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Franz Graf/Martin Plewa/buschreiter.de Umstrittenes Zitat und seine Entstehungsgeschichte EIN BERICHT VON WOLF-DIETRICH NAHR Aussage steht gegen Aussage: Die Urheberin des vielfach kritisierten Satzes von Martin Plewa über den tödlich verunglückten österreichischen Vielseitigkeitsreiter Franz Graf, die Chefredakteurin des Reitsport-Magazins St. Georg, Gabriele Pochhammer, bestätigt die Aussage des von ihr interviewten ehemaligen Bundestrainers ausdrücklich schriftlich und mündlich gegenüber der Redaktion von buschreiter.de; Martin Plewa dagegen bestreitet in einer schriftlichen Stellungnahme an buschreiter.de, die zitierte Äußerung getan zu haben. Der Redaktion von buschreiter.de ging am Dienstag im 21.23 Uhr per E-Mail diese schriftliche Stellungnahme Plewas zu, fast eine Woche nachdem in zahlreichen Print- und Internet-Medien – unter anderem in der Ausgabe vom 9. März 2008 der Süddeutschen Zeitung (Seite 32) – die (angebliche) Plewa-Äußerung veröffentlicht worden ist. Plewa räumt in der schriftlichen Stellungnahme an buschreiter.de zwar in Bezug auf das Interview mit Gabriele Pochhammer ein: "Ich stehe auch zu meiner weiteren Aussage, dass ich damals den Eindruck hatte, dass Herr Graf z.T. an Prüfungen teilgenommen hat, denen er nach meiner (und anderer) Einschätzung reiterlich nicht ganz gewachsen schien." Gleichzeitig erklärt der Reitmeister, die in dem Interview gemachten Aussagen entsprächen "nicht dem Wortlaut und der Diktion des angeblichen 'Zitats'". Dieses Dementi des vormaligen Bundestrainers steht im direkten Widerspruch zu der Stellungnahme, die Gabriele Pochhammer in einem Telefongespräch mit buschreiter-Redakteur Wolf-Dietrich Nahr am Dienstag und schließlich auch in schriftlicher Form abgegeben hat. Die Interviewerin schreibt wörtlich an buschreiter.de: "Das Zitat stimmt, wird von Herrn Plewa auch nicht bestritten." Die Reitsport-Journalistin, die seit vielen Jahren nicht nur für St. Georg, sondern regelmäßig auch für die Süddeutsche Zeitung über den Vielseitigkeits-Spitzensport schreibt, erklärt in der Stellungnahme an buschreiter.de auch, warum sie das umstrittene Zitat "ohne erneute Rücksprache mit Herrn Plewa" verwendet hat: Weil sie die Äußerung ihres Interviewpartners "sachlich für gerechtfertigt" gehalten habe. Soweit die Positionen des zitierten Martin Plewa und der interviewenden Journalistin Gabriele Pochhammer. Nunmehr wird die Redaktion von buschreiter.de mit der Kritik konfrontiert, sie habe "nicht recherchiert" und angeblich journalistisch nachlässig bzw. nicht sorgfältig gearbeitet – ein schwerwiegender Vorwurf, der sich gut dazu eignet, vom eigentlichen Thema abzulenken. Diese Kritik wird mit zum Teil gleichlautenden Formulierungen in mehreren Leserbriefen, auf der von einem journalistischen Amateur betriebenen Internetseite www.4eventing.de und auch in der vorliegenden Stellungnahme von Martin Plewa geäußert. Dies ist nicht zutreffend. Es stimmt, dass es vor und nach der Veröffentlichung des Kommentars "Selbstgerecht und überheblich" keinen Kontakt zwischen Martin Plewa und dem Autor zu dem Thema gab. Dies war für die Veröffentlichung des Meinungsartikels, der einzige zu den Äußerungen von Martin Plewa bei buschreiter.de, auch gar nicht erforderlich. Denn die Quellen für das Zitat waren über alle Zweifel erhaben: die bekanntestes und verlässlichste Fachjournalistin im deutschsprachigen Raum, die Süddeutsche Zeitung und der Sport-Informations-Dienst, nicht irgendein dubioser Pressedienst, sondern sid, welcher eine Vielzahl tagesaktueller Medien mit Sportnachrichten beliefert. Deshalb erhebt die Redaktion von buschreiter.de den Anspruch, sorgfältig recherchiert und auf der Basis verlässlicher Informationen kommentiert zu haben. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung gab es keinerlei Anlass, das vielfach berichtete Zitat zu bezweifeln und Herrn Plewa erneut damit zu konfrontieren. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass sich der Interviewte davon distanzieren würde. Für journalistische Laien sei angemerkt: Diese Handlungsweise entspricht völlig professionellen Gepflogenheiten im tagesaktuellen redaktionellen Geschäft. Der Autor stützt sich auf eine knapp 20-jährige Tätigkeit als leitender Redakteur bei Tageszeitungen; außerdem hat er - nebenbei bemerkt - über die Entstehung des bayerischen Pressegesetzes promoviert. Soweit die Darstellung der buschreiter-Redaktion in eigener Sache. Diese möchte sich in keiner Weise dem Vorwurf aussetzen, tendenziell Fakten ausgewählt oder unterschlagen zu haben. Deshalb werden im folgenden die vier Schlüsselquellen in dieser Affäre dokumentiert, und zwar wortwörtlich ohne jede Auslassung: 1.) Artikel der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, 9. April, S. 32. 2.) Die Meldung Nr. 100 des Sport-Informations-Dienstes (sid) vom Mitwoch, 9. April. 3.) Die Stellungnahme von Martin Plewa vom 14. April an buschreiter.de. 4.) Die Stellungnahme von Gabriele Pochhammer vom 14. April. Dokumentation 1.) SZ-Artikel: "Wieder ein Toter bei der Vielseitigkeit. Pferd stürzt auf Reiter. München – Der österreichische Reiter Franz Graf, 61, ist bei einer nationalen Geländeprüfung in Aspang, südlich von Wien, tödlich verunglückt. Am letzten Hindernis der Prüfung auf dem Niveau der Klasse L, einem Tisch auf ebenem Boden, stolperte sein Pferd, überschlug sich und stürzte auf den Reiter. Für den Bauunternehmer aus dem Burgenland kam jede Hilfe zu spät. Graf galt als äußerst schwacher Reiter, der jedoch über hervorragende Pferde verfügte. Bei einer Vielseitigkeitsprüfung im vorigen Jahr war Graf nach einer sehr schlechten Dressur vom frühere Bundestrainer Martin Plewa, der als Richter agierte, aufgefordert worden, nicht im Gelände zu starten; daraufhin verzichtete Graf. Plewa: "So sehr ich den Unfall bedaure und mein Mitgefühl der Familie gilt, so sehr stehe ich auf dem Standpunkt, dass solche Reiter in unserem Sport nichts verloren haben. Sie gefährden sich selbst und schaden dem Ansehen der Vielseitigkeit." In den vergangenen anderthalb Jahren sind mehr als zehn Reiter im Gelände zu Tode gekommen, was in der Internationalen Reiterlichen Vereinigung zu Sicherheitsdebatten geführt hat. Eine Kommission beschäftigt sich seit Monaten mit dem Thema. Sich in kritischen Situationen vom Pferd wegrollen zu können, gilt als Voraussetzung, um das Überschlagen des Pferdes bei einem Sturz heil zu überstehen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung propagiert ein gezieltes Sturztraining: Auch bei jüngeren Reitern ließen Geschmeidigkeit und Gelenkigkeit oft zu wünschen übrig. Gabriele Pochhammer" 2.) sid-Meldung: "Österreichischer Reiter tödlich verunglückt - Wien (sid) Der österreichische Vielseitigkeitsreiter Franz Graf ist bei einer nationalen Geländeprüfung in Aspang bei Wien tödlich verunglückt. Bei dem Unfall am Sonntag überschlug sich das Pferd an einem Hindernis und fiel auf den 62 Jahre alten Bauunternehmer aus dem Burgenland, der seinen schweren inneren Verletzungen erlag. Demnach galt Graf als schwacher Reiter, der aber über hervorragende Pferde verfügte. "So sehr ich den Unfall bedaure und mein Mitgefühl der Familie gilt, so sehr stehe ich auf dem Standpunkt, dass solche Reiter in unserem Sport nichts verloren haben. Sie gefährden sich selbst und schaden dem Ansehen der Vielseitigkeit", sagte der frühere Bundestrainer Martin Plewa der Süddeutschen Zeitung. Plewa hatte als Kampfrichter bei einer Prüfung im vorigen Jahr Graf nach einer schwachen Dressur nicht mehr für den Geländeritt zugelassen." 3. Stellungnahme von Martin Plewa vom 14. April 2008: "Von dem Kommentar von Herrn Nahr habe ich heute Kenntnis erhalten. Die unkritische, nicht recherchierte und daher auch journalistisch nicht seriös aufgearbeitete Wiedergabe eines angeblichen „Zitates“ durch www.buschreiter.de erfordert Klarstellung (die auch durch vorherige Kontaktaufnahme möglich gewesen wäre): Von dem tragischen Unglücksfall von Herrn Graf habe ich einige Tage danach erfahren. Bis heute habe ich keine genaueren Informationen über den Unfallhergang (wann, auf welchem Turnier, in welcher Prüfung, mit welchem Pferd, an welchem Sprung, welche möglichen Ursachen etc.). Daher können von mir gemachte Äußerungen in überhaupt keinen Zusammenhang mit dem Unfall gebracht werden, ist von mir aus auch nie erfolgt! Die an mich telefonisch gerichtete Frage war, ob ich als Richter jemals Herrn Graf auf Grund seiner Dressur- oder Springleistung vom Reiten im Gelände abgehalten habe. Dies ist nach meiner Erinnerung einmal erfolgt; er hat dann auf einen Start im Gelände verzichtet. Dies habe ich so gesagt. Ich stehe auch zu meiner weiteren Aussage, dass ich damals den Eindruck hatte, dass Herr Graf z.T. an Prüfungen teilgenommen hat, denen er nach meiner (und anderer) Einschätzung reiterlich nicht ganz gewachsen schien. Diese von mir gemachten Aussagen stehen in keinem Zusammenhang mit dem Unglück und entsprechen auch nicht dem Wortlaut und der Diktion des angeblichen „Zitats“. Daher entbehren auch alle weitergehenden Interpretationen durch die Redaktion von www.buschreiter.de, ggf. auch die einiger Leser, jeglicher Grundlage. Sie sind höchstens geeignet, mich persönlich zu verunglimpfen. Ich halte es aber für ausgesprochen pietätlos, einen tragischen Unglücksfall hierfür zu missbrauchen. Das Aufbauen dieser Kampagne wird wohl kaum die Überwindung der Trauer bei den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen erleichtern. Diese zusätzliche Belastung hätte www.buschreiter.de durch einfache Nachfrage bei mir vermeiden können. Für Fehler, die ich mache, übernehme ich Verantwortung und entschuldige mich. Auch redliche Kritik akzeptiere ich, aber nie, wenn sie auf Kosten anderer erfolgt. Mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen sollten wir daher diese Debatte schnellstens beenden. Meine besondere Anteilnahme gehört der Lebensgefährtin von Herrn Graf, seinen Kindern, Angehörigen und Freunden." 4. Stellungnahme von Gabriele Pochhammer vom 14. April 2008 (die auf ausdrücklichen Wunsch der Autorin vollständig ohne Kürzungen veröffentlicht wird): "Das Zitat stimmt, wird von Herrn Plewa auch nicht bestritten. Allerdings ist das sid-Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, weil sowohl in der SZ als auch auf unserer hompepage st-georg.de erklärt wurde, wieso diese Äußerung zustande kam. Ich halte sie sachlich für gerechtfertig, nur deswegen habe ich sie – ohne erneute Rücksprache mit Herrn Plewa - verwendet , zumal er ja gleich am Anfang sein Bedauern und sein Mitgefühl ausdrückt. Auch wenn es für die Angehörigen sicher bitter ist zu hören, scheint es mir in der gegenwärtigen Diskussion, die diesen Sport immer wieder an den Rand der Existenzgefährdung bringt, wichtig, klar und offen Probleme anzusprechen. Und ein Reiter, der aufgrund einer sehr schlechten Dressur vom Richter gebeten wird, nicht ins Gelände zu starten, hat sicherlich ein Problem. Das muss man auch so klar sagen dürfen, wenn einem dieser Sport am Herzen liegt. Ich finde es absolut unter die Gürtellinie, in diesem Zusammenhang Martin Plewa, einem weltweit anerkannten Fachmann der Vielseitigkeit und der Reitausbildung, charakterliche Mängel zu unterstellen. Mit solchen Attacken ist niemandem geholfen, nicht der Familie Graf und schon gar nicht dem Vielseitigkeitssport." Ihre Meinung zum Thema? Kontakt zur Redaktion? Links zum Thema:
Neue Leserreaktionen
Der Kommentar des Herrn Nahr "Selbstgerecht und überheblich" macht mich betroffen. Ich habe mich daran gewöhnt, dass die Medien manchmal auch genutzt werden, um persönliche Ansichten im Mantel der Objektivität zu verbreiten, um Schläge auszuteilen oder um zurückzuschlagen. Was hier geboten wird, ist eine neue Dimension journalistischer Subkultur: Ein tragischer Todesfall in einer Disziplin, die um Sicherheit ringt, wird als kaum steigerungsfähiger Resonanzboden genutzt, um erfolgreich Ansichten zu verbreiten, die unschwer eine persönliche Generalabrechnung erkennen lassen. Hier ist auch nicht der Ansatz journalistischer Tugenden wie Wahrheitsfindung, verantwortungsvolle Recherchen etc. erkennbar. Die Ausnutzung eines tragischen Ereignisses zu solchen Zwecken muss uns allen zu denken geben. Hier wird Martin Plewa etwas unterstellt, was Herr Nahr mit seinem Artikel bereits potenziert in die Tat umgesetzt hat. Wer Martin Plewa kennt, der kann ihm viel unterstellen, nur das nicht. Aber das ändert nichts daran, wieder einmal Sargnägel zum Pferdesport in unserer Gesellschaft geliefert zu haben. Dr. Bernd Springorum, ehem. Buschreiter und Busch-Funktionär
Anmerkung der Redaktion: Dr. Springorum war von 1980 bis 1984 Bundestrainer Vielseitigkeit und von 1984 bis 1997 Vorsitzender des Vielseitigkeitsausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Was den Vorwurf der journalistischen Unkultur und verwerklichen Untugend angeht: Angesichts der oben dargelegten Fakten möge sich jeder selbst ein Urteil bilden, ob dieser Vorwurf berechtigt ist. Eine "persönliche Generalabrechnung" liegt schon deshalb nicht vor, weil es - meines Wissens - nichts gibt, was mir den Anlass für eine solche Generalabrechnung mit Herrn Plewa als Person liefern würde. Diese Mutmaßung ist unzutreffend. Es ging mir einzig und allein darum, in einem Meinungsartikel die tiefe Empörung über jenen Satz über einen toten Vielseitigkeitsreiter und die Missachtung der Person des Verunglückten zum Ausdruck zu bringen. Mit dieser Empörung stehe ich wahrlich nicht allein, wie nicht einige, sondern eine Vielzahl schriftlicher (und mündlicher) Äußerungen belegt. Nochmals: Zum Zeitpunkt der Entstehung des Kommentars war überhaupt nicht damit zu rechnen, dass sich der Zitierte von dem aus verlässlicher Quelle überlieferten Satz distanzieren würde. Dr. Wolf-Dietrich Nahr
Das schlimmste ist doch, dass einem Satz, nur weil ihn ein ehemaliger Bundestrainer gesagt hat, mehr Beachtung geschenkt wird, wie dem eigentlichen Bericht über das Unglück. Es ist eine Aufmachung, wie sie sonst von einer grossen, aus Hamburg stammenden überregionalen Tages-Zeitung bevorzugt wird. Wo bleibt die sachliche Auseinandersetzung mit dem Unglücksfall. Es scheint, als wenn man hier gezielt darauf aus ist, diese Angelegenheit bis in die breite Öffentlichkeit zu ziehen, dort wo der Vielseitigkeitssport zur Zeit sowieso schon ein schlechtes Bild abgibt, wegen der Todesfälle des letzten Jahres. Sollte man diese Dinge nicht mit Sachlichkeit, statt mit negativen Emotionen behandeln? Beileid zu empfinden, auch Empörung, wenn man den Verstorbenen kannte, ist schon recht, aber diese Diskussion dient dem Sport im ganzen nicht auf die positive Weise und sollte daher eingestellt werden. Jens Pinkenburg, Adelebsen |
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