So will Kai-Steffen Meier mit seinem Top-Pferd Karascada M als Höhepunkt der Saison beim Vier-Sterne-Turnier in Luhmühlen starten, Zweitpferd Karat B soll seine ersten Drei-Sterne-Prüfungen gehen. Und dann sind da auch noch diverse Nachwuchspferde, die er gerne beim Bundeschampionat reiten würde.
Die Voraussetzungen, das alles zu schaffen, hat der gebürtige Hesse. Optimale Trainingsbedingungen findet er im Stall von Andreas Dibowski in der Lüneburger Heide, in den er im vergangenen Jahr mit seinen Pferden eingezogen ist. „Er schaut eigentlich immer mit einem Auge auf mich“, erzählt der gelernte Pferdewirt, der quasi nebenbei zu seinem Job als selbständiger Bereiter auch noch BWL studiert. Der Zeitaufwand hierfür hält sich allerdings in Grenzen, etwa zwei Stunden täglich sitzt der Reiter vor seinen Wirtschaftsbüchern. Möglich macht dies ein Extra-Fernstudiengang in Oldenburg für Deutschlands Spitzensportler, der den Vorteil einer freien Zeiteinteilung bietet.
Spitzenpferd selbst gezogen
Und dann ist da natürlich noch sein Spitzenpferd Karascada M, die Stute kennt er bereits seit ihrer Geburt. Sie wurde von seinen Eltern Hans-Dieter und Hannelore Meier, die im hessischen Taunusort Neu-Anspach leben, selbst gezogen. Dass er sich für den Vielseitigkeitssport entschieden hat, freut vor allem den Vater, der früher selbst erfolgreich im Busch unterwegs war.
Sehr gutes Verhältnis zwischen den Reitern
Auch das Pony, das Kai-Steffen Meier schließlich von seinen ehemals favorisierten Sportarten zum Reiten überlaufen ließ, hatten die beiden selbst gezogen. Apanatschi hieß das quirlige braune Pony, mit dem der damals Elfjährige seine ersten Springturniere ritt. Die beiden gewannen gleich ihr erstes E-Springen. Damit war der Ehrgeiz geweckt, und es begann eine Siegesserie in der Einsteigerklasse. Innerhalb eines Jahres gewann das Gespann Meier/Apanatschi 15 E-Dressuren- und Springen. Bis zur Volljährigkeit ritt Kai-Steffen Meier Vielseitigkeit und Springen bis zur mittelschweren Klasse, dann spezialisierte er sich fast ausschließlich auf das Buschreiten. „Es ist einfach am abwechslungsreichsten. Außerdem ist das Verhältnis zwischen den Reitern sehr gut“, sagt er.
Tagespensum: Neun Pferde
Ein entscheidender Schnitt in seinem reiterlichen Leben war der Umzug vor drei Jahren von Neu-Anspach zur Bundeswehrsportschule nach Warendorf. Dort widmete er sich ganz dem Vielseitigkeitssport, sammelte in Uniform Erfolge in schweren Vielseitigkeiten und startete erstmals in Drei-Sterne-Prüfungen. Es lief so gut, dass sich Kai-Steffen Meier schließlich noch entschloss, eine Ausbildung zum Pferdewirt beim DOKR dranzuhängen. Schließlich wechselte er 2007 zu Andreas Dibowski. Dort kümmert er sich täglich um neun Pferde, die meisten sind Beritt- oder Sponsorenpferde.
Miriam Becher am Dressurviereck
Die vergangene Saison beschreibt Kai-Steffen Meier als „fantastisch“. Zu seiner Freude haben sich in 2007 die Dressurergebnisse von ihm und der heute elfjährigen Karascada M kontinuierlich verbessert. „Wir haben das Dressurtraining komplett umgestellt“, erzählt er. Reichlich Unterstützung beim Training bekommt er von seiner Freundin, der Grand-Prix-Reiterin Miriam Becher. Mit ihrer Hilfe kämpfte sich das Gespann von einem Dressurergebnis Anfang 2007 von 66 Punkten auf immerhin 49 Punkte am Ende der Saison vor.
Insgesamt sammelte Kai-Steffen Meier in 2007 etliche gute Platzierungen in hochkarätigen Vielseitigkeitsprüfungen, natürlich vor allem mit Karascada M. So zum Beispiel beim Saisonabschluss in Kreuth, wo er in der Drei-Sterne-Prüfung Sechster wurde. Ohne einen Springfehler im abschließenden Parcours wäre er sogar auf Platz zwei gelandet.
"Keinen großen Druck"
Als Konsequenz seiner erfolgreichen Saison wurde er Ende vergangenen Jahres in den B-Kader aufgenommen und kann sich laut Bundestrainer Hans Melzer Hoffnungen auf einen Championatseinsatz bei der EM 2009 oder den Weltmeisterschaften 2010 machen. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Weiterentwicklung, und das ist auch Kai-Steffen Meier klar. „Ich mache mir da aber keinen großen Druck und sehe den Dingen gelassen entgegen. Es sind noch viele Galoppsprünge bis 2009“, sagt der Reiter. Er habe über den Winter „meine Hausaufgaben gut gemacht“, Priorität habe nun erst einmal Luhmühlen.
Halswirbel angebrochen
Doch in 2007 war nicht alles eitel Sonnenschein. Die Saison begann mit einem schweren Unfall im Gelände. Kai-Steffen Meier überschlug sich mit dem Pferd, dabei brach er sich einen Halswirbel an. Er kam ins Krankenhaus und musste mehrere Wochen eine Halskrause tragen. „Die Sache hätte auch ganz anders ausgehen können“, weiß er. Doch bereits nach gut vier Wochen saß er wieder im Sattel und startete schnell in den ersten Vielseitigkeitsprüfungen, allerdings mit etwas Herzklopfen. „Nach einem solchen Unfall überlegt man in den ersten Prüfungen an jedem Sprung doch noch einmal mehr“, sagt er.
"Es fehlt an Fallroutine"
Als Konsequenz seines Sturzes überlegt sich Kai-Steffen Meier, der als Ausgleichssport joggt und Gymnastik macht, mit einem Judotraining anzufangen. Das Falltraining dort soll für mehr Sicherheit im Cross sorgen. „Je professioneller es im Reitsport wird, desto weniger fällt man. Aber dadurch fehlt es auch an Fallroutine“, erklärt er seine Judo-Idee.
Sabine Maurer/buschreiter.de
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