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Frank Ostholt und seine drei Toppferde Mr. Medicott, Little Paint und Air Jordan (Foto Sabine Maurer).

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Porträt Frank Ostholt

Olympischer Erfolg: "Es ist machbar"

Von Sabine Maurer

Das Ziel für 2008 ist klar gesteckt: Olympisches Gold wäre das höchste der Gefühle, schließlich möchte Frank Ostholt „lebenslänglich Olympiasieger bleiben und nicht nur für vier Tage“, wie er in Anspielung auf die verkorksten Spiele in Athen erzählt. Welchen Vierbeiner er – wenn alles gut geht – mit nach Hongkong nehmen wird, ist noch nicht klar. Qualifiziert hat er sich gleich mit drei Pferden, und zwar mit seinem bewährten Air Jordan sowie mit dem neunjährigen Mr. Medicott und dem ein Jahr älteren Little Paint.

Ganz oben auf der Liste stehen die beiden Füchse Air Jordan und Mr. Medicott, Little Paint ist laut seinem Reiter „zwar sehr talentiert, aber vom Interieur her noch nicht gefestigt“. Der aufgeweckte Braune lässt sich gerne noch etwas ablenken und stresst sich dabei natürlich auch selbst. Davon kann bei Air Jordan alias Jojo gar keine Rede sein. Der 13-Jährige kennt seinen Job, ist in allen drei Disziplinen top und sogar auf Dressur- und Springturnieren der Klasse M hoch erfolgreich.

Erst verschlafen, dann hellwach

Seine Klasse ist dem Fuchswallach in seiner Freizeit nicht unbedingt anzusehen. Gerne legt er sich zu einem Nickerchen ins Stroh und lässt sich auch von fremden Besuchern dabei keineswegs stören. Auch wenn er endlich aufgestanden ist, wirkt er immer noch verschlafen. Dieser Eindruck verfliegt jedoch sofort, wenn es ans Arbeiten geht. Dann wird der 13-Jährige hellwach und gibt alles, um seinen Job bestens zu erledigen.

Jojo wird es packen

Was in ihm steckt, hat er in den vergangenen Jahren zu Genüge gezeigt. So siegte das Gespann Ostholt/Jojo in Luhmühlen, wurde mit der Mannschaft Weltmeister und holte sich Platz vier in der WM-Einzelwertung. Herausragender Erfolg in 2007 war der Sieg in Aachen, die beiden galten als Favorit für die Europameisterschaften in Pratoni. Doch dort kam es bekanntermaßen ganz anders als gedacht, Frank Ostholt und sein von hügeligem Gelände sowie tropischen Temperaturen erschöpfter Air Jordan wurden aus dem Rennen genommen. Ein Schock nicht nur für den Reiter, der sich „die allermeisten Gedanken gemacht hat“. Auch in Hongkong wird das Gelände hügelig und das Klima schwierig sein; Frank Ostholt glaubt, dass sein Jojo damit zurecht kommen wird.

Atemlos im Gewächshaus-Klima

Der 32-Jährige war bereits im vergangenen Jahr in Hongkong mit seinem After the Battle an den Start gegangen und hatte die Prüfung gewonnen. „Vor Hongkong habe ich noch gedacht, es wird nicht so schlimm. Aber dann hatte ich doch Probleme“, erinnert er sich. Schon auf dem Flughafen verschlug ihm das Gewächshaus-Klima den Atem. Die Temperaturen lagen bei etwa 30 Grad, und das alles bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent. Dieses Jahr bei den Olympischen Spielen kann es noch heißer werden. Trotzdem ist Frank Ostholt überzeugt: „Es ist machbar.“ Allerdings nur, wenn Reiter und Pferd hundertprozentig fit sind. Für seine eigene Fitness geht der 32-Jährige mehrfach pro Woche joggen, außerdem stehen noch Physiotherapie und Gymnastik auf dem Programm.

Prüfung mit Unterbrechungen

Nicht nur die körperliche Fitness wird in Hongkong entscheidend sein, sondern vermutlich mehr denn je auch die mentale Stärke. Denn Frank Ostholt glaubt nicht daran, dass alle Reiter unter den selben Rahmenbedingungen starten und die Prüfungen ohne Unterbrechungen abgehen werden. So seien zum Beispiel im vergangenen Jahr die Temperaturen innerhalb einer halben Stunde um sieben Grad gestiegen, berichtet er. Mit unvorhergesehenen Pausen hatte sich der Warendorfer bereits bei seinem ersten Aufenthalt in Hongkong letztes Jahr auseinandersetzen müssen. Pünktlich zu seiner Startzeit wollte er mit After the Battle ins Dressurviereck reiten, doch so weit kam er gar nicht. Nun werde erst einmal der Boden bearbeitet, wurde ihm mitgeteilt.

"Als Junge davon geträumt"

Doch trotz aller Widrigkeiten möchte er dieses Jahr unbedingt in Hongkong reiten. „Von Olympischen Spielen habe ich schon als Junge geträumt“, erzählt er. Der Reitsport wurde dem gebürtigen Warendorfer bereits in die Wiege gelegt, er stammt aus einer pferdebegeisterten Familie. Doch die Begeisterung für den Reitsport hielt sich bei ihm zunächst in Grenzen, zu oft wurde er von den Ponys abgeworfen. Sein erstes Turnierpferd bekam er im Alter von zwölf Jahren von seinen Eltern zu Weihnachten geschenkt. Gewünscht hatte er sich eigentlich einen Mofa-Motor, um sich ein Go-Kart bauen zu können. „Aber ein Pferd war natürlich auch nicht schlecht“, erzählt er.

Durchbruch kam 1996

Das schnelle Reiten im Gelände reizte ihn schon damals, seine ersten Schleifen sammelte er allerdings im Parcours und im Dressurviereck. Den vorläufigen Durchbruch in der Vielseitigkeitsszene schaffte er 1996 als Junger Reiter mit einem vierten Platz bei den Deutschen Meisterschaften und einem siebten Rang bei den Europameisterschaften.

Der Beruf ging vor

Doch an diese Erfolge konnte Frank Ostholt zunächst nicht anknüpfen – der Beruf ging vor. Denn nach dem Abitur machte er zunächst eine landwirtschaftliche Lehre, die Reiterei trat in den Hintergrund. Das änderte sich mit Beginn seines Studiums der Agrarwissenschaften. Er holte sich etliche gute Platzierungen in internationalen Prüfungen und schaffte sogar den Sprung auf die Longlist für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney. Doch nach einem Sturz bei der letzten Sichtung, bei dem sich sein damaliges Pferd Eos verletzte, war der Traum von Olympia für ihn zunächst ausgeträumt. Auch vor den nächstem Highlight – den Weltmeisterschaften in Jerez de la Frontera – verhinderte eine Verletzung den sicher geglaubten Einsatz als Mannschaftsreiter.

"Turniere wie Urlaub"

Doch trotzdem holte sich Frank Ostholt im Jahr 2002 noch einen WM-Titel, und zwar bei den Studentenreitern. Diese Zeit bei den reitenden Akademikern hat er immer noch in allerbester Erinnerung. „Diese Turniere waren immer wie Urlaub, und die meisten meiner Freunde kenne ich aus dieser Zeit“, erzählt er. Auch seine Freundin ist mit dem Reitsport eng verbunden, er ist mit der schwedischen Vielseitigkeitsreiterin Sara Algotsson liiert. Die Erfolgsreiterin aus dem Norden, die ebenfalls bei den Top-Events an den Start geht, ist im Januar mit ihren drei Pferden zu ihrem Freund nach Warendorf gezogen. „Sie unterstützt mich sehr“, erzählt er.

Sechs Stunden am Schreibtisch

Zehn Pferde stehen zurzeit bei ihm im Stall auf dem DOKR-Gelände, um sie kümmert sich auch die neue Pflegerin Jessica Rauers. Unterstützt wird der Championatsreiter auch von seinem Arbeitgeber. Denn Frank Ostholt ist der Leiter des Bundesleistungszentrum und verbringt etwa sechs Stunden täglich hinter seinem Schreibtisch. Trainiert wird am Nachmittag, dann reitet Frank Ostholt täglich vier bis fünf Pferde.

"Ganz eigene Type"

Die Vielseitigkeitssaison 2008 wird für seinen Air Jordan mit einer M-Prüfung in Sahrendorf Anfang April beginnen. Youngster Mr. Medicott wird zunächst eine L-Vielseitigkeit gehen und dann im April im französischen Compiegne in einer Zwei-Sterne-Prüfung starten. Den Neunjährigen, der im vergangenen Jahr beim Drei-Sterne-CCI in Boekelo Zweiter wurde, bezeichnet sein Reiter „als ganz eigene Type“. Er sei nicht das auffälligste Pferd, aber ebenso ehrgeizig wie freundlich. Die große Routine von seiner stalleigenen Konkurrenz Air Jordan fehle ihm zwar noch, doch dafür habe er jede Menge „jugendliche Frische“ zu bieten.

 

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Arbeitsplatz eines Olympiareiters: Frank Ostholts Alltag ist nicht nur durch Pferde und Stallmanagement geprägt. Er ist Leiter des Bundesleistungszentrums (Foto Sabine Maurer).