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Buschsport in Vollendung: Michael Jung und Sam (links), Frank Ostholt und Air Jordan (unten links) und Dirk Schrade/Huskey (unten rechts). Alle Fotos: Julia Rau |
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CIC***/CIC** Marbach 2008 Olympia-Kandidaten bestens aufgelegt Startet Michael Jung nun durch? VON WOLF-DIETRICH NAHR Die internationale Vielseitigkeit in Marbach sah mindestens drei Hauptgewinner: das erweiterte Olympia-Team, das sich beim Sichtungs-Auftakt-Turnier auf der Schwäbischen Alp in ehrlich ausgezeichneter Form präsentierte; CIC***-Sieger Frank Ostholt, der die Weltklasse-Form von Air Jordan im konditionell anspruchsvollen Cross eindrucksvoll dokumentierte; Michael Jung, der drei hochtalentierte Pferde in beiden Prüfungen ganz nach vorne brachte – und sich damit ausdrücklich für zukünftige Championatseinsätze empfohlen hat. Bilderbuch +++ Tolle Filme aus dem Cross +++ Ergebnisse++Marbacher Zitate +++Experten-Diskussion Der Jung-Star aus Baden-Württemberg belegte mit der lange verletzungsbedingt pausierenden Miss Meller TSF in der Drei-Sterne-Prüfung den 2. und mit dem erst 8-jährigen Junge-Pferde-WM-Strahlemann La Biosthetique Sam FBW in dessen erster Drei-Sterne-Prüfung den 3. Platz. Buschreiter.de wollte von Bundestrainer Hans Melzer wissen, ob Michael Jung damit auch Chancen für einen Einsatz bei internationalen Championaten bekommt. Und der Nationalcoach schloss dies bei aller Zurückhaltung nicht aus: Jung habe in Marbach seine Form bewiesen; höhere Aufgaben seien allerdings daran geknüpft, dass Jung mit beiden Pferden in der gesamten Saison 2008 eine gleichbleibende Leistungskurve zeige und noch ausstehende Qualifikationsergebnisse erreiche. Melzer: "Dann kann er im nächsten Jahr sicher sagen, hier bin ich, es wäre dann einer mehr dabei, und Konkurrenz belebt das Geschäft." Melzer erklärte, dass der Reiter mit Miss Meller und Sam über zwei Pferde "für dieses Level" verfüge. Auch der Letztere bringe "alles mit, was ein modernes Buschpferd braucht". "Eine große Zukunft vor uns" Michael Jung lobte den 8-jährigen Sam sehr: "Ein sehr qualitätvolles Pferd, das eine sehr gute Dressur gehen kann, sehr viel Springvermögen und Vorsicht mitbringt und schnell und mit viel Übersicht im Cross unterwegs ist." Der Jung-Star weiter: "Ich hoffe, dass wir eine große Zukunft vor uns haben." Was der Bundestrainer am Samstag im buschreiter-Interview noch nicht wissen konnte: Michael Jung gewann am Sonntag den CIC** mit Desperado S. Am Samstag gab es dann kurz vor der Siegerehrung am Rande des Geschehens eine Szene, die vielsagend war: Bundestrainer Christopher Bartle ließ mit Michael Jung dessen Ritte im Detail nochmals Revue passieren und gab ihm eine Reihe von Tips. Und Bartle sagte einen Satz, an den sich der ehrgeizige und erfolgsgewohnte Michael Jung sicher länger erinnern wird: "Ich weiß, du bist ein Gewinnertyp, aber du musst auch manchmal wie ein Poker Player sein." "Klasse und Routine" Die große Zukunft liegt für die Olympia-Aspiranten hoffentlich noch etwas näher. Und einer der Favoriten für Hongkong ließ beim ersten Test in Marbach keinen Wunsch offen. CIC***-Sieger Air Jordan sollte zum Auftakt laut Vorgabe der Bundestrainer im hügeligen Gelände "wieder ein gutes Gefühl" bekommen, so Hans Melzer mit Verweis auf die konditionellen Probleme, die Ostholts Hannoveraner Halbblüter im Herbst 2007 bei der EM im heißen Pratoni etwas zu schaffen gemacht hatten. Ostholt selbst war im Ziel schlicht begeistert von "Jojo": "Phänomenal, man merkt ihm die Klasse und die Routine einfach an." Der amtierende Mannschaftsweltmeister Air Jordan gastierte seit 2003 bei jedem internationalen Championat. "Er hat auch heute nicht links und nicht rechts mit dem Ohr gewackelt. Es ist ein Traum, so ein Pferd haben zu dürfen. Es ist ein Hochgefühl, wenn man mit ihm durchs Gelände reiten darf." Frank Ostholt brachte auch noch das Kunststück fertig zwei weitere Pferde in der Drei-Sterne-Prüfung ins Ziel zu reiten: Little Paint wurde 30. und Mr. Medicott segelte an Platz 4 ins Ziel. "Am Anfang war er sehr stark, etwas weniger wäre mir lieber gewesen, er war sehr motiviert." Nicht zu hohes Tempo Auch sonst zeigte sich Hans Melzer überzeugt von dem Testlauf für Hongkong: "Jeder ist so geritten, wie er es sich vorgenommen hat." Hinrich Romeike und Marius Voigt-Logistik (10.), Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas (12.) sowie Beeke Kaack und Sinjang (33.) sollten "flüssige Runden in nicht zu hohem Tempo" reiten – was diese auch taten. "Wenn man eine Order kriegt, dann weiß man zumindest, dass die Trainer etwas sehen wollen ...", sagte Ingrid Klimke im buschreiter-Interview. Sie durfte im Marbacher Cross im Sattel von Abraxxas die Uhr nicht mitnehmen, berichtete die Amazone mit ganz leicht säuerlichem Gesichtsausdruck. "Ich reite immer sehr schnell, aber diesmal habe ich das Tempo bewusst herausgenommen. Ich bin ja auch in Kreuth schon langsam geritten. Aber in Luhmühlen und in Aachen werde ich das kleine Rennpferd wieder galoppieren lassen." Mit Blick auf einen Olympia-Einsatz ist Ingrid Klimke "optimistisch". Sie erinnert daran, dass Abraxxas bei der EM in Pratoni bestes deutsches Mannschaftspferd und am Ende "total fit" gewesen sei, als viele Pferde schon deutliche Ermüdungserscheinungen gezeigt hätten. "Ich denke, dass das in Hongkong schon eine Rolle spielt." Vier Tage am Rodderberg Während Marbach noch nicht als "Pflichtsichtung" gewertet wurde, gibt es ab Anfang Juni einen relativ strikten Fahrplan für die Vergabe der Olympia-Tickets: An ein viertägiges Trainingslager in Bonn-Rodderberg auch mit den beiden "englischen" Paaren Bettina Hoy/Ringwood Cockatoo und Anna Warnecke/Twinkle Bee schließt sich das Turnier in Luhmühlen an, wo die Hongkong-Aspiranten auf Drei-Sterne-Niveau gegeneinander antreten werden. Mitte Juli dann wird es in Aachen Ernst: Nach dem Event erfolgt die endgültige Nominierung. Unheimliches Grundtempo Der Marbach-Test für Dirk Schrades Huskey lautete, das Pferd in die Zeit zu reiten, was mit zwei Sekunden über der Optimum Time von 6 Minuten und 30 Sekunden fast gelang. "Das ist ein Pferd, das immer 110 Prozent geben will und alles richtig machen will, er hat ein unheimliches Grundtempo, er verliert keine Sekunde am Sprung", sagte Schrade über den unscheinbaren Iren, der es in sich hat. Die Olympia-Chancen? Es gebe noch einige andere Paare mit mehr Championatserfahrungen. "Ich habe kein Problem damit...", sagte er im buschreiter-Interview und meinte damit, eventuell doch nicht zu Zuge zu kommen. Dann sagte Dirk Schrade artig diesen Satz: "Das Schöne ist, ich kann warten, und wer lange weitermacht, der hat irgendwann Erfolg." Pause. Dann korrigierte sich Dirk Schrade: "Nein, ich kann nicht warten, ich bin sehr hungrig." Ganz schön abgeklärt "Marius, das Denkmal", zitierte Hinrich Romeike im Sattel des Holsteiner Schimmels beim Warten auf die Ehrenrunde beim CIC*** einen Journalistenkollegen und meinte damit die Coolness des Weltpferdes, das beim Interview interessiert die Nase in den Block des Reporters steckt und knarzend mit dem Gebiss spielt. "Mit den Jahren ist er ganz schön abgeklärt geworden." Im Marbacher Cross jedenfalls habe er "an jedem Sprung ein optimales Gefühl gehabt, das ist ihm leicht gefallen heute." Der 14-jährige Marius wird den beschreibenen Sichtungsweg ohne Schongang durchlaufen. Verbesserte Dressur Auch für Andreas Dibowski lief es plangemäß: FRH Fantasia beendete den CIC*** im Mittelfeld und Dibos potentielles Olympia-Pferd Butts Leon nutzte die neue Stadion-Atmosphäre in Marbach für einen Championatstest außer Konkurrenz, allerdings ohne Start im Gelände. "Das Pferd hat sich sehr gut präsentiert, war null im Parcours und hat sich in der Dressur deutlich verbessert", sagte Bundestrainer Melzer. Butts Leon wird in zwei Wochen bei der Weltcup-Prüfung in Malmö genauso am Start sein wie Peter Thomsens The Ghost of Hamish, der ja ebenfalls Olympiachancen wahren will. Thomsen zog das Pferd allerdings vor dem Marbacher Gelände zurück. Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen hatte für ein tendenziell hartes Geläuf gesorgt. Allerdings hatten der Veranstalter und das Team um Course Designer Gerd Haiber großen Aufwand betrieben, um die Strecke letztlich "fast perfekt" (Hans Melzer) zu präparieren. Dafür war sogar die "Loch-Maschine" aus Warendorf "eingeflogen" worden, die am Samstag bis wenige Minuten vor dem Start des ersten Paares über die Trasse ratterte. Hektische Runde Gerd Haiber hatte sich keine besonderen "Features" mit Blick auf Olympia ausgedacht, aber immerhin ein gutes halbes Dutzend neuer Hinderniskomplexe und -elemente hinzugebaut (buschreiter.de berichtete ausführlich). "Eine motivierende Einlaufprüfung mit Niveau", lautete das Generalthema Haibers. Vor allem die besonders sicher gestalteten Hindernisoptiken und -profile fanden viel Lob bei Reitern und Offiziellen. Das Resultat sprach für sich: Von 60 Teilnehmern waren letztlich 47 in der Wertung; vier Paare gaben im Cross auf, darunter der Ungar Balazs Kaizinger, der mit Gidran Noe am technischen Komplex 5 spektakulär stürzte;Harald Ambros (Österreich) nahm mit Quick am Jeep-Teich nach einer bis dahin hektischen Runde ein kühles Bad und wurde als einziger disqualifiziert. Acht Reiter zogen ihre Pferde vor dem Gelände zurück. "Nicht so glückliche Bilder" Bundestrainer Hans Melzer war mit den Leistungen der allermeisten Reiter in der Drei-Sterne-Prüfung sehr zufrieden. Aber er übte auch deutliche Kritik, was zumindest öffentlich eher selten vorkommt: "Es gibt zwei, drei Reiter, mit denen ich mich noch unterhalten werde, die haben nicht so glückliche Bilder produziert." Die Belgierin Karin Donckers konnte sich nach der Siegerehrung nur kurz über die Schleife für Platz 7 mit Rose S Merlin freuen: Bei der Ehrenrunde ging die Championatsreiterin unsanft zu Boden, während das Pferd vom Platz trabte. Eine schmerzhafte Prellung hielt die Amazone nicht davon ab, am nächsten Tag im CIC** Palmyra auf den 2. Platz zu reiten, vor dem Schweizer Jacopo Buss/Haifa Berence. Die Warendorfer Berufsreiterin Anna Junkmann sicherte sich die Plätze 4 und 7. Ebenfalls zwei Pferde platzierte die Österreicherin Katrin Khoddam-Harati. 52 Paare starteten ins Cross des CIC**. 48 Reiter und Pferde beendeten die Prüfung. Zu Beginn der Geländeteilprüfung kam es allerdings zu vier Stürzen. Die Turnierleitung nahm Element a am Hindernis 4 aus der Wertung. Die vier verunglückten Joeckeys wurden notärztlich behandelt und konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Eine deutsche Amazone befand sich am Sonntag nach Veranstalterangaben noch in stationärer Behandlung. Marbach war auch der Rahmen für das Berufsreiter-Championat 2008: Die Titel und Insignien gingen an Frank Ostholt, Michael Jung und Dirk Schrade. Auch baden-württembergische Meistertitel wurden vergeben: 1. Michael Jung/Desperado S, 2. Andrea Proß/Oskar, 3. Jennifer Fügel/Chiara). Ergebnisse: CIC***, CIC** |
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Landesmeister in Baden-Württemberg: Michael Jung mit Andrea Proß und Jennifer Fügel. Rechts: Die Berufsreiter-Champions Frank Ostholt, Michael Jung und Dirk Schrade (Fotos: Julia Rau) |
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