CIC***/Deutsche Meisterschaft Schenefeld
Die Stunde der Reservisten hat geschlagen
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Bei der Deutschen Meisterschaft im Rahmen des CIC*** in Schenefeld sind Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas auf Meisterschaftskurs. Die Dressurzweiten schoben sich in einem hochselektiven Cross auf den Spitzenplatz vor dem abschließenden Springen am Sonntag. Bei dem nationalen Championat fallen die letzten Entscheidungen für die Nominierung zur Europameisterschaft. Mehr Fotos und Infos am Sonntag.
Bei der Geländeteilprüfung erwies sich das Coffin an Sprung 9 zur Klippe: Dort kamen Dirk Schrade und Gadet de la Cere zu Fall. Damit dürfte hinter den EM-Plänen des Paares ein Fragezeichen stehen. Bekommt Schrade nun eine Chance mit seinem Reservepferd King Artus, der in Strzegom sehr gut aufgelegt war?
In Schenefeld schlug die Stunde der Reservisten: Peter Thomsen und The Ghost of Hamish (5.) blieben im Cross ebenso sauber wie Kai-Steffen Meier und Karascada M (3.). Beide Reservisten zeigten bei regnerischem Wetter vor den Toren Hamburgs sehr routinierte Runden nahe an der Optimium Time. Sie empfehlen sich damit dringend für das Championat in Fontainebleau.
Nachnominierung wenig wahrscheinlich
Selbst wenn Bettina Hoy mit dem leicht verletzten Ringwood Cockatoo bei einer Drei-Sterne-Prüfung die Nachqualifizierung gelingen sollte, erscheint eine EM-Nominierung bei der bestechenden Leistung der Reservisten als wenig wahrscheinlich.
"Lebensfreude pur"
Die Meisterschaftsaspirantin Ingrid Klimke konnte sich wieder einmal nur wundern über "Braxxi": "Ich war richtig gut zufrieden mit seiner Leistung im Gelände. Vom Start bis zum Ziel hat seine souveräne Art richtig Freude gemacht. Und im Ziel trabt er aus, schüttelt sich einmal – das ist Lebensfreude pur." Ihrer Meinung nach war das Schenefeld-Cross nicht zu unterschätzen: "Es ging Schlag auf Schlag, und es gab genug unterschiedliche Abfragen. Aber so können wir mit einem guten Gefühl nach Fontainebleau fahren und müssen nicht sagen: Die Sichtung war ein Kindergeburtstag."
"Nie den Mut verloren"
Runner up over night ist Michael Jung mit Weidezaunprofis River of Joy, der sich bei der dritten Drei-Sterne-Prüfung mit dem jungen Pferd über die Leistung sehr gefreut hat: "Er hat eine tolle Runde gezeigt und nie den Mut verloren, war rittig, hat keinen Kratzer und kam topfit ins Ziel."
"Sie will auf die andere Seite"
Besorgte Fragen nach dem gebrochenen und von Dr. Manfred Giensch genagelten Sprunggelenk konnte Kai-Steffen Maier beruhigend beantworten: "Dem Fuß geht es wunderbar, ich hatte im Gelände keine Probleme damit." Und Karascada M war "fast wie immer gigantisch im Gelände. Sie möchte auf die andere Seite und macht es einem einfach, im Cross gut auszusehen."
Lob des Veterinärs
Der Veranstalter meldete nach dem CIC*** und der nationalen S sowie dem CIC**, dass Pferde und Reiter fast ausnahmslos unbeschadet die Geländeprüfungen überstanden haben. Nur Oliver Weidt habe sich bei einem Sturz den Arm gebrochen, hieß es bei der Pressekonferenz nach dem Gelände. Turnier-Vet Dr. Karl Blobel hatte alle Vierbeiner im Ziel genau untersucht und war voll des Lobes über Kondition und Gesundheitszustand der Pferde. Blobel: "Das spricht auch für die sehr gute Vorbereitung der Pferde."
Großes Lob für Nicola Winkler
Die Chefin der Ground Jury, Anne-Mette Binder, hob ganz besonders die Leistung der Nachwuchsreiterin Nicola Binder hervor, die als letzte Starterin It's Just Tuffy im strömenden Regen "einfach so nach Hause geritten" sei – die junge Amazone ist damit Anwärterin auf den Stilpreis des Events.
Stürze und Verweigerungen
Und noch ein Blick auf das Zwischenergebnis: Die Meisterschaft dürften Ingrid Klimke, Michael Jung und Kai-Steffen Meier unter sich ausmachen. Peter Thomsen war auch mit seinem zweiten Pferd Parko null und schnell (6.). Ohne Hindernisfehler pilotierten Sandra Auffarth (Carlos) und Elmar Lesch (Finch Hatton TSF) ihre Pferd durch das 4070 Meter lange Cross von Hinrich Groth. Julia Mestern machte es den Kollegen zwar mit Hamlett nach, aber mit Erstpferd FRH Schorsch war nach diversen Verweigerungen Ende im Gelände. Je einen Stopp kassierten Andreas Ostholt/Franco Jeas, die ansonsten bestechende Michaela Messerschmidt mit Benson und Anna Junkmann mit Nice Connection.
Außer Dirk Schrade hatten auch die Französin Alexandra Bourreau und Simone Deitermann/Free Easy NRW unsanfte Bodenberührung am Coffin und mussten ausscheiden. Andreas Dibowski und FRH Fantasia fielen bereits bei Element 4. Und Alexa Bendfeldt zog nach zwei Verweigerungen von El Greco TSF den Hut.
Warnecke will nach Burghley
Anna Warnecke trat in Schenefeld nicht mit Twinkle Bee an, sondern se bereitet sich auf den Start beim CCI**** in Burghley am folgenden Wochenende vor. Obwohl die Wahl-Engländerin in der Gruppe der ersten Reservisten rangiert, war wohl schon nach Luhmühlen klar, dass sie sich nicht um ein EM-Ticket bemühen, sondern Burghley anstreben würde. Dies erklärte Bundestrainer Hans Melzer im Gespräch mit buschreiter.de.
Ergebnisse
www.schenefeld-eventing.de/
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