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Kein Blatt vor dem Mund: der österreichische Vielseitigkeits-Senior Harald Riedl (Foto Nahr)

Interview Harald Riedl

"Die Förderung der besten Nachwuchsreiter fehlt total"

In der vergleichsweise kleinen österreichischen Vielseitigkeitsszene ist trotz der erstaunlichen Präsenz der Top-Eventer aus der Alpenrepublik bei internationalen Championaten nicht alles Gold, was glänzt. Einer der erfolgreichsten Vielseitigkeitsreiter, Harald Riedl, hat sich am Rande eine Lehrgangs im bayerischen Pfeffenhausen kritisch über die Zustände geäußert: eine unbefriedigende Nachwuchsförderung, rückläufige Turnierzahlen, wenig Konstanz bei den Trainern. Das buschreiter.de-Interview im Wortlaut und an anderer Stelle eine Entgegnungen von Margit Appelt und der Vielseitigkeitsreferentin Claudia Möller:

2008 ist für die österreichische Vielseitigkeit ein ausgesprochen schwarzes Jahr gewesen: der tödliche Unfall von Franz Graf und der schwere Unfall von Pepo Puch, der bekanntlich für Kroatien startet, aber ja Österreicher ist. Wie hat die österreichische Vielseitigkeitsszene diese traumatischen Ereignisse aufgenommen?

Harald Riedl: Das war für uns ein richtig schwerer Schlag. Franz Graf war ein sehr guter, persönlicher Freund. Er hat viel bei mir trainiert. Das war schon eine harte Sache für uns alle. Für den ländlichen Bereich in erster Linie, weil der Franz Graf immer bei unseren Turnieren dabei war. Auch Pepo Puch ist ein Freund. Er hat bei mir eigentlich zu reiten begonnen und er hat viel bei mir trainiert. Gottseidank geht es ihm wieder einigermaßen gut. Er ist voll motiviert und macht seine Sprüche. Aber es war trotzdem wirklich ein hartes Jahr 2008.

Gibt es ein geschärftes Bewusstsein für Sicherheit? Ist Bewegung in die Szene geraten?

Harald Riedl: Ich glaube schon, dass sich einiges tut in Richtung Sicherheit. Peter Panzenböck ist eine Koryphäe als Arzt. Er engagiert sich irrsinnig für Sicherheit. Er ist von der FEI nominiert für eine Funktion im Bereich Sicherheit. Da tut sich schon einiges in letzter Zeit.

Wie ist denn das Turnierangebot in Österreich im internationalen Bereich und bei den Basis- und Aufbauprüfungen? Ist da ein Aufwärtstrend zu beobachten? Sind Sie zufrieden mit dem Turnierangebot? Oder könnte das noch besser sein.

Harald Riedl: Ich muss sagen, ich bin eigentlich nicht zufrieden. Denn im vergangenen Jahr hatten wir 27 Vielseitigkeitsturniere in Österreich. Heuer haben wir 17.

Wie erklärt sich das?

Harald Riedl: Die Veranstalter sagen zwar, dass der Sport umfangreicher wird, aber das Turnier kostet immer mehr, und das könnnen die sich einfach nicht mehr leisten. Von der Verbandsseite kommt ja in Richtung Turnierveranstalter so gut wie gar nichts. Das müssen die wirklich selbst auf die Reihe bringen. In Richtung Nachwuchs ist schon einiges geboten. Aber wenn man überlegt, dass Österreich heuer nur eine Zwei-Sterne-Prüfung in Feldbach und eine weitere Zwei-Sterne-Prüfung in Laintal hat, dann heißt das: Wir müssen ins Ausland fahren.

Was ist zu tun?

Harald Riedl: Der Verband in Österreich müsste etwas kooperativer sein. Der Verband ist momentan schon ein bisserl schwierig. Seitdem der Horst Karsten leider Gottes nicht mehr bei uns trainiert, geht es nur noch bergab. Der hat wirklich was auf die Reihe gebracht.

...das ist wirklich ein renommierter und ausgewiesener Ausbilder...

Harald Riedl: ...die Österreicher sind zu doof dazu. Die haben das nicht begriffen, welchen Trainer wir bei uns hatten. Nach Horst Karsten war eigentlich niemand richtig zuständig. Das lief alles mit Spezialtrainern. In der Dressur bin ich total happy, dass wir Eugen Schädler aus Rosenheim haben. Der macht das top. Er engagiert sich, er steht zu den Leuten. Viele haben das auch nicht begriffen, dass wir da einen wirklich guten Dressurtrainer haben. Die Mentalität ist in Österreich leider katastrophal.

Bei internationalen Championaten waren ja die Österreicher in den letzten zehn Jahren durchaus gut dabei. Kann man da anschließen? Was wird uns in den nächsten Jahren erwarten?

Harald Riedl: Bei den Nachwuchsreitern kommen jetzt einige nach, die von den Jungen Reitern zu den Senioren übergehen. Das sind sicher zwei, drei Gute dabei, aber wir haben trotzdem nach hinten gesehen bei den unter 18-Jährigen ein Loch, schon Reiter, aber nicht für die Spitze. Da ist niemand so richtig in Aussicht.

Krankt es wirklich an der Nachwuchsförderung in Österreich? In Deutschland gibt es die Perspektivgruppe mit der Ausrichtung auf den Spitzensport.

Harald Riedl: Ganz sicher.

Was muss sich ändern?

Harald Riedl: Ich glaube, dass mehr Geld in die Nachwuchsförderung im Verein geworfen werden muss. Das Ziel muss sein, dass die wirklich Talentierten intensiv gefördert werden. Im unteren Bereich gibt es zwar da und dort einen Zuschuss, aber das ist viel zu wenig. Da kann man niemanden aufbauen. Die Trainerstunden sind einfach teuer. Die fünf, sechs Besten sollten wirklich zusammengefasst und gezielt gefördert werden. Das fehlt in den letzten zwei Jahren total.

Dann wäre es notwendig, dass eine Trainerpersönlichkeit das in die Hand nimmt.

Harald Riedl: Ralf Ehrenbrink soll Bundestainer werden, aber wenn der nur zwei, drei Mal im Jahr bei uns ist: Was soll denn das? Ich glaube nicht, dass das effektiv ist. Ein Kurs und noch ein Kurs. In Kreuth ist er als Betreuer dabei. Es muss jeden Monat oder alle drei Wochen etwas passieren.

Kann man von einer Misere der Vielseitigkeit in Österreich sprechen?

Harald Riedl: Ich glaube, das ist zu scharf formuliert. Es gibt ja international immer wieder die bemerkenswerten Erfolge von Harald Ambros oder Harald Siegl beispielsweise. Misere ist zu scharf gesagt. Aber es scheitert am Management für die Vielseitigkeit und es scheitert am Trainer. Die letzten zwei Jahre waren leider etwas mager.

Es gibt in diesem Jahr Europameisterschaften, im nächsten Jahr Weltreiterspiele. Wird man da Österreicher sehen?

Harald Riedl: Ja, ich glaube schon. Mein Sohn, der Andreas, will sich heuer für Fontainebleau qualifizieren. Auch Harald Ambros, Harald Siegl und Daniel Dunst mit dem neuen Pferd wollen in diese Richtung. Sie wollen schon in Richtung Championat gehen.

INTERVIEW: Wolf-Dietrich Nahr/buschreiter.de

Entgegnung von Margit Appelt

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