentliche Kondition bei dem High-End-Turnier kein Blumentopf zu gewinnen ist, muss die 11-jährige Stute die Transporterfahrten nach Bad Iburg bei Osnabrück auf sich nehmen, wo am Berg zunächst Trabarbeit möglich ist. Schließlich geht es vierrädrig nach Brochterbek im Osnabrücker Land, wo die Sportlerin bergauf beim Galopp Kondition tanken kann. Schließlich hat Dirk Schrade der auf dem Dressurviereck etwas übereifrigen Dame zur Einstimmung auf den Klassiker einige Turnierstarts auf dem Flachen verordnet. Zu dem Gelände- und Springtraining auf Warendorfer Terrain kommen dann vor dem Reiseantritt nach England nur zwei Vielseitigkeitsprüfungen: nationale M in Luhmühlen und in Sahrendorf. Eine stilechte und kostenträchtige Vorbereitung auf Badminton im englischen Turnierzirkus kommt für Dirk Schrade nicht in Frage: "Ich habe zu Hause zwölf Pferde zu reiten und nicht das Personal, um wochenlang abwesend zu sein." Allerdings steht das ganze Vorhaben noch unter dem Vorbehalt einer Starterlaubnis des Veranstalters. Der Andrang ist in Badminton immer groß und über einen Platz auf der Liste entscheiden auch die Punkte der Vorsaison. Schrade: "Die Stute ist nicht so viel gelaufen ..." Der 27-Jährige gilt zwar als einer der besten Vielseitigkeitsreiter im Land, aber mit Championatsstarts war seine Karriere bisher nicht reichlich gesegnet. Als Junger Reiter hat er einen Einzel-Start bei der EM im italienischen Pratoni im Jahr 1997 vorzuweisen. Die Senioren-EM-Teilnahme in Punchestown verlief nicht sehr glücklich: Schrade kam in Irland aus dem Sattel von Ecrin Raiselle und gab auf. Andreas Dibowski und Dirk Schrade in Badminton am Start: Das wäre ein guter Grund für die Teilnahme an der buschreiter-Reise zum Klassiker am ersten Mai-Wochenende 2006.
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