Buschreiter.de — aktuell: EM Punchestown/Dressur

Mannschaft steuert auf Olympia-Kurs

VON JULIA RAU UND WOLF-DIETRICH NAHR

Nach zwei Dressurtagen sehen die deutschen Vielseitigkeitsreiter mit einem passablen Zwischenergebnis dem Gelände-Samstag entgegen. Beste Mannschaftsreiterin auf dem Viereck war erwartungsgemäß Bettina Hoy mit Ringwood Cockatoo (Archivfoto Julia Rau) auf Platz 2. Das Team rangiert hinter Europameister Großbritannien, Frankreich und Italien auf Platz 4.

Allerdings drängeln sich die Mannschaften nur mit wenigen Punkten Abstand auf den Plätzen: Von Rang 2 bis Rang 6 sind jeweils nur wenige Zähler zwischen den Equipen. Niemand zweifelt in Punchestown daran, dass das Cross die Wertungen noch einmal kräftig durcheinander schütteln wird: Die 58 Paare erwartet im Gelände ein große Herausforderung, die Experten schon im Vorfeld als Drei Sterne "plus" bezeichnet und als schwerer denn den Vier-Sterne-Klassiker Burghley in der Version 2003 eingestuft haben. Einerseits zeichnet sich der Kurs durch eine äußerst reizvolle Gestaltung mit vielen Hindernis-Zitaten aus der irische Historie aus. Andererseits gilt das Gelände als in jeder Hinsicht anspruchsvoll: Große und mächtige Hoch-Weit-Sprünge wechseln sich mit technischen Aufgaben, Wällen und Wasserkomplexen ab. Dabei müssen Pferd und Reiter einige Höhenmeter überwinden. Ab Sprung 7 gibt es für die Paare keine "Erholungssprünge" mehr: Das Cross fordert ab da bis zum letzten Hindernis volle Konzentration und Kondition. Allerdings sind nicht alle Obstacles bis zum erlaubten Endmaß gebaut, wie Dr. Annette Wyrwoll beim Abgehen des Cross erklärte. Die Bundestrainer Hans Melzer und Christopher Bartle sind nach einigem Stirnrunzeln beim ersten Abgehen optimistisch, dass die Aktiven des deutschen Teams mit dem Gelände gut klarkommen werden. Es gibt zwar zahlreiche Alternativen mit zeitraubenden Chickenways, doch wenn die deutsche Mannschaft die Olympia-Qualifikation schaffen will, dann können die Teamreiter nicht ausschließlich auf Sicherheit reiten. Die Order im Detail werden stark davon abhängen, wie erfolgreich die Wahl-Deutsche Stefanie Thompson — sie geht mit Smart Fellow als erste aus der Startbox — im Cross reüssiert. Sie verfügt über einige Vier-Sterne-Erfahrung, was letztlich ansonsten nur Bettina Hoy von sich sagen kann. Nicht ganz überraschend war Stefanie Thompsons relativ schlechtes Abschneiden in der Dressur: Mit 60.0 Punkten musste sie sich mit dem 45. Platz begnügen. Unter den deutschen Eventern war nur noch Adam Liedermann schlechter, dessen Rainbow panische Angst vor einer "verhüllten" Fernsehkamera hatte, die just an der kurzen Seite zwischen den Richtern platziert war. Rainbow wollte nicht in die Ecke und stieg sogar. 64.0 und Platz 52 ließen das Mannschaftspaar weit abgeschlagen rangieren. Ein ähnliches Schicksal traf Dirk Schrade, der Ecrin Raiselle zwar bestechend vorstellte — bis der Vierbeiner ebenfalls seine ausgesprochene Abneigung gegen die TV-Kamera zum Ausdruck brachte. Der Einzel-Eventer ist vor dem Cross 28. Bettina Hoy hatte Ringwood Cockatoo auf dem Abreiteplatz bestimmt auf seine Aufgabe im Viereck vorbereitet und erntete dafür Platz 2. "Irgendwo bin diesmal froh, dass ich nach der Dressur nicht in Führung liege, das nimmt etwas den Druck von mir", sagte sie. Bei der WM in Jerez und zuletzt in Burghley hatte sie mit Woodsides Ashby die beste Dressur abgeliefert, um dann im Gelände den möglichen Sieg zu vergeben. Bettina Hoy reitet weiter mit einer Knieschiene, die Bänderverletzungen im Knie schützen soll. Diese hatte sie sich bei einem Sturz vor sechs Wochen in Lulworth zugezogen (buschreiter.de berichtete). Über Nacht in Führung liegt Nicolas Touziant, dessen 9-jähriger Galan de Sauvagere mit 29.8 eine Dressur abgeliefert hat, die Beobachter als "überirdisch", "unglaublich" charakterisierten. Touziant war hinterher "sehr, sehr glücklich"über das Resultat des Pferdes, das vor zwei Jahren bei der Junge-Pferde-WM in Le Lion den Titel davongetragen hatte (Archivfoto Julia Rau). Gleichzeitig stimmte er sich auf das Cross ein: "Der Kurs ist wirklich schwer und die Pferde müssen erst einmal vertrauensvoll die Anforderungen an den Wasserkomplexen annehmen — und die Zeit wird sehr ausschlaggebend sein", so der Führende nach der Dressur. Der vierte deutsche Mannschaftsreiter Frank Ostholt brachte es mit Air Jordan auf den 16. Platz. Noch besser hat Einzelreiter Hinrich Romeike abgeschnitten: Der Deutsche Vizmeister liegt mit Marius an 13. Stelle. Weltmeister Jean Teuleure haderte hinterher damit, dass er vielleicht Hobby Du Mee (35.) nicht genügend abgeritten hatte. "Er war noch ausgesprochen frisch." Der Pechvogel des Tages war der französische Einzelreiter Michel Bouquet, der im Sattel von Elegant du Brule offenbar den Faden der Aufgabe völlig verloren hatte: Richter Christoph Hess wies den Eventer drei Mal auf den richtigen Weg auf dem Viereck hin, bevor das Paar schließlich disqualifiziert werden musste. Redaktioneller Hinweis: Fotos von der EM werden voraussichtlich erst am Dienstag nachgeliefert.Punchestown-Website+++buschreiter-Vorschau

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