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Buschreiter.de – aktuell: Professionelle Turnierplanung

So klappt alles wie am Schnürchen

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die Organisation eines Vielseitigkeitsturniers – ein Buch mit sieben Siegeln? Manches Vereinsteam schreckt vor dem eigenen Busch-Event aus Angst vor dem organisatorischen Kraftakt zurück. Doch in Warendorf gibt es den geballten Sachverstand und die erklärte Bereitschaft, Veranstalter intensiv zu beraten. Buschreiter.de hat Tipps zusammengestellt (Archivfoto Julia Rau).

Welcher Starttakt sollte gewählt werden? Philine Ganders-Meyer empfiehlt eine Abfolge der Paare von zwei, drei oder vier Minuten, wie sie bei einem vielbeachteten Fachvortrag im Rahmenprogramm des CDV-Balls 2007 in Göttingen erklärte. Die Frequenz der Starter hänge vom Zeitbudget und von der Zahl der Teilnehmer ab. Die FN-Vielseitigkeitsexpertin bezeichnete drei bis vier Pferde gleichzeitig auf der Strecke als ideale Zahl. Fünf Pferde und Reiter gleichzeitig auf einem Kurs können zu organsiatorisch unübersichtlichen Situationen führen. Sie rät dazu, die ersten drei Starter eines Feldes im Vier-Minuten-Takt auf die Geländestrecke zu schicken und dann eventuell auf einen Drei-Minuten-Rhythmus zu verkürzen. „Leertakte bringen wenig“, so Ganders-Meyer. Statt dessen empfiehlt sie eine Zwölf-Minuten-Pause jeweils nach 30 Reitern. (Achtung: Nach Veröffentlichung dieses Beitrages bat die Referentin darum zu ergänzen, dass die ersten drei Starter im doppelten Zeitabstand auf die Strecke geschickt werden sollten. Erst danach solle der Rhythmus erhöht werden. Einen konkreten Zeitabstand gab Philine Ganders-Meyer in einer nachträglichen, buschreiter.de übermittelten Stellungnahme nicht mehr an).

Kein Hexenwerk ist die Einteilung der Sanitätswagen während der Teilprüfung Gelände. Es gilt die einfache und plausible Faustregel: Der Veranstalter benötigt so viele Sanis wie Reiter gleichzeitig im Cross unterwegs sind. Aktive wissen, dass dies oft nicht selbstverständlich ist: Die Rettungsfahrzeuge müssen so abgestellt werden, dass sie schnell und ohne Umwege jeden Punkt der Strecke erreichen können – und dass die Zuordnung der Helfer zu den Hinderniskomplexen vorher unzweifelhaft ist. Der Tip aus Warendorf: Am besten sollten die Sanitätswagen sechs bis sieben Monate vor dem Turnier gebucht werden. Wer sich erst vier bis sechs Wochen vor dem Event um Rettungskräfte bemüht, könnte leer ausgehen. Merke: In der grünen Turniersaison gibt es viele andere Veranstaltungen, bei denen Sanitäter benötigt werden. Wichtiges Detail: Für den Unglücksfall und Einsatz eines eingeteilten Sani muss ein bereitstehenden Rotations-Fahrzeug geordert werden. Weitere organisatorische Ratschläge: Je ein Tierarzt sollte sich im Zielbereich und auf der Strecke aufhalten; es empfiehlt sich der Einsatz von zwei getrennt und eigenständig operierenden Bautrupps, so dass bei kleineren Schäden auf einen Stopp des Feldes verzichtet werden kann; im Zielbereich sollte Wasser zur Verfügung stehen. Dreh- und Angelpunkt einer Vielseitigkeitsprüfung ist ein funktionierendes Funksystem. Dessen Zentrale muss in jedem Fall über optimale Empfangsbedingungen (Standort, Antennen) verfügen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die drahtlose Kommunikations am besten über drei verschiedene Kanäle abgewickelt werden sollte: Ein Kanal sollte der Turnierleitung und dem Organisationskreis einschließlich Chefrichter, TD, dem Beauftragten der Landeskommission, den Richtern auf der Strecke, Tierarzt, Pferdetransporteur, Menschenarzt und Sanitäter vorbehalten sein; der zweite Kanal bleibt für die Akteure an den Hindernissen reserviert; Kanal 3 gehört der Zeitnahme an Start und Ziel sowie der Rechenstelle. Die Funkzentrale sollte möglichst mit zwei bis drei Personen besetzt sein, wobei sich ein Mitarbeiter auf die Protokollierung der Geländeritte konzentriert. In der Turnierpraxis hat es sich bewährt, die Funkgeräte zu beschriften: mit der Kanalangabe, der Funktion und Hindernisnummer und dem entsprechenden Namen.

Philine Ganders-Meyer rät dazu, eine Notfall-Gruppe zu bilden. Der sollten der Turnierleiter, Arzt und Tierarzt sowie Kontaktpersonen im Stall und im Krankenhaus sowie die Öffentlichkeitsarbeiter des Turniers angehören. „Es ist wichtig, dass die Pressesprecher alles wissen und schnell einbezogen werden“, so die Turnier-Expertin. Die Notfallgruppe sollte auch über den Zeitpunkt entscheiden, ab dem die Kommunikation im Ernstfall nicht mehr über Funk, sondern nur noch telefonisch erfolgt – um höchst unwillkommene Gerüchte durch das unkontrollierte Weitersagen von Funkspruch-Fragmenten zu vermeiden. Der Veranstalter sollte sich für die Einweisung und Einteilung der Hindernisrichter viel Zeit nehmen – am besten eineinhalb Stunden für die eigentliche Einweisung und eine weitere Stunde für das Austeilen von Ausrüstung und Unterlagen, also alles in allem zweieinhalb Stunden. Das Briefing sollte aus Gründen der Konzentration nicht auf der freien Strecke oder am Eingang der Reithalle erfolgen, sondern wenn möglich in einem abgeschlossenen Raum. Die Hindernisrichter sollten dann eine halbe Stunde vor Beginn der Prüfung auf der Strecke an Ort und Stelle sein. Eine Funkabfrage soll den Organisatoren frühzeitig die Gewissheit geben, dass alle Hindernisse mit Richtern besetzt sind. Es ist gar nicht abwegig, dass Hindernisrichter mehrere Sprünge gleichzeitig überwachen. „Sie müssen die Chance haben, jeden Reiter zu beurteilen“, sagte Philine Ganders-Meyer. Die Kompetenz der Hindernisrichter geht nicht so weit, dass sie Paare aus dem Rennen nehmen können. Dies ist eine Entscheidung der Jury bzw. der Organisationszentrale. Bei der dritten Verweigerung an einem Hindernis oder bei Sturz des Pferdes ist allerdings der Ritt ohnehin beendet. Die Hindernisrichter sollten im Zweifel den Reiter den Ritt fortsetzen lassen und das Geschehene für eine spätere Entscheidung der Richter protokollieren.

Ein Thema für sich und Gegenstand eingehender Schulung der Hindernisrichter ist der Fall, dass ein Paar auf der Strecke angehalten werden muss, weil woanders im Cross ein Vorfall dies erzwingt. Für diese Situation haben die FN-Veranstaltungsberater genaue Handreichungen parat. Schließlich gibt es in Warendorf vielfältige Organisationsunterlagen. Beispiele: Ablaufplan Geländetag, eine Stückliste für die Ausrüstung der Funktionsträger auf der Strecke, ein detaillierter Leitfaden für Hindernisrichter mit Beispiel-Skizzen für alle Verweigerungseventualitäten, knappe Auszüge aus dem Reglement, eine Übersicht über mögliche Prüfungsarten mit festen Hindernissen, eine allgemeine Checkliste für Buschevents und weitere detailliert Handreichungen. Downloads und weitere Informationen: Philine Ganders-Meyer, PGanders-Meyer@fn-dokr.de

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