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Großer Konsens der Experten: Christopher Bartle, Hans Melzer und Martin Plewa (von links, Fotos Julia Rau). Oben Andreas Dibowski beim Vortrag.

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Marbach 2008/Expertendiskussion

Sicheres Reiten durch mehr Training im Cross

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Das Thema Sicherheit im Gelände stand im Mittelpunkt der Expertendiskussion am Vorabend des Drei-Sterne-Cross in Marbach. Bundestrainer Hans Melzer war es, der einen naheliegenden, aber von manchen Buschreitern nicht genug beherzigten Rat in die laufende Safety-Debatte eingeführt hat: Das regelmäßige und effektive Training im Gelände trägt entscheidend dazu bei, Risiken zu verringern.

Das einfache Rezept des Bundestrainers, der häufig Reiter und Pferde auf allen Levels im Luhmühlener Gelände unterweist: "Gutes Geländereiten bedeutet, dass man die Dinge sehr häufig und abrufbar macht." Allerdings sieht Melzer, dass dieser Trainingsaspekt in Deutschland an seine Grenzen stößt: es gebe in Deutschland zu wenig Trainingsplätze (Tips und Anregungen hier) – und es gebe zu wenig qualifizierte Ausbilder. Der Trainer wörtlich: "In der Grundausbildung läuft im Moment leider viel verkehrt." Beim Coaching von Reitern und Pferden seien häufig "Spezialisten" am Werk, die nur wenig Zugang zum vielseitigen Reiten hätten. Melzer bezog seinen Trainingsrat auch auf die Analyse von Unfällen im Gelände: Das regelmäßige Geländetraining müsse die Pferde dazu erziehen, dass sie in kritischen Situationen "mitentscheiden". Viele Unfälle entstünden dadurch, dass die Pferde am Sprung schlicht gestört würden.

Kontakt zum Sattel

Diesen Aspekt stellte auch der vielbeschäftigte Ausbilder Andreas Dibowski in den Mittelpunkt seiner Vortrags mit dem Titel "Moderne Anforderungen an das Reiten im Gelände - Bedingungsloser leichter Sitz?" Wie schon öfter bei öffentlichen Diskussionen und Lehrgangsvorträgen übte Dibowski Kritik am "Richtlinien"-Sitz: Zu weit nach vorne gebeugter Oberkörper, klemmendes Knie als Drehpunkt für einen nach hinten rutschenden Schenkel usw. Dem setzt Dibo die leicht nach außen gedrehten Fußsspitzen, das Reitergewicht im tiefen, federnden Absatz, die Tendenz zum Aufrichten des Oberkörpers beim Anreiten des Sprunges mit Kontakt zum Sattel ohne schweres Sitzen oder Schieben mit dem Körpergewicht entgegen.

Balance und Gleichgewicht

Die Verantwortung des Reiters sei es, für die korrekte Richtung, die Linie, das angemessene Tempo, die Balance und das Gleichgewicht zu sorgen. Nach einer längeren Galoppstrecke müsse sich der Reiter darum bemühen, das Pferd vor dem Sprung in eine "aufrechte Position" zu bringen. Dibo: "Je mehr das Pferd abtaucht, desto gefährlicher wird es." Die Aufgabe des Jockeys: Das Pferd versammeln, ohne langsamer zu werden oder den Rhythmus zu verlieren. Dabei dürfe das Gesäß durchaus Kontakt bekommen. Sitze der Reiter aber zu stark ein, dann mache das Pferd "im Rücken zu".

Notfalls frei agieren

Oder anders formuliert: Der Reiter soll mit treibenden Hilfen den "Kontakt suchen", ohne aber mit einem kürzeren Zügel das Pferd zu stark einzuengen. Andreas Dibowski: "Der Reiter muss das Pferd kontrollieren, ohne dass es das Gefühl hat, kontrolliert zu werden." Das Pferd müsse in jeder Phase die Möglichkeit haben, "mit dem Hals zu balancieren". Es müsse in Notsituationen frei agieren können, ohne sich von den Hilfen befreien zu müssen. Die Eigeninitiative des Pferdes dürfe nie blockiert werden, sondern sie solle positiv genutzt werden. "Das Pferd behält die Verantwortung, Fehler ausgleichen zu können."

Andreas Dibowski beschrieb in seinem Vortrag das Phänomen, dass es angesichts großer technischer Ansprüche des Geländeaufbaus weniger zu Verweigerungen an diesen Komplexen komme, während vermehrt Stürze an normalen Füllsprüngen passieren. "Die Pferde haben nicht gelernt, selbst Verantwortung zu behalten."

"Prozess der Willensbildung"

Olympiareiter Hinrich Romeike verbalisierte das Wechselspiel von Reiter und Pferd so: Es komme aus seiner Sicht darauf an, einen gewissen "Druck am Gebiss" aufzubauen, um den "Prozess der Willensbildung im Pferd begleiten" zu können. Romeike zur Sitz-Diskussion: "Es gibt keinen leichten Sitz in der Schablone." Und Dr. Annette Wyrwoll assistierte: "Der leichte Sitz ist unterschiedlich je nach Tempo."

"Geländereiten ist keine genaue Kunst, es hat etwas mit Überraschung zu tun", lautet das Motto von Bundestrainer Christopher Bartle. Deshalb müsse die Sitzposition dicht, aber nicht schwer am Sattel sein. Dynamisches Reiten aus hohem Tempo lege es nahe, die Unterschenkel vermehrt nach vorne zu positionieren.

Probleme mit der "Dynamisierung"

Reitmeister Martin Plewa bezeichnete es als entscheidend, dass sich der Reiter selbst ins Gleichgewicht bringt. "Die Balance ist der Sicherheitssitz." Bei der "Dynamisierung" des Gleichgewichts würden sich viele Reiter schwer tun. Die meisten Stürze entstünden dadurch, dass der Rhythmus unterbrochn werde. Der Pferd müsse aus hohem Tempo in fremdem Gelände Sprünge überwinden, die es noch nie gesehen habe. Es müsse dazu erzogen werden, möglichst viel Selbstständigkeit zu entwickeln. Mit Blick auf die Formatänderung der Disziplin sagte Plewa, er bedauere es, dass es keine Rennbahn-Phasen mehr gebe. Als Folge dessen lernten viele Pferde es nicht mehr ausreichend, "sich aus einer unglücklichen Absprungdistanz zu retten". Auf Ein- und Zwei-Sterne-Niveau wäre die Rennbahn sinnvoll.

Sicherheit vor Schönheit

Andreas Dibowski brachte die Sicherheits-, Stil- und Sitzdiskussion auf folgenden Leitsatz: "Sicherheit und Effektivität muss im Vordergrund stehen, Sicherheit geht vor Schönheit, sicheres Reiten ist gutes Reiten und gutes Reiten ist schönes Reiten."

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