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Zum kritischen Kommentar von Andreas Dibowski an den Geländeanforderungen im Rahmen des Bundeswettkampfes in Luhmühlen am Wochenende 28.-30. Juni sind bei www.buschreiter.de folgende Reaktionen eingegangen:
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Hemmschwelle zum Turniersport ist ungleich grösser
Es schreibt Sabine Brandt, Münster:.... traurig eigentlich, dass man die erfolgreiche Nachwuchsförderung im Spring- und Dressursport, um die uns alle Welt beneidet, und deren Nachhaltigkeit eindrucksvoll seit Jahren auf Championaten unterstrichen wird, nicht auch auf den Vielseitigkeitssport umsetzen kann. Aber nur am mangelnden Einsatz von Vollblütern in der deutschen Pferdezucht kann es eigentlich nicht liegen, gerade in Basisprüfungen wäre manch ein ordinärer Warmblüter dankbar (und brauchbar!), seine Qualitäten unter Beweis stellen zu dürfen. Meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit diesem Sport sprechen viel mehr dafür, dass sich zunächst am Konzept etwas ändern muss: In der Regel vom Spring- oder Dressursport kommend, ist es für den Einsteiger so gut wie unmöglich, an regelmässigen Traingseinheiten teilzunehmen, selbst wenn entsprechendes Gelände in erreichbarer Umgebung verfügbar ist. Die Hemmschwelle zum Turniersport ist ungleich grösser als beim Spring- oder Dressurreiten: Zu einer A-Vielseitigkeit gehört doch erheblich viel mehr Erfahrung (und nicht zuletzt Schneid....) als zu einem A-Spingen oder einer A-Dressur, die Einteilung in LK3 und 6 begünstigt fast ausschliesslich die Kids, als Erwachsener hat man so gut wie keine Chance, auf LK6-Niveau einzusteigen, weil spätestens bei den Teilprüfungen Springen/Dressur dann Reiter der LK5 ausgeschlossen sind.Deutschland an sich begründet liegen: Nachdem wir in den letzten 50-100 Jahren die klassische Reiterei geradezu neu erfunden und nebenher die wohl erfolgreichste Pferdezucht der Welt etabliert haben, scheint darüber in Vergessenheit zu geraten, dass gerade die Vielseitigkeitsreiterei doch wohl die dem Naturell des Pferdes nahestehendste der drei olympischen Reitsportdisziplinen ist. Und doch ist es in Deutschland Usus, junge Pferde möglichst auf abgeschlossenen Zirkeln und in ausbruchsicheren Reithallen zu schulen entsprechend wird die Reiterei dem Einsteiger vermittelt. Das ist gewiss in Massen sinnvoll, doch ist es nicht traurig, dass der durchschnittliche deutsche Turnierreiter durchaus bis zur Klasse S erfolgreich sein kann, ohne überhaupt mal einen Wasserdurchritt gesehen zu haben, vom Erklettern eines natürlichen Walles einmal ganz abgesehen? Ist es nicht traurig, dass man unseren Reiternachwuchs zwar lehrt, wieviele Knochen ein Pferd hat, aber einen natürlichen Galopp im Gelände bei steter Anlehnung im gesamten Ausbildungs-und Schulungsprogramm nicht vorsieht?
Muss man sich wirklich wundern, wenn die Reaktionen der Reiterkollegen im eigenen Verein von "Bist du verrückt? Willst du dir die Knochen brechen?" bis "Mensch, dafür ist dein Pferd doch viel zu schade!" reichen, wenn man nur das Üben-wollen von Geländesprüngen erwähnt? Uns Deutschen ist das Selbstverständnis der Geländereiterei einfach abhanden gekommen, hier werden junge Pferde nicht ihrem naturell entsprechend im Pulk mit älteren in freier Natur an den Reiter gewöhnt, genausowenig wird die Reiterei als solche mit diesem Selbstverständnis vermittelt. Wieso kann nicht bereits beim Reiterpass und Reiterabzeichen das Durchreiten von Wasserhindernissen gefordert werden, das Erklettern eines kleinen Walles, das kontrollierte Galoppieren im leichten Sitz auf dem benachbarten Stoppelfeld - in begrenztem Umfang sollte es doch beinahe jedem Verein möglich sein, so etwas zur Verfügung zu stellen erfordert das Anlegen eines guten Platzes nicht sehr viel mehr Aufwand? Hätte man so nicht viel eher die Möglichkeit, bereits frühzeitig allen möglichen Vorurteilen zu begegnen und diese gegebenenfalls in echtes Interesse für diesen Sport zu wandeln? Wie sonst will man diesem Sport in der breiten Öffentlichkeit seine Vorurteile nehmen, wenn schon die Mehrheit der eingeschworenen Reiter mangels Berührungspunkten dem kein Verständnis entgegenbringt? Es ist schon sonderbar, wir sind die grösste Reiternation der Welt und doch ziehen wir es in der Mehrheit vor, den Anforderung einer Cross-Strecke mit einem 100-PS-starken Allradvehikel zu begegnen dabei wäre eine einzelne Pferdestärke völlig ausreichend und viel natürlicher. Solange Geländereiterei in Deutschland nicht die Regel, sondern die Ausnahme ist, werden wir auch in 20 Jahren noch hier sitzen und unsere Defizite beklagen
Herr Dibowski fragt völlig zu Recht: Wie soll sich dieser Sport entwickeln? Ich denke, so nicht.
Sabine Brandt, Münster
Aus Zuneigung zum Sport das Wort ergriffen
Es schreibt Dieter Zippert
: Dieses Forum ist ein guter Start! Es scheint jedoch noch einige Befangenheit zu geben, sich an diesem ersten Forum in der Sache Vielseitigkeit zu beteiligen. Nur Mut, es dient unserem Sport, auch wenn der eine oder andere mit seiner Meinung einmal nicht auf der Seite der Mehrheit steht! In jedem Fall trägt es aber zur gedanklichen Auseinandersetzung mit den kritischen Punkten des Ist-Zustandes im Vielseitigkeitssport bei. Und das, nur das bringt uns vorwärts. Also liebe Buschreiter-Konsumenten, nur Mut, raus mit Ihrer Meinung, alle sind fehlbar, aber alle haben auch ihre Argumente für ihre Meinung, die in der Regel vom Wohlwollen mit diesem herrlichen Sport geformt sind. Bemerkenswert ist die Sachlichkeit, mit der bisher hier diskutiert worden ist. Aus jedem einzelnen Beitrag ist zu entnehmen, dass der jeweilige Autor aus Zuneigung zu diesem Sport das Wort ergriffen hat. Mehr davon! Eine kleine Anmerkung zur Reaktion von Herrn Beck-Broichsitter: Dibos "Klippen" wurden sicherlich im Sinn überinterpretiert. Bitte einmal noch nachlesen. Bitte, alle die noch etwas zu diesem Thema zu sagen haben: Jetzt ran, denn ich denke, das übt schon für den nächsten Diskussions-Punkt!Dieter Zippert
Lust am Vielseitigkeitsreiten genommen
Joachim Sommer schreibt
: Ich muß Andreas Dibowski in seiner Meinung zum Kurs des Bundeswettkampfes in Luhmühlen voll unterstützen. Das Gelände war unschön, eckig und hat Pferd und Reitern die Lust am Vielseitigkeitsreiten genommen. Es mag zwar materialsparend sein, wenn jeder zweite Sprung nur ca. ein Meter breit ist, mit unserem Sport hat dies nichts zu tun. Dass so viele Reiter an den Anforderungen gescheitert sind, kann auch nicht mit der "Kluft zwischen gut und weniger gut" begründet werden, denn es scheiterten auch jede Menge der Spitzen- und Kaderreiter! So kann es jedenfalls nicht weiter gehen!!!!Joachim Sommer
Kurs als positive Herausforderung
Es schreibt Christina Stut: Sehr geehrter Herr Dibowski, liebe Leserinnen und Leser, mit großem Interesse habe ich schon während der Turniertage in Lumühlen die Diskussion um den hohen Prüfungsstandard verfolgt. Nun möchte ich mich als Teilnehmerin und Amateur-Buschreiterin gerne kurz dazu äußern. Aus meiner Sicht fanden wir in Lumühlen ein anspruchsvolles CCI* vor, durch einen fairen Hindernisbau und optimalen Rahmenbedingungen, wie z. B. sehr gute Bodenverhältnisse. Der Kurs stellte Pferde und Reiter vor technische Aufgaben, die man aus schweren Prüfungen kennt; halt nur im "Kleinformat". Und das ist doch genau der richtige Weg, die genannte Kluft zwischen Spitzenreitern und Amateuren abzubauen. Dadurch, dass die Elemente einer schweren Geländeprüfung auch schon auf niedrigstem Niveau abgefragt werden, können Reiter und Pferd spielerisch lernen, mit diesen Aufgaben umzugehen. Und wenn man in vielen kleinen Prüfungen der Klasse E, A und L geübt hat, eine Distanz mit 3 Galoppstrüngen auf gebogener Liene zu reiten, eine schräg versetze Kombination zu meisten oder schmale Sprünge konzentriert und präzise anzureiten, spielen die letzten 5 cm Höhe bei einer solchen Prüfung nur noch eine untergeordnete Rolle. Weiterhin ist allgemein bekannt, dass die * Sterne Prüfung im Rahmen des Bundeswettkampfs ein hohes Niveau haben. Und hier ist dann das Management von Reiter und Pferd gefragt. Ist der Ausbildungsstand so, dass das Paar in einer anspruchsvolle * Stern-Prüfung ein gutes Bild abgeben kann oder nicht? Dies wiederum ist eine Entscheidung, die Reiter, Trainer und die entsendenden Landesverbände treffen müssen. Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, diese Prüfung zu reiten. Für mein Pferd und mich war dieser Kurs eine positive Herausforderung, die wir gut meistern konnten und die mir auch den Schritt, nun mal eine ** Sterne Prüfungen zu reiten, erleichtert hat. Mein Dank gilt ins Besondere dem Veranstalter, der binnen kürzester Zeit, dieses schöne Turnier für uns organisiert hat. Ich und mit Sicherheit die meisten anderen Reiter würden uns sehr freuen, im nächsten Jahr eine ähnliche Prüfung dort reiten zu dürfen. Herzlichen Dank an Heiner Bornemann und sein Team. Christina StutAndreas Dibowski hat recht, wenn er die Feststellung trifft, dass die Kluft zwischen "Profis" und "Amateuren" sinnvoll geschlossen werden muss im Sinne der Gesamtverantwortung, die alle Beteiligten an diesem Sport haben. Vor einem möchte ich jedoch ernsthaft warnen: Keine Orientierung an den Schwächsten das wäre kontraproduktiv für den Geländesport. Im Gegenteil gerade der BW muss dem Schwächeren zeigen , wodran er noch arbeiten muss. Hier sind nicht nur die Trainer (wenn es sie überhaupt gibt) gefragt, sondern insbesondere sollten die Landesverbände adäquate Prüfungen mit entsprechenden Standards anbieten.
Zum Schluss möchte ich noch auf drei Dinge eingehen: 1. Die von Andreas Dibowski empfundene Arroganz und Ignoranz darf natürlich nicht ein gutes Gespräch über die Sachverhalte behindern. Falls in meiner Person dieser Eindruck entsteht, dann evtl. bedingt durch die im Zuge der Prüfungsbegleitung vorhandene Anspannung. Ich will offen sein für konstruktive und objektive Kritik zum richtigen Zeitpunkt. 2. Das Wort "Klippe"gehört - und das möchte ich hier ganz offen sagen dürfen - nicht in den Sprachgebrauch von Menschen, die sich ganzheitlich verantwortlich fühlen für den Vielseitigkeitssport. 3. Ein Lob und eine Anerkennung an den Veranstalter, da er diese Prüfung trotz der DM ausgerichtet hat, hätte dem Turnierbericht eine bessere Grundlage verschafft. So,ich freue mich jetzt auf eine effektive , konstruktive und sportfachliche Aussprache am Ende der Saison !
Burkhard Beck-Broichsitter, Tel. 0171/4857984.Pferde nicht ermutigt
Eckart Siewert schreibt:
Andreas Dibowski hat 100% recht! Normalerweise ist die Eínsterneprüfung der Einstieg für jüngere Pferde in lange Prüfungen. Deshalb gilt hier mehr noch als in höheren Klassen der Grundsatz für den Streckenbau:"Encourage the horses!" Die Luhmühlener Strecke hat eher das Gegenteil erreicht. Außerdem: Das neue Tempo 160m/min für Phase C ist zumindest in diesem Level ein Schwachsinn. Mein Pferd kam mit Puls 40 in der Zwangspause zehn Minuten zu früh an. Da man erst 3 Minuten vor dem Start die D-Box verlassen durfte, war mein Pferd beim Start Phase D praktisch kalt. Ist das pferdefreundlich?Eckart Siewert
Zu wenig in die Basisarbeit investiert
H. Michael Müller schreibt
: Andreas wird aus unser beider beruflichen Zeit in Luhmühlen wissen, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Aber wie er, so mache ich mir seit einigen Jahren sehr große Sorgen über die Entwicklung des Sports. Meiner Auffassung nach wird zu viel in Perspektivgruppen und große Prüfungen investiert und zu wenig in die Basisarbeit. Daher auch die sehr gro?e, von Andreas zu recht erkannte Kluft zwischen den Spitzenreitern und den "Normalos". Perspektivgruppe und Spitzenprüfungen, hier als Reizpunkte herausgestellt, sind fraglos von großer Bedeutung. Beide haben Sinn für die Entwicklung des Sportes, ebenso wie die von Andreas auf seiner Homepage vor einigen Monaten geforderte "Professionalisierung" des Sports. Aber ein Sport hat auch nur dann als "Profisport" eine Daseinsberechtigung, wenn er aus sich selbst heraus tragfähig ist. Wenn z.B. die aus ihm selbst erwachsenden Spitzensportler ihn tragen und von ihm getragen werden.Uns fehlt die gesunde Basis an ausreichenden aktiven Sportlern, es fehlt die Basis an kleinen Prüfungen (E-Niveau), wie wir sie in Dressur und Springen kennen! Selbst der "Heilige Born" Luhmühlen hat in diesem Jahr seit mindestens 8 Jahren zum ersten Mal überhaupt eine E-Prüfung veranstaltet, die alljährliche A-Vielseitigkeit als Saisoneröffnung ist so schwer, daß dort kaum ein echter Anfänger starten kann!
Erst wenn wir es schaffen, wirklich eine ausreichende Zahl an echten Nachwuchsprüfungen anzubieten, und wohlgemerkt für Reiter!!, dann werden wir auch entsprechend viel Human Resource haben, um eine gesunde Struktur in diesen Sport zu bringen. Die zunehmende Professionalisierung und das Ungleichgewicht auch in der Behandlung durch die FN (Was bitte soll die gesamte LPO-Novelle für den Veranstalter und die Reiter tatsächlich bringen abgesehen von logistischen Vereinfachungen für die "Profis") und auch die typisch deutschen Kurse werde unseren Sport zu Tode bringen!!
Andrew Hoy brachte es in der Pressekonferenz in Luhmühlen zwischen den Zeilen auf den Punkt, als er von Bettinas Pferd sagte ".. er will deutsch geritten werden"..
H. Michael Müller, 61381 Friedrichsdorf
Zu Lasten der Pferdebeine
Katharina Kleinwächter schreibt: Herr Dibowski hat recht! Bis 1999 war ich auch, wenn nur im kleinen Rahmen im internationalen Buschgeschäft erfolgreich unterwegs, baue mir jetzt nach einer Babypause wieder zwei junge Blüter auf und habe in der Vergangenheit eine zu starke Technisierung der Strecken beobachtet. Lieber sind mir gut aus dem Tempo zu reitende, klotzige aber faire Sprünge, nicht immer dieses raus aus dem Tempo, wieder zulegen, enge Wendungen, versetzte Sprünge etc. Dies geht doch auch zu Lasten der Pferdebeine und macht schlechte Propaganda!!!
Also back to the roots und vorwärtsreiten!!!
Katharina Kleinwächter
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