CCI*** Achselschwang:

Hintergrund zur Olympia-Qualifikation

 Bonn und Kreuth die nächsten Stationen

Mit einer Äußerung in der Halböffentlichkeit war Ex-Olympia-Sieger Dr. Matthias Baumann ins Fettnäpfchen getreten: Unter dem Einfluss von "Weissbier und Schnaps" hatte sich der dreimalige Deutsche Meister zu dem saloppen Spruch hinreißen lassen, im Hinblick auf die Olympia-Nominierung sei die letzte Sichtung wohl viel wichtiger als das nationale Championat in Achselschwang. Bei der Promi-Podiumsdiskussion am Freitag ruderte Baumann etwas zurück und bezeichnete das CCI*** in Achselschwang als "ganz wichtige Prüfung". Der maßgebliche leitende Bundestrainer Martin Plewa (Foto) setzte zuvor im "buschreiter.de"-Interview etwas andere Akzente. Die Leistung bei der Deutschen Meisterschaft hat für ihn die "größte Aussagekraft" und ist "entscheidend" für die Auswahl der potenziellen Olympia-Reiter. "Die Kurzprüfungen dienen vor allem zum Aufbau von Pferden und Reitern", sagte Plewa.

Der Bundestrainer bezeichnete es als klare Vorgabe des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses, dass die Deutsche Meisterschaft auf CCI***-Niveau der wichtigste Meilenstein auf dem Weg nach Sydney sein wird. Ausnahmen bestätigen die Regel: So bestand für "wenige Paare" die Möglichkeit, sich in Punchestown oder Saumur zu qualifizieren. Die Sichtungsexperten drängten die Achselschwang-Veranstalter, die bayerische Spitzen-Vielseitigkeit von September auf Juni vorzuziehen, weil, so Bundestrainer Plewa, Achselschwang "am ehesten dem Olympia-Kurs entspricht".

Martin Plewa: "Wenn wir das Gefühl haben, dass es mehr als 15 olympiataugliche Reiter gibt, dann werden wir auch mehr nennen." Wie geht es jetzt weiter?, fragen sich etliche der deutschen Top-Eventer (Foto oben). Die endgültige Nominierung erfolgt nach der Kurzprüfung in Bonn-Rodderberg am ersten August-Wochenende. Unmittelbar danach begeben sich die Olympia-Kandidaten ins oberpfälzer Pferdesportzentrum Kreuth nördlich von Regensburg, wo sie sowohl trainieren werden als auch in strenger Quarantäne. Co-Bundestrainer Horst Karsten geht davon aus, dass acht bis zehn Pferde von Bonn die Reise nach Kreuth antreten werden. Karsten: "Dort sind wir richtig abgeschottet, es darf dann auch kein Pferd mehr reingeholt werden." Der Flug nach Sydney ist dann für den 22. August geplant, wo sich eine weitere dreiwöchige Quarantäne anschließt. Während dieser Zeit können die Pferde allerdings normal gearbeitet werden.

Einen individuellen Sichtungs-Sonderweg gehen Bodo Battenberg mit Sam the Man (Foto Horst Linke) und Altmeister Herbert Blöcker mit Chicoletto. Wie schon vor der Euromameisterschaft 1999 sollte der Motivationsschub ausgenutzt werden, den Battenbergs 12-jähriger irischer Vollblüter erfährt, wenn er über eine Serie von Kurzprüfungen für ein langes Championatsturnier vorbereitet wird. Doch hinter dem Paar steht laut Bundestrainer Martin Plewa nun ein "Fragezeichen": Sam the Man hatte sich Anfang Mai in Marbach verletzt und wird derzeit noch in der Pferdeklinik von Dr. Matthias Baumann behandelt. Konditionell sei der Ire "nicht so schlecht drauf", so Plewa. Aber ihm fehlt jetzt noch das angestrebte Kurzprüfungs-Programm. Der elf-jährige Oldenburger Wallach Chicoletto muss nicht mehr nachweisen, wie gut er in einer Vier-Sterne-Prüfung ist. Die optimierte Abstimmung des Paares unter Turnierbedingungen ist hier das Trainingsziel.

Bericht und Fotos: Wolf-Dietrich Nahr

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