Buschreiter.de aktuell: Rangliste 2005
Dibo einsam an der Spitze
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Abgerechnet wird zum Schluss geflügeltes Wort in der Vielseitigkeit: Der Vergleich der Ranglisten 2004 und 2005 lässt keinen Spielraum für Schönrederei und Turnier-Latein. Die Saison-Leistungen der Jockeys spiegeln sich gnadenlos in der Tabelle wider. Nicht überraschend: Die fünf Olympioniken führen erwartungsgemäß die Hitliste an.

Andreas Dibowski (Foto unten, der legendäre Ein-Arm-Ritt in Kreuth nach der Schulterverletzung, Foto Dill), Bettina Hoy, Hinrich Romeike, Frank Ostholt und Ingrid Klinke rangieren in dieser Reihenfolge auf den Plätzen 1 bis 5, was schon wegen der Sichtungs-Anstrengungen vor Athen nicht weiter verwundern muss. Interessantes Detail in der Spitzengruppe: Während Bettina Hoy im Vorjahr das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Andreas Dibowski ganz knapp für sich entscheiden konnte, liegt "Dibo" diesmal mit 32595 Punkten ganz klar vor der Wahl-Engländerin (23310), die durch ihre Starts im britischen Busch-Mekka natürlich bei heimischen Events weniger präsent war. Bester Top-Eventer nach den Athen-Reitern war Peter Thomsen, der mit konstanten Leistungen wiederum Platz 6 vereinnahmte. Dirk Schrade rutschte leicht von Rang 5 auf 8 ab, während Kai Rüder von Platz 11 im vergangenen Jahr an die 7. Stelle hochkletterte. Dafür machte Malte Dohm einige Plätze gut (von 12 auf 9). Deutlich zurückstecken musste Michael Jung, der 2004 noch Rang 3 eingenommen hatte und nun mit 10 vorlieb nehmen muss. Zwei klare Aufsteiger kommen aus dem Profi-Lager: Elmar Lesch (von 21 auf 11, Foto Wolf-Dietrich Nahr) und Hans-Heinrich Held (von 36 auf 12!) verdanken den Punkte-Boom nicht zuletzt den Drei-Sterne-Erfolge mit Herakles und Salino. Auch Simone Deitermann gab ordentlich Gas und kletterte von 26 auf 13, noch vor dem australischen Olympia-Reiter Andrew Hoy, der in der deutschen Rangliste auf dem 14. Platz geführt wird. Unter die Top 20 ist auch Annekatrin Franzky (von 42 auf 16) vorgestoßen.
Der "ländliche" Europameister von 2003, Marc Fiege, verbesserte sich von Rang 33 auf 18. Olympia-Longlist-Reiter Robert Sirch verlor nach der Verletzung von Lionel einige Plätze (von 13 auf 20). Auch für Perspektivgruppen-Mitglied Beeke Kaack lief es nicht optimal: Es hieß mit Platz 29 Abschied aus den Top 10 zu nehmen. Nicole Grimm erklomm dafür Platz 26, nachdem sie im Vorjahr "nur" an 46. Stelle rangiert hatte. Auch Inken Johannsen halbierte ihre Punkteausbeute und fand sich schließlich an Position 30 wieder, nachdem sie 2004 16. gewesen war. Unter den 35 besten deutschen Vielseitigkeitsreitern sind weitere Aktive, die sich in der abgelaufenen Saison mächtig gesteigert haben: Der wahre Aufsteiger des Jahres ist sicher Max von Bredow aus Bayern, der zuvor mit 416 Ranglistenpunkten auf dem 157. Platz getümpelt hatte. 2004 sackte er fast die fünffache Punktezahl ein und stieß auf den 28. Platz vor. Die vormalige Pony-Europameisterin Julia Krajewski katapultierte es von 87 auf 31 und mit der amtierenden Junge-Reiter-Europameisterin Anna Topf ging ebenfalls ein Stern auf (von 86 auf 33). Sieht man einmal vom Top-Lager ab, so lässt sich ein bemerkenswertes Fazit ziehen: Hinter den Championats-Eventern formiert sich eine relativ große Gruppe von Vielseitigkeitsreitern, die in mindestens zwei aufeinander folgenden Saisons konstant gute Leistungen abgeliefert haben und sich ordentlich behaupten konnten; einige jüngere Reiter haben durch eine Serie von bestechenden Leistungen zum Spitzensport in Deutschland aufgeschlossen. Beides zusammengenommen lässt die Prognose zu, dass heimische Aktive auch international weiter auf Medaillenkurs reiten werden.
Ranglistenpunkte im Überblick: 2005 und 2004
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