Buschreiter.de-Special: Olympia-Quarantäne in Kreuth

Letzter Schliff hinter Metallzäunen

"Wir können nichts mehr nachschieben, wenn ein Pferd ausfällt, dann kann es nur aus dem Quarantäne-Bereich kommen." Friedrich-Christoph von Saldern, Mannschaftstierarzt des deutschen Vielseitigkeits-Olympia-Teams, bringt die Regeln im buschreiter.de-Interview auf dem Punkt. Deshalb ist die veterinärmedizinische Untersuchung der vierbeinigen Cracks am kommenden Montag unmittelbar nach der letzten Sichtung in Bonn-Rodderberg so entscheidend. Wer ist nach der Kurz-S nach entsprechender Leistung topfit, um die lange Reise in die Oberpfalz und von dort nach "down under" anzutreten?

Die deutsche Mannschaft hat in Sydney die Startberechtigung für vier Mannschaftsreiter und zwei Einzel-Jockeys. Das Team kann sechs Pferde und einen Reserve-Vierbeiner mit nach Australien nehmen. Den beiden Individualisten steht ebenfalls ein Ross auf der Ersatzbank zu. Ins Trainingslager im Reitsportzentrum Kreuth nördlich von Regensburg und östlich von Nürnberg unweit der Grenze zu Tschechien werden auch noch zwei bis drei zusätzliche Pferde aus dem Pool der Olympia-Kandidaten berufen. Denn: Sollte sich bei einem der Eventer eine Infektion einstellen, dann ist er für die Spiele aus dem Rennen. Dabei haben alle in Frage kommenden Bewerber vorher einschlägige Blutuntersuchungen und das übliche Impfungsprozedere etwa gegen Influenza durchlaufen. "Das Wichtigste ist, dass die Tiere in der Quarantäne-Zeit keinerlei Kontakt mit anderen Pferden haben", so Vet-Chef von Saldern im buschreiter.de-Interview. Wie lässt sich das in einem großen, gut frequentierten Reitsportzentrum sicherstellen?

Quarantäne heisst nicht nur einfach so, sondern das deutsche Team und die verantwortlichen Tierärzte nehmen die Regeln sehr ernst. Der Stalltrakt für die Medaillen-Bewerber ist mit mannshohen Zäunen konsequent von der Außenwelt abgeschirmt. Dies gilt auch für die Dressurplätze und das Springareal, wo die Besten der Besten in den Tagen zwischen dem 9. August und dem 25. August — der Tag des Abfluges von Frankfurt nach Australien — bei Laune gehalten werden. Aber damit nicht genug: Reiter, Trainer, Pfleger, Hufschmied und Tierärzte kommen nur in der Rein-Raum, nachdem sie eine Quarantäne-Schleuse passiert und sich penibel umgekleidet haben. Hysterie? Immerhin schützt sich eine ganzer Kontinent gegen eine ganze Latte von infektiösen Pferdekrankheiten, die in Australien völlig unbekannt sind.



Aber nicht nur Mensch und Tier sind ein tiermedizinisches Sicherheitsrisiko: Alle möglichen Ausrüstungsgegenstände, von der Schabrake über die Abschwitzdecke bis zu den Futtermitteln und sogar medizinischem Gerät müssen vorher im Quarantäne-Bereich gelagert werden — eine kleine logistische Meisterleistung. Und nicht ganz billig: "Ich gehe mal davon aus, dass das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei die Kosten übernimmt", mutmaßt Team-Veterinär von Saldern. "Abgelegen und die ganze Organisation aus einer Hand", umschreibt er die Vorteile des Standortes Kreuth, wo übrigens von der Deutschen Meisterschaft der Junioren und Jungen Reiter noch einige netten Teile in der Landschaft stehen, über die die Cracks bei Bedarf noch etwas gelöst werden können, bevor sie die Koffer packen. Hinzu kommt, dass Kreuth über eine hervorragende Rennbahn verfügt, deren Oval — man traut sich kaum es auszusprechen — in Bundesstraßenbreite mit Reitbahn-Matten eines namhaften Herstellers grundiert ist.

Bericht und Fotos: Wolf-Dietrich Nahr

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Deutsche Olympia-Sichtung
Bonn-Rodderberg

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