Buschreiter-Blitzumfrage: Olympia-Boykott?
Stummer Protest mit der Tibet-Fahne in der Hand
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Drei potenzielle Olympiareiter haben im buschreiter-Interview Boykottmaßnahmen von Sportlern gegen die Spiele in Peking beziehungsweise Hongkong abgelehnt. Doch die Eventer sind keineswegs gewillt, das gewaltsame Vorgehen Chinas gegen Tibet einfach widerspruchslos hinzunehmen. Es gibt Kritik am asiatischen Gastgeberland.
Ingrid Klimke hat am Mittwoch im exklusiven buschreiter-Interview erleichtert auf Stimmen aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) reagiert, wonach auf Boykottmaßnahmen verzichtet werden soll. Die Amazone, die bereits in Sydney und in Athen unter den fünf Ringen geritten ist, hält einen solchen Boykott nicht für den richtigen Weg, weil er einmal "wirkungslos" sein werde und weil er "zu Lasten der Sportler" gehe. Trotzdem hält es Ingrid Klimke für angezeigt, auf die blutige Gewalt Chinas in Tibet auf "stille Art" zu reagieren, etwa durch das Tragen von Armbändern oder sogar von Tibet-Fahnen. Anstelle einer Blockade der Olympischen Spiele durch die Sportler findet sie zum Beispiel wirtschaftlichen Druck auf China sinnvoller. Grundsätzlich sei es von Anfang an fragwürdig gewesen, die Olympischen Spiele überhaupt an China zu vergeben – aus klimatischen Gründen, aber auch wegen der bekannten politischen Vorbehalte. Ingrid Klimke im buschreiter-Interview: "Vor sieben Jahren haben alle gewusst, dass in China weder die Demokratie noch die Menschenrechte geachtet werden."
Anna Warnecke, in England lebende Kaderreiterin, teilt die Ansicht von Ingrid Klimke: Sie findet es schlicht ärgerlich, dass Olymia nach China vergeben worden ist, weil die demokratischen Defizite des Landes längst bekannt gewesen seien. Gleichzeitig bedauert es die Reiterin, die sich ebenfalls für ein Ticket nach Hongkong bewirbt, dass in der Diskussion Politik und Sport nun so stark miteinander verbunden werden – nicht ohne zu betonen, dass sie die Ereignisse in Tibet mit tödlichen Folgen für "tragisch" hält. Mit einem Boykott der Olympischen Spiele würden aber vor allem die Athleten bestraft. "Im Reitsport ist das ja nicht so ausgeprägt, aber für viele Sportler gibt es nur ein einziges Mal die Chance, an Olympischen Spielen teilzunehmen", sagte Anna Warnecke im buschreiter-Interview.
Dirk Schrade würde auch vor allem die Sportler als die Leidtragenden eines Olympia-Boykotts sehen. Die Athleten seien es ja, die sich jahrelang auf dieses Ereignis vorbereitet hätten und durch ein Wegbleiben um die Früchte ihrer Arbeit gebracht würden. Deshalb lehnt Schrade einen solchen "Selbstboykott" ab. Die Erfahrungen der Vergangenheit hätten gezeigt, dass solche Maßnahmen wenig wirkungsvoll gewesen seien und kaum etwas bewirkt hätten. Sicherlich komme den Athleten eine öffentliche "Vorbildfunktion" zu, aber einen "politischen Auftrag" hätten sie keinesfalls. Hier seien sehr viel mehr "Politik und Diplomatie" gefordert, um China die Grenzen aufzuzeigen.
In seiner Sitzung am 2. April 2008 hat das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) auf der Grundlage der „Entschließung für die Teilnahme an den Olympischen Spielen“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vom 24. März 2008 die Stellung des Pferdesports diskutiert. Es unterstützt die Entschließung des DOSB in allen Punkten.
Das Präsidium verurteilt die Verstöße gegen die Menschenrechte durch die Volksrepublik China. Es spricht sich aber klar für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Hongkong aus. Damit zieht es einerseits die Lehren aus der Vergangenheit und bringt andererseits seine Überzeugung zum Ausdruck, dass der Sport seine integrative Kraft wirkungsvoller durch eine Teilnahme an den Olympischen Spielen als durch einen Boykott nutzen kann. Hierzu ist es nach Auffassung des Präsidiums erforderlich, alle Möglichkeiten, die das olympische Reglement zulässt, auszuschöpfen, um die Botschaften des Sports nach China und in die Welt zu tragen.
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