Er ist fitte 26 Jahre jung und interessiert sich nicht die Bohne für Titel und Ehrungen, sondern viel mehr für das abendliche Mash mit Malzbier. Trotzdem dürften sein Züchter Jörg Freiherr von Imhoff (Schloss Remlingen bei Würzburg) und sein Besitzer Hans Magers (Wöllriederhof, Rottendorf bei Würzburg) dieser Tage in trauter Eintracht einen guten fränkischen Roten köpfen und auf die höchste Ehrung für Parforce anstoßen, die der weltweit agierende Trakehner Zuchtverband für einen Hengst bereithält. Parforce ist zum Elitehengt ernannt worden.
Als Jörg Freiherr von Imhoff bei einer seiner zahlreichen Irlandreisen für den sprichwörtlichen Appel und das Ei eine fünfjährige ungerittene Vollblutstute mitbrachte, hatte er sicher seine eigene Sportkarriere im Auge. Dass er mit dieser Stute den Grundstein für eine beispiellos erfolgreiche Trakehner Sportpferdezucht legen würde, hat er damals sicher noch nicht geahnt.
Legendärer Auftritt in Achselschwang
Punchestown Lady xx hieß die Stute – und ihr Auftritt unter Jörg von Imhoff bei der großen S-Vielseitigkeit in Achselschwang 1977 ging in die Annalen ein. Der legendäre Trakehner Habicht und die Vollblüterin gehörten zu den gerade mal sechs Pferden, die in dem höllisch schwer aufgebauten Geländekurs ohne Fehler blieben. Während Habicht die Prüfung unter Martin Plewa gewann, machte die irische Stute mit der schnellsten Runde im Cross und einem fehlerfreien Parcours ganze 39 Ränge gut und platzierte sich an 10. Stelle.
Der braune Sohn dieser beiden Buschcracks wurde 1982 geboren. Anlässlich seiner Körung 1984 präsentierte er sich antrittsstark in der Bewegung und mit vermögendem Springen – auf dieser Körung konnten die Kandidaten erstmals, damals noch freiwillig, ihr Springtalent unter Beweis stellen.
Säule der Leistungszucht
Der Vater Habicht stammt vom Angloaraber Burnus, der mit Dr. Reiner Klimke vor dessen Dressurkarriere im Busch internationale Erfolge sammelte. Habicht war und ist eine Säule der Trakehner Leistungszucht in der Nachkriegszeit. Seine Nachkommen sammeln bis heute Erfolge in allen Disziplinen auf internationalem Niveau: Livius v. Habicht und Ann Kursinski (USA) waren in den 80er Jahren hoch-erfolgreich im Springen, Windfall v. Habicht war 2003 laut WBFSH-Weltrangliste der beste Eventer weltweit, um nur zwei herausragende Nachkommen zu nennen.
Die Mutter Punchestown Lady xx verkörpert den so gesuchten Typ des kräftigen, springgewaltigen irischen Blüters, der für exzellente Jagd-, Vielseitigkeits- und Springpferde garantiert. Mit den beiden im internationalen Vielseitigkeitssport erfolgreichen Eltern verfügt Parforce über eine Leistungsabstammung, wie man sie nicht nur in der Trakehner Zucht selten findet. Und Parforce hat die Ansprüche, die man an die Nachkommen solcher Eltern und ihre Vererbung stellt, in jeder Hinsicht erfüllt.
Böckmanns S-Erfolge
Nach einer alles andere als berauschenden HLP begann der Hengst seine Karriere im Springsport zunächst unter Gerhard Westphal auf ländlichen Turnieren in Schleswig-Holstein. Später wechselte er in den Beritt von Gilbert Böckmann, der den Beschäler bis zur Klasse S herausbrachte. Erfolge hat er bis zur Klasse M/A im Scheckbuch.
Bis 1996 stand Parforce im Besitz von Karl Heinz Schulenburg, dann konnte Hans Magers das Juwel erwerben und nach Bayern bringen. Viele Stationen hat der Hengst in seinem Leben schon gesehen, u.a. die Zuchtstätte Trepkau, die Gestüte Birkhausen und Webelsgrund sowie hier in Bayern außer der Station seines Besitzers die erfolgreiche Vielseitigkeitszucht Hörmiller in Kaufbeuren und den Stall Dr. Wyrwoll in Duggendorf. Die Boxentüre allerdings haben ihm die Stutenbesitzer wahrlich nicht eingerannt, und sie tun es auch heute noch nicht.
Vater von vier Elitestuten
Aber seine leider wenigen Nachkommen machen ihrem Vater alle Ehre: Sein Sohn Advent aus einer Lucado-Tochter wurde in Ungarn gekört, unter seinen 26 eingetragenen Töchtern (Trakehner, Bayern und ZfdP) wurden vier staatsprämiert, vier tragen den Titel einer Trakehner Elitestute – das schaffte bislang kein lebender Vererber.
ESt. Ilexa III a.d. Immortelle v. Herzbube stellte mit Italia und Iluna (beide v. Caprimond) die Siegerstuten der zentralen Eintragungen des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein 1998 und 2003 – allein das ein einmaliger Vererbungserfolg. Ilexas Hohenstein-Sohn Incello ist in M-Dressur erfolgreich. ESt. Hippi a.d. Herzblume v. Erzsand brachte zwei Nachkommen mit Erfolgen in Klasse M: Hetty-Hou v. Donaumonarch (Springen) und Heartbreaker v. Ivernel (Dressur). Ihre Töchter Havanna Sunrise v. Preußenprinz und Happyness v. Michelangelo wurden prämiiert. Hippis Vollbruder Hertilas war in M-Springen erfolgreich.
"Busch-Ferrari"
ESt. Banteer TSF a.d. Bachcantate xx v. Pasteur xx war unter Dr. Matthias Baumann in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen auf ***-Niveau sowie in L-Springen erfolgreich (Lebensgewinnsumme 3.305 Euro). Die gern als „Busch-Ferrari“ bezeichnete Stute brachte nach ihrem Abschied aus dem Sport bisher zwei Fohlen.
Banteers Vollschwester, StPrSt, PrSt u. ESt. Bunbury, gewann ihre Stutenleistungsprüfung und war unter Michael Jung ebenfalls in internationalen ***-Vielseitigkeitsprüfungen erfolgreich. Sie war das erfolgreichste Trakehner Buschpferd 2003. Zudem erreichte sie Platzierungen in Dressur und Springen Kl. L – die beachtliche Lebensgewinnsumme von 11.463 Euro spricht für sich, zumal in der Vielseitigkeit nicht die höchsten Gewinnsummen erzielt werden. Vor ihrem Sporteinsatz brachte sie bereits Bargello v. Kanudos xx, der bisher in Vielseitigkeit bis Kl. M erfolgreich ist, nach dem verletzungsbedingten Ende ihrer Sportkarriere brachte Bunbury bisher zwei hochbewertete Fohlen von Sunlight xx und Betel xx.
Mit der Flasche aufgezogen
Die mit der Flasche aufgezogene Sahara VIII a.d. ESt. Susi v. Cesar, eine Halbschwester der überragenden Springhengste Suchard und Sir Graditz, war beste vierjährige Stute der Zentralen Eintragung in Bayern.
Die zahlreichen sporterfolgreichen Nachkommen des Parforce, die er trotz spärlichen Zuchteinsatzes für alle Disziplinen lieferte, dürften nun den endgültigen Ausschlag für seine Ernennung zum Elitehengst gegeben haben. Ganze 77 direkte Nachkommen listet die FN in ihren Statistiken, darunter aber mehr als zwei Drittel mit Platzierungen und ein rundes Dutzend in Klasse M und S!
Doppelveranlagung vererbt
Neben den Vielseitigkeitserfolgen seiner beiden Elitetöchter ist als erstes Phantom TSF a.d. Heimchen III v. Ghazal zu nennen. Der Schimmelwallach war über vier Jahre hinweg das erfolgreichste Trakehner Springpferd Deutschlands und wurde auch in Nationenpreisen eingesetzt. Sein Vollbruder Hurrican ging M-Springen. Besondere Erwähnung verdient Malvino a.d. Malve XIII v. Marlo, der in Dressur und Springen M-Erfolge hatte und auf eine Lebensgewinnsumme von 3.772 Euro kam.
Auch die junge Garde greift schon nach den Sternen! Den 8-jährigen Benjamin a.d. Bird Sister v. EH Consul ritt Anna Junkmann in dieser Saison zu schönen Platzierungen in Zwei- und Drei-Sterne-Events (u.a. Sieg in Sahrendorf). Der 7-jährige, bayerisch gebrannte Prosecco a.d. Windlicht v. Legendär I fand sich unter Elmar Lesch dieses Jahr bei den Zwei-Sterne-Prüfungen in Marbach, Strzegom/PL und Schenefeld stets in den Top Ten und wird Ende des Monats Deutschlands Pferdezucht bei den Weltmeisterschaften der Jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angeres/Frankreich vertreten.
Furore in Großbritannien
Der 5-jährige, ebenfalls bayerisch gebrannte Papillon a.d. Windrose v. Asti Spumante wirbt in Großbritannien unter Polly Jackson für Buschpferde made in Bavaria – er qualifizierte sich für die Nachwuchs-Prüfung anlässlich der legendären Land Rover Burghley Horse Trials und beendete die Prüfung an 16. Stelle von 44 Teilnehmern. Der gleichaltrige Pampas a.d. Santana v. Belmondo qualifizierte sich dieses Jahr unter Franz Hörmiller fürs Bundeschampionat.
Und das sind noch nicht alle! Weinbrandt geht inzwischen unter der Juniorin Sophie Grieger erfolgreich L, Weißer Riese reiht in Großbritannien einen Erfolg in Novice-Prüfungen an den anderen, Williams Birnbaum schickt sich an, unter Rita Mair in die Fußstapfen seines erfolgreichen Halbbruders Winnetou zu treten, Pommeroy vom Gäu verschafft seinen Besitzer Hans Schneider schöne Ersterfolge, die Vollbrüder Edmont und Einstein sind in Geländepferdeprüfungen schon positiv aufgefallen, und, und, und …
Urenkel bei Kai-Steffen Meier
Vier Nachkommen von Parforce-Töchtern sind bisher bis M platziert, Tempico v. EH Michelangelo u.d. Tussi v. Parforce ist S*-platziert. Bereits ein Urenkel ist Kai-Steffen Meiers „Neuer“, der 8-jährige Rappe Tabasco v. Heraldik xx u.d. Titania III v. Heling u.d. Tussi v. Parforce, auf den der erfolgreiche Buschreiter große Stücke hält.
Noch immer sprüht der „große alte Herr“ vor Lebenskraft – auf dem Wöllriederhof jedenfalls ist nicht zu überhören, wer der wahre Chef ist. In erstaunlich schneller Zeit erholte Parforce sich im vergangenen Jahr von einer alles andere als optimal gelaufenen Decksaison und präsentierte sich den Zuschauern im Rahmen eines Trakehner Schauabends beim großen internationalen Turnier in Kreuth schon wieder in bester Verfassung.
In Pedigree, Eigenleistung und Vererbung über jeden Zweifel erhaben – der profilierte Elitestuten- und Sportpferdemacher war sicher nicht der ungeeignetste Kandidat für die Verleihung des Titels „Elitehengst“ durch den Trakehner Verband.
www.trakehner-parforce.de
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