Course Designer in Luhmühlen
"Wir haben Mark Phillips viel zu verdanken"
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Der Luhmühlener Vielseitigkeitsveranstalter wird bis auf weiteres die Zusammenarbeit mit dem amtierenden Course Designer Captain Mark Phillips fortsetzen. Allerdings ist im Moment noch offen, ob der prominente und einflussreiche Brite auch der Aufbauer bei der Europameisterschaft 2011 in der Heide sein wird.
Dies hat Turnierchefin Julia Otto am Dienstag in einem buschreiter-Interview erklärt. Am Sonntag hatte sie bei einer Pressekonferenz gesagt: "Im Moment gibt es keine Parcoursbauer-Frage, im Moment ist es Mark Phillips." Diese Aussage konnte auch so interpretiert werden, dass eventuell die Parcoursbauer-Frage schon bald auf der Tagesordnung stehen könnte.
Extremes Vier-Sterne-Ergebnis
Hintergrund war das Resultat des CCI****: Von den 35 Startern im Cross waren 18 Paare ausgeschieden oder hatten im Gelände aufgegeben. Von den 17 Paaren in der Wertung hatten sechs jeweils eine Verweigerung kassiert. Am Ende wurde ein Paar mit einer Verweigerung sogar noch platziert – ein sehr ungewöhnlicher Umstand für eine Sterne-Prüfung.
Unter Fans, Zuschauern, Reitern und Betreuern hatte es durchaus kontroverse Diskussionen über die Anforderungen im Gelände gegeben. Der Overnight Leader Andreas Dibowski war der einzige, der noch am Samstag öffentlich Kritik am Vier-Sterne-Kurs von Mark Phillips äußerte – wie von buschreiter.de ausführlich berichtet. Bei den technischen Anforderungen und den Wendungen vor und nach den Sprüngen sei hier "das Maß übertrieben" worden, sagte Dibo. Andere Reiter und auch Bundestrainer Hans Melzer hielten sich mit öffentlichen Äußerungen dagegen zurück.
Gratwanderung von olympischem Maßstab
Turnierorganisatorin Julia Otto nahm zwei Tage nach dem Event Mark Phillips in Schutz: Sicher sei die Konzeption eines Vier-Sterne-Kurses eine "Gratwanderung". Doch immerhin handle es sich bei Luhmühlen um ein Turnier auf "olympischem Niveau". Man könne dem Course Designer keinesfalls böswillige Absichten unterstellen. Außerdem habe vorher nichts darauf hingedeutet, das nach fachkundigem Urteil der Kurs etwa als zu schwer einzuschätzen sei: Weder der Technische Delegierte Martin Plewa noch die Mitglieder der Ground Jury hätten irgendwelche Änderungen verlangt. Auch aus dem Reiter-Meeting am Tag vor dem Cross seien von den rund 30 Teilnehmern keine kritischen Äußerungen gekommen. Reitersprecher waren in Luhmühlen Ingrid Klimke und Austin O'Connor gewesen.
Mündliche Vereinbarung
Julia Otto erklärte auf Anfrage, dass nicht die Absicht bestehe, einen anderen Parcourschef mit dem Design in Luhmühlen zu beauftragen. Das Turnier habe Mark Phillips "viel zu verdanken". Die Turniergesellschaft denke nicht an einen Personalwechsel. Einen schriftlichen Vertrag mit Phillips gebe es nicht, sagte Julia Otto. Es bestehe lediglich die mündliche Vereinbarung, dass der Captain auf unbestimmte Zeit für die Geländestrecken verantwortlich sei.
Wechsel wäre kostenträchtig
Die Turnierchefin nannte noch einen wirtschaftlichen Grund, der es einem Veranstalter nahelegt, nicht ohne Not den Course Designer zu wechseln: Ein solcher Schritt sei gewöhnlich mit erheblichen Kosten verbunden, weil ein neuer Aufbauer in den meisten Fällen neue eigene Vorstellungen verwirklichen wolle.
Gespräch geplant
Üblicherweise gibt es auch so kurz vor einem Championat keinen Wechsel des Designers. Dennoch konnte Julia Otto nicht bestätigen, dass Phillips auch die EM-Strecke 2011 konzipieren werde. Auf diese Personalie hat der Veranstalter gegenüber der FEI großen Einfluss. Oder anders: Gewöhnlich akzeptiert die Internationale Reiterliche Vereinigung die vom Ausrichter vorgeschlagenen Offiziellen.
Es sei nun ein Gespräch mit Mark Phillips über die Europameisterschaft in Luhmühlen geplant.
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