Olympia-Sichtung/CIC*** Luhmühlen/Gelände
Amazonen-Duo in Bestform
VON JULIA RAU (FOTOS) UND WOLF-DIETRICH NAHR (TEXT)
Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo haben aus dem Gelände des CIC*** in Luhmühlen mit einem Weltklasseritt mit einem hauchdünnen Vorsprung die Führung bei der Olympiasichtung davon getragen. Dicht dahinter rangieren Ingrid Klimke mit FRH Butts Abraxxas. Der Abstand zwischen den beiden Amazonen beträgt vor dem Springen nur 1.1 Punkte.
"Ich habe mir ein bißchen mehr Zeit gelassen, ich wollte heute nicht nass und dreckig werden", sagte Bettina Hoy im Ziel – in Anspielung auf den Sturz ihres Mannes Andrew mit Master Monarch am Wasser. So brauchte Bettina Hoy mit einer exzellenten und überlegten Runde ihren ursprünglichen Zehn-Sekunden-Vorsprung auf. "Er fühlte sich supertoll an, es war ein phantastisches Gefühl", so Bettina Hoy. "Es fühlt sich heuer anders an als in den früheren Jahren, früher musste ich immer mehr Druck machen, aber ich habe es hier lockerer angehen lassen. Er war viel selbstbewusster und das gibt natürlich auch dem Reiter sehr viel Sicherheit."
Die kleine Schrecksekunde am zweiten Wasser steht in dem Kontext: Bettina Hoy erklärte, sie habe wegen des "klebrigen Bodens" bewusst nicht die Vorwärtsdistanz gewählt, um es dem 17-Jährigen nicht unnötig schwer zu machen.
Aber die Amazone sah erst einmal von dem eigenen Ergebnis ab: "Ich bin sehr stolz, dass die anderen Deutschen sehr gut geritten sind, das gibt eine Supermotivation für Hongkong. Und das ist wichtig. Wir haben gezeigt, dass wir total motiviert sind. Es gibt nur eine Prüfung in diesem Jahr, die wir gewinnen wollen, und die ist im August." So stellt sich die Olympia-Perspektive für Bettina Hoy dar.
Ingrid Klimke war danach maximal positiv gestimmt: "Abraxxas ist klasse durchgesaust. Das Coffin kam etwas schnell, aber wir hatten die Order, die rechte Hecke zu reiten." Mit der "souveränen und hochkonzentrierten Runde war Ingrid Klimke "mehr als zufrieden".
Mit beeindruckenden Nullrunden wahrten Andreas Dibowski/Euroridings Butts Leon, Hinrich Romeike/Marius Voigt-Logistk, Anna Warnecke/Twinkle Bee und Frank Ostholt/Mr. Medicott und Peter Thomsen/The Ghost of Hamish ihre Olympiachancen.
Es gab am Geländetag der Olympiasichtung aber auch richtige Pechvögel. Frank Ostholt kassierte am zweiten Wasser eine Verweigerung von Air Jordan. Der Reiter beschrieb die Situatiuon am Absprung so: "Er zündete an der ersten Kante nicht. Ich hätte ihn richtig unterstützen müssen, aber da war ich echt zu langsam. Ich habe nicht schnell genug reagiert. Dann war der Schwung weg, er stand und guckte ganz doof. Echt beschissen, dieser Flüchtigkeitsfehler."
Dirk Schrade, ohnehin vor und während Championaten nicht vom Glück verfolgt, erlitt gar einen Sturz von Husky. Beeke Kaack wählte mit Sinjang am Aussprung des Coffin den kürzeren, aber verzwickteren Weg zur alternativen Hecke – und kassierte dort eine Verweigerung.
Die Frage an Bundestrainer Hans Melzer über die Auswirkung von Verweigerungen und Sturz im Cross auf die Hongkong-Berufung blieb nicht unbeantwortet: "Wenn der Fehler erklärbar ist, dann ist es kein Problem, aber es ist natürlich nicht gut, wenn man einen Fehler hat." Die Auswahl der Olympia-Paare sei letztlich ein "Rechenexempel", bei dem alles – die Resultate der Vorjahre, Dressurleistungen, Zeitfehler im Cross, Abwürfe im Parcours – zusammenflössen.
Unter dem Strich zog Hans Melzer eine positive Bilanz: "Das war eine tolle Olympiasichtung, ein guter Tag. Wir haben neun Reiter und zehn Pferde zur Verfügung und alle liegen maximal zehn Sekunden auseinander. Morgen ist für den richtigen nervigen Druck gesorgt. Wir werden ein spannendes Springen erleben."
Bundestrainer Hans Melzer hatte am Vortag des Cross-Samstag im buschreiter-Interview gesagt: "Von Null im Gelände gehen wir bei jedem aus." Gemeint war, dass die Olympiaaspiranten ohne Probleme die Geländeprüfung in der Westgellernser Heide bewältigen würden. Das Drei-Sterne-Cross von Mark Phillips bezeichnete der Bundestrainer als "wirklich drei Sterne, hoch, technisch normal, nicht übertrieben". Der "Motivationskurs" werde flüssig zu reiten sein, sagte Melzer am Freitag voraus.
"Wir brauchen keinen selektiven Kurs"
Alle möglichen Hongkong-Fahrer seien vier Sterne erprobt. "Wir brauchen keinen selektiven Kurs, alle sollen eine flotte Runde reiten". Luhmühlen und die letzte Sichtung in Aachen im Juli biete eine Variation von Hindernistypen, die eine optimale Variation mit Blick auf den olympischen Wettbewerb in Asien versprechen. Beide Prüfungen im Zusammenspiel seien geeignet, flüssiges Reiten zu begünstigen, die richtigen Trainingsreize zu setzen und zusätzlich einen guten Konditionsschub zu bieten. Melzer: "Wir sind überzeugt, dass wir mit Kurzprüfungen besser für Hongkong vorbereitet sind."
Olympiateam aus fünf Paaren
Der Bundestrainer betonte, dass der Sichtungsmodus mit den Aktiven abgestimmt worden sei: Bei den zwei Hauptsichtungen treten alle Aspiranten gegeneinander an. Der Wunsch der Reiter sei es gewesen, schon in Luhmühlen eine Rangierung für den Olympiaeinsatz zu finden. Demnach soll bereits am Sonntag das "Olympiateam" aus fünf Paaren benannt werden – vier Mannschaftsreiter und ein Reservepaar für das Team. Außerdem wird eine weitere Vierergruppe von Reservisten nominiert, die allerdings von 1 bis 4 rangiert werden.
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