Buschreiter.de — aktuell: Marbach

Champions wie am Fließband

VON JULIA RAU UND WOLF-DIETRICH NAHR (Redaktion)

Eine Woche nach dem verpassten Fast-Sieg beim Klassiker in Badminton konnte sich der australische Olympiareiter Andrew Hoy im Sattel von Master Monarch mit dem Gewinn des CIC*** in Marbach trösten. Auch die Rolle des Runners Up blieb in der Familie: Bettina Hoy pilotierte Woodsides Ashby auf Platz zwei, gefolgt von dem austro-kroatischen Eventer Pepo Puch/Grim.
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Bettina Hoy, Führende nach Dressur und Springen, war als letzte in die Marbacher Geländeprüfung gestartet und trug den Sieg im Deutschen Berufsreiterchampionat Vielseitigkeit davon. Der Titel des Vizemeisters ging an Andreas Dibowski (Döhle) mit Leonas Dancer, der in der CIC***-Gesamtwertung auf dem sechsten Platz landete (55,0). Die Bronzemedaille sicherte sich der aus der Nähe des Haupt- und Landgestüts Marbach stammende Dirk Schrade, Mitglied der Warendorfer Perspektivgruppe Vielseitigkeit, mit der Württemberger Stute Sindy. Im CIC*** erreichte das Paar den elften Platz (59,3). Mit Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius (62,0) und Ingrid Klimke (Münster) mit Sleep Late (64,5) belegten zwei weitere deutsche Olympiakandidaten auf den Plätzen 14 beziehungsweise 17. Während Romeike seinen Simmel sichtlich nicht am Limit ritt, vergab die dreifache Deutsche Meisterin Ingrid Klimke mit Sleep Late ausgerechnet am Hindernis 13 den Sieg. Mit Concord war die Amazone zum Gelände nicht angetreten. Mit 66 Startern aus zwölf Nationen war der CIC*** Marbach nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ sehr gut besetzt. Neben den Deutschen nutzten unter anderem auch die Österreicher und Belgier die Chance, ihre Olympiaaspiranten zu testen. Bester Alpenrepublikaner (nach Pepo Puch) war Harald Ambros mit Miss Ferrari auf Platz 5. Der mögliche Olympia-Aspirant Robert Sirch lieferte mit Lyonel wiederum eine gute Dressurleistung (45.0) ab und verbaute sich aber mit vier Abwürfen im Parcours ein besseres Ergebnis (20.), wobei die fehlerfrei Drei-Sterne-Runde wieder bemerkenswert war. Zufrieden äußerte sich Bundestrainer Hans Melzer nach der Prüfung zum Abschneiden der deutschen Reiter. "Die Devise, die wir ausgegeben hatten, war, nicht von vorne herein schnell zu reiten, sondern eine positive Runde zu drehen." Einen besonderen Trainingseffekt sah Melzer in den besonderen Bedingungen, die das Haupt- und Landgestüt Marbach bietet, so zum Beispiel die Stadionatmosphäre bei den Dressur- und Springprüfungen oder auch das hügelige Gelände, "das unserer Paaren zu einem richtigen Konditionsschub verholfen hat". Melzer sprach von einem "Kurs vom Feinsten", der aber auch "schwer genug" gewesen sei. Der Bundestrainer sieht nach dem vergleichsweise schlechten Abschneiden der Deutschen (dagegen fünf Belgier unter den ersten 15) kein wirkliches Problem, denn der Steher von Sleep Late und der Rumpler von Elmar Lesch mit Herakles seien einfach Pech gewesen. Erstere werde dadurch beim CCI*** Saumur nicht demotiviert, sondern nach dem Motto "Jetzt erst recht!" reiten. Dort will Ingrid Klimke ihr Olympiapferd von Sydney für Athen nachqualifizieren. Elmar Lesch hinterließ mit dem Schimmel ein sehr gutes Bild (Dressur verbessert, Springen Null) und kommt neben dem erweiterten Olympiakader durchaus für Athen in Frage, wie der Bundestrainer schon in Kreuth anklingen ließ. Nun darf man darf gespannt sein, wie die sechs Deutschen abschneiden, die am nächsten Wochenende Chatsworth reiten: die Ostholt-Brüder Frank und Andreas, Malte Dohm, Adam Liedermann, Peter Thomsen und Stefanie Thompson, die ihr Pferd in Badminton nach der Rennbahn zurückgezogen hatte. Zurück zum CIC***-Cross: Die Schwierigkeiten verteilten sich gleichmäßig: Die Sprungkombination 5 forderte Opfer (Harald Riedl mit Foxy xx, der sich beim Sturz einen Nasenbeinbruch zuzog), ebenso 13 (hangaufwärts zu springende Stufen mit eine schmalen hohen Schlußelement, wo neben anderen auch Ingrid Klimke patzte, siehe oben) und das zweite Wasser mit dem Aufsprung auf den schmalen Steg, der letztes Jahr noch Bestandteil des CIC** war. Beim Einsprung ließen einige Pferde (darunter Nikita von Karin Donckers und Andreas Dibowskis Little Lemon) ein Vorderbein stehen, was die Reiter in "Wohnungsnot" brachte. Tribut an die begehrte Medienpräsenz: Dieses Jahr lag der Start (anders als gewohnt und abweichend auch beim CIC* und CIC**) auf dem Plateau in unmittelbarer Nähe des Ziels — ein Wunsch des Fernsehens. SWR übertrug kurz, deswegen wurde sogar der Starttakt der letzten Reiter von drei auf sechs Minuten hochgesetzt! Die Berufsreiterchampionesse Bettina Hoy wirkte im Ziel zunächst recht frustriert: Woodsides Ashby brauchte wieder einmal — wie schon im Herbst in Burghley — eine konsequente Reiterin: Der Schimmel ließ sich am Einsprung des zweiten Wassers deutlich mit Stimme und Gerte auffordern. Andrew Hoy musste im Ziel erst darauf aufmerksam gemacht werden, dass er nun gewonnen hatte. Das deutsch-australische Profi-Paar aus England sparte nicht mit Lob für den Event. Ihnen hatte Dirk Schrade ("unser Schüler"; er war letztes Jahr drei Monate in Gatcombe), von Marbach vorgeschwärmt. 21 Stunden Fahrt haben sich (zumindest finanziell) für die Hoys nicht richtig gelohnt, denn es gab neben einem Sattel als Ehrenpreis (Andrew Hoy: "Dressage or Jumping saddle?!") gerade mal 1100 Euro für den ersten und 900 Euro für den zweiten Platz. Immerhin war Andrew vom Boden begeistert: In England müssten selbst in Badminton ("nice estate") Reiter und Pferd auf glitschigem Gras Höchstleistungen in Dressur und Springen erbringen, hier sei ein Allwetterboden selbst bei dem Dauerregen der letzten Tage wunderbar zu reiten. Das Siegerpferd Master Monarch ist der Vierbeiner, der früher von Brook Staples geritten wurde und vorübergehend vom Eigentümer unter merkwürdigen Umständen aus dem Stall Hoy in Gatcombe "entfernt" worden war (was buschreiter.de-Leser natürlich wissen). Master Monarch ist einer von drei Olympiakandidaten im Stall von Andrew, neben dem letzte Woche in Badminton plazierten Mr. Pracatan und Moon Fleet. Dessen Dressur ist ausbaufähig, deswegen trainieren Bettina und Andrew mit Dolf-Dietram Keller (Bundestrainer Dressur der Junioren und Jungen Reiter). Beide gehen nach Bonn und Luhmühlen und wollen im Herbst Kreuth reiten. Am Rande notiert: Die deutschen Ex-Bundestrainer geben sich in Marbach ein Stelldichein. Martin Plewa trainiert die Schweizer, Horst Karsten ja bekanntlich die Österreicher... Eine Premiere feierte in Marbach darüber hinaus der "Youngster Cup", eine Prüfungsserie, die sich an junge Vielseitigkeitsreiter bis 25 Jahre und Reiter mit Pferden zwischen sieben und neun Jahren richtet und ihnen den Einstieg auf "schweres Niveau" erleichtern soll. So führte die Geländestrecke auch weitgehend über den Kurs des CIC***. Nur eine Sekunde fehlte der nach Dressur und Springen führenden Simone Deitermann mit Flambeau H am Ende zum Sieg (57.8), den sie damit an Lokalmatadorin Christiane Stahl (Nagold) mit Bantry Bay abtreten musste (57.5). Beide Reiterinnen gehörten 2002 zum Goldmedaillenteam der EM der Jungen Reiter und starten zweiten Jahr als "Senioren". Seine erste Saison im "Erwachsenenlager" tritt dagegen Michael Jung (Horb) an, der mit dem erst achtjährigen Iren Candle Light sogar beide Kriterien des Youngsters Cup erfüllte. Er wurde mit 60.2 Strafpunkten Dritter vor Hanno Vreden (Langenfeld) mit dem zweifachen Bundeschampion des Deutschen Vielseitigkeitspferdes, Limited Edition (Hannoveraner von Lauvauzelle xx) mit 65.5 Strafpunkten. Auf dem fünften Platz landete Bettina Hoy, die Diamond Magic vorstellte (71.7). Insgesamt gingen bei der Youngster-Cup-Premiere 20 Paare an den Start.    Michael Jung siegte auch in einer Abteilung des CIC** mit Miss Meiler und wurde nebenbei Baden-Württembergischer Landesmeister der Ü 21 (Silber Dirk Schrade, Bronze Yvonne Pupke, Winterlingen). Dirk Schrade war schließlich als einziger mit Pferden in der Wertung aller Sterne-Prüfungen "All-Stars-Champion". Die zweite CIC**-Abteilung ging an die Belgierin Karin Donckers/Steelebrook, welche am Wochenende zuvor noch beim CCI**** in Badminton im Sattel von Lamicell Chumbawumba 32. war. Und noch ein Jung-Sieg: Mit Biosthetic´s Maricos in einer Abteilung des CIC*, während die andere an Inken Johannsen mit Lamina ging. Die Ex-Vizeeuropameisterin ritt ihr Nachwuchspferd Geliebte übrigens fehlerfrei in die Drei-Sterne-Wertung. Zu melden ist außerdem noch, dass Christine Seitz mit Amigo den CICJY* gewann und Leonie Dissmann (Altensteig) Baden-Württembergische Meisterin bei den Junioren wurde (Silber Simon Satorius, Bönnigheim, Bronze Desiree Wasem, Altheim).

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