Buschreiter.de — aktuell: WM-Sichtung Schenefeld

Schrade und Sindy im Aufgebot

Die Würfel sind gefallen: Die Kandidaten für die Weltreiterspiele in Aachen stehen fest. Bei der Nominierung gleich im Anschluss an den CIC***-W in Schenefeld gab es eine Überraschung: Im WM-Aufgebot ist — neben den fünf erwartungsgemäß benannten Eventern — der Warendorfer Berufsreiter Dirk Schrade mit der 12-jährigen Sindy (Fotos Julia Rau). Bilderbuch 1, Bilderbuch 2, Bilderbuch 3, Bilderbuch 4, Bilderbuch 5.

"Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz in Dressur, Springen und Gelände hatte ich die große Hoffnung, dass ich reinrutschen würde. Ich habe versucht, noch einmal eine ordentlich solide Leistung zu bestätigen. Dass ich jetzt dabei bin, macht mich sehr glücklich", sagte Dirk Schrade am Abend im exklusiven buschreiter-Interview. Das Paar beendete die Weltcup-Qualifikation mit dem 5. Platz. Die Bundestrainer hatten Schrade mit auf den Weg ins Cross gegeben, er müsse nicht mehr beweisen, dass er im Gelände schnell reiten kann. "Ich habe versucht, eine flüssige und rhythmische Runde zu reiten. Dass ich dafür dann auch noch den Stilpreis gekriegt habe, macht mich happy." Das Paar, das jetzt die Chance erhält, bei der WM die deutschen Farben zu vertreten, war beim Klassiker Anfang Mai in Badminton wegen Unpässlichkeit der Stute vielleicht um eine gute Platzierung gebracht worden. Wegen erhöhter Muskelwerte hatte Schrade in England das Pferd nach der Dressur aus dem Wettbewerb genommen. Doch schon in Luhmühlen zeigten Ross und Reiter mit dem 5. Platz, dass sie bei vier Sternen richtig genannt hatten. Obwohl natürlich knapp vier Wochen vor den Weltreiterspielen hinsichtlich der Rollenverteilung im deutschen Lager noch alles offen ist, vermutet Schrade, dass er in Aachen eine Chance als Einzelreiter haben wird. Doch darüber werden die Bundestrainer erst beim Abschlusstraining in Warendorf kurz vor Abreise des Teams an den WM-Turnierort entscheiden. Die Nominierung der anderen fünf Reiter und sechs Pferde kommentierte Schrade im buschreiter-Interview so: "Alles andere wäre nicht schlau gewesen, das sind Super-Paare, die erfahren genug sind, um auf den Punkt fit zu sein." Im Anschluss an die Deutsche Vielseitigkeitsmeisterschaft in Hamburg-Schenefeld hatte der Ausschuss Vielseitigkeit des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) folgende Paare für den Start bei den Weltmeisterschaften in Aachen (20. August bis 3. September) nominiert: Andreas Dibowski (Egestorf) mit FRH Little Lemon und FRH Serve Well, Bettina Hoy (Gatcombe/GBR) mit Ringwood Cockatoo, Ingrid Klimke (Münster) mit Sleep Late, Frank Ostholt (Warendorf) mit Air Jordan, Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius Voigt-Logistic und Dirk Schrade (Warendorf) mit Sindy. Als erste Reserve wurde Peter Thomsen (Lindewitt) mit Ghost of Hamish, zweite Reserve ist Anna Warnecke (Osnabrück) mit Twinkle Bee, dritte Reserve Stefanie Thompson (Middlewich/GBR) mit Jacko’s Delight.

Bundestrainer Hans Melzer (Putensen) war mit den Leistungen sehr zufrieden. "Unsere Reiter sind nicht nur gut, sondern sie reiten auch konstant." Bis auf Ingrid Klimke (Münster), die mit Sleep Late auf der 3990 Meter langen Geländestrecke mit 40 Springen eine Verweigerung (20 Strafpunkte) hinnehmen musste, blieben alle neun WM-Kandidaten für Aachen ohne Geländefehler.

Eine Deutsche Meisterin wurde in Schenefeld auch gefunden: Bettina Hoy ist die Titelträgerin, und das nun zum dritten Mal. Mit ihrem Olympiapferd Ringwood Cockatoo beendete sie die Drei-Sterne-Kurzprüfung mit einem Gesamtergebnis von nur 36,5 Strafpunkten. Neuer Vizemeister ist Andreas Dibowski (Egestorf) mit FRH Little Lemon (41,4), der diesen Erfolg zusätzlich mit einem dritten Platz im CIC***-W krönte (44,2), dieses Mal im Sattel seines EM-Pferdes FRH Serve Well. Punktgleich beendeten der Australier Andrew Hoy mit Master Monarch und Michael Jung (Horb) mit Birkhof’s Grafenstolz TSF, wobei der Schwabe wegen des schlechteren Geländeergebnisses in der internationalen Wertung hinter dem dreifachen Mannschafts-Olympiasieger rangiert. Dafür konnte sich der junge Reiter kurz vor seinem 25. Geburtstag über eine Bronzemedaille in der Deutschen Meisterschaft freuen. Auf den Plätzen sechs, sieben und acht folgen drei Paare, die wie die beiden Führenden zum Kreis der Kandidaten für die Weltmeisterschaften in Aachen (20. August bis 3. September) zählen. Auf Platz fünf rangiert mit einem Endergebnis von 47,1 Strafpunkten Dirk Schrade (Warendorf) mit Sindy vor Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius Voigt-Logistic (51,1) und Peter Thomsen (Lindewitt) mit Ghost of Hamish (54,1). Titelverteidiger Frank Ostholt (Warendorf) mit Air Joirdan, der ebenso wie Ingrid Klimke (Münster) mit Sleep Late zum Kreis der WM-Kandidaten zählt, landete im Gesamtklassement auf Platz 17. Die dreifache Deutsche Meisterin und EM-Bronzemedaillengewinnerin, die beim Geländeritt einen Vorbeiläufer kassierte, reihte sich im CIC***-W  auf Platz 23 ein. Anna Warnecke (Osnabrück) mit Twinkle Bee landete mit 97,9 Strafpunkten auf Platz 28. Die Liste der Deutschen Meister in der Vielseitigkeit der letzten sieben Jahre muss also um keinen weiteren Namen erweitert werden. Da sich Bettina Hoy (43) im Rahmen der FEI-Weltcup-Qualifikation (CIC***-W) in Schenefeld mit Ringwood Cockatoo nach 2002 und 2004 zum dritten Mal durchsetzte, blieb die Dominanz des Dreigestirns Hoy, Ingrid Klimke (Meisterin 1999-2001) und Frank Ostholt (2003 und 2005)bestehen. Pech für Andreas Dibowski (Egestorf), der seinen Angriff auf den Titel mit Platz zwei auf FRH Littele Lemon beendete. Sein Trost: Auch ohne den einen Abwurf im abschließenden Parcoursspringen hätte es für den 40-jährigen Pferdewirtschaftsmeister nicht zum Sieg gereicht. Bettina Hoy gelang nämlich eine von nur fünf Nullrunden unter 36 Teilnehmern. Der nach Dressur und Gelände noch auf dem dritten Rang postierte Rendsburger Hinrich Romeike (43) leistete sich mit Marius Voigt-Logistik im Stangenwald der 16 bunten Hindernisse drei Abwürfe und fiel auf den siebten Platz (51,10) in beiden Wertungen zurück. Überholt wurde er auch vom Warendorfer Dirk Schrade (47,10), der mit Sindy überdies jenen Sonderehrenpreis für den stilistisch besten Geländevortrag erhielt. Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN bestätigte die Meldung, dass man seitens der FN Schenefeld auch im nächsten Jahr mit der Durchführung der Deutschen Meisterschaft betrauen will.

Kiwi Dream im Ruhestand

Der dann 21jährige Wallach Kiwi Dream wird dann schon seinen Turnierruhestand in Pinneberg bei Gerd und Merle Küst genießen. Der Neuseeländer wurde im Rahmen des Schenefelder Turniers stimmungsvoll verabschiedet. Mit dabei waren die Holländerin Alice Naber-Lozeman, die Kiwi vierjährig in Neuseeland entdeckte und neunjährig erfolgreich in CCI***-Prüfungen ritt, bevor der Elmshorner Herbert Blöcker den Wallach vor den Olympischen Spielen von Atlanta übernahm und 2003 an die Pinnebergerin Vivien Küst weitergab, die dann 2005 mit ihm bei der EM der Jungen Reiter sogar Mannschaftsgold gewann. Langeweile braucht der enorm frisch wirkende "Opa" aber nicht fürchten. Vivis jüngere Schwester Merle (15) will sich mit Kiwi in der Dressur versuchen und sich auch sonst weiter um den Veteran kümmern, der immer noch im Besitz von Herbert Blöcker steht. Letzterer verabschiedete sich bei seinem langjährigen Weggefährten bei einem Zwiegespräch. "Wir haben es uns gegenseitig nicht immer leichtgemacht", sagte der Altmeister mit Tränen in den Augen.

Linda Algotsson umgeknickt

Besonderes Pech hatte die Schwedin Linda Algotsson, die das Weltcup-Finale in Malmö 2003 und 2004 gewann. Am Abend nach der Geländeprüfung zog sie sich eine schwere Bänderverletzung am Knöchel zu, als sie ihr Pferd My Fair Lady in Vorbereitung auf die tierärztliche Untersuchung am Folgemorgen auf der Asphaltstraße traben ließ und umknickte. Dem Vet-Check der Richter-Jury am Sonntagfrüh fiel nur der Wallach Rampant Lion des Belgiers Carl Bouckaert zum Opfer, so dass noch 40 Paare in der Konkurrenz verblieben. Als einziger der 55 Teilnehmer aus elf Nationen, von denen 34 den Kurs ohne Hindernisfehler bewältigten, blieb der australische Weltranglistenerste Andrew Hoy (47) mit Master Monarch auch im erlaubten Zeitlimit von 7:06 Minuten und verbesserte sich vom elften auf den vierten Platz (40,9) nach dem Gelände. Nach Aussagen des FEI-Tierarztes Dr. Karl Blobel (Ahrensburg) gingen die wenigen Stürze ohne größere Blessuren für Reiter und Pferde ab. Großes Lob erhielt der Turnierleiter und Geländekurs-Designer Hinrich Groth junior vom Elbdörfer- und Schenefelder Reiterverein.

Warendorf freut sich

Ein voller Erfolg für das Bundesleistungszentrum (BLZ) des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) ist die nationale Drei-Sterne-Kurzprüfung gewesen, die im Rahmen der Deutschen Meisterschaft in Hamburg-Schenefeld ausgetragen wurde. Als Sieger ging Andreas Ostholt (Warendorf) mit dem Ex-Rennpferd Water Dance xx mit einem Endstand von 40,90 Strafpunkten hervor, der als Einziger im Gelände ohne Strafpunkte blieb und seinem Dressurergebnis nur vier Strafpunkte im Springen hinzufügte. Ostholt ist Mitglied der Warendorfer Perspektivgruppe Vielseitigkeit, ebenso wie der Zweitplatzierte der Prüfung, Dirk Schrade mit Gadget de la Cere (44,20). Häufiger Trainingsgast am DOKR-Bundesleistungszentrum ist auch die Olympiareservistin von 2004, Simone Deitermann (Saerbeck), die mit ihrem Nachwuchspferd Free Easy Platz drei belegte (46,4). Der Erfolg wurde komplettiert von zwei weiteren Perspektivgruppen-Mitgliedern: Beeke Kaack wurde mit Conti Fünfte (49,3), Malte Dohm belegte mit Chatte Noire Platz sieben (64,30). Zwischen den beiden konnte sich der zweifache Deutsche Meister Frank Ostholt, Leiter des BLZ und selbst auch ehemaliges Perspektivgruppenmitglied u mit After the Battle (62,9) platzieren. Über die BLZ-Reiter hinaus konnten auch Alexa Bendfeldt (Schönwalde) mit ihrem Trakehner El Greco, die mit 48,5 Strafpunkten auf Platz vier landete, sowie Isabell Nagel (Bielefeld) mit Blueberry Boy (64,4/Platz acht) in die Platzierung eingreifen. Für die unter 25-jährigen Teilnehmer und Pferde bis neun Jahre ging es in dieser Prüfung neben Sieg und Platz auch um Punkte im Derby-Dynamic Cup.
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www.buschreiter.de/Fotos: Julia Rau/Redaktion, Text: Wolf-Dietrich Nahr

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