Buschreiter-Portrait Kai Rüder
Professionell und erfolgsorientiert
VON BERD BERGMANN
Er ist 37 Jahre jung und seit seiner Kindheit im Spring- und Vielseitigkeitssattel zu Hause. Als andere in der C-Jugend Fußball spielten, ritt er schon S- Springen. Und als Gleichaltrige zur Bundeswehr gingen, reiste er als Ersatzreiter mit zu den Olympischen Spielen.
Die abgelaufene Saison war die erfolgreichste seiner bisherigen Laufbahn. Und wenn es nach dem Fehmaraner Vielseitigkeitsreiter Kai Rüder ginge, könnte es bald schon wieder los gehen. „Meine Pferde sind fit.“ Er sprüht vor Elan und brennt vor Ehrgeiz. Und dabei hat man das Gefühl, dass er seinen Leistungshöhepunkt noch lange nicht erreicht hat.
Dressur und Gymnastik
Doch zurzeit ist auf Fehmarn Winterarbeit angesagt. Das gehört zu seinem Trainingsplan, und darauf steht jetzt ausschließlich Dressur und Gymnastik. Kai Rüder ist ein ausgesprochen fleißiger Reiter. Regelmäßige Trainingseinheiten mit Georg-Otto Heyser finden nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter statt. Da werden die Grundlagen für die nächste Saison gelegt. So wie zum Beispiel bei seinem Bronze-Pferd von der WM in Le Lion d’Angers, dem Hannoveraner Saaten-Unions Charlie Weld. „Charlie ging letzte Saison Einsterne-Prüfungen. Dressurmäßig ist er jetzt auf Zweisterne-, wenn nicht sogar schon auf Dreisterne-Niveau.“
Weltcupfinale und Junge-Pferde-WM
Gleiches gilt aber auch für die anderen Top-Pferde aus dem Stall Rüder, wie für den Franzosenhengst Le Prince des Bois, (dieser kam vor zwei Jahren über den Schweizer Eric Attiger in seinen Beritt), der Sechster beim Weltcupfinale und Zweiter bei der Dreisterne-Prüfung in Boekelo war, oder für den Bundeschampion Saaten-Unions Le Carre, oder den Achten bei der WM in Frankreich, Saaten-Unions Carolinus.
Diese Reihe könnte man noch fortsetzen, denn Kai Rüder verfügt über ein gutes halbes Dutzend international erfolgreicher Vielseitigkeitspferde, die fast nie ohne Platzierungen nach Hause kamen und alle in der vergangenen Saison ihre bisherigen persönlichen Bestleistungen erbrachten.
Die Luft internationaler Turniere
Ein Blick zurück in die Jugend: Kai und sein Bruder Hans-Thorben Rüder profitierten von dem frühen Karriereende ihres Vaters, des WM-Teilnehmers von1982, Thomas Rüder. Als dieser sich im Alter von Anfang 30 Jahren schon aus dem großen Sport verabschiedete, gab er seine besten Pferde, das waren der Holsteiner Maniok und der Trakehner Polarkreis, seinen Söhnen. Und die schnupperten schon früh die Luft internationaler Turniere, ritten S-Vielseitigkeiten, als sich andere noch über L-Platzieungen auf ländlichen Turnieren freuten. 1992 – er war gerade 20 – gehörte Kai Rüder mit Lancaster als Reservist schon zum Olympiateam von Barcelona.
"In der eigenen Suppe gut genug"
Olympisch ging es dann weiter nach einer Reihe von Jahren, in denen er fast ausschließlich im Springsattel unterwegs war und internationale Springen gewann bzw. bei Nationenpreisen hoch platziert war, im Jahr 2000 in Sydney. Mit dem Bold Indian xx-Lord-Sohn Butcher gehörte Rüder zwei Jahre später auch zum WM-Team in Jerez. Doch beide Male gelang es nicht, die Geländekurse zu beenden - in Jerez übrigens keinem Deutschen. Warum eigentlich nicht? „Damals war ich einfach nicht auf solche schweren Kurse vorbereitet. Vor Sydney ging Butcher erst eine Saison S.“ Aber so war das damals in der deutschen Vielseitigkeit. „In der eigenen Suppe waren wir gut genug. International aber nicht.“
Exkursion nach England
Was danach kam, ist bekannt. Mit der EM 2003 in Punchestown leiteten die neuen Bundestrainer Hans Melzer und Christopher Bartle die Wende ein. Die deutschen Reiter wurden vermehrt ins Ausland geschickt, um Erfahrungen zu sammeln. Kai Rüder war im vergangenen Jahr für drei Wochen mit vier Pferden im Yorkshire Riding Centre bei Chris Bartle. Und obwohl er in Sachen Organisation und Management schon ein großes Geschick entwickelt hat und nicht selten mit fünf Pferden gleichzeitig zum Turnier fährt, „war es schon interessant zu sehen, wie die Engländer es machen, mit acht und neun Pferden unterwegs zu sein“. Der Fehmaraner verfeinerte in England nicht nur sein Reiten, sondern auch seine Professionalität und sein Management.
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