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Das Thema Olympia überragte in Luhmühlen alles: Frank Ostholt, der FN-Obere Reinhard Wendt und Trainer (Foto Julia Rau)

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Peter Thomsen und The Ghost of Hamish haben gute Chancen bei Olympia in Hongkong dabei zu sein. Anna Warnecke und Twinckle Bee müssen sich mit einem Reservistenplatz begnügen (Fotos Julia Rau)

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Olympia-Berufung: Die Hintergründe

Tauziehen um den ersten Reservistenplatz

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die erste Runde der Suche der richtigen Hongkong-Kandidaten für die olympische Vielseitigkeit war eigentlich ganz leicht – und dann doch schwer. Nach dem CIC*** in Luhmühlen gab es einen großen Konsens, wer dem Kreis der fünf Paare der ersten Wahl angehören soll. Nach internen Diskussionen wurde dann wegen der Reservisten der zuvor vereinbarte Modus noch einmal geändert. Fotoimpressionen

Rund drei Stunden lang debattierten die Mitglieder des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses nach dem Cross am Samstag hinter verschlossenen Türen. "Wir hatten noch nie eine solche Leistungsdichte", sagte Bundestrainer Hans Melzer. Pferd für Pferd und Reiter für Reiter gingen die Offiziellen die Aspiranten durch: die bisherigen Championatsergebnisse und Resultate bei anderen wichtigen Turnieren, die potentiellen Dressurleistungen, das Vermögen im Springparcours, verlässliche Ankommer-Qualitäten im Cross, die Pedigree-Eignung für die vermutlich extremen klimatischen Bedingungen in Hongkong und nicht zuletzt die Vorstellung an jenem Samstag in der Lüneburger Heide bei optimalen Bedingungen und vor etwa 17 000 Zuschauern.

Erleichterung nach dem Ultraschall

Eine lange Debatte. "Ich bin froh, dass wir lange diskutieren können und nicht den Tierarzt entscheiden lassen müssen", so Melzer. Nach der ersten Sichtung jedenfalls gibt es bisher keine offenkundigen gesundheitlichen Probleme bei den Olympiapferden in spe: Ultraschalluntersuchungen nach dem Cross am Samstag ergaben laut Hans Melzer keinerlei Befunde.

Drei galten als gesetzt

Offizielle, Reiter, viele Journalisten und andere Experten konnten sich am Samstag denken, wer schließlich vom Ausschuss ins Olympiateam berufen werden würde. So war denn die Namensliste keine allzu große Überraschung, die FN-Pressesprecherin Uta Helkenberg am Sonntag kurz vor 14 Uhr im Pressezentrum unter der Tribüne verlas. Drei Paare galten ohnehin quasi als gesetzt: Die bewährten Championatspaare Bettina Hoy/Ringwood Cockatoo und Hinrich Romeike/Marius Voigt-Logistik sowie Luhmühlen-Runner-up Ingrid Klimke und FRH Butts Abraxxas. Nach dem konditionellen Blackout von Air Jordan bei der EM in Pratoni hatte mancher schon seine Zweifel, ob das Pferd in die engere Wahl für die Waschküche in Hongkong kommen würde. Der Steher im Eon-Teich am Samstag mag die Frage einer Olympia-Teilnahme abschließend beantwortet haben.

Durch Cross in Weltklassemanier

Der leicht geschockte Frank Ostholt zeigte absolute Profi-Qualitäten, indem er Mr. Medicott und dann auch Little Paint im Vier-Sterne-Cross in Weltklassemanier über die Piste von Mark Phillips pilotierte – und am Sonntag in den beiden sehr selektiven Parcours alle drei Pferde null ritt. Ostholt zählt nun zu den Fünf der ersten Wahl, und zwar mit Mr. Medicott. Zudem ist er mit Little Paint auch noch Reservist und damit der einzige Jockey, der noch zwei mal vier Hufeisen im Feuer hat. Aber der Warendorfer wird keinesfalls überheblich: "Man muss das Beste geben, um am Ende das Flugticket zu bekommen, das Blatt kann sich auch noch ganz schnell wenden."

"Tolle Leistung"

Für den DOKR-Ausschussvorsitzenden Michael Spethmann war klar, dass Air Jordan wegen der Außentemperaturen und der Luftfeuchtigkeit in Hongkong nicht erste Wahl sein würde. "In anderen Klimazonen kann er besser laufen als in Hongkong", sagte Spethmann im buschreiter-Interview. Ostholt habe dagegen mit Mr. Medicott eine "tolle Leistung" gezeigt. "Für das Klima ist er besser geeignet."

"Das hat er sich erarbeitet"

Und wer würde Nummer 5 sein? Viele tippten dann am Samstag zutreffenderweise auf Peter Thomsen und The Ghost of Hamish, der Vollblüter, der im Cross mit 6 Minuten 26 Sekunden die schnellste Runde hingelegt und seinem Dressurresultat von 50.9 nur noch einen Abwurf hinzugefügt hatte (Platz 7). Für den obersten Vielseitigkeitsfunktionär Spethmann war es dann "keine Frage", Thomsen und The Ghost of Hamish – das Paar, das bei den Weltreiterspielen in Aachen nur Zuschauer war – zu berufen. "Das ist anhand der Ergebnisse leicht nachzuvollziehen, das hat er sich erarbeitet."

Abrufbare Leistung

"Beide haben immer eine abrufbare Leistung gezeigt, solche absolut kalkulierbaren Paare müssen wir fürs Team haben", sagte Bundestrainer Hans Melzer. Thomsen könne mit The Ghost of Hamish durchaus ein Championat mit dem Dressurergebnis beenden. Zudem habe sich die Dressurleistung der beiden deutlich verbessert, urteilte der Bundestrainer. Angesichts der anspruchsvollen klimatischen Bedingungen in Hongkong sei Thomsens Vollblüter klar im Vorteil.

"Mehr sportliche Anreize"

Alles klar und doch Stunden der Diskussion. Hinterher wurden die Ausschussmitglieder zur Verschwiegenheit verdonnert. Mit gutem Grund, denn ganz ohne Kontroversen ging es nicht ab. Am Freitag noch kündigte Hans Melzer an, dass es bei den Reservisten ab Platz 6 eine Rangfolge geben würde. Doch am Sonntag hieß es dann überraschenderweise, das drei Paare gleichberechtigt nun in Wartestellung seien. Der Bundestrainer begründete dies so: "Die Gruppe bleibt unrangiert, weil wir so mehr sportlichen Anreiz schaffen, sich in Aachen gut darzustellen."

Nicht auf der Handbremse

Denn die Berufung des "Olympiateams" heißt offensichtlich nicht, dass damit die endgültige Zusammensetzung der Starter in Hongkong schon feststeht. Denn beide Sichtungsturniere in Luhmühlen und Aachen sind Teil der Trainingsvorbereitungen. Und da können sich für die Selektoren und Trainer noch neue Erkenntnisse ergeben. "In Aachen reiten die nicht auf der Handbremse, dort ruht sich keiner aus, weil dort erst nominiert wird", so Hans Melzer.

Der Blick zurück lehrt, dass fast immer ein Reservistenpaar aktiviert werden musste, um das Aufgebot beim Championat zu komplettieren, so der Bundestrainer.

Umkämpfter Reserveplatz

Wenn die Informationen von buschreiter.de stimmen, dann gab es im Ausschuss eine Kontroverse darüber, wer an Platz 1 und Platz 2 der Reserveliste stehen sollte: Andreas Dibowski mit Euroridings Butts Leon oder Anna Warnecke mit Twinkle Bee. Während Dibos Pferd erst im Frühjahr in Portugal das Qualifikationsergebnis erbracht hat, kann die Wahl-Engländerin auf Wertungsresultate von Twinkle Bee in Badminton und Burghley verweisen. "Egal wo der geht, der ist in der Zeit", sagte Hans Melzer. Die Leistungen im Springen und in der Dressur – die Reiterin trainiert regelmäßig bei Chris Bartle – seien zwar besser geworden, aber "es hat nicht ganz gereicht", so der Bundestrainer. Im Interview gab er aber zu erkennen, dass die beiden ein Reservepaar der ersten Wahl sein können.

Die angebliche Uneinigkeit der Offiziellen könnte dann auch erklären, warum man auf eine Rangierung der Reservisten verzichtet hat. Drittes Pferd in Wartestellung ist demnach Frank Ostholts Little Paint, der im CCI**** in Luhmühlen Platz 2 belegt hat.

Kraftlos und unentschlossen

Anstandshalber wurden dann offiziell auch Beeke Kaack und Sinjang als "zweite Reserve" nominiert. Das Paar war als Dressurdritte (34.,3) in den Sichtungsevent gestartet. Doch am Coffin im Gelände passierte es dann: Die Olympiabewerber hatten die "Empfehlung" (Hans Melzer) oder Order, nach dem Graben rechts den alternativen, schwierigeren Vier-Sterne-Weg über eine schmale Hecke zu wählen. Doch Beeke Kaack ritt mit Sinjang kraftlos und unentschlossen aus dem Graben und schien sich nicht sicher zu sein, ob sie der Order folgen oder das leichtere Heckenteil springen sollte. Die Verweigerung war die Folge. Im Parcours kamen dann weitere 19 Strafpunkte hinzu, so dass das Paar auf Rang 25 abrutschte.

Air Jordans Auftritt in Aachen

Bei der letzten Olympiasichtung in Aachen gibt es auch einen Nationenpreis zu gewinnen. Bei dem treten als Team – quasi die Generalprobe von Hongkong – Bettina Hoy, Hinrich Romeike, Ingrid Klimke und Frank Ostholt an, letzterer allerdings nicht mit einem seiner möglichen Olympiapferde, sondern mit Altmeister Air Jordan.

Schrade gewinnt Jeep-Trophy

Beim Thema Olympia blieb schließlich der Pechvogel des Wochenendes nicht ganz außen vor (er ist der dritte gleichberechtigte Reservist): Dirk Schrade war am Samstag im Cross kurz aus dem Sattel von Huskey gekommen. Die Nullrunde im Parcours rettete auch nichts mehr. Immerhin beendete er den CCI**** mit Admiral von Schneider an Platz 10. Dennoch ging auch Dirk Schrade als Sieger vom Platz: Mit Huskey und Admiral von Schneider sammelte er 2007 und 2008 die meisten Punkte und gewann die Big Four Jeep Trophy, die immerhin mit 5000 Euro dotiert war. Platz 2 (3000 Euro) belegte Simone Deitermann mit Free Easy NRW und Flambeau H. 2000 Euro nahm Frank Ostholt für den 3. Platz mit nach Hause. Gepunktet hatte er mit Air Jordan und Little Paint.

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