Buschreiter.de — aktuell: Frank Ostholt/Smart-Werbung

"Bis jetzt kommt nichts zurück"

VON WOLF-DIETRICH NAHR

In der Affäre um die "Nulltarif"-Werbung mit einem Foto der Gold-Mannschaft von Athen gibt es noch immer keine Einigung mit dem Autokonzern DaimlerChrysler: Finanzielle Forderungen der deutschen Championatsreiter sind bisher unerfüllt geblieben.

Das ist geschehen: Der DaimlerChrysler-Ableger Smart hatte Anfang Februar in etlichen überregionalen Tageszeitungen und im Handelsblatt sowie in Financial Times Deutschland ganzseitige Anzeigen geschaltet, in denen ein Foto der fünf deutschen Goldmedaillengewinner Frank Ostholt, Ingrid Klimke, Andreas Dibowski, Bettina Hoy und Hinrich Romeike mit Lorbeerkranz und Medaillen im Mittelpunkt stand. Text: "Endlich deutsche Pferdestärken, denen Platz 1 nicht wieder aberkannt wird." Die Smart-Kampagne hat ihre zwei Seiten: Einerseits sind die deutschen Buschreiter ganz offensichtlich zu einem zugkräftigen Werbe- und Imageträger geworden — eine Folge des Athener Medaillenerfolges, der durch die Aberkennung von Doppelgold bekanntermaßen ein gigantisches Medienecho ausgelöst hat. Der Auftritt der Vielseitigkeitsreiter bei Olympia hat nach Einschätzung von Frank Ostholt (Foto Julia Rau) insgesamt eine anhaltende "große Wirkung". "Das Team ist sehr bekannt, jeder weiß, dass es das Vielseitigkeitsreiten gibt", sagte Ostholt im exklusiven buschreiter-Interview in Warendorf. Die Kehrseite der Medaille: Smart, DaimlerChrysler beziehungsweise die beauftragte Werbeagentur haben vorher keine Erlaubnis für die Verwendung des historischen Siegerfotos für Werbezwecke eingeholt, wie Frank Ostholt bestätigte. Andreas Dibowski erfuhr am Tag nach der Veröffentlichung der Anzeigen von der Kampagne eher zufällig. Der Kleinwagen-Produzent hat nun nicht nur Ärger mit dem Internationalen Olympischen Komitee, das nicht ohne weiteres die Verwendung von Fotos einer Siegerehrung zu kommerziellen Zwecken akzeptieren will. Außerdem sind die abgelichtete Eventer inzwischen in Stuttgart vorstellig geworden, offenbar mit dem Ziel, angemessen für den unfreiwilligen Werbeauftritt honoriert zu werden. Ostholt: "Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, aber bis jetzt kommt nichts zurück. Wir wollen keinen Rechtsstreit, aber wir wollen unser Recht. Andernfalls bräuchte niemand mehr einen Sponsorenvertrag abzuschließen."

Olympiareiter Ostholt, seit Oktober Chef des DOKR-Bundesleistungszentrums in Warendorf, hat ganz klare Vorstellungen auf dem Weg zur Europameisterschaft im September im englischen Blenheim: Im Mittelpunkt steht der 10-jährige Air Jordan, der die Championate in Punchestown und Athen nach Aussage des Reiters glänzend weggesteckt hat. Bei L-Springen und L-Dressur in der Halle hat das Pferd jetzt seine Qualität unter Beweis gestellt. Air Jordan hat den CIC** in Bredeneek (16./17. April) und den CIC*** in Marbach (29.4./1.5.) vor sich, bevor er am 13./15. Mai im englischen Chatsworth beim CIC*** andere deutsche Championatspferde treffen wird. Alle EM-Kandidaten haben zwar die Möglichkeit, ihre Qualität für Blenheim individuell unter Beweis zu stellen; allerdings haben die Bundestrainer dem Vernehmen nach den Wunsch geäußert, dass möglichst alle Paare in Chatsworth antreten. Dort zeichnet als Course Designer Michael Etherington-Smith (Foto Julia Rau) verantwortlich, der auch den EM-Kurs in die Landschaft stellen wird. Hinzu kommt, dass Chatsworth auch noch ein ähnliches Geländeprofil wie Blenheim aufweist und ordentlich schwer ist. Frank Ostholt war dort zwei Mal am Start und schwärmt für den Event — allerdings fehlt ihm noch eine Platzierung in der Sammlung. Weitere Stationen für Air Jordan: Schenefeld, der CIC**** in Luhmühlen und Bonn. Insgesamt zehn Pferde stehen in Ostholts DOKR-Stalltrakt, darunter viele Nachwuchsvierbeiner. Drei Pferde, von denen man unter dem Sattel des Olympiareiters noch hören wird: Der 10-jährige argentinische Vollblüter After the Battle, der 9-jährige Obelisk und dier 7-jährige Little Paint, letztjähriger Teilnehmer des Bundeschampionats. Jeweils sechsjährig sind Tom Cruise und der Ire Mr. Medicott. Auf private Rechnung hat Frank Ostholt die Pferdewirtschaftsmeisterin Stephanie Cordugas angestellt, die den Championatsreiter und Chef des Leistungszentrums erheblich entlastet. Sie hat Frank Ostholt schon als Pflegerin nach Athen begleitet. "Sie schmeißt den ganzen Laden, das ist wie ein 6er im Lotto", lobte Ostholt seine Mitarbeiterin.

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