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St.Moritz war der Schauplatz des ersten und einzigen olympischen Geländeritts auf Schnee.

buschreiter-Olympia-Special

Wie Geländereiten auf Schnee fast Winterdisziplin geworden wäre

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Dirk Schrade als Langläufer? Andreas Dibowski auf der Abfahrtsstrecke in Schussfahrt? Ingrid Klimke beim Fechten? Michael Jung und Sam auf der Schneepiste? Klingt alles etwas bizarr, hätte aber gut Wirklichkeit werden können – wenn jener Fünfkampf mit "Geländereiten im Schnee" tatsächlich olympische Disziplin geworden wäre. Winter-Pentathlon wurde letztlich nicht olympisch, aber beinahe. Eine Spurensuche von buschreiter.de., die mit Hilfe der Leser fortgesetzt werden soll.

Eine olympische Medaille gab es nicht zu gewinnen für die 14 Athleten, die bei den ersten Winterspielen nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 in St. Moritz in dieser Demonstrationsdisziplin angetreten sind. Wie schon in der Frühzeit der Vielseitigkeit bei Olympia waren die Test-Olympioniken allesamt Militärangehörige, und zwar aus der gastgebenden Schweiz, aus Schweden, Österreich, Großbritannien und Finnland. Deutsche Teilnehmer waren bei dem Versuchslauf in den Schweizer Bergen nicht dabei.

Five-Day-Event

Quasi ein Five-Day-Event war am Rande der olympischen Winterspiele zu bestreiten, jede Disziplin an einem Tag. Ausschließlich Männer gingen erst beim 10-Kilometer-Langlauf an den Start. Dann folgte ein militärgerechtes Pistolenschießen auf einer 25-Meter-Bahn. Vier Mal fünf Schuss mussten auf die Scheibe abgegeben werden. Am Tag 3 dann der alpine Abfahrtslauf und tags darauf das Degenfechten. Den Abschluss bildete der "Geländeritt im Schnee".

Stürze und eine Schussverletzung

Der winterliche Fünfkampf verlief nicht ganz so, wie die Organisatoren es sich erwartet hatten. Beim Abfahrtslauf auf Skiern stürzten drei Teilnehmer so schwer, dass sie bei den folgenden Teildisziplinen nicht mehr an den Start gehen konnten: Der Schwede Claes Egnell, der Finne Victor Platan und der Schweizer J. Vollmeier. Der spätere Pentathlon-"Olympiasieger", der Schwede Gustaf Lindh, traf beim Schießen irrtümlich einen Schweizer Polizisten. Quasi "friendly fire": Lindh gewann trotz des Querschlägers nicht nur das Schießen, sondern den Gesamtwettbewerb. Es ist bisher nicht überliefert, wie schwer sich der Polizist verletzt hat oder ob er seinen Olympiaeinsatz überhaupt überlebt hat.

Im Cross gepatzt

Für zwei Teilnehmer lief es im Gelände nicht wie geplant: Der Österreicher Griessler und der Schweizer Schriber schieden im Schnee-Cross aus, wurden aber laut Reglement mit der Maximalpunktzahl gewertet und blieben am Ende im olympischen Klassement.

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Das ist das bisher einzige überlieferte Foto von den Pentathlon-Wettkämpfen: Ein schwedischer Teilnehmer bei einem Stopp während des Zehn-Kilometer-Langlaufes (Foto: IOC/Olympic Museum collections)

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Ausgerechnet über den Geländeritt ist – so jedenfalls die bisherigen Recherchen von buschreiter.de – so gut wie nichts überliefert. Auch beim Schweizerischen Verband waren keine historischen Details dazu zu erfahren. Es waren auch keine Fotos von der Pferde-Teildisziplin zu beschaffen. Allerdings gibt es eine Ergebnisliste. Aus der geht hervor, dass es kein ganz kurzes Gelände gewesen sein kann: Offenbar gab es eine regelrechte Optimum Time von neun Minuten. Pro Sekunde Zeitüberschreitung wurde ein halber Strafpunkt notiert. Ganz offensichtlich waren auch Hindernisse zu überwinden, denn in Anrechnung kamen auch Hindernisfehler. Immerhin fünf Paare blieben ohne Patzer an den Sprüngen.

Schweden-Power auf dem Treppchen

Die Treppchenplätze machten am Ende drei schwedische Uniformträger unter sich aus: Jener Gustaf Lindh, William Grut und Bertil Haase. Die Rösser tauchen namentlich nirgends auf. Eigene Pferde? Gestellte Vierbeiner? Bisher Fehlanzeige.

"Die Durchführung des ersten militärischen Winter-Fünfkampfes anlässlich der OWS 1948 kann mit Ausnahme der bedauerlicherweise vorgekommenen Unfälle als gelungen angesprochen werden. Hoffen wir, dass alle beitragen helfen, dass inskünftig der Militärische Winter-Fünfkampf nicht nur als Rahmen-Wettkampf im Olympischen Programm für die Winterspiele aufgenommen wird, sondern dass er ebenfalls als Wettkampf in Programm stehen wird." Das schrieb der Olympia-Offizielle Willy Grundbacher im amtlichen Report der St. Moritzer Winterspiele.

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Die Eröffnungszeremonie der Winterspiele in St. Moritz am 30. Januar 1948 (Foto IOC/Olympic Museum collections).

Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht: Weder das Publikum noch die Funktionäre fanden angeblich Gefallen an dem Winter-Fünfkampf der Offiziere. Für die Olympia-Historie ist interessant, dass 1948 auch noch der sogenannte Militärpatrouillenlauf als Test-Disziplin seinen Einstand gab. Während der Winter-Pentathlon nach St. Moritz völlig in der Versenkung verschwand, wurde der Patrouillenlauf in seiner zivilen Variante 1954 vom IOC in Form des Biathlon als Sportart anerkannt.

Achtung, hier beginnt die buschreiter-Schnitzeljagd: Wer hat aus zeitgenössischen Quellen (Zeitungs-, Zeitschriftenberichte, Archive, persönliche Erinnerungen) weitergehende Informationen über den Geländeritt, die Länge, die Art der Hindernisse, die Bodenverhältnisse, die Herkunft der Pferde, die Bedingungen am Geländetag etc.? Gefordert sind hier eventuell die Familien der Teilnehmer oder Sportfans aus der Schweiz.

Gibt es noch Fotos?

Buschreiter.de ist insbesondere an digital per Mail übermittelten Fotos von dem Event interessiert (bitte keine Originale schicken)! Die Redaktion wird dann alle Informationen zu einer kleinen Dokumentation über dieses sporthistorisch einmalige Ereignis zusammenstellen.

Champagner-Preise

Und die Recherchearbeit soll nicht umsonst sein: Die Redaktion von buschreiter.de hält – obwohl eigentlich alkoholfreie Zone - erst einmal drei Flaschen trinkbaren Champagners bereit. Gehen mehr als drei gehaltvolle Einsendungen (bitte nur Infos, die über den Bericht hinausgehen, bitte, bitte keine Wikipedia-Kopien) ein, dann entscheidet das Los oder eine Historikerjury. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Alle Zusendungen bitte an: verlag-nahr@buschreiter.de

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