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WM-Nominierung in Schenefeld/Die Hintergründe Kentucky-Tickets vergeben VON WOLF-DIETRICH NAHR Unmittelbar vor dem abschließenden Springen in Schenefeld ist die deutsche Equipe für die Weltreiterspiele in Kentucky bekanntgegeben worden. Nominiert wurden Andreas Dibowski mit Leon oder Fantasia, Michael Jung mit Sam, Ingrid Klimke mit Abraxxas, Frank Ostholt mit Mr. Medicott und Dirk Schrade mit Gadget de la Cere als Mannschaftsreiter. Einzelreiterin ist Simone Deitermann mit Free Easy NRW. Als Reservisten fungieren Kai Rüder und Leprince des Bois, Rang 2 auf der Warteliste hat Anna Warnecke und Twinkle Bee. Dritte Reservisten sind Andreas Ostholt und Franco Jeas. Obwohl der DOKR-Vielseitigkeitsausschuss im Nebenzimmer des Restaurants Klövensteen in Schenefeld nach der Verfassungsprüfung und vor dem abschließenden CIC***-Springen geschlagene eineinhalb Stunden tagte, gab es in dem Offiziellen-Gremium nach Angaben von Bundestrainer Hans Melzer und auch seitens anderer Ausschuss-Mitglieder keine Kontroverse darüber, wer zu den Weltreiterspielen darf. Die Trainer hätten den Nominierungsvorschlag vorgetragen und jeweils zu den einzelnen Paaren Erklärungen abgegeben. Leon "erste Wahl" Andreas Dibowskis Euroridings Butts Leon bezeichnete Melzer als "Wunschpferd" und "erste Wahl". Leon hatte auch Dispens für das Gelände in Schenefeld: Alle waren sich ziemlich einig, dass man diesem Weltpferd nach den Vorleistungen bei großen Events nicht noch ein Cross zusätzlich abverlangen musste. Dennoch erzeugte es am Samstag etwas Verwirrung, dass Butts Leon vor dem Gelände zurückgezogen worden war – wohl auch bei manchen Funktionsträgern. Dibos WM-Titelverteidiger durfte dann noch außer Konkurrenz in den CNC-Parcours am Sonntag. Kerngesund zurück Dies galt auch für Frank Ostholts Mr. Medicott, der ja den CIC*** nicht regulär beenden konnte, weil er im ersten Wasser gestürzt und damit ausgeschieden war. Wer gemeint hatte, dass dieser Lapsus Auswirkungen auf die WM-Nominierung haben würde, sah sich am Sonntag getäuscht. Ostholt wird mit Mr. Medicott, dem Mannschaftsolympiasieger, nach Kentucky fahren. Und Hans Melzer erinnerte nach der Nominierung daran, dass der Championatsgewinner in Hongkong 2008 "sensationell" gewesen sei. "Das Pferd kann eine Vier-Sterne mit dem Dressurergebnis beenden", sagte der Bundestrainer. Zudem sei Frank Ostholt ein "Super-Championatsreiter". Nach einer "extra langen" Verletzungspause sei Mr. Medicott nun "kerngesund" zurückgekommen und könne gezielt eingesetzt werden, ohne viele Prüfungen laufen zu müssen, argumentierte Melzer. Beleg sei der CCI***-Sieg des Paares im Frühjahr in Saumur. Nachsitzen in Breda? Der Coach räumte auf Nachfrage aber auch ein, dass Mr. Medicott Ende der Saison 2008 in Pau die letzte Vier-Sterne-Prüfung gegangen sei (3. Platz). Wie schon die anderen WM-Aspiranten mit kleinen Sichtungsaussetzern muss Frank Ostholt mit dem Pferd "nachsitzen": Entweder auf Drei-Sterne-Niveau in Breda oder beim CIC** in Langenhagen. Der Ort der Handlung entscheidet sich, nachdem "Ground-Scout" Rüdiger Schwarz seinen Bericht über die aktuellen Bodenverhältnisse in Breda abgeliefert hat. "In der Form seines Lebens" Auch Dirk Schrade hat seine Championatschance – allerdings mit dem Zweitpferd Gadget de la Cere, nachdem King Artus im Schenefelder Cross am Samstag durch Arbeitsverweigerung aus der Rolle gefallen war. Ohnehin, so Hans Melzer, sei Gadget "in der Form seines Lebens"; Schrade ein "starker Jockey". Die Kombination bringt dem Paar aller Voraussicht nach einen begehrten Teamplatz ein. Voraussichtlich, denn einer der fünf Mannschafts-Nominierten wird am Ende auf einen Individualplatz rücken müssen. Aber dies wird sich wohl erst im letzten Moment in Kentucky entscheiden. Das Glück hat gefehlt Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas sowie Michael Jung und La Biosthetique Sam waren ohnehin im Prinzip seit Aachen schon gesetzt. Ein gewisses Überraschungsmoment war dann am Sonntag, dass Kai Rüder und Leprince des Bois "nur" erste Reserve sind. Hans Melzer attestierte zwar dem Hengst, dass er ein "starkes, sehr gutes Pferd" sei, musste aber bilanzieren, dass dem Paar in der WM-Saison "das Quäntchen Glück gefehlt" habe: Der Steher in Badminton und die ausgelöste Airbag-Weste in Aachen beispielsweise. Im direkten Vergleich Simone Deitermann-Kai Rüder habe erstere in allen Prüfungen von Burnham Market über Badminton bis Malmö mehr Konstanz gezeigt. "Riesenschritt nach vorne" Simone Deitermann habe in dieser Saison einen "Riesenschritt nach vorne" gemacht. Melzer erinnerte an die "sensationelle" Geländerunde in Badminton. Der Bundestrainer: "Wenn der Tag passt für die beiden, dann sind sie für eine große Überraschung gut." Eine solche Top-Einzelreiterin sei wichtig für das Team. Der Mannschaftsplatz bleibt Simone Deitermann in den USA erst einmal verwehrt, weil dies ihr erstes internationales Senioren-Championat ist und alle anderen deutschen WM-Teilnehmer schon Championatserfahrungen haben. Mittragen oder ertragen? Kurz nach Bekanntwerden der Nominierung konnte Kai Rüder – ganz der routinierte Profi – im Interview schon wieder gelöst lachen. "Nach dem tollen Ritt von gestern ist man schon euphorisch, deshalb hat man eine andere Einstellung", sagte Kai Rüder etwas trocken. Die Reservenominierung sei eine Entscheidung, die man "erträgt", so der Reiter, um sich gleich zu korrigieren: "mitträgt". Er wolle nun "teamfähig" sein und die Reiterkollegen unterstützen. Eine gewisse Enttäuschung wollte Kai Rüder im buschreiter-Interview dennoch nicht verhehlen: "Wenn man so dicht dran ist, dann ist klar, dass man gerne reiten will, sonst wäre man ein schlechter Sportler." Im Cross angeschlagen Keinen Einfluss auf die Nicht-Nominierung von Leprince des Bois hatte der Umstand, dass der Hengst offenbar mit einer leichten Blessur aus dem Schenefelder Cross zurückgekehrt war. Das Pferd sei "klamm aus der Box" gekommen, sagte Rüder. Dem Vernehmen nach hat sich Leprince im Gelände angeschlagen, sich vielleicht etwas geprellt oder gezerrt. Am Abend sei dann aber alles okay gewesen. Auch die Verfassungsprüfung am Sonntag ließ keine Probleme offenkundig werden. Die drei Reservisten sind nicht gleichberechtigt, sondern haben eine Reihung: Erste Wahl sind Rüder/Leprince, vor Anna Warnecke/Twinkle Bee und Andreas Ostholt/Franco Jeas. Hans Melzer lobte zwar die Wahl-Engländerin mit ihrem Iren als "Top-Paar", schrieb aber Rüder mehr Erfahrung mit der Aussicht auf ein besseres Einzelergebnis zu. Burghley versus Schenefeld Da ja Schenefeld als obligatorische letzte Sichtungsprüfung festgeschrieben war, mag es Anna Warnecke zum Nachteil gereicht haben, dass sie mit ihrem Pferd nicht zur Deutschen Meisterschaft nach Schleswig-Holstein gereist ist, sondern sich fest auf den CCI**** in Burghley eine Woche später konzentriert hat. Ob ihr ein Auftritt in Schenefeld vielleicht den ersten Reserveplatz eingebracht hätte? Reserve-Szenarien Für den Fall, dass es zu Ausfällen kommt: Die Bundestrainer haben Anna Warnecke schon einmal darauf vorbereitet, vielleicht in letzter Sekunde in Burghley zurückzuziehen, falls das Paar doch in Kentucky gebraucht wird. Selbst wenn die Zwinkerbiene in England die lange Prüfung gehen sollte, dann existiert bei Hans Melzer und Christopher Bartle das Szenario, das Pferd nach entsprechender Regeneration bei den Weltreiterspielen notfalls doch einzusetzen. Abschlusstraining in Bonn Und so ist der weitere Ablauf: Die sechs WM-Paare werden sich zum letzten Trainingslager vom 17. bis 22. September 2010 in Bonn-Rodderberg treffen. Am 22. erfolgt der Direktflug in die USA, wo die Pferd für kurze Zeit in Cincinetti in Quarantäne kommen, bevor sie die knapp 90 Meilen nach Lexington transportiert werden. Am 29. September ist Vetcheck. Die Vielseitigkeitsprüfung beginnt einen Tag später. Stellungnahme des Ausschussvorsitzenden Holger Heigel
Lesermeinungen Nominierung nicht ohne Fragezeichen Die Würfel sind gefallen, und es sei "ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt". Die Bundestrainer haben entschieden und werden/müssen das dann auch hoffentlich entsprechend verantworten. Über 2 Kandidaten gibt es gar keinen Diskussionsbedarf, Dibo und Michi Jung haben sich durch anhaltende, stabile Spitzenleistungen praktisch "selbst nominiert". Das Ingrid Klimke das Dreigestirn dann auffüllt, halte ich auch für gut und richtig, obgleich ich in diesem Jahr Ingrid Klimke und ihr Pferd für nicht so stark wie in vorhergehenden Jahren halte. Dann kommen aber auch schon die Fragezeichen. Warum bekommt Frank Osthold dieses "Freilos" ?Warum wurde Dirk Schrade als Mannschaftsreiter gesetzt? Hier gehören meiner Meinung nach Simone Deitermann und Kai Rüder in die Mannschaft - und ein leider immer wieder etwas "kopflos" reitender Dirk Schrade könnte seine "Hochrisiko-Ritte" als Einzelreiter durchziehen. Es ist für die Zuschauer ein Zeichen von "Missachtung", wenn immer wieder zu großen Events Reiter und ihre Pferde in die Geländestrecke geschickt werden und dann nach einigen Sprüngen weisungsgemäß (der Bundestrainer lässt grüßen) den Ritt einstellen. Nach der Dressur gar nicht mehr anzutreten, obwohl kein Verletzungsgrund vorliegt, ist nicht anders einzuschätzen. Ich habe das in Kreuth vor einigen Jahren erlebt, als Ingrid Klimke "weisungsgemäß" in der Mitte der Geländestrecke den Ritt ohne erkennbaren Grund "aufgab" (ich war 560 km gefahren nur um Ingrid reiten zu sehen). Ich bin dafür, diese "Spielchen", die letztlich eine Missachtung von Veranstalter und der vielen Vielseitigkeitsfreunde darstellen, in den einschlägigen Vorschriften zu verbieten! Wer etwas "ausprobieren" will und muss, soll das nach Beendigung der offiziellen Prüfung und nach verständlicher Erklärung durch den Sprecher der Veranstaltung tun. J. Lindner ++++++++++++++++++++++ Es gibt viele Nationaltrainer Zunächst vielen Dank an die buschreiter-redaktion für die ausführliche und informative Berichterstattung zum CIC***Schenefeld sowie der Nominierung des WM-Aufgebotes. Es gibt wie immer unterschiedliche Ansichten und ganz viele Nationaltrainer, aber nur das Team Hans Melzer/Chris Bartle sowie der Vielseitigkeitsausschuss nominieren letztendlich. Der Leserbrief des Herrn Lindner verlangt doch eine wichtige Korrektur. Wer lesen kann, ist bekanntlich im Vorteil. Wenn man die Ausführungen von Herrn Nahr aufmerksam verfolgt hat, wüßte man, dass lediglich Simone Deitermann als Einzelreiterin bereits fest nominiert wurde. Die angebene Begründung der Trainer, dass dies ihr erster Championatseinsatz ist und sie bei optimalem Verlauf eine sehr gute Platzierung erreichen kann, halte ich für absolut nachvollziehbar. Wer in Kentucky von den übrigen fünf Paaren in der Mannschaft an den Start geht, entscheiden die Trainer vor Ort - also hat Dirk Schrade noch gar keinen Teamplatz. Aus Ihren Ausführungen zu Frank Ostholt und Dirk Schrade wird offensichtlich, dass Sie nicht unbedingt Anhänger der beiden sind. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wieso man Frank Ostholt einen Freifahrtschein ausgestellt haben soll, denn er war völlig schuldlos an dem Sturz und hat immerhin noch einmal die Auflage bekommen, eine weitere komplette Prüfung vor Kentucky zu reiten. Dagegen scheint es doch eine Verbindung und Sympathie für Kai Rüder zu geben, was bei genauem Hinsehen über die Schiene als früherer Mitbesitzer des Pferdes Silver Johnnie nicht verwundert. Wenn man sich mal auf der Seite des Ausschussvorsitzenden Holger Heigel (www.holgerheigel.de - Aktuelles) die Ergebnisse dieser Saison ansieht, sieht man, dass Leprince des Bois in keiner einzigen Geländeprüfung nur annähernd an die Bestzeit herankam und seine Leistungen im Parcours sehr durchwachsen waren. Sie werden sicher mit mir übereinstimmen, dass die WM in Kentucky als Viersterneprüfung nicht in der Dressur entschieden wird. Dafür wird einer der besten Aufbauer Mike Etherington-Smith sicher sorgen. Das gute Abschneiden in Burghley 2009 ist unbestritten, aber eben Vergangenheit und entscheidend ist der aktuelle Leistungsstand. Ich weiß auch nicht, welche Geländeritte Sie selber gesehen haben? Ansonsten wäre ich mit solchen Äußerungen wie "kopflos" reiten oder "Hochrisikoritte" sehr vorsichtig. Es gibt viele Photos, Fernsehbilder und Augenzeugen - das könnte dann für manchen Reiter peinlich werden. Zu den weiteren Ausführungen, die mit diesem Thema nichts zu tun haben, erspare ich mir einen Kommentar. R. Leymann |
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