Seit etwa drei, vier Jahren besteht die deutsche Championatsmannschaft weitgehend aus denselben Kombinationen – Reiter wie Pferde. Wie ist Deutschland für Olympia aufgestellt?
H. Melzer: Da sieht es sehr gut aus. Erfreulicherweise haben viele unserer Topreiter neben ihren bewährten Cracks gute Nachwuchspferde im Stall und sind damit für die Zukunft gut aufgestellt. Darüber hinaus sind eine ganze Reihe junger Paare aufgefallen, die sich bei entsprechender Weiterentwicklung Hoffnungen auf einen späteren Championatseinsatz – beispielsweise in Fontainebleau/Frankreich (EM 2009) oder Kentucky/USA (WM 2010) – machen können. Ich denke da an Reiter wie Janet Wiesner, Marie-Louisa Meyer, Julia Mestern oder auch Kai-Steffen Meyer, die in diesem Jahr erfolgreich ihre ersten Drei-Sterne-Prüfungen bestritten haben. Wie das Beispiel Beeke Kaack und Sinjang ja gezeigt hat, haben auch junge Paare bei entsprechenden Erfolgen gute Chancen, ins Team zu kommen. Voraussetzung ist aber immer, dass sie über zwei Saisons gute, abrufbare Leistungen vorzuweisen haben – und das möglichst auch auf Top-, also Vier-Sterne-Niveau.
Wie sieht die Vorbereitung fürs kommende Jahr aus? Was gibt es Besonderes im Hinblick auf dem ‚exotischen’ Austragungsort Hongkong? Wie wirkt sich dieser auf die Auswahl der deutschen Paare aus? Was gibt es ansonsten für Saisonhighlights?
H. Melzer: Wir werden auf jeden Fall an dem bewährten Vorgehen festhalten und bereits bei der nächsten Sitzung des Vielseitigkeitsausschusses im Herbst einen Olympiakader mit rund einem Dutzend Pferden benennen. Dabei ist es sicherlich ein Vorteil für uns, dass wir bereits in Hongkong waren und die Bedingungen dort kennen. Das wird sich auch auf die Auswahl der Pferde auswirken. Gefragt sind hier Pferde mit einem höheren Vollblutanteil, denn die Kondition wird eine nicht unerhebliche Rolle spielen.
Aber auch mit den Paaren, die nicht zu den Olympischen Spielen reisen, werden wir – wie bisher üblich – eine individuelle Saisonplanung vornehmen. Wir haben mittlerweile ein sehr attraktives Prüfungsangebot in Deutschland, das durch Serien wie die Jeep Big Four Trophy (FN) oder den Derby-Dynamic-Cup noch einmal aufgewertet wurde. Im kommenden Jahr findet das Finale der Jeep Big Four Trophy (FN) in Luhmühlen statt. Dann wird es dort auch anstelle des üblichen CIC** erstmals eine Drei-Sterne-Prüfung als Bestandteil des Derby-Dynamic-Cups geben. Dieser Cup als Einstiegsserie für Nachwuchspferde und -reiter in den großen Sport hat sich sehr bewährt und inzwischen einen festen Stellenwert in der Saisonplanung. Auch was Ein- und Zwei-Sterne-Prüfungen betrifft, sind wir zur Zeit gut aufgestellt. Weitere Saisonhöhepunkte im kommenden Jahr sind natürlich auch die Topveranstaltungen im Jugendbereich, wie der ‚Preis der Besten’, die Deutschen Jugendmeisterschaften und nicht zu vergessen die Europameisterschaften der Jungen Reiter in Kreuth, zu der wir zwölf deutsche Paare entsenden dürfen. Guter Reiter- und Pferdenachwuchs ist für uns nach wie vor die Grundlage, unsere derzeitige Spitzenposition im internationalen Vielseitigkeitssport auch weiterhin zu erhalten.
Das Interview führte Uta Helkenberg/FN-aktuell
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