CIC*** Bonn-Rodderberg: Der Geländetag und Springen
Olympia-Kandidaten in hervorragender Form

Der vorolympische Kader der deutschen Vielseitigkeits-Reiter hat sich bei der letzten Sichtung in Bonn-Rodderberg in einer glänzenden Verfassung präsentiert. Die allermeisten Kandidaten für bis zu sieben Team- und Einzel-Startplätzen in Sydney lieferten am Samstag im Cross ausgezeichnete Leistungen ab (im Bild der beste Longlist-Reiter Kai Rüder mit Kyneally Bay).
Nach dem abschließenden Springen bei der letzten Olympia-Sichtung im Rahmen des CIC*** in Bonn-Rodderberg platzierten sich acht der Long-List-Paare unter den ersten Zehn. Beste Deutsche wurde Inken Johannsen mit Brillante (2.), die allerdings den Sichtungsweg nicht gegangen war. Bester deutscher Olympia-Aspirant war Kai Rüder, der mit Butscher den 3. Platz schaffte. Die Kurz-S-Prüfung ging an die Schwedin Sofia Andler, die sich mit Amaretto einen Fehler leisten konnte, ohne die Goldschleife zu gefährden. Ingrid Klinke blieb im Parcours mit beiden Pferden fehlerfrei und schob sich auf Platz 8 und 10 vor. Ebenfalls mit einer Nullrunde sprang Dr. Annette Wyrwoll mit Equitop Bantry Bay (unten) auf Platz 7 vor und rückt damit in den Kreis der "heissen" Sydney-Kandidaten. Jeweils drei "um" hatten Nele Hageners Little McMuffin und Marina Köhncke mit Sir Toby.

Am Tag nach der Geländeprüfung wurde bei Frank Ostholts Eos doch ein Bluterguss an der Schulter festgestellt. Deshalb verzichtete der Longlist-Reiter auf einen Start beim abschließenden Springen. Ostholt war mit Eos im Cross gestürzt, aber schließlich ins Ziel geritten. An 5. Stelle liegend zog auch die Finnin Pia Pantsu ihren Gimnast aus dem Wettbewerb zurück. Bei Christoph Meiers (SUI) Vonnerst´s Dallywell wurde bei der Verfassungsprüfung eine Lahmheit festgestellt.
Bundestrainer Martin Plewa wollte sich unmittelbar nach dem Gelände nicht entlocken lassen, wer nun aller Voraussicht nach den Ruf ins Quarantäne-Lager nach Kreuth bekommen wird. Nach der Spring-Teilprüfung am Sonntag folgt am Montag eine eingehende tierärztliche Untersuchung der vierbeinigen Eventer. Erst dann sollen die Bewerber für Australien benannt werden. Ohnehin haben die Deutschen Zeit bis zum 21. August, dem endgültigen Nennungsschluss. Spätestens an diesem Tag soll nun abschließend entschieden werden, ob die deutschen Buschreiter neben den vier Mannschafts-Paaren und einem Reserve-Paar sogar noch einen dritten Einzelreiter an den Start bringen können. Dies hängt davon ab, ob eine andere Nation auf einen bereits erworbenen Startplatz verzichtet.
Auf der 4,3 Kilometer langen Geländestrecke des CIC*** blieb kein einziges Paar in der Bestzeit von 7 Minuten 54 Sekunden. Auch die führende Schwedin Sofia Andler verfehlte mit ihrem 8-jährigen Wallach Amaretto die Bestzeit um eine Sekunde. Alle deutschen Olympia-Aspiranten nahmen zum Teil erhebliche Zeitfehler in Kauf. Dr. Annette Wyrwoll nach ihrem routinierten Ritt mit dem 15-jährigen Iren Equitop Bantry Bay: "Ich wollte nicht das Letzte riskieren, sondern vor allem ein gutes Bild abgeben." Auch der zweimalige Deutsche Meister Bodo Battenberg powerte Sam the Man nicht aus, der ja nach seiner Verletzung in Marbach für lange Prüfungen Dispens hatte und in Bonn einen sehr guten Eindruck hinterließ.

Mit Köpfchen ritt auch Altmeister Herbert Blöcker (57) den 11-jährigen Oldenburger Chicoletto (rechts) durchs Cross. Auch er durfte sich in der vorolympischen Saison auf Kurzprüfungen beschränken, bei denen er immer ganz vorne mit dabei war. Blöcker im Hinblick auf seine Olympia-Chancen wie immer etwas einsilbig: "Mal sehen, was rauskommt." Etwas selbstbewußter trat Bettina Overesch auf, die nach dem zweiten Dressurplatz im Gelände mit ihrem long-gelisteten 9-jährigen Wallach Unsung Hero all ihre Routine und ihren Kampfgeist ausspielte. Danach im Interview: "Ich hoffe, dass das Pferd die Selektoren genug beeindruckt hat und es vielleicht für Olympia doch noch eine Chance gibt." Bundestrainer Martin Plewa attestierte der Wahl-Engländerin eine tolle Geländeleistung und deutete an, dass Bettina Overesch durchaus den Sprung ins erweiterte Quarantäne-Team schaffen kann. Aber: "Auch andere Reiter waren sehr gut."
Das Nominierungsgremium hat eigentlich die Qual der Wahl: Auch alle doppelt berittenen und gelisteten Reiter empfahlen sich durch einen souveränen Auftritt im Busch. Dies gilt für Andreas Dibowski, Ingrid Klimke und Marina Köhncke. Weniger defensiv und "bewußt vorwärts" hat der 29-jährige Kai Rüder seine beiden Pferde Butscher und Kyneally Bay (Archivfoto) vorgestellt: "Ich wollte zeigen, dass die Pferde fit sind."
Die Unglücksraben der Olympia-Sichtung waren Marie-Jeanette Steinle, die nach einem Sturz mit Traque le Vent aufgab, und Frank Ostholt, der am Spinnennetz durch unkonzentriertes Reiten ebenfalls zum Boden ging. Er beendete das Cross mit Eos. Ein echtes Comeback feierte am Samstag die vormalige Deutsche Meisterin Inken Johannsen, die mit ihrer Holsteiner Stute Brillante eine begeisternde Geländerunde hinlegte. Schade, dass das Paar den Sichtungsweg nicht gegangen ist und deshalb für Sydney keine Chance mehr hat.
Durch die Bank wurde von Trainern und Reitern die Geländestrecke am Rodderberg gelobt. Nach der Vorjahres-Kritik wegen des zu harten Bodens hatte sich der Veranstalter mächtig angestrengt und mit Sand und Spänen das Geläuf optimal präpariert.
Bericht: Rainer Leymann/Wolf-Dietrich Nahr
Foto: Julia Rau, Wolf-Dietrich Nahr
Ergebnisse:
CIC***: 1. Sofia Andler/Amaretto (SWE) 43.6, 2. Inken Johannsen/Brillante 49.0, Kai Rüder/Butscher 52.8, 4. Marina Köhncke/Longchamps 58.0, 5. Andreas Dibowski/Ginger 60.4, 6. Bettina Overesch/Unsung Hero 60.8, 7. Dr. Annette Wyrwoll/Bantry Bay 62.2, 8. Ingrid Klimke/Windfall 62.4, 9. Andreas Dibowski/Leonas Dancer 64.0, 10. Ingrid Klimke/Sleep Late 64.2, 11. Bodo Battenberg/Sam the Man 64.8, 14. Kai Rüder/Kyneally Bay 68.6, 15. Peter Thomsen/Blauer Vogel 69.4, 17. Dagmar Hüntemann/Formula 71.2, 18. Herbert Blöcker/Chicoletto 71.4, 20. Dr. Kirsten Thomsen 74.6.
Zurück zur Buschreiter-Übersicht© Verlag Nahr, D-93109 Wiesent/Germany, Waffenschmiede 1
E-Mail
verlag-nahr@buschreiter.de