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Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo auf dem Weg zum Vier-Sterne-Sieg in Pau (Foto: FEI/Kit Houghton)

CCI**** Pau 2008

Tolles Saisonfinale für Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die grüne Saison endete für Bettina Hoy mit einem tollen Vier-Sterne-Erfolg: Mit ihrem durch Verletzung verhinderten Olympiapferd Ringwood Cockatoo gewann sie im französischen Pau die hoch dotierte Vier-Sterne-Prüfung, die wahrscheinlich in dieser Saison mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad aufwartete.

Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo bewiesen, dass sie mit oder ohne Hongkong zur allerersten Wahl in der Weltspitze gehören: Mit einem Start-Ziel-Sieg gab die Wahl-Engländerin der Top-Konkurrenz wie William Fox-Pitt, Mary King, Pippa Funnell, Clayton Fredericks, Andrew Nicholson und last but not least ihrem Mann Andrew Hoy das Nachsehen. Die sensationellen 33.7 Punkte auf dem Viereck gaben dem Paar so viel Polster, dass es sich im CCI****-Cross etwas mehr Zeit lassen konnte als die meisten unter den Top Ten. Ein Abwurf und vier Zeitfehler im Parcours konnten Bettina Hoys Sieg mit Ringwood Cockatoo nicht vereiteln: Europameister Nicholas Touzaint musste sich mit dem Angloaraber Tatchou mit 0.5 Punkten Abstand mit der Rolle des Runners Up begnügen. Bettina Hoy: "ich wusste, wieviel Abstand ich hatte, allerdings wollte ich es eigentlich nicht ganz so knapp ausgehen lassen."

Mit 110 000 Euro dotiert

Mannschaftsolympiasieger Frank Ostholt war mit seinem Hongkong-Pferd Mr. Medicott ebenfalls glänzend aufgelegt. Kleiner Wermutstropfen: Ein Abwurf kosteten das Goldpaar den Sieg – ein relativ teurer Patzer: Das Gewinnerpaar fuhr mit einem Preisgeld von 32 000 Euro nach Hause; Touzaint vereinnahmte 23 000 Euro und Ostholt blieben für Platz 3 immerhin noch 14 000 Euro – plus 5000 Euro für den 7. Platz mit Litte Paint. Der CCI**** war insgesamt mit 110 000 Euro dotiert.

"Technisch extrem anspruchsvoll"

Allerdings hielt die Pau-Siegerin Bettina Hoy im exklusiven buschreiter-Interview mit Kritik nicht hinter den Berg: "Ich habe selten eine Prüfung erlebt, die technisch so extrem anspruchsvoll war." Der Kurs von Pierre Michelet sei kaum mit "normalen" Sprüngen bestückt gewesen, sondern er habe bis auf drei oder vier Hindernisse außergewöhnliche technische Anforderungen mit zahlreichen schmalen Elementen gestellt. "Der Konzentration von Pferd und Reiter wurde wirklich alles abverlangt, ich war im Ziel vom Kopf her sehr müde", sagte Bettina Hoy im buschreiter-Interview. Selbst in Badminton und Burghley sei es möglich, den Absprung mit einem halben Meter Toleranz zu wählen. "Hier musste man wirklich auf den Punkt reiten."

"Nicht weiter in diesem Bereich bewegen"

Einerseits zeigte Bettina Hoy Verständnis für Course Designer Michelet: Angesichts der sehr guten Leistungen vieler Reiter und Pferde sei es nicht einfach, die richtigen Anforderungen im Cross zu stellen. Andererseits signalisierten die vielen Stürze und Verweigerungen auch besonders routinierter Paare, dass man sich "nicht viel weiter in diesem Bereich bewegen darf". Bettina Hoy im buschreiter-Interview: "Die Anforderungen waren noch akzeptabel, aber ich weiß nicht, ob eine Vier-Sterne-Prüfung wirklich so sein muss. Das ist an der Grenze dessen, was technisch abgefragt werden kann. Schließlich muss es noch unser alter Sport bleiben."

Schwerer Sturz

Von 36 Startern waren am Ende 21 in der Wertung. Zwölf Reiter und Pferde wurden im Cross disqualifiziert oder gaben auf. Zwei Pferde wurden bei der letzten Verfassung nicht mehr vorgestellt. Ein Pferd bekam bei der Horse Inspection kein "passed". Überschattet wurde der Event durch einen schweren Sturz von Weltmeisterin Zara Phillips: An Sprung 15 kam das Paar so unglücklich zu Fall, dass Tsunami II eine Halswirbelfraktur erlitt und in der Klinik eingeschläfert werden musste. Die Reiterin zog sich laut Pressemitteilung der deutschen FN einen Schlüsselbeinbruch zu.

Die Vier-Sterne-Prüfung beendeten der Österreicher Harald Siegl mit Nebelwerfer (16.) und der Schweizer Sebastien Poirier/Tarango De Lully CH (18.).

"Ganz normal trainiert"

"Ich habe Cockatoo noch nie so gut gesehen", sagte Bundestrainer Hans Melzer begeistert laut FN-Pressemitteilung. "Ich freue mich sehr für Bettina, die ja in diesem Sommer so großes Pech gehabt hat." Verletzungsbedingt hatte Bettina Hoy auf einen Start bei den Olympischen Spielen in Hongkong verzichten müssen. "Ich würde nicht sagen, das Ringwood Cockatoo jetzt zum Saisonende in besonderer Hochform ist, er ging das ganze Jahr sehr gut. Es kam ja nur die blöde Verletzung in Aachen dazwischen." Nachdem der Schimmel wieder voll einsatzfähig gewesen sei, habe sie ihn "ganz normal trainiert". Ringwood Cockatoo gewann in England eine nationale M und eine S-Prüfung und ging drei Wochen vor Pau eine Kurz-S in Burnham Market. Bettina Hoy: "Wir sind inzwischen wie ein altes Ehepaar, wir wissen genau, was wir voneinander zu erwarten haben und wie wir uns verhalten müssen. Das macht alles sehr viel einfacher und harmonischer."

HSBC-Serie: Platz 3 und 5 für Deutsche

Frank Ostholt sicherte er sich den dritten Platz in der hochdotierten Serie HSBC FEI Classics, für die die Reiter bei den fünf weltweit bedeutendsten Vielseitigkeitsturnieren (Badminton/GBR, Lexington/USA, Luhmühlen, Burghley/GBR und Pau/FRA) punkten konnten und die in Pau zu Ende ging. Der Sieg in der mit 150.000 Dollar dotierten Serie war allerdings dem Luhmühlen- und Burghley-Sieger William Fox-Pitt (Großbritannien) nicht zu nehmen, auch wenn dieser mit Idalgo jetzt nur auf Platz elf landete. Zweiter wurde Nicolas Touzaint. Bettina Hoy rangiert dank ihres aktuellen Sieges auf Platz fünf.

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