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Muss sich Frank Ostholt demnächst von Mr. Medicott trennen? Ein drohender Verkauf würde das deutsche Olympiaaufgebot schwächen (Foto Julia Rau)

Mr. Medicott

Ostholt verliert Olympiapferd an Karen O'Connor

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Mittwoch, 16. November 2011, 22 Uhr. Der Ausverkauf deutscher Vielseitigkeits-Championatspferde geht weiter: Nach verlässlichen Informationen von buschreiter.de geht Frank Ostholts Mr. Medicott an die US-amerikanische Championatsreiterin Karen O'Connor. Allerdings ist der sensationelle Pferdedeal im Moment eine Hängepartie, weil es nach einer tierärztlichen Ankaufsuntersuchung medizinische Vorbehalte gibt. buschreiter.de berichtet als erste Website national und international über den spektakulären Handel (siehe auch den urheberrechtlichen Hinweis).

"Das ist mehr als unerfreulich", sagte Bundestrainer Hans Melzer am Mittwoch am Rande des Stuttgarter Schleyerhallenturniers, wo auch Frank Ostholt am Start ist – allerdings nicht mit Mr. Medicott. Melzer bestätigte auf Anfrage die Information, wonach es sich beim Käufer um den US-amerikanischen Vielseitigkeitsstar Karen O'Connor bzw. einen Sponsor handelt.

"Absoluter London-Kandidat"

Das Pferd sei von einem US-amerikanischen Tierarzt in einer deutschen Pferdeklinik untersucht worden, aber über die Art des Befundes wisse er nichts, sagte Melzer im buschreiter-Interview. "Wir hoffen, dass der Verkauf doch nicht zustandekommt und uns das Pferd erhalten bleibt, das ist ein absoluter London-Kandidat", so der Bundestrainer. Seit Tagen gebe es keine Reaktion der Käufer.

"Vollendete Tatsachen"

Einziger (Vor-)Besitzer des Top-Pferdes ist der langjährige Sponsor von Frank Ostholt, der Geschäftsmann Gerd-Hermann Horst. Über die aktuellen Verkaufspläne des Eigentümers war dem Vernehmen nach auch Frank Ostholt selbst überrascht. "Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden, das war so überraschend, dass wir nichts machen konnten", berichtete Hans Melzer.

Telefonhörer aufgelegt

Offenbar hat der Pferdeverkauf bei dem FN-Offiziellen und Ostholt-Förderer Reinhard Wendt massive Verärgerung ausgelöst. In Warendorf ist von einem Telefonat Wendts mit Gerd-Hermann Horst die Rede, das Letzterer dann abgebrochen haben soll. Reinhard Wendt habe dann seine Argumentation in Form eines Briefes an den Eigentümer von Mr. Medicott fortgesetzt. Dieser Brief, so heißt es in Warendorf, sei nicht sehr freundlich gewesen.

Kontakt durch Dirk Schrade?

Pikant an dem Top-Geschäft im Vielseitigkeitssport ist der Umstand, dass Frank Ostholts Championatskollege Dirk Schrade mehreren unabhängigen Quellen zufolge an der Vermittlung des potenziellen Olympiapferdes ins Ausland mitgewirkt haben soll. Bundestrainer Hans Melzer bestätigte dies buschreiter.de auf Anfrage: Gerd-Hermann Horst habe Dirk Schrade angesprochen und gebeten, einen entsprechenden Kontakt zu Karen O'Connor herzustellen, so Melzer.

Andere Nationen gestärkt

Insider überrascht die Verkaufsabsicht Horsts nicht wirklich: Schon vor den Weltreiterspielen habe dieser mit dem Gedanken gespielt, ein Top-Pferd zu verkaufen und den Erlös in Nachwuchspferde zu investieren, heißt es in der Szene. Bundestrainer Melzer sieht in mehrfacher Hinsicht eine unselige Wirkung der vorangegangenen Verkäufe von Butts Leon und Charly Weld ins Ausland: "Herr Horst ist ein Geschäftsmann, und er hat gesehen, dass man Geld verdienen kann." Dass nun die Gefahr besteht, dass ein drittes potenzielles London-Pferd in einem Stall außerhalb der deutschen Grenzen steht, lässt Hans Melzer nicht gerade ruhig schlafen: "Das ist alles andere als schön, dass mögliche Goldpferde nun andere Nationen stärken."

"Das kann in die Hose gehen"

Eine Erfolgsgarantie kann Bundestrainer Melzer für mögliche Käufer allerdings nicht sehen. Einmal müsse der Eigentümerwechsel bis zum Stichtag 31. Dezember 2011 vollzogen sein, damit ein Pferd mit dem neuen Reiter bei Olympia startberechtigt ist. Hinzu komme das Risiko, dass das Paar dann in ganz kurzer Zeit die erforderlichen Qualifikationsergebnisse erbringen müsse. Hans Melzer im buschreiter-Interview: "Das kann auch in die Hose gehen."

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Lesermeinungen

 

Pferdehandel ist nicht verwerflich

Heutzutage reiten doch sowieso fast nur noch Profis auf den Olympischen Spielen und sonstigen Championaten. Es ist für mich daher nicht erstaunlich, dass dabei finanzielle Interessen, die nicht nur bei den Reitern, sondern auch bei den Pferdebesitzern bestehen, wahrgenommen werden. Also müssen gerade Berufsreiter mit diesem Schicksal leben. Immerhin leben neben der Reiterei auch viele Berufsreiter vom Pferdehandel, was nicht verwerflich ist!

Klar gibt es da auch nationale Interessen – bei allem Verständnis, aber wie verhält es sich denn in anderen Sparten des Reitsports? Dort werden auch Spitzenpferde ins Ausland verkauft. Die Deutschen sind da keine Spur besser – man denke nur an das prominente Beispiel des KWPN-Hengstes Totilas. 

Kilian Ackermann, Leverkusen