Buschreiter.de aktuell: Vorschau EM in Punchestown
"Olympiateilnahme gesichert"
VON JULIA RAU (FOTOS) UND WOLF-DIETRICH NAHR
In bester gesundheitlicher und Trainingsverfassung ist am heutigen Montag das deutsche Vielseitigkeitsteam aus dem irischen Vorbereitungslager in die offiziellen Stallungen in Punchestown umgezogen. Unabhängig vom Abschneiden der deutschen Buschreiter beim Championat in Irland ist eine Olympia-Teilnahme in Athen 2004 so gut wie sicher. Buschreiter.de hat die Hintergründe.

Nach einem internen Vet-Check am Montag im Trainingslager in Kilcock, rund 25 Kilometer von Punchestown entfernt, war Bundestrainer Hans Melzer hoch zufrieden. "Alles sieht sehr gut aus, alle sind top getrabt, alle Pferde sind gesund und fit", sagte er im buschreiter-Interview. Die deutschen Eventer und ihre Pferde haben sich seit Donnerstag vergangener Woche in der Nähe des Championatsortes auf ihre Einsatz vorbereitet. Die Reise und den Zwischenstopp bei Nigel Taylor in England haben alle Akteure bestens überstanden. Die Trainer Hans Melzer und Christopher Bartle (Foto) gestalteten die Trainingseinheiten sehr individuell: Dressur- und Springeinheiten standen im Mittelpunkt. Die meisten Paare nutzten die letzte Gelegenheit zu einem abschließenden Galopptraining, bevor die Mannschaft am Montag die kurze Fahrt nach Punchestown antrat. Außer einigen Fotos von Hinderniskomplexen der Geländestrecke haben die Deutschen bisher noch keine Detailinformationen über das Cross. Das Gelände ist von dem irischen Course Designer Tommy Brennan angelegt worden. Er war auch für dem EM-Kurs in Punchestown 1991 verantwortlich gewesen. Brennan: "The direct routes to the fences offer a strong 3 star course but at the same time there will be plenty of alternative longer routes to allow the highest maximum number of national teams to complete the Championships". Frühzeitig hatte Mark Phillips in seiner Eigenschaft als FEI-Course-Inspektor Gelegenheit, die Geländestrecke zu besichtigen. Phillips: "What we all want to achieve is a horse friendly day and from what I saw today Tommy Brennan is doing a great job. His track will be a genuine 3 star level competition and despite being technical, with the majority of fences
requiring careful riding, it also will give the opportunity to the lesser experienced riders to complete the course. For sure competitors have to expect a course full of surprises. At least ten fences of the newly designed course are really surprising!" Wirklich überraschend für Trainer, Aktive und Fans war die Absage Andreas Dibowskis kurz vor der Abreise. "Serve Well hat sich im letzten Training verletzt und wird nicht auf der Europameisterschaft in Punchestown starten können. Das ist ein weiterer Rückschlag für mich in diesem Jahr, von denen ich eigentlich langsam genug habe", so Andreas Dibowski, der bereits seine geplanten Starts in Badminton und Burghley stornieren musste. Nach der letzten Sichtung hatte der DOKR-Vielseitigkeitsausschuss Dirk Schrade mit Ecrin Raiselle (Foto oben) als ersten Reservisten benannt. Der konnte die Irland-Reise schließlich in der vergangenen Woche alles andere als unbeschwert antreten: Am Tag zuvor war sein Top-Pferd Bellaire im heimischen Stall eingegangen. Schrade bekommt nun aller Voraussicht nach eine Chance als
Einzelreiter. Weiterer "Single" ist der Deutsche Vizemeister Hinrich Romeike/Marius. In die Mannschaft rückt dafür der amtierende Deutsche Meister Frank Ostholt mit seinem Championatspferd Air Jordan nach (Foto). Seine Teamkollegen werden sein: Bettina Hoy/Ringwood Cockatoo, Adam Liedermann/Rainbow er stimmte sich zuletzt durch einen Besuch des CCI**** Burghley auf das Championat ein , und die eigens eingebürgerte Deutsch-Engländerin Stephanie Thompson, die Smart Fellow in Burghley nicht an den Start gebracht hatte, um bei der EM in Punchestown antreten zu können. Unerwartet in die Rolle des ersten Reservisten durfte nun Peter Thomsen schlüpfen, dessen Bourdou bereits in der vergangenen Woche die Reise ohne den Reiter angetreten hatte (Foto). Im irischen Trainingscamp hielt kein geringerer als Bundestrainer Christopher Bartle den Vierbeiner in Schuss, bevor Peter Thomsen am Donnerstag dieser Woche wieder in Bourdous Sattel steigen wird. Thomsen ritt am vergangenen Wochenende beim CIC* in Langenhagen und platzierte gleich drei Pferde. Der
Einsatz des Reservepaares ist beim gegenwärtigen Stand allerdings eher unwahrscheinlich. Müssten die beiden in Punchestown nicht zum Einsatz kommen, so bliebe die Option für eine Teilnahme am Weltcup-Finale im Oktober im französischen Pau. Für die deutschen Eventer steht in Punchestown einiges auf dem Spiel: Nach dem Totalausfall bei der WM in Jerez im vergangenen Jahr müssen sich die Vielseitigkeitsreiter erst noch für Olympia 2004 qualifizieren im Prinzip, doch so einfach ist das Thema nicht. Nach den Vorgaben der FEI müssen die Nationen, die das Ticket für Athen erst noch lösen müssen, unter den drei bestplatzierten EM-Teams sein, wobei die bereits qualifizierten Länder England und Frankreich nicht mitzählen. Rangieren sie beispielsweise bei der Mannschafts EM auf den vorderen Plätzen, so würde den Deutschen theoretisch ein 5. Teamplatz ausreichen. Sollte dies wider Erwarten nicht gelingen, so heißt das noch lange nicht, dass es im kommenden Jahr etwa keine Eventer unter Schwarz-Rot-Gold in Athen geben wird. "Die Olympiabeteiligung ist gesichert", sagte Uta Helkenberg von der FN-Pressestelle im buschreiter-Interview bündig. In der FEI-Olympia-Rangliste finden sich zur Zeit nämlich nicht weniger als fünf deutsche Reiter unter den 25 besten Eventern: Bettina Hoy (8.), Andreas Dibowski (13.), Ingrid Klimke (17.), Frank Ostholt (23.) und Peter Thomsen (25.), wobei Dirk Schrade auf Platz 28 von der Spitzengruppe nicht weit entfernt ist. Nach heutigem Stand könnte Deutschland mindestens drei Einzelreiter für Athen benennen. Sollten sich sogar fünf Reiter qualifizieren, so könnte der Weltreiterverband auch beim Scheitern der Teamqualifikation in Punchestown doch noch eine deutsche olympische Mannschaft zulassen. Uta Helkenberg: "Da hat die FEI noch nicht abschließend reagiert, der schönere Weg wäre natürlich die offizielle Qualifikation, dafür kämpfen wir in Punchestown." Man erinnert sich: Vor den Olympischen Spielen in Sydney gab es schon einmal eine Zitterpartie, weil sich die Deutschen dafür bei der Europameisterschaft im eigenen Land in
Luhmühlen qualifizieren mussten. Die Gastgeber wurden damals Vizeeuropameister. In dieser Lage befinden sich übrigens auch die Iren, die die Formalien für Athen 2004 auch erst noch erfüllen müssen. Sie können 12 Reiter an den Start bringen. Insgesamt werden Einzel- und/oder Mannschaftsreiter aus 15 Nationen antreten: Österreich, Belgien, Kroatien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Rumänien, Spanien, Schweiz und Schweden. Wer ist heißer Favorit auf den Einzeltitel? Zweifellos die Engländerin Pippa Funnell (Foto), eine der weltbesten Vielseitigkeitsreiterinnen, die derzeit einen wahren Höhenflug vollführt. Nach 1999 und 2001 könnte die Amazone die Drei mit einem Titelgewinn in Punchestown voll machen. Im Hattrick hat Pippa Funnel bereits Übung: In Burghley buschreiter.de berichtete ausführlich und exklusiv knackte sie den Jackpot und gewann nach Siegen in Lexington, Badminton und eben Burghley den Vielseitigkeits-Grand Slam, den Sponsor Rolex mit satten 250000 US-Dollar (und einer güldenen Damenuhr) dotiert hatte. Beim CCI*** in Blenheim belegte sie am vergangenen Wochenende die Plätze 1 und 3 und dokumentierte ihre glänzende Form. In Punchestown wird sie ihren Titel mit Walk on Star verteidigen. Neben der Silbermedaille fürs Team 1999 in Luhmühlen gab es in der jüngeren Vergangenheit zwei Einzelmedaillen für deutsche Amazonen: 1997 wurde in Burghley Bettina Hoy (damals noch Overesch) Europameisterin mit Watermill Stream; 2001 verpasste Inken Johannsen im Sattel von Brilliante ganz knapp den Titel und wurde Vizeeuropameisterin.Punchestown-Website
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