Porträt Michaela Messerschmidt und Benson
Im Stall Overesch in Rheine fing alles an
VON IRENE VAN HEEMSTRA
Mit dem dritten Sieg im USG Indoors Event in der Frankfurter Festhalle bewies Michaela Messerschmidt erneut ihre Konstanz und Klasse in der Buschreiterei. Schon seit Jahren gehört Michaela Messerschmidt aus Altenstadt zu den Stützen des Vielseitigkeitssports in Hessen.
Den ganz großen Durchbruch brachte die Teilnahme an den Europameisterschaften der ländlichen Vielseitigkeits-reiter 2007 in Schweden und die Rückkehr ins Hessenland als Europameisterin mit der Mannschaft und dem 9. Platz in der Einzelwertung. 2008 bestätigte der fünfte Platz in der nationalen 3-Sterne-Prüfung in Schenefeld, dass sie nachhaltig mit ihrem Pferd Benson auf diesem Level angekommen ist.
Reitanlage und Landwirtschaft
Dabei kann man sie bezogen auf den Vielseitigkeitssport nicht als Profi bezeichnen. Dieser Teil der Aktivitäten läuft eher nebenher und muss sich den täglichen Anforderungen als "Chefin" der großen Reitsportanlage und des Landwirtschaftsbetriebs in Altenstadt, den sie mit ihrem Mann Otto betreibt, und als Mutter zweier Söhne anpassen.
Vielbeschäftigte Turnierveranstalterin
Dazu kommt ihr Engagement im RC Altenstadt und Umgebung. Sie wirkt als erfolgreiche Turnierveranstalterin mit jährlich einem großen Dressur- und Springturnier und einem zusätzlichen Vielseitigkeitsturnier. Die Buschturniere in Altenstadt zählen zu den schönsten in Hessen. 2008 war es Austragungsort der hessischen Mannschaftsmeisterschaften Vielseitigkeit mit einer erweiterten Strecke mit vielen neuen Hindernissen, die richtiges Buschfeeling vermittelten.
Zeit für die Breitenarbeit
Hinzu kommt die Vorstandsarbeit in der IGV-Hessen, die mit einem breiten Lehrgangsangebot von Einsteigern bis in den Ein-Stern-Bereich und Unterstützung von Veranstaltern ein gutes Stück Breitenarbeit für die Vielseitigkeit leistet. Bei den Geländetrainings und Schnupperlehrgängen gibt auch Michaela Messerschmidt gern ihre Erfahrungen und Begeisterung für die Buschreiterei weiter. Sie fährt auch mal eben eine Schülerin zum Geländetraining und sorgt dafür, dass ein Lehrgang bis auf den letzten Platz genutzt wird.
Starke Managementleistung
Es ist unglaublich, was diese „Powerfrau“ alles unter einen Hut zu bringt, eine starke Managementleistung. Ein Geheimnis liegt sicher in guter Organisation, die jedoch niemals straff in Erscheinung tritt, und in ihrer guten Laune, die sie auch dann nicht verlässt, wenn es einmal nicht so gut läuft. Sie motiviert einfach ihr gesamtes Umfeld zur Arbeit an den gemeinsamen Zielen.
Als Pflegerin bei großen Turnieren
Begonnen hat sie ihre reitsportliche Karriere mit 11 Jahren als Schulreiterin im Stall Overesch in Rheine. Es ging weiter mit einem eigenen Pony und Großpferd in der Turnierreiterei, in der Vielseitigkeit bis zur Klasse A bzw. Geländepferde L. Gleichzeitig konnte sie im Training die Pferde von Bettina mit reiten und fuhr als Pflegerin mit ihr zu den großen Turnieren. Es war sicher eine hervorragende Lehrzeit und hat ihren feinen Reitstil geprägt. So nannte Hans-Dieter Meier sie die Ingrid Klimke Hessens.
Erfolge mit Royal Flash
Mit ihrem Pferd Royal Flash, ein holländisches Sportpferd, begann die eigentliche Vielseitigkeitskarriere in den 90er Jahren in Hessen. 1998 wurde sie Hessenmeisterin, damals in Rauschenberg über eine VM. In demselben Jahr wurde sie Zweite beim Bundeswettkampf in Wiesbaden-Kloppenheim, belegte bei den DMM (CCI-2**) in Walldorf den 11. Platz in der Einzelwertung, und die hessische Mannschaft (bestehend aus Bernd Backhaus, Erhard Bartholomay und Michaela Messerschmidt) kam auf den vierten Rang.
Hans Nagel vermittelte Benson
Dann folgte eine Pause, bedingt durch die zweite Schwangerschaft, in der sich Royal Flash leider auf der Koppel verletzte und später unter einer Nachwuchsreiterin in kleinen Prüfungen ging. „Meine Erfolge in der Vielseitigkeit hängen immer davon ab, ob ich das zu mir passende Pferd zur Verfügung habe.“ Mit dem sechsjährigen irischen Benson fand sie bei Hans Nagel das passende Pferd. Die häusliche Zucht ist mehr auf Dressurpferde ausgerichtet, die in der Ausbildung bei Michaela natürlich auch gründlich Geländeluft schnuppern dürfen.
Reise nach Badminton
Benson führte sie behutsam bis zum Drei-Sterne-Niveau: Wichtige Stationen waren 2006 der erneute Gewinn der Hessenmeisterschaft. Dann folgte der fünfte Platz für die hessische Mannschaft beim Bundeswettkampf in Bad Harzburg mit Michaela Messerschmidt, Stefan Klapsing, Anna Robine Egen und Paul Filipek über eine CCI* und der Sieg im CDV-Cup mit der Reise nach Badminton im Mai 2007.
...fast bayerische Meisterin
2007 ging es dann nahtlos weiter auf Zwei-Sterne-Niveau mit Platzierungen in Marbach und Bielefeld und dem ersten Sieg im CIC* in Lauterbach, das gleichzeitig wieder den Titel der Hessenmeisterin bedeutete, gefolgt vom Sieg im CIC-2** in Unterbeuren. Fast hätte man sie noch zur bayerische Meisterin gekürt, da es dort auch ein Altenstadt gibt.
Fanclub mit Überraschungsgast
Absolutes Highlight war die Nominierung zur ländlichen Europameisterschaft und die Reise nach Övedskloster in Schweden, wie meist, mit ihrer langjährigen treuen Begleiterin Michaela Kottusch. Dann gelang es dem Fanclub noch Otto Messerschmidt zur Reise nach Schweden zu überreden. Die Großeltern verzichteten kurzfristig auf ihren Urlaub und betreuten die beiden Söhne, so dass der Fanclub mit Otto als Überraschungsbesuch nach Schweden fahren und Michaela moralisch unterstützen konnte. Noch in diesem Jahr wurde auf dem Turnier mit Begeisterung darüber gesprochen, dass Europameisterin Michaela Messerschmidt einen Motivationsschub für die hessische Buschreiterei gebracht hat. Krönender Abschluss der Saison 2007 war der 5. Platz im ersten langen CCI-2* in Kreuth und natürlich der Sieg beim USG Indoors Event in der Frankfurter Festhalle.
"Er sah lauter Gespenster"
Die Saison 2008 fing an mit Sahrendorf und Kreuth. Dann folgte Wiesbaden:"An Pfingsten war ich doch ein wenig sauer: Da freute ich mich wochenlang darauf, im Wiesbadener Schlosspark reiten zu dürfen, und mein süßer Benson sah auf dem wunderschönen Viereck vorm Schloss lauter Gespenster!!“ Michaela Messerschmidt weiter: „Der Geländeritt am nächsten Tag war aber große Klasse und Spaß pur, so dass ich meinem Pferd wieder um den Hals fallen konnte!“
Hochkarätiges Starterfeld
Der Auslandsstart in Breda brachte eine schöne Zwei-Sterne-Platzierung, die Ausgangsbasis für die Drei-Sterne in Schenefeld. Originalton 14 Tage vorher: „Ich fahr mal hin und seh mir das Gelände an. Mal sehen ob es passt.“ … und es passte hervorragend und brachte den fünften Platz in diesem hochkarätigen Starterfeld und anspruchsvollen Gelände.
Perfekter Hattrick
Der Ritt in der Festhalle zum perfekten Hattrick war bildschön, ruhig, harmonisch, rund und mit ganz kurzen Wegen. Kai-Steffen Meier und Jörg Kurbel konnten als erfahrene Cracks Michaela und Benson nicht einholen.
Ihre Meinung zum Thema?/Kontakt zur Redaktion
|