Olympiavorschau: Hongkong 2008
Starke Exoten und viele Altmeister: Harte Konkurrenz wartet auf Deutsche
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Die Eventer sind eingekleidet, die Pferde ausgestattet, die Sportler sitzen vor der Abreise am 26. Juli praktisch schon auf gepackten Koffern. Die olympischen Reiterspiele in Hongkong versetzen Aktive, Offizielle und die riesige Fangemeinde in gespannte Erwartung. Ein Überblick.
"Wir freuen uns, wenn es endlich losgeht und müssen darauf achten, dass wir nicht übermotiviert sind", so der Vielseitigkeitsbundestrainer Hans Melzer am Dienstag am Rande des hermetisch abgeriegelten Quarantäne-Trainingslagers im Bundesleistungszentrum in Warendorf. Dort bereiten sich die Busch-Olympioniken auf das Großereignis, den Höhepunkt von vier Jahren internationaler Vielseitigkeit, vor: Hinrich Romeike und Marius Voigt-Logistik, Frank Ostholt und Mr. Medicott sowie Little Paint, Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas, Peter Thomsen mit The Ghost of Hamish und Andreas Dibowski und Euroridings Butts Leon. Mit dabei sind die Reservisten Beeke Kaack und Sinjang sowie Anna Warnecke und Twinkle Bee. Nach dem Aus für Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo schrieb der unerwarteterweise nachnominierte Andreas Dibowski auf seiner Website: "Ich kann es Bettina Hoy sehr gut nachempfinden, wie sie sich fühlt und deshalb hält sich meine Freude zur Zeit auch noch in Grenzen. Trotzdem. Ich kann jetzt nur hoffen, meinen Teil an einem zu erwartenden Erfolg beitragen zu können und werde alles mir Mögliche dafür tun. Auf nach Hongkong."
Elf Mannschaften und 14 Einzelrreiter
Aus aller Welt auf den Weg nach Hongkong macht sich eine harte Konkurrenz, die zum Teil auf große internationale Championatserfahrung zurückblicken kann: Um olympisches Edelmetall werden insgesamt elf Teams zu maximal je fünf Paaren und insgesamt 14 Einzeleventer kämpfen. Mannschaften bestehen teils aber auch nur aus der minimalen Dreierbesetzung. Tickets für Hongkong haben: Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Italien, Schweden und die USA. Außerdem lösten Irland und Neuseeland über qualifizierte Einzelreiter Mannschaftsfahrkarten. Unter den 14 qualifizierten Einzelreitern sind auch der Österreicher Harald Ambros (Quick), der Anglo-Chinese Alex Hua Tian und der bei Andrew und Bettina Hoy trainierende Japaner Yoshiaki Oiwa – nur auf den ersten Blick Exoten, denn alle drei Vielseitigkeitsreiter sind auf Drei- und auch auf Vier-Sterne-Niveau mit allen Wassern gewaschen.
Andrew Hoy muss zuschauen
Einer ist diesmal auf die Zuschauertribüne verbannt: Nach sechs Olympischen Spielen muss Andrew Hoy nun beim siebten Mal fünf Konkurrenzpaaren aus Australien den Vortritt lassen: dem Ehepaar Clayton und Lucinda Fredericks (Ben Along Time und Headley Britannia), Sonja Johnson (Ringwould Jaguar), Megan Jones (Kirby Park Irish Jester) und Shane Rose (All Luck).
Mary King und William Fox-Pitt dabei
Großbritannien bietet ebenfalls ein äußerst erfahrenes Team auf, in dem die 30-Jährige Sharon Hunt (Tankers Town) das "Nesthäkchen" ist. Mit in der Mannschaft kämpfen um olympisches Edelmetall: Kristina Cook (Miners Frolic), Daisy Dick (Spring Along), William Fox-Pitt (Parkmore Ed) und last but not least Mary King mit dem 16-jährigen Call Again Cavalier.
Die letzten Informationen über die US-Mannschaft besagten, dass folgende Paare in Honkong in den Ring steigen sollen: Phillip Dutton (Connaught), Becky Holder (Courageous Comet), Gina Miles (Mc Kinlaigh), Ami Tryon (Poggio) und Heidi White (Nothern Spy). Die US-amerikanischen Paare werden am 30. Juli von England aus die Reise nach Hongkong antreten.
Die kanadischen Farben werden bei Olympia vertreten: Kyle Carter (Madison Park), Sandra Donelly (Buenos Aires), Selena O'Hanlon (Colombo), Samantha Taylor (Livewire) und Michael Winter (King Pin).
Nach acht Jahren zurück in der Arena
Die Story der Olympischen Spiele 2008 ist das (hoffentlich) erfolgreiche Comeback des Altmeisters, des vielleicht besten Vielseitigkeitsreiters des vergangenen Jahrhunderts, Mark Todd. 2000 nach Olympia in Sydney hatte er seinen Rücktritt erklärt und sich seitdem der Zucht von Rennpferden und seiner Trainertätigkeit gewidmet. Acht Jahre nach seinem "Ruhestand" hatte Toddy Monate vor Toresschluss den Finger gehoben und seine Olympiaambitionen angemeldet. Eilig sammelte er mit NZB Gandalf Qualifikationspunkte und machte mit dem sechsten Platz in Saumur den Sack zu (buschreiter berichtete). Mark Todd gesellt sich nun zu den neuseeländischen Wahl-Engländern Andrew Nicholson, Joe Meyer, Caroline Powell und Heelan Tompkins. Todd und Nicholson schreiben olympische Geschichte:Die beiden Mannschaftsreiter bringen es damit jeweils auf sechs Starts unter den fünf Ringen.
Martin Plewa als Chefrichter
Die Besten im Sattel und die Creme de la Creme im Offiziellenkreis: Chefrichter ist der ehemalige deutsche Bundestrainer Martin Plewa, der unter anderem bei der EM 2005 in Blenheim, bei den Weltreiterspielen in Aachen 2006 und bei den Klassikern in Badminton, Burghley, Lexington, Luhmühlen und Pau Offiziellen-Funktionen hatte. Mitglied der Ground Jury ist die US-Amerikanerin Marylin Payne. Auch sie kennt Badminton, Lexington und Burghley aus der Richterperspektive. Ebenfalls Championats- und Klassiker-Erfahrung hat der Schweizer Christian Landoldt. Als Technischer Delegierter fungiert auch ein Altgedienter: der Italiener Guiseppe Della Chiesa. Auf Olympia quasi abonniert ist der Course Designer Michael Etherington-Smith: Er baute in Sydney 2000, war 2004 in Athen TD und sorgt nun wiederum für angemessene olympische Anforderungen im Cross. Er wird übrigens auch das Cross bei der WM 2010 in Kentucky gestalten.
Sechs Stunden Zeitunterschied
Der Olympische Wettbewerb in Hongkong beginnt am Freitag, 8. August, mit der ersten Verfassungsprüfung, die um 16 Uhr Ortszeit stattfindet. Der Zeitunterschied beträgt sechs Stunden, das heißt, Hongkong ist gegenüber der deutschen Sommerzeit um sechs Stunden voraus. Demnach befinden sich die Eventer an jenem Freitag ab 10 Uhr auf dem Laufsteg.
Der Samstag, 9. August, ist der Dressur vorbehalten. Teil 1 beginnt bereits um 6.30 Uhr Ortszeit, Teil 2 um 19.15 Uhr, so dass mit ersten Ergebnissen hierzulande ab 0.30 Uhr und dann ab 13.15 Uhr zu rechnen ist. Zweiter Dressurtag ist der Sonntag, 10. August, wieder ab 6.30 Uhr (0.30 Uhr).
Ernst wird es dann in der Nacht von Sonntag auf Montag, 11. August: Das olympische Cross beginnt um 2 Uhr früh (8 Uhr Ortszeit. Die beiden Abschlussspringen zur Ermittlung der Mannschafts- und Einzel-Medaillengewinner sind im Zeitraum von 19.15 Uhr bis 0.15 Uhr am Dienstag, 12. August, geplant (ab 13.15 Uhr deutscher Zeit).
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