La Biosthetique Sam FBW
Gerangel unter englischen Profis um das Weltpferd
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Wenige Monate vor den Weltreiterspielen und ein gutes halbes Jahr vor dem Ende eines Nutzungsvertrages zwischen der Mehrheits-Eigentümerin und dem Reiter des Busch-Weltpferdes Sam steigt offenbar die Nachfrage nach dem Super-Kracher: Nach Informationen von buschreiter.de ist entweder William Fox-Pitt oder Oliver Townend ernsthaft an dem Pferd interessiert.
Buschreiter.de konfrontierte die 60prozentige Eigentümerin Sabine Kreuter mit der Information, dass es angeblich ein ziemliches Gerangel unter englischen Profis um Sam geben soll. Unter anderem seien Fox-Pitt und Townend über Vermittler an dem Pferd dran. Sabine Kreuter erklärte im buschreiter-Interview wörtlich: "Für einen der beiden Genannten kann ich das ausschließen."
"Eine gewaltige Summe"
Eine interpretationsfähige Aussage: Kann man daraus ableiten, dass entweder Fox-Pitt oder der im Moment verletzungsbedingt pausierende Townend zu den sponsorenbegünstigt sicher zahlungskräftigen Interessenten zählt? Fox-Pitt hat ja mit dem Kauf von Seacookie TSF schon einmal einen tollen Coup gelandet. Sabine Kreuter möchte über Namen nicht sprechen. Und verständlicherweise auch nicht über die Höhe der Angebote, die angeblich auf dem Tisch liegen. Nur so viel: "Eine gewaltige Summe, ich hätte ein paar Sorgen weniger."
Sabine Kreuter bestätigte allerdings Informationen, wonach bisher kein einschlägiges Angebot aus dem Inland für Sam vorliegt. Kein Championats- oder Profi-Kollege aus deutschen Landen möchte Michael Jung dieses Jahrhundertpferd vor der Nase wegkaufen – ganz abgesehen davon, dass die Gruppe der Eventer mit solventem Sponsorenhintergrund ziemlich überschaubar ist. Und auch ganz abgesehen von dem Umstand, dass ein neuer Reiter angesichts der beispiellosen Erfolgsserie von Michael Jung und Sam unter einem großen Erfolgsdruck stünde.
"Nicht ins Blaue"
Die Eigentümerin erklärte unmissverständlich, dass das Pferd "zum Jahresende verkauft" sein werde – nicht jedoch an einen beliebigen Interessenten. Kreuter: "Ich verkaufe nicht ins Blaue, ich will wissen, sehen, anschauen."
In einem Vorbericht auf das Pfingsturnier in Wiesbaden – wo Sam nicht starten wird – äußerte sich Michael Jung zu der spannenden Eigentumsfrage: "Wir versuchen schon seit Jahren, da weiterzukommen", sagte Jung im Interview mit der Online-Ausgabe der "Frankfurter Rundschau". Weiterkommen heiße für Jung: Ein paar Prozente mehr oder das Pferd ganz zu erwerben oder die Vereinbarung zu verlängern - bislang ohne Erfolg. So hofft Jung, dass sich zumindest in dieser Hinsicht bald etwas ändert.
Nie ein ernsthaftes Angebot?
Es gab wohl Gespräche mit dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei bzw. mit der FN in Warendorf zwecks Übernahme der Kreuter-Anteile. Am Rande des Marbacher Turniers war aus unklarer Quelle kolportiert worden, die Eigentümerin habe eine Einigung mit dem DOKR in letzter Minute platzen lassen. Doch Sabine Kreuter widersprach dieser Darstellung im buschreiter-Interview. Sie beklagte sich vielmehr, sie habe vom DOKR "noch nie ein ernsthaftes Angebot" für die Anteile an dem bei der EM in Fontainebleau erfolgreichsten deutschen Pferd, den Luhmühlen- und Weltcup-Sieger erhalten.
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Lesermeinungen
Eine gehörige Portion Naivität
... da sträuben sich die Nackenhaare! Jedes Jahr wieder diese "Geldbotschaften"! Sind wir in Deutschland wirklich nicht fähig, die eigenen Diamanten zu bewahren? Warum werden diese Dinge nicht schon in die richtige Bahn gebracht, wenn das Pferd noch nicht ein "Goldesel" ist? Ich glaube da nicht mehr an Zufall - da steckt auch eine gehörige Portion Naivität im Vorfeld dahinter! Natürlich stehen jetzt die "Dukatensäcke" vor der Tür und nun soll es wieder die "Organisation" retten!
Es wird jetzt großflächig in allen Sportarten so sein, dass deutsche Trainer ausländische Sportler zu Goldmedaillen führen und eben auch die besten deutschen Pferde mit ausländischen Reitern die Goldmedaillen gewinnen werden!
Dreimal könnt Ihr raten, wer der Verlierer ist? Das Problem sitzt viel tiefer - uns ist der Stolz auf unser Land abhanden gekommen, und neben dem Verfall des Geldes erleben wir auch parallel den Verfall unser Werte, die einst ein "von Langen" vorlebte! Wenn ich heute einen Trakehner vor mir sehe, sehe ich auch die Geschichte dieser stolzen und erfolgreichen Pferde vor mir! Dieser unendliche Aderlass wird uns in die Mittelmäßigkeit zurückwerfen - und das nicht nur im Pferdesport!
J. Lindner
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