Von Luhmühlen nach Hongkong
"Die Deutschen haben den stärksten Kader"
„Wir haben in Peking noch ein Hühnchen zu rupfen“, sagte Hinrich Romeike bei einem Treffen von sechs der neun deutschen Olympiakader-Mitglieder in Lüneburg mit Blick auf die Franzosen, deren Einspruch in Athen damals die Aberkennung der Goldmedaillen der deutschen Vielseitigkeitsreiter bewirkt hatte.
Bundestrainer Hans Melzer und die Top-Eventer waren zu einem Pressetalk nach Lüneburg in die Räumlichkeiten von E.ON Avacon, des Titelsponsors der internationalen Vielseitigkeit CCI**** in Luhmühlen, gekommen. Gut zwei Dutzend Medienvertreter nahmen die Gelegenheit wahr, die Aktiven über ihre Pläne und Ziele im Olympiajahr auszufragen. Und die gaben bereitwillig Auskunft. Hans Melzer machte schon bald klar, dass man nach den hervorragenden Ergebnissen der letzten Jahre auf internationaler Bühne die Favoritenrolle gern annimmt: „Druck ist gut!“, sagte der Bundestrainer. „Und es ist ja auch tatsächlich so, dass wir auch in der Breite den stärksten Kader haben.“
"Die Motivation ist riesig"
„Die Motivation ist bei uns allen riesig. Ganz egal, wer dann am Ende in Hongkong starten darf.“ Fünf der zurzeit neun Olympiakader-Reiter dürfen am Ende mit jeweils nur einem Pferd mit nach Hongkong fliegen, wo das Reitturnier der Olympischen Spiele von Peking stattfinden wird. Und obwohl das unter den Aktiven natürlich eine harte Konkurrenzsituation schafft, sei die Stimmung im Team trotzdem exzellent, wie auch Routinier Hinrich Romeike versicherte, der mit seinem Ausnahmepferd Marius schon bei dem durch eine sportgerichtliche Entscheidung verpassten Olympiasieg 2004 (am Ende Platz vier) sowie beim Gewinn des Mannschafts-WM-Titels 2006 in Aachen dabei war.
"Krone auf dem Festland"
Dass der Weg Richtung Peking über Luhmühlen führt, freut natürlich die Veranstalter ebenso wie den neuen Titelsponsor E.ON Avacon. Schließlich ist E.ON auch offizieller Partner des deutschen Olympiateams. Die Turniergesellschaft hat deshalb extra die bisher als Zwei-Sterne-Prüfung ausgeschriebene Milford Trophy zu einem Drei-Sterne-CIC aufgewertet. Die meisten deutschen Kaderreiter werden mit ihren potenziellen Olympia-Pferden diese Prüfung als Generalprobe vor den Spielen nutzen. „Ich freue mich, dass ich dieses Jahr wieder Luhmühlen mitnehmen kann, weil das Turnier für mich immer schon ganz klar die Krone auf dem europäischen Festland war. Letztes Jahr passte das wegen meiner geplanten Teilnahme in Badminton ja leider nicht“, so Hinrich Romeike.
Auch für Ausländer attraktiv
„Die Aufwertung der Milford Trophy zur Drei-Sterne-Prüfung kommt dem gesamten Turnier zu Gute“, ist sich Hans Melzer sicher. „Dadurch ist die Schere zwischen der Vier-Sterne-Prüfung und der parallel laufenden Milford Trophy nicht mehr so groß. Auch einige meiner Olympia-Reiter werden mit einem zweiten Pferd die Vier-Sterne-Prüfung reiten. Und ich bin auch überzeugt, dass die Chance, hier eine Drei- und die ja wirklich exzellent dotierte Vier-Sterne-Prüfungen an einem Wochenende bestreiten zu können, auch bei ausländischen Startern als sehr attraktiv empfunden wird. Nicht zuletzt ist es auch für Course Designer Mark Phillips nun viel einfacher, weil er mit dem gleichen Material beide Kurse gestalten kann.“
Reiter fitter aufs Pferd
Auch die Idee, die beiden Geländeprüfungen auf den Veranstaltungssamstag, 14. Juni, zusammen zu legen, kam bei den Kaderreitern gut an. „Das war immer schon ein logistisch schwieriges Problem“, so Frank Ostholt. „So wird das für uns nun einfacher.“ Der Leiter des DOKR-Ausbildungszentrums in Warendorf hatte im vergangenen Jahr mit „After the Battle“ das olympische Test-Event in Hongkong gewonnen. Nein, abergläubisch sei er weniger, dass eine gelungene Generalprobe vielleicht kein gutes Omen sei, sondern er und das ganze Team habe aus den Erfahrungen in Hongkong viel herausziehen können, was nun vor und während der Olympischen Spiele helfen könne. „Dazu gehört auch, dass wir Reiter uns selbst fitter machen müssen – durch regelmäßiges Laufen und Gymnastik –, denn die Pferde scheinen das Klima dort, mit ständigen Temperatur- und Witterungsschwankungen sowie hoher Luftfeuchtigkeit besser verkraften zu können als wir Menschen.“
Spezielles Sauf-Training
Doch auch die vierbeinigen Partner würden bereits seit einiger Zeit mit besonderen Maßnahmen auf das Saisonhighlight vorbereitet. Hans Melzer verriet, dass die Pferde einem speziellen „Sauf-Training“ unterzogen würden. Da der Flüssigkeitsverlust in Hongkong hoch sein wird, sei es zum Beispiel auch wichtig zu wissen, wie viel das Tier individuell unter normalen Bedingungen trinkt. Melzer erklärte auch, wie die Vorbereitung auf die Flugreise der Tiere nach China ablaufen wird.
Gäste in Luhmühlen
Die sechs Kadereiter, die der Einladung der Turniergesellschaft und von E.ON Avacon nach Lüneburg gefolgt waren – neben Romeike und Ostholt waren das auch Anna Warnecke, Beeke Kaack, Dirk Schrade und Team-Routinier Peter Thomsen, während Andreas Dibowski, Bettina Hoy und Ingrid Klimke auf Grund anderweitiger Verpflichtungen passen mussten – gaben jeweils einen kurzen Abriss ihrer individuellen Planungen für das Olympiajahr zum Besten und berichteten über ihre aktuellen Top-Pferde. Die meisten von ihnen werden die Besucher vom 12. bis 15. Juni in Luhmühlen zu Gesicht bekommen.
Spitzenreiter werden erwartet
Julia Otto, die Geschäftsführerin der Turniergesellschaft sagte: „Wir sind froh, dass das Turnier von der zeitlichen Ansetzung offenbar so gut in die Vorbereitungen auf Olympia passt. Der Nennungsschluss ist erst Anfang Mai, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass wir auch aus dem Ausland eine ganze Reihe Spitzenreiter zu Gast haben werden.“
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