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Sicherheitsdiskussion

Sebastian Steiners Mutter fordert abwerfbare Hindernisse

In die laufende Reglement- und Sicherheitsdiskussion hat sich jetzt die Mutter des 2010 tödlich verunglückten österreichischen Vielseitigkeitsreiters Sebastian Steiner zu Wort gemeldet.

Waltraud Steiner fordert nun öffentlich die Einführung von abwerfbaren Hindernissen, um so die Unfallgefahr drastisch zu verringern. Sie reagiert damit auf den Bericht von buschreiter.de über das FEI-Hearing in Luhmühlen und ein Interview mit dem österreichischen Championatsreiter Harald Ambros.

"Dem Pferd eine Chance"

Nach Waltraud Steiners Meinung sei in erster Linie die Sicherheit in der Vielseitigkeitsreiterei zu überdenken, wenn man über ein neues Reglement diskutiert.  "Es muss doch möglich sein, Hindernisse so zu bauen, dass diese abwerfbar sind und damit dem Pferd eine Chance geben, den Sprung doch noch zu überwinden und die gefährlichen Überschläge nicht mehr passieren können", schreibt die Mutter von Sebastian Steiner, der bei einer Drei-Sterne-Prüfung im Alter von 22 Jahren gestorben war.

Zurück zur Tagesordnung?

Und weiter: "Der Tod eines jungen Reiters 2010 in Italien müsste doch die Verantwortlichen zum Nachdenken bringen, es kann nicht sein, dass sofort wieder zur Tagesordnung übergegangen wird und die nächsten Geländestrecken wieder gleich gebaut werden. Es ist eine Frage der Zeit bis es den oder die nächste ReiterIn erwischt. Jedem, auch dem erfahrendsten Reiter und dem besten Pferd, werden immer wieder Fehler unterlaufen und es darf nicht sein, dass er sich dadurch in akuter Lebensgefahr befindet."

Sport verliert nichts an Faszination

Die meisten Reiter seien Amateure und verdienten kein Geld mit der Vielseitigkeitsreiterei, es sei daher nicht einzusehen, die Sportler einem so hohen Risiko auszusetzen. Auch wenn die Geländehindernisse abwerfbar seien, werde der Beste gewinnen und es werde dem Sport nichts an seiner Faszination genommen.

Die Anwesenheit von Richtern, die ermüdete Pferde aus dem Bewerb nehmen könnten, sei natürlich eine gute Vorsichtsmaßnahme. Doch Waltraud Steiner hält folgendes für viel wichtiger: "Ich bin jedoch der Meinung, dass Geländehindernisse abwerfbar sein müssen, um diese gefährlichen Überschläge möglichst auszuschließen."

Appell an Geländebauer

Auch ein noch frisches Pferd und der beste Reiter könnten Fehler machen, und es solle auch dann noch eine Chance bestehen, das Hinderniss zu überwinden. Es werde die Faszination "Buschreiten" sicher bleiben. Waltraud Steiner: "Es kann nicht sein, dass tödliche Unfälle von jungen Menschen keine Konsequenzen haben."

Sie appelliert an alle Geländebauer, die Geländesprünge so zu bauen, dass diese im Notfall nachgeben und damit dem Pferd eine Chance haben.

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Lesermeinungen

Der Sport muss neue Wege gehen

Als frühere Buschreiterin bin auch ich der Meinung, dass im Vielseitigkeitssport neue Wege gegangen werden müssen. Tödliche Unfälle sollten in jedem Sport ein Anstoß sein, das Reglement neu zu überdenken. Wenn der oberste Teil der  Hindernisse abwerfbar ist, schmälert dies nicht die Faszination des Sportes, erhöht auf der anderen Seite jedoch die Sicherheit von Reiter und Pferd. 
Es muss möglich sein, den Hindernisbau so zu ändern, dass Stürze mit Überschlägen möglichst ausgeschlossen werden kann.  Eine 100%ige Sicherheit ist nie gegeben, aber man sollte wenigstens versuchen, 
das Schlimmste zu verhindern.

Dr. Ingeborg Wiesner

 

Bundesfachverband gefordert

Ich bin die Tante von Sebastian, und naturgemäß wird in unserer Familie im Moment sehr intensiv über das Thema Verbesserung der Sicherheit in der Vielseitigkeitsreiterei diskutiert.

Für unsere Familie ist es eine Tragödie, Sebastian verloren zu haben, obwohl es tröstlich ist - soweit man davon in solch einer Situation reden kann -, dass Sebastian in Ausübung seiner Lieblingstätigkeit - dem Reiten von Geländesprüngen - verunglückt ist.

Ich bin keine Expertin, aber Sprünge so zu bauen, dass sie "zusammenfallen", sobald Druck ausgeübt wird, ist meiner Ansicht nach sicher ein Weg, das Unfallrisiko zu minimieren.

Es ist auch klar, dass durch solch eine "Maßnahme" erhebliche, um nicht zu sagen untragbare Kosten gerade auf kleinere Veranstalter zukommen, und die Gefahr besteht, dass viele kleinere Vielseitigkeiten gerade im ländlichen Bereich nicht mehr durchgeführt werden können.

Und da ist meiner Meinung nach der Bundesfachverband gefordert, im machbaren Rahmen 4 oder 5 Vieleitigkeitsstrecken in Österreich auf diese Weise umzubauen bzw. sich an den Kosten zu beteiligen. Das wäre ein Zeichen das ehrlichen Versuches, die Vielseitigkeit in Österreich in eine "sicherere Zukunft" zu begleiten.

Marina Wiesner

 

Abwerfbar und sicher?

Der Wunsch nach abwerfbaren Hindernissen ist nachzuvollziehen. Ich denke aber schwierig umzusetzen. Meine Tochter ist draußen ein "Babyhindernis" gesprungen, bei dem sich ein Teil gelöst hat und zwischen die Beine ihrer Stute kam. Gott sei dank nur ein kleines Teil, aber ihr Pferd flippte völlig aus.

Deshalb wird es schwer sein, abwerfbar und dennoch sicher zu bauen. Man wird sehen, was daraus wird und was sich kluge Köpfe dazu einfallen lassen können.

Sabrina Graf

 

Gefährliche Reglements

Ist mehr als vernünftig und hoch an der Zeit. Die Faszination des Military sollte nicht ausmachen, ob Reiter und Pferd sterben oder verletzt werden oder nicht und die Sportunfallgeilheit des Publikums befriedigen, sondern zeigen, wie das reiterische Können im Gelände ist, und dazu tuts ein Abwurf auch.

Wir leben im Jahr 2011, da sollte das schon drin sein, dass man irrsinnige, gefährliche und sinnlose Reglements überdenkt und zeitgemässe Standards einsetzt . Die Forderung ist vernünftig, zeitgemäss, tier- und reiterfreundlich und sollte ehest durchgesetzt werden.

Dr. Ursula Weitgasser

 

Gefährliche Faktoren ausschließen

Ich kann Waltraud Steiner hier voll und ganz zustimmen. Reiten wird immer ein Risikosport bleiben, aber man sollte möglichst viele gefährliche Faktoren bei Bewerben ausschließen, um solch schreckliche Unfälle wie den von Sebastian Steiner künftig zu verhindern. An Faszination würde das Buschreiten dadurch sicher nicht verlieren.

Doris Primigg-Schmitz

 

Sicherheit für Pferd und Reiter

Auf jeden Fall ein "JA" aus meiner Richtung. Es ist schon viel mehr Geld für viel Unsinnigeres geflossen. Wenn man sich um etwas bemühen sollte, dann um Sicherheit für Pferd und Reiter! Denn in diesen Schreckensmomenten ist alles andere plötzlich Nebensache - so sollten wir bereits im Vorfeld damit umgehen! Ein Lob an Frau Steiner, vielen Dank!

Simone von Rabenau

 

Technischer und moderner

Mutter Steiner und der ganzen Familie gilt mein ehrliches Beileid und wer wenn nicht sie darf/muss "den Finger heben"!? Ich habe selbst einen Sohn, der erfolgreich Vielseitigkeit reitet. In den 90íger Jahren starb ein Trainingskamerad meines Sohnes in einer L-Vielseitigkeit. Seit dieser Zeit (spätestens) "reitet" die Angst immer mit. Es ist inzwischen ein gutes Dutzend Jahre vergangen und es hat sich wirklich einiges verändert in der Vielseitigkeit, nur ist das schon genug - wohl nein, genug wird nie sein.

Wenn ich die Geländestrecken so sehe die nach wie vor angeboten und abgenommen werden, muss ich sagen, dass da wohl nicht immer die Weiterentwicklung von Pferd und Reiter im Vordergrund steht. Ist es Nachlässigkeit, Unwissen, altes Denken oder Unfähigkeit - ich weiß es nicht.

Baut endlich die Vielseitigkeitsstrecken modern, technisch anspruchsvoll und gebt den Pferden an jedem Hindernis die Chance, bei einer unglücklich gewählten Distanz den Rumpler/Sturz zu vermeiden und sich nach vorn mit gestrecktem Hals ausbalancieren zu können. Das geht nun mal nicht an tonnenschweren Baumstämmen und unbefestigten Gräben.

Da wo das Pferd schon mit dem Lichtwechsel von Sonne zu Schatten fertig werden muss, kann nicht noch ein Graben vor oder unter/hinter dem riesigen Baumstamm sein. Kombinationen auf In/Out gebaut aus bleischwerem Material gehören nicht in eine faire Vielseitigkeit.

Ich habe auch immer wieder Vielseitigkeitshindernisse aus alten Obstkisten gesehen, ein Brett vorgenagelt und dann noch Nägel 15cm rausstehen gelassen. Es ist den gut trainierten Pferden und den Reitern zu danken, dass nicht viel mehr passiert! Darauf einen aktiven Vielseitigkeitsreiter angesprochen, wird dieser nie zugeben, dass er das auch grenzwertig sieht, wer will schon unter Sportkameraden als Feigling dastehen?!  

Ich sah in Luhmühlen erstmals klug durchdachte Naturhindernisse mit Fallautomatik, kleine und nicht zu schwere Naturhindernisse (auf einem Info-Stand!), es bewegt sich also etwas!

Die Hindernisse im Gelände müssen leichter, kleiner, technischer werden (z.B. einseitig offene Ecken, Hecken, Bürsten, Stroh, Heu..). Bei einem Rumpler müssen diese Hindernisse nach unten oder zur Seite nachgeben, da muss dann natürlich genügend Ersatzmaterial da sein, denn jeder Reiter/Pferd muss die gleichen Hindernisse vorfinden.  Tonnenschwere Baumstämme, ob nun solo oder in Kombination, gehören nicht mehr in eine Vielseitigkeit. Da nutzt es auch nichts, diese schweren Teile nach unten zum Abklappen zu bringen, dann erschlägt der Baum den Reiter und nicht das Pferd (wie vor kurzem in Pau fast einer Reiterin passiert).

Wir können auch weiterhin Unfälle und auch Todesfälle nicht ausschließen in dieser schönen Sportart, aber wir sind auch verpflichtet, uns weiterzuentwickeln und nicht den "schwimmenden Pferden von Mexico" nachzutrauern!  

Es gibt aber auch Licht am Horizont, so gesehen im Frühherbst in Horka/Crostwitz. Hier sah ich erstmals eine perfekt ausgewählte und mit Sachverstand in Vollendung erbaute Geländestrecke - jederzeit fair zu Pferd und Reiter. Natürlich gab es hier keine spektakulären Stürze, warum auch - Dressur und Springen sind ja auch noch da, um eine gerechte Platzierung zu erreichen. Nur so kann die Zukunft aussehen, oder dieser Sport wird eben irgendwann einmal ohne Amateurteilnehmer auskommen müssen.  Ich glaube die Entwicklung ist vorhanden, sie läuft (evt. zu langsam) und dieser Sport wird an Sicherheit gewinnen.

Es gilt nicht nur mit dicken Luftwesten die Folgen des Sturzes zu mindern, sondern durch kluge Hinderniswahl den Sturz des Pferdes zur Ausnahme zu machen. Diese jungen Menschen sind Sportler und keine Abenteurer, sie haben ihr Leben noch vor sich, wollen Beruf, Familie und Kinder haben. Es reicht nicht aus zu sagen, dass dieser Sport "nun einmal gefährlich" ist!

J. Lindner

 

Die FEI soll handeln

Der Tod von Sebastian hat meine Familie und mich sehr bestürzt und in tiefe Trauer gestürzt, da wir ihn schon seit Kindertagen an kannten. Ich kann es nicht zählen, wie oft ich mit Sebastian ausgeritten bin oder wieder einmal mitgefiebert habe, wenn er an einem Turnier teilnahm. Natürlich  waren wir alle immer sehr stolz auf ihn, wenn er wieder mit einem tollen Ergebnis nachhause kam.

Sebastian war ein sehr umsichtiger und verantwortlicher Reiter und das Wohl seiner Pferde stand immer im Vordergrund. Gerade diese Eigenschaft hat die Umstände seines Todes noch viel tragischer werden lassen.

Und gerade deshalb, finde ich, ist es höchste Zeit, die Vielseitigkeitsreiterei in Bezug auf die Sicherheit von Reiter und Pferd auf das Kritischste zu hinterfragen. Es gibt genug Experten, die sicher viele tolle Ideen haben, um solche Tragödien, wie die von Sebastian in Zukunft zu verhindern.

Waldtraud Steiner spricht allen aus tiefstem Herzen, die selber Kinder, Ehemänner und -frauen oder gute Freunde haben, die Vielseitigkeit reiten. Keine Dramatik, Action oder auch Einschaltquoten der Welt sind es wert, liebe Menschen und auch Tiere derart in Gefahr zu bringen.

Deshalb fordere ich die FEI auf, endlich zu handeln und nicht nur zu lamentieren!

Birgitta Eder

 

Wer tut endlich etwas?

Wir reden seit einiger Zeit über Sicherheit, aber sicherer sind die Strecken nicht geworden. Es gab Vorträge über den „sicheren“ Aufbau von Geländestrecken , z. B. in Sudermühlen in 2009. Es gibt Diskussionen über Sicherheitswesten, Airbags usw., aber sobald es an den Aufbau von Championatsstrecken geht, soll dieses „nicht in der Dressur“ entschieden werden und die Strecken entbehren häufig jeden Sicherheitsaspekts.

Daraus resultieren dann z.B. Strecken wie zur WM der jungen Vielseitigkeitspferde in diesem Jahr, die, anstatt die jungen Pferd zu motivieren, zwölf verletzte Pferde hervorbrachte.

Junge Pferde müssen doch immer motiviert aus einer Prüfung gehen! Warum muss man den Pferden zeigen was sie nicht können, anstatt ihnen zu zeigen, was sie können?

Und dann noch am Saisonende die Pferde so in den Winter zu schicken, das finde ich absolut gefährlich, auch für die Zukunft.

Wir sammeln für ein Waisenkind, welches bei einem Sturz seine Mutter verloren hat. Das ist eine gute Tat. Aber ist es nicht endlich an der Zeit genau diese Stürze zu verhindern, indem wir nicht nur darüber diskutieren, sondern einfach mal anfangen zu agieren? Es kann doch nicht an den Kosten scheitern, dass wir weiterhin Menschenleben gefährden. Diese Ausrede finde ich zu einfach.

Ich habe das Gefühl, dass viel über Sicherheit geredet wird, aber bis heute noch zu wenig umgesetzt wurde.

Cornelia von Bloh

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