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Änderungen des Reglements 2009 Ohne fehlerfreie Kurzprüfung kein Aufstieg Zahlreiche Änderungen erwartet die Teilnehmer, Richter und Parcourschefs von internationalen Vielseitigkeitsprüfungen in der Saison 2009. Das neue Reglement des Weltreiterverbandes (FEI) zielt vor allem darauf ab, den Sport noch sicherer für Pferd und Reiter zu machen (siehe auch untenstehende Standortbestimmung von Friedrich Otto-Erley). Zu den wichtigsten Neuerungen zählt eine weitere Verschärfung der Qualifikationsbedingungen. Künftig müssen Reiter mindestens eine fehlerfreie Kurzprüfung (CIC) vorweisen können, um auf dem nächsthöheren Prüfungsniveau starten zu dürfen. Bisher genügte es, wenn zwei CIC-Geländeritte mit 20 Strafpunkten für Hindernisfehler beendet wurden. Ein Trost für alle, die sich im vergangenen Jahr auf diese Weise qualifiziert haben: Für sie gilt zunächst Bestandsschutz. Mangelnde Kontrolle? Um Unfällen vorzubeugen, kann die Richtergruppe Reiter nach der Teilprüfung Dressur ausschließen, wenn ein Reiter ein schlechtes Dressurergebnis aufgrund mangelnder Kontrolle über sein Pferd erreicht hat und die Richtergruppe dies für möglicherweise gefährlich im Gelände hält. Diese Entscheidung ist nicht mehr zwangsläufig mit einem Dressurergebnis von mehr als 75 Strafpunkten verbunden. Automatische Sperre Die Richtergruppe und der Technische Delegierte dürfen Reiter darüber hinaus auch bei gefährlichem Reiten im Gelände anhalten. Der TD muss zusätzlich eine oder mehrere Personen (TD, Chefsteward, erfahrene Turnierfachleute ohne offizielle Funktion bei der Prüfung) benennen, die – möglichst zu zweit – an der Geländestrecke mit einer Flagge positioniert werden und ebenfalls Reiter aufgrund von gefährlichem Reiten anhalten dürfen. Erhält ein Reiter aufgrund des gleichen Vergehens innerhalb von einem Jahr zwei gelbe Karten, wird er automatisch sofort für zwei Monate gesperrt. Freigabe eines Facharztes Sollte es zu einem Unfall kommen, der eine medizinische Behandlung oder die Aufnahme in ein Krankenhaus nach sich zieht, sieht die FEI ab 1. Juli vor, den betreffenden Reiter so lange zu sperren, bis eine Freigabe eines Facharztes und der jeweiligen FN erfolgt ist. Kontrolle durch Tierarzt Künftig sind Verfassungsprüfungen nicht nur für CCI, sondern auch für CIC vorgeschrieben. Darüber hinaus ist ein Teilnehmer, der während einer CCI-Geländeprüfung ausgeschieden ist, zurückgezogen hat oder wegen gefährlichen Reitens angehalten wurde, dafür verantwortlich, sein Pferd dem Tierarzt im Ziel vorzustellen, ob es fit ist, in den Stall zurückgeführt zu werden. Weitere Änderungen betreffen die Ausrüstung und die Regelung in den Spezialdisziplinen. Achtung: Deutsche Übersetzungen des FEI-Reglements hier bestellen!
Standortbestimmung von Friedrich Otto-Erley Reiter von der Verantwortung abgekoppelt Eines der Schwerpunktthemen der Disziplin Vielseitigkeit war in den vergangenen Jahren die Sicherheit von Reiter und Pferd. Dies hat der Weltreiterverband (FEI) zum Anlass genommen, immer wieder Änderungen am Reglement vorzunehmen. Dazu eine aktuelle Standortbestimmung von Friedrich Otto-Erley, Leiter der Abteilung Turnier- und Spitzensport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und offizieller deutscher FEI-Sicherheitsbeauftragter. Der Experte sieht gewisse Reglement-Entwicklungen mit Sorge: "Wir sollten uns daher auch sehr genau überlegen, ob wir alle die Neuerungen, die jetzt international gelten, eins zu eins auch ins nationale Regelwerk übernehmen." Das FEI-Reglement ist während des vergangenen und in diesem Jahr weiter verschärft worden. Die meisten Neuregelungen hängen mit dem Wunsch zusammen, die Disziplin noch sicherer zu machen. Das ist auch gut so. Die bislang schon ergriffenen Maßnahmen im Geländeaufbau, in der Ausbildung und im Qualifikationssystem von Reiter und Pferd haben bereits deutlich erkennbare Folgen, hin zum Positiven, gebracht. Das haben die jüngsten, im Rahmen der Jahresversammlung der FEI-Sicherheitsbeauftragten in Hartpury/Großbritannien vorgestellten Zahlen gezeigt. Zahl der Stürze geht zurück Danach geht die Zahl der Stürze seit Jahren kontinuierlich zurück. Das betrifft die Stürze insgesamt, aber speziell auch solche mit Pferd und insbesondere auch die Zahl der Stürze mit einem Überschlag. Jeder Sturz ist zwar noch immer einer zuviel, aber insgesamt werden es bei nach wie vor steigenden Prüfungs- und Starterzahlen weniger. Dabei können wir davon ausgehen, dass dies auch auf Deutschland übertragbar ist, weil sich ja ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser internationalen Prüfungen auf deutschem Boden abspielt. Wir wollen jetzt versuchen, Zahlen für die in Deutschland stattfindenden CCI und CIC zu bekommen, um unseren Standort im internationalen Vergleich bestimmen können. Das Gefühl sagt uns, wir stehen da nicht schlecht, sondern eher gut da. Ausschluss und Verwarnung Neben noch strengeren Qualifikationsbedingungen versucht die FEI, die Sicherheit auch durch einen stringenteren Einsatz Gelber und Roter Karten zu verbessern. Beide gab es schon faktisch immer. Neu ist die Unterscheidung zwischen Ausschluss – mit sehr genauen Regelungen, wann eine Richtergruppe gehalten ist, einen Reiter anzuhalten und aus der Prüfung zu nehmen – und Verwarnung, also einer Gelbe Karte, die im Anschluss an einen Ritt oder einen zu ahndenden Vorfall gezeigt wird. Nicht öffentlich kommuniziert Die Gelbe Karte gibt es bei der FEI, seit ich mich erinnern kann. Bisher ist da aber sehr wenig Gebrauch davon gemacht worden. Zumindest wurde sie nicht öffentlich kommuniziert. Mittlerweise wird jeder Verstoß dokumentiert und auf der FEI-Homepage veröffentlicht. Darüber hinaus wird ein Reiter, der zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres eine Gelbe Karte erhält, sofort automatisch für zwei Monate gesperrt. Es muss sich dabei jedoch um den gleichen Verstoß handeln. Die Sperre gibt es nicht, wenn ich mich einmal gegen Offizielle unkorrekt verhalten habe und beim nächsten Mal eine Gelbe Karte für zum Beispiel gefährliches Reiten bekommen habe. Alle werden sensibler Das Kartensystem ist sicher ein gutes Instrument und sorgt – ähnlich wie im Fußball – dafür, dass alle sensibler werden. Die Verantwortlichen müssen aber sorgsam damit umgehen. Wenn ich einen Reiter aus der Prüfung nehme, ist Schluss. Deswegen sind auch viele Richter, die meist selbst aus dem Sport kommen, mit dieser Maßnahme recht vorsichtig. Viele von ihnen ziehen es vor, einen Verstoß direkt mit dem betreffenden Reiter zu besprechen, an seine Selbsterkenntnis zu appellieren und auf diese Weise eine Wiederholung zu vermeiden. Gleichzeitig ist auch zu erkennen, dass die Reiter selbst vernünftiger werden und an Tagen, an denen es offensichtlich mit der Harmonie zwischen Reiter und Pferd nicht so weit her ist, selbst die Konsequenzen ziehen und den Ritt abbrechen. Nicht zu Ende gedacht Einige der Reglementsänderungen sind meines Erachtens aber bisher noch nicht hundertprozentig zu Ende gedacht. So hat sich in Hartpury einmal mehr gezeigt, dass an der Weiterentwicklung im Hindernisbau zwar fleißig geforscht wird, allerdings bislang noch ohne große Erkenntnisse. Die Experten sind sich da auch nicht einig, insbesondere wenn es dann um die Umsetzung entsprechender Regelwerksvorgaben geht. Das FEI-Reglement schreibt vor, dass ein Teilnehmer ausscheidet, wenn einer der seit Jahren schon teilweise verwendeten Sicherheitspins bricht. Ungeklärt ist dabei die Frage, wie es bewertet wird, wenn ein schon „angeknackster“ Pin beim zehnten Dagegenstoßen plötzlich bricht und der Teilnehmer, wie es das Reglement jetzt vorschreibt, ausscheidet. Verantwortungsbewusstsein schärfen Überhaupt sehe ich inzwischen bei einer der Reihe neuer Regeln ein generelles Problem: Viele sorgen eigentlich dafür, dass dem Reiter immer mehr Verantwortung bei der Ausübung seines Sports abgenommen wird. In Deutschland setzen wir eher darauf, das Verantwortungsbewusstsein des Reiters und der Offiziellen zu schärfen. Wir wollen beide besser ausbilden und besser auf die jeweilige Situation vorbereiten, anstatt den Reiter mit Regularien daran zu hindern, „in sein eigenes Unglück zu rennen“. Das ist für mich am Ende nicht zielführend. Wir sollten uns daher auch sehr genau überlegen, ob wir alle die Neuerungen, die jetzt international gelten, eins zu eins auch ins nationale Regelwerk übernehmen. Achtung: Deutsche Übersetzungen des FEI-Reglements hier bestellen! Ihre Meinung zum Thema?/Kontakt
Lesermeinung Stehen düstere Zeiten bevor? Da hat Herr Friedrich Otto-Erley sehr wahre Worte gefunden. Vielseitigkeitsreiten wird immer mit einem Risiko verbunden sein, und das gefällt mir sehr gut so. Wer das nicht möchte oder nicht will, hat sehr viele andere Sportarten zur Verfügung, die nicht so gefährlich sind und nichts mit Pferden zu tun haben. Der Charme dieses Sportes ist gerade das intensive Erleben der Geländestrecke, und wer schon einmal aus einer schweren Geländestrecke wieder heim gekommen ist, weiß um das Gefühl, das man anschließend hat. Ich kann für mich mit Sicherheit entscheiden, dass ich diese Erlebnisse nicht beim Synchronschwimmen haben werde und mir deswegen immer die Vielseitigkeit wählen werde. Wenn jeder Reiter disqualifiziert wird, der im Gelände einen Rumpler hat, stehen uns düstere Tage bevor. Jeder kann doch die Strecke reiten, er muß aber nicht. Nico Schmidt
Wie viele Einschränkungen hält der Sport aus? Da kann man Herrn Schmidt nur recht geben. Wenn man sich diese Änderungen ansieht, weiß man nicht so genau, ob es sich überhaupt noch lohnt loszureiten als Amateur, da man als Amateur schnell mal eine 66ér Dressur reitet, und dann kann man, wenn man Pech hat, schon nicht mehr losreiten dürfen im Gelände laut neuer Reglung. Wenn es so weitergeht, dürfen wir in 2 Jahren wahrscheinlich nicht mal mehr einen Prüfung nennen, ohne vorher bei der FEI um Erlaubnis gefragt zu haben. Es ist wirklich schade, was mit unserem so geliebten Vielseitigkeitssport passiert, und das nur, um ihn "sicherer" zu machen. Man sollte sich fragen: Wie viel Einschränkungen hält der Sport noch aus? Bevor er ganz kaputt geht an den Regeln. Julian Gottschall
Ausschlussmöglichkeiten absolut subjektiv Ich stimme Herrn Otto-Erley zu, wenn er sagt, zu viel Reglementierung schadet der Eigenverantwortlichkeit. Wer es selbst nicht einsieht, wird immer einen Weg suchen, eine Regel zu umgehen, was dann ja die Gefahr birgt, dass eher das Gegenteil erreicht wird. Das Hauptproblem sehe ich aber darin, dass die meisten der neuen (oder verschärft anzuwendenden) Ausschlussmöglichkeiten absolut subjektiv sind, und damit die Ausführenden vor große Probleme stellen. Ich hätte zwei Vorschläge für objektiv meßbare Kriterien: 1. Disqualifikation jedes Rittes, der die Bestzeit um mehr als 1/12 (z.B.) unterschreitet (das sind 30 sec bei 6 min). Dazu sollten die Veranstalter verpflichtet werden, die Minutenpunkte auf der Strecke zu markieren (das Abmessen ist für Teilnehmer in Kurzprüfungen insbesondere mit mehreren Pferden oft zeitlich nicht drin). 2. Eine klare Vorschrift, in welchem Zeitabstand Vielseitigkeitsprüfungen (abhängig vom Niveau) gestartet werden darf. Zur Zeit kann man niemanden daran hindern, z.B. jedes Wochenende zwei komplette Kurzprüfungen zu reiten! Die Überprüfung dieser Regel würde zwar einigen bürokratischen Aufwand erfordern, aber sowas fällt auch meist jemandem auf, und so könnte dann der Start zumindest im Gelände untersagt werden. Diese Vorschläge würden zumindest den Pferden helfen (die nicht mehr im Quali-Ergebnis erlaubte einfache Verweigerung bewirkt das Gegenteil: In einer brenzligen Situation ist neu anreiten oft sicherer als "rüberdrücken um jeden Preis", aber wenn man das Quali-Ergebnis doch unbedingt braucht...) Den eigenen Hals zu riskieren wird allerdings in anderen Sportarten (Motorradfahren) durchaus akzeptiert. Christina Krajewski |
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