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Keine Angst vor dicken Klamotten: Kai-Steffen Meier und Karascada in Badminton (Archivfoto Kit Hughton)

Interview Kai-Steffen Meier

Wo bleibt der Mut zur konsequenten Vielseitigkeits-Zucht?

Die deutsche Pferdezucht verfügt nach Ansicht des EM-Reiters Kai-Steffen Meier über weltweit unerreichtes Genmaterial. Doch den Züchtern fehlt nach Meinung des Championatsreiters der Mut, sich konsequent der Vielseitigkeitssparte zuzuwenden. Dabei gebe es die Nachfrage nach qualitätvollen Buschpferden – und einen strukturellen Angebotsmangel. Das exklusive Interview von buschreiter.de im Wortlaut.

buschreiter: Sie sind ja mit Karascada einen sehr erfolgreichen Weg gegangen. Aber dieser Weg war wohl etwas verwinkelt und nicht ganz geradlinig? Gab es neben den Erfolgen auch Tiefpunkte, und wie kommt man darüber hinweg?

Kai-Steffen Meier: Karascada hat auf den ersten Blick einen sehr kontinuierlichen Werdegang, sie ging ihren Weg über das Bundeschampionat bis zum Championat und CCI****. Das sieht auf den ersten Blick sehr geradlinig aus, doch es gab natürlich immer wieder Rückschläge, gerade weil sie doch etwas speziell ist. Ich halte mich in solchen Situationen an ihre Stärken, da ich weiss, was dieses Pferd alles kann und das sie es nur kann, weil sie ist, wie sie ist.

buschreiter: Wo sind die Ecken und Kanten?

Kai-Steffen Meier: Karascada ist einfach eine Persönlichkeit, stets kämpferisch und motiviert bei der Sache. In der Dressur spielten in der Vergangenheit öfters ihre Nerven nicht ganz mit, sie will alles richtig machen und ist dadurch sehr übereifrig. Wenn ihr dann doch ein Fehler unterläuft, verliert sie schon mal den Faden. Doch ich denke, dass es nun mit mehr Routine besser wird, mindestens lässt die Winterarbeit dies erhoffen.

buschreiter: Im weltweiten Vergleich stehen die deutschen Züchter bei Dressur- und Springpferden vorsichtig ausgedrückt ganz gut da. Warum fällt da die Vielseitigkeitszucht etwas ab?

Kai-Steffen Meier: Die deutsche Zucht ist Spitze. Der Genpool, der unseren Züchtern zur Verfügung steht, ist weltweit unerreicht, gerade hier müsste es ja möglich sein, gute Vielseitigkeitspferde zu züchten. Das Problem sehe ich vielmehr darin, dass sich viele Züchter nicht trauen, den langen Weg zu gehen und oftmals auch noch der Ansicht sind, Vielseitigkeitspferde sind Pferde, die alles ein bisschen können, nur nichts richtig.

buschreiter: Früher ließen sich deutsche Buschreiter in England oder in Irland über den Tisch ziehen – und manchmal fanden sie auch dort ein gutes Vielseitigkeitspferd. Heute kommen William Fox-Pitt und Mark Todd nach Deutschland, um Pferdetalente zu finden. Die Gründe liegen bestimmt auch beim Wandel des Formates. Sollte das nicht den Züchtern zu denken geben?

Kai-Steffen Meier: Sicherlich ist der Wandel im Format ein entscheidendes Kriterium und die Züchter, die schon länger Richtung Vielseitigkeit züchten, können nun die Früchte ernten. Andere, neue Züchter sollten diese Tendenz erkennen und sich trauen, den Versuch zu starten, ein Vielseitigkeitspferd zu züchten.

buschreiter: Sie haben bei Ihrem Vortrag in Sudermühlen den Züchtern von Vielseitigkeitspferden nahegelegt, sich um gute Stuten zu bemühen und Mut zum Blut zu haben. Muss man das den Züchtern wirklich sagen oder gibt es da noch Defizite?

Kai-Steffen Meier: Leider sind oftmals die Stuten der stark unterschätzte Teil der Anpaarung, niemand würde mit einem Hengst züchten, der sich nicht bewegen kann oder schlecht springt. Bei Stuten kommen heute noch öfters die Aussagen, dass sie sich nicht reiten ließ oder nicht gut genug war und deshalb in die Zucht ging. Dies ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Man sollte gute Stuten für die Zucht nutzen und am besten das Reitverhalten, Bewegungsqualität und Springvermögen kennen und hiernach den Hengst aussuchen. Ähnlich ist es mit dem Blutanteil, einige Züchter scheuen dann doch in letzter Konsequenz vor zu viel Blut zurück, um sich Optionen als Dressur- oder Springpferd offen zu lassen.

buschreiter: Würden Sie zustimmen, dass es einen funktionierenden Markt für Vielseitigkeitspferde auch für den Normalverbraucher in Deutschland nur ansatzweise gibt?

Kai-Steffen Meier: Es ist nicht ganz leicht, in Deutschland Vielseitigkeitspferde zu finden, egal ob für den Amateur oder den Profi. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Pferden ist ja da, nur die Masse an Pferden fehlt. Für uns Profis geht der Weg meist über Jungpferde mit der Hoffnung, den nächsten „Knaller“ zu finden, ein viel versprechendes Ein- oder Zwei-Sterne- Pferd ist ja selten auf dem Markt, und wenn doch, dann meist schon recht teuer.

Interview: Wolf-Dietrich Nahr/buschreiter.de

Bitte die Entgegnung Kai-Steffen Meiers auf den folgenden Leserbrief beachten!

Ihre Meinung zum Thema (die Redaktion behält sich vor, Zuschriften zu kürzen)

Lesermeinungen

Buschpferde werden nicht gezüchtet, sondern gemacht

Wo bleibt der Mut zur konsequenten Vielseitigkeits-Zucht? Die Frage ist ebenso vermessen gestellt wie einfach beantwortet:der professionelle Buschreiter, der ein potentielles Buschpferd kauft, kauft das fertige Produkt und kein Fohlen.

Und das fertige Produkt hat in der Regel nicht einmal ein Papier, will heissen: die Abstammung ist völlig sekundär, wichtig ist, daß das Pferd unter dem Sattel funktioniert und vertrauensvoll an die ersten Geländesprünge herangeht und nebenbei über einen effizient räumenden Galopp verfügt. Verfügt das Pferd dann noch über einen gewissen Blutanteil leuchtet dem Buschreiter sehr wohl das Auge.

Dem Züchter allerdings blutet zu diesem Zeitpunkt bereits das Herz, weil es eine Menge Geld, Zeit und Risiko gekostet hat, so ein potentielles Buschpferd überhaupt bis hierhin produziert und ausgebildet zu haben.

Mal ehrlich: Welcher Züchter verfügt überhaupt über die Möglichkeit, so ein Pferd nicht nur gesund gross zu ziehen und auszubilden, sondern darüber hinaus auch noch den passenden Reiter zu haben, der diesen Youngster dann auch noch frühzeitig ausgerechnet auf Geländekursen schult? Und welcher potentielle Buschreiter fährt auf eine Verkaufsanzeige tatsächlich bis nach Pusemuckel, um dort ein solches Pferd überhaupt auszuprobieren?

Welchem Züchter biete sich daher die Möglichkeit, sein Nachwuchspferd tatsächlich auf einer Paradeplattform, wie z.B. Elmar Lesch sie mit seiner Buschpferdeauktion bietet, auszustellen? Wo sonst gibt es überhaupt noch eine ähnliche Plattform?

Diverse Verbandsauktionen bieten potentielle Buschpferde heute bewusst gar nicht an, und wenn, dann nur, weil das vermeintlich gut gezogene Superpferd sonst in kein anderes Schema passt (von allem etwas eben, aber nichts richtig). Und wieviel Geld hat es den Züchter dann schon gekostet, bis ein 4-6 jähriges Pferd seinen Weg bis dorthin macht?

Und die wenigsten kommen überhaupt dort an, weil sie sich bis dahin längst im Nirwana der Unauffälligkeit verloren haben - oft gerade aufgrund ihres höheren Blutanteils, der in der Regel auch einen Mangel an heute gewünschter Spektakularität mit sich bringt und damit zunächst wenig Begehrlichkeiten weckt.

Die Ausführungen zeigen deutlich: Buschpferde werden nicht gezüchtet, sie werden gemacht. Und zwar allein durch den entsprechenden Beritt. Und wer den nicht hat, der steht mit einem oft wenig spektakulären Pferd da, für das es schlicht keinen Markt gibt. Zumindest keinen kostendeckenden.

Ich denke es ist nicht vermessen anzuführen, dass selbst die Pferde eines Friedrich Butt heute nicht den Ruf genössen, der ihnen jetzt zuteil wird, hätte es für diese Zucht in jungen Jahren nicht einen Andreas Dibowski gegeben, der eines nach dem anderen dieser Pferde überhaupt erst geformt hat. Erst dadurch wurde die Begehrlichkeit für diese Pferde unter den Profis geweckt. Weil Buschpferde in jungen Jahren nunmal häufig alles andere als begehrlich daherkommen.

Die Geschichten selbst der grossen Heroen unserer Zeit, eines Marius oder Sam zum Beispiel, sprechen eine ganz deutliche Sprache. Sie mussten alle erst den passenden Deckel zum Topf finden, um dann überhaupt erst spektakulär die Szene aufmischen zu können. Als Fohlen hätte man solche Pferde sicher günstig kaufen können. Nur da wollte sie keiner. Auch die Buschreiter nicht. Weil selbst denen der Weg vom Fohlen bis zum fertigen Pferd zu weit ist. Verständlich. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Die Frage nach dem Mut zur konsequenten Vielseitigkeitszucht ist eine Frage nach dem langen Atem und Idealismus des Züchters - das kann sich heute kaum einer leisten. Die meisten Züchter züchten für den Abverkauf als Fohlen - das macht Sinn. Mit 4000 bis 6000 Euro ist so ein Fohlen gut bezahlt. Die meisten bekommen heute aber auch dieses Geld nicht.

Fohlen verkauft man zu allererst auf dem Papier - im wahrsten Sinne des Wortes. Eine klangvolle Dressurabstammung holt durchaus Interessenten auf den Hof - meist Hengstaufzüchter. Blutpferde wollen die aber nicht haben - weil die alles andere als spektakulär sind. Klangvolle Springabstammungen verkauft man mit Glück ebenfalls als Fohlen (oft für noch weniger Geld). Wenn nicht, wird spätestens 3-jährig zum Freispringen ein Schuh daraus. Funktioniert auch das nicht, findet sich in jedem Reiterverein oder Ausbildungsstall jemand, der ein junges potentielles Springpferd parcoursfertig macht. Wieviel Reitervereine oder Ausbildungsställe verfügen aber über entsprechende Reiter und Gelände, aus so einem Pferd ein potentielles Buschpferd zu machen?

Fakt ist, dass ein 3-jähriges Pferd (das sich nicht gerade wie vom anderen Stern bewegt oder abartig springt), bestenfalls genauso bezahlt wird wie das oben beschriebene Fohlen und damit hat der Züchter daran noch keine Mark verdient. Ein gerittenes junges Pferd, idealerweise mit ein bisschen Erfahrung im Gelände und den ersten Erfahrungen in Wasser und an Tiefsprügnen, hat zu diesem Zeitpunkt schon eine Menge Geld gekostet und holt das selten ohne Schleifen wieder rein. Mit den ersten nachweisbaren Geländeschleifen hat so ein Pferd in der Produktion aber bis zu 15000 Euro und mehr gekostet. Welcher Züchter hat die Lobby, so ein Pferd ab Hof zu verkaufen?

Daher einfach mal die offene Frage an einen Kai Steffen Meier: Wieviel 3-4jährige Pferde aus Züchterhand haben Sie sich in den letzten ein bis zwei Jahren "ab Hof" angesehen? Wann haben Sie das letzte mal ein Fohlen ab Hof gekauft? Wie und wo rekrutieren Sie ihre Nachwuchspferde?

Ich züchte selber mit einer Vollblutstute und weiss, wie schwer es ist, Interessenten überhaupt für diese Nachzucht auf den Hof zu bekommen - mit der Nachzucht aus den klangvollen Namen meiner dressurbetonten Stuten verhält es sich Gott sei Dank anders, die müssen die Vollblutstute schlicht mitfinanzieren. Ich gehöre darüberhinaus zu den wenigen Züchtern, die auch selber reiten und eigene Nachzucht wenn nötig selber ausbilden können - das spart bares Geld, kostet aber nichtsdestoweniger sehr viel Zeit und Aufwand, die mir niemand bezahlt. Idealismus eben. Und ein langer Atem.

Dank der lokalen Gegebenheiten und der Nähe zu qualifizierten Ausbildern auch für mich als Buschreiter (wenn auch nur im Basissport) kann ich jedes Pferd auch im Gelände schulen - ich mache das aus Überzeugung und Spaß an der Freude - bezahlt wird so etwas nicht.

Was bleibt ist die Hoffnung, sollte ich eines Tages tatsächlich einen ebensolchen blutgeprägten Youngster verkaufsfertig präsentieren müssen, dass die Elmar Leschs und Kai Steffen Meiers dieser Welt mir nicht verschlossen bleiben. Glauben möchte ich gern daran.

Sabine Brandt (Münster)

www.hippologi.com

 

10 000 Kilometer auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Da ich selbst aus einer Züchterfamilie stamme, ist mir die Situation der Züchter durchaus bewußt, doch muss man hier meiner Meinung nach differenzieren.

Züchtet man für den "schnellen Abverkauf", so sollte man sich an Dressur- und Springzucht halten, denn der Vielseitigkeitszüchter benötigt Ausdauer und Herzblut. Ganz gewiss ist der Weg eines Vielseitigkeitspferdes ein langer und unberechenbarer, entscheidet man sich jedoch dafür, so sollte er auch konsequent verfolgt werden.

Diese Konsequenz in der Zucht gepaart mit dem ausbilderischen Know-How eines Andreas Dibowski sind auch die Grundpfeiler der Zucht der Familie Butt.

Um ihre Fragen zu beantworten: In den letzten 12 Monaten habe ich ca 10.000 km zurückgelegt auf der Suche nach Nachwuchspferden, die meisten davon direkt beim Züchter/Aufzüchter im Alter zwischen 4 und 5 Jahren. 8 meiner 9 Sportpferde kommen direkt vom Züchter oder Aufzüchter, die meisten davon kamen roh oder leicht angeritten.

Einen großen Teil meiner Nachwuchspferde habe ich in der Vergangenheit aus eigener Zucht übernommen, weitere Pferde direkt vom Züchter.

Nur die wenigsten Profis suchen nach dem fertigen Pferd, wir fahren fast alle und suchen nach der Nadel im Heuhaufen. Doch sind die Anlaufstellen gering, so dass man des öfteren auf Zufallsprodukte trifft und seltener auf den "durchgezüchtet" Eventer.

Jeder Züchter sei an dieser Stelle eingeladen sich mit mir in Verbindung zu setzen und gegebenenfalls einen Termin vor Ort oder beim uns auf unserer Anlage zu vereinbaren.

Kai-Steffen Meier

www.ksm-eventing.de

 

Erfolgsaussichten zu gering und der Weg zu lang

Liebe Frau Brandt aus Münster, Sie sprechen mir mit jedem Wort und jeder Zeile Ihres Leserbriefes aus dem Herzen. Besser und treffender kann man die spezielle Vermarktungssituation für junge Vielseitigkeitspferde nicht beschreiben.

Wer als Züchter auf die Idee kommt, gezielt Vielseitigkeitspferde zu züchten, um damit auch nur kostendeckend zu arbeiten, kann entweder nicht rechnen, hat einen falschen Berater oder ist ein Träumer.

Sicherlich gibt es sie, die Ausnahmen, die die Regel bestätigen - Busch-Pferde, die vier- oder fünfjährig Geld gekostet haben. Aber wieviele blutgeprägte, sensible Pferde sind zuvor in falschen Reiterhänden vermurkst worden? Frau Brandt hat doch völlig recht: Nur wer sein junges Buschpferd selbst ausbilden kann oder wenigstens einen guten, einfühlsamen (bezahlbaren) Jockey hat, kann den Weg in Richtung Busch einschlagen. Und wer sich mal in der Zücherschaft umschaut, der sieht, dass das nur die wenigsten Züchter können bzw. haben. Der Fohlenmarkt ist für Vielseitigkeitspferde/fohlen ohnehin so gut wie gar nicht vorhanden.

Die "Produktion" von Vielseitigkeitspferden bleibt auch weiterhin den Idealisten überlassen, die neben ihrem "Brotbaum" (Dressur- oder Springpferdezucht) noch die eine oder andere Blutstute haben und damit für den Busch züchten - in der Hoffnung, irgendwann mal einen Marius oder Sam zu haben, der dann auch rechtzeitig erkannt wird, bevor in der "Flüster-Szene" schon der Stab über ihn zerbrochen wurde.

Machen wir uns nichts vor: Auch die relativ wenigen Nachwuchstalente, die über entsprechende Vermarktungsplattformen tatsächlich verkauft werden, rechtfertigen nicht den Mut, gezielt Vielseitigkeitspferde zu züchten. Dazu sind die Erfolgsaussichten zu gering und der Weg zu lang.

Rolf Hillmann

 

Wer hat die Leidenschaft und das Geld?

Liebe Frau Brandt, Sie sprechen mir aus der Seele. Unsere Pferde haben alle bewusst einen hohen Blutanteil, wie Frau Dr. Engelhardt es so schön ausdrückt: "Abseits vom Mainstream", sozusagen von Buschreitern für Buschreiter, auf Leistung, Härte und Leistungsbereitschaft gezogen.

Bis ich die großgezogen und A-fertig habe (der "Markt" wünscht  Bundeschampionatqualifikation, was ich ablehne, weil ich kein Pferd verheize, sondern ihm Zeit zum Reifen lasse), bin ich schon mehr Geld los als ich bei einer Top-Eventer-Auktion erzielen kann.

Schaun wir uns doch mal die Schnäppchenpreise an im Vergleich zu den Hohenstein-Dressur-Schönlingen, wo man sich doch bei den Rollkur- und Schlaufzügelaktionen mit Grausen abwendet!Da muss man nicht nur einen Pferdevogel, sondern auch noch einen Busch-Vogel haben, so wie wir.....

Frage ist nur: Wie lange kann man sich das als Züchter leisten? Daraus folgt: Welcher Züchter vereinigt langfristig obige zwei Vorraussetzungen: Leidenschaft und Geld? Damit ist die Titelfrage beantwortet.

Sehr geehrter Herr Meier, wie weit fahren Sie für einen 3/4-Blüter von Doppelvererber Herzruf aus einer xx-Stute, deren mütterlicher Bruder mit Andrew Nicholsen vier Sterne ging, einer Stute, die mit 26 Jahren immer noch Beine hat wie ein unverbrauchtes Jungpferd und die beim Galoppieren immer erst warm wurde, wenn die Pferde der Mitreiter schon patschnaß waren? Sie sind herzlich eingeladen!

Ich wünsche allen Buschpferde-Züchtern und Buschreitern weiterhin ganz viel Freude mit ihrer schönen Leidenschaft.

Brigitte Gerber

Teto-Trakehner Traunstein

www.teto-trakehner.de

 

Individualisten und Idealisten

...weil, lieber Kai-Steffen, das Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis noch weniger stimmt als bei den Züchtern "normaler " Pferde. Züchter, die Fohlen verkaufen müssen, weil sie niemand zum Anreiten und Ausbilden haben, können es sich gar nicht erlauben, für den Busch zu züchten. Sie müssen die Pferde zu lange behalten, zu viel Geld hineinstecken und ein zu hohes Risiko tragen, um dann zu wenig dafür zu bekommen.

Buschpferde züchten kann sich deshalb nur derjenige erlauben, der auch die Möglichkeit hat, sein Zuchtprodukt so lange zu behalten, bis es marktreif ist. Was i.d.R. bedeutet: 6-7-jährig, volljährig und erfahren genug, um mit einem Amateur/Junior zumindest eine A sicher zu beenden.

Und weil der Weg so lang und kostspielig ist, ist es auch relativ schwierig, ein gutes 1*-Pferd zu bekommen. Wenn man sich dann mal ansieht, wer Pferde für die Vielseitigkeit züchtet, so sind es doch meistens ehemalige Vielseitigkeitsreiter oder Familienangehörige von Vielseitigkeitsreitern, wie z.B. bei Euch auch...und damit Individualisten und Idealisten, oder etwa nicht?

Maria-Theresa Schädler

Auch Profis geben nicht genug aus

Frau Brandt bringt es auf den Punkt:es wird nicht der Mut der Züchter benötigt, sondern der Züchter muss das Geld mitbringen ..

Und einen Blick in den eigenen Stall zeigt doch beim Beispiel Karascada sehr schön, wie schwer es ist, bis ein Championatspferd "gemacht" ist. Man stelle sich vor, die Stute hätte nicht so einen guten Reiter wie Kai-Steffen und seine dressurreitende Freundin gehabt. Wo wäre die Stute heute? Wo hätte ein "einfacher" Züchter  die "spezielle" Stute ausbilden lassen können, um sie dann einigermaßen kostendeckend zu verkaufen?

Da viele Buschpferde hoch im Blut stehen und/oder Trakehnerblut mitbringen, sind diese Pferde häufig schon etwas speziell (haben aber den Geist, über 3 und 4 Sterne zu laufen). Ist ein Pferd nicht leicht bedienbar und am besten von jedem Junioren reitbar, kann es nur an einen Profi verkauft werden. Die aber geben in den wenigsten Fällen genügend Geld aus, um Zucht, Aufzucht und Ausbildung abzudecken.

So verständlich der Wunsch von Kai-Steffen auch ist, aber es können sich nur ganz wenige die Erwartung erfüllen.

Sigrid Sager

 

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