Buschreiter.de — aktuell: Luhmühlen-Nachlese

Olympiakader benannt

Im Anschluss an die Weltcup-Qualifikation in Luhmühlen gab der Ausschuss Vielseitigkeit des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) die vorläufige Nominierung für die Olympischen Spiele in Athen bekannt. Zwölf Paare stehen insgesamt zur Verfügung, die in zwei Gruppen rangiert wurden.

Der ersten Gruppe gehören an (alphabetisch): Andreas Dibowski (Döhle) mit Serve Well und Little Lemon B, Bettina Hoy (Gatcombe/GBR) mit Ringwood Cockatoo, Ingrid Klimke (Münster) mit Sleep Late, Adam Liedermann (Blender) mit Rainbow (Archivfoto Julia Rau), Frank Ostholt (Warendorf) mit Air Jordan und Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius. In der zweiten Gruppe sind (alphabetisch): Simone Deitermann (Saerbeck) mit Flambeau H, Kai Rüder (Blieschendorf) mit Kyneally Bay, Dirk Schrade (Warendorf) mit Ecrin Raiselle, Robert Sirch (Fischen) mit Lyonel, Stefanie Thompson (Oxford/GBR) mit Hilton Star und Smart Fellow sowie Peter Thomsen (Lindewitt) mit The Ghost of Hamish und Lost for Word. "König Fußball" zum Trotz trafen sich mehr als 18.000 Besucher in Luhmühlen, um internationalen Vielseitigkeitssport life mitzuerleben. Hatte die Westergellerser Heide doch Ähnliches zu bieten wie derzeit Portugal: Stars wie den dreifachen Mannschaftsolympiasieger Andrew Hoy aus Australien, Sieger der Weltcup-Prüfung, junge "Stürmer" wie Dirk Schrade (Warendorf), bester Deutscher im Weltcup, oder Michael Jung (Horb), Sieger im Youngster Cup und dazu sogar "blaublütige Prominenz" wie Zara Phillips, Enkelin der britischen Königin. Grund zur Freude hatten die Bundestrainer Hans Melzer und Christopher Bartle bereits in der Dressur. Neun ihrer potenziellen Olympiakandidaten blieben auf dem Viereck unterhalb der 50er-Marke und belegten Platz 20 und besser, lediglich die gebürtige Engländerin Stefanie Thompson, die seit vergangenen Jahr unter deutscher Flagge reitet, musste sich mit ihren beiden Pferden Hilton Star und Smart Fellow mit schlechteren Ergebnissen abfinden. Den Vogel schoss in dieser Teilprüfung Frank Ostholt (Warendorf), im vergangenen Jahr Deutscher Meister in Luhmühlen, mit Air Jordan ab. 79,13 Prozent, umgerechnet 31,30 Strafpunkte erzielte das Paar für seinen Auftritt. Dabei sollte es für den 28-jährigen aber auch bleiben: Zum Gelände trat der Warendorfer auf Wunsch der Bundestrainer nicht mehr an. "Frank und Air Jordan haben ihr Können im Gelände in diesem Jahr in Chatsworth und gerade erst vor zwei Wochen in Schenefeld schon unter Beweis gestellt. Es ist wichtiger, dass Frank sich nun bis zu den Deutschen Meisterschaften in Bonn-Rodderberg auf das Springen konzentriert, bei dem es ein wenig Defizite gibt", begründete Melzer den Schritt. So startete am Samstag also die Finnin Piia Pantsu (Finnland) mit Karuso als Führende ins Gelände, musste ihre Hoffnungen auf einen dritten Luhmühlen-Sieg aber nach einer Verweigerung an Hindernis elf aufgeben. 20 Strafpunkte musste sich hier auch Adam Liederman (Blender) mit Rainbow, EM-Teilnehmer 2003, anrechnen lassen; Robert Sirch (Fischen) kassierte eine Verweigerung am vorletzten Hindernis. Die übrigen der verbliebenen neun Olympiaanwärter kamen dagegen ohne Hindernisfehler ins Ziel. Zwei davon mit gänzlich weißer Weste: Dirk Schrade, der allerdings nicht mit seinem Championatspferd Ecrin Raiselle, sondern mit der Württemberger Stan the Man xx-Tochter Sindy angetreten war, sowie die mit 23 Jahren jüngste deutsche Teilnehmerin, Simone Deitermann (Saerbeck) mit Flambeau H. Beide beendeten die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 41,7 Strafpunkten und schlossen damit zu Bettina Hoy (Gatcombe/GBR) auf, die mit 3,2 Zeitfehlern im Gelände ebenfalls auf genau diese Punktezahl kam. So entschied das bessere Geländeergebnis über die Reihenfolge: Dirk Schrade (eine Sekunde schneller als erlaubt und damit am nächsten am Idealergebnis) vor Simone Deitermann (fünf Sekunden schneller) und Bettina Hoy (acht Sekunden langsamer). Noch vor dem Trio konnte sich Weltcupsiegerin und Vizeeuropameisterin Linda Algotsson (Schweden) mit Stand by me (Archivfoto Julia Rau) platzieren, die den 4.500 Meter langen Geländekurs ohne Zeit- und Hindernisfehler mit ihrem Dressurergebnis von 35,90 Punkten abschloss und damit die neue Führung übernahm. Mit ihrem Dressurergebnis von 39,50 Punkten beendeten auch Andrew Hoy mit Mr. Pracatan sowie Zara Phillips mit Springleaze Macaroo die Prüfung und machten damit die Plätze zwei und drei unter sich aus. Damit wurde es am Sonntag im Springen noch einmal spannend. Nur zehn der verbliebenen 44 Paare blieben hier fehlerfrei. Auch hier konnten die Bundestrainer zufrieden sein. Denn mit vier Nullrunden und drei Ritten mit nur einem Abwurf präsentierten sich ihre Schützlinge auch in dieser Disziplin in guter Form. Mit einem Flüchtigkeitsfehler am ersten Hindernis beendete Simone Deitermann die Prüfung auf Platz fünf, Dirk Schrade konnte sich mit einer Nullrunde auf den dritten Platz verbessern. Vierte wurde Bettina Hoy, die abwurffrei blieb, ebenso wie ihr Mann Andrew Hoy, der damit auch den Sieg davontrug, denn sowohl bei Linda Algotsson als auch Zara Phillips fielen die Stangen. Die Schwedin wurde mit einem Abwurf Zweite, Zara Phillips rutschte mit drei Abwürfen auf Platz sieben zurück. Noch während der laufenden Veranstaltung gaben die Organisatoren ihre Pläne für das kommende Jahr bekannt. So wurde beim Weltreiterverband (FEI) die Ausrichtung einer Vier-Sterne-Prüfung ohne Rennbahn für 2005 beantragt. Als Parcourschef konnte dafür Mark Phillips, in diesem Jahr Technischer Delegierter in Luhmühlen, gewonnen werden. Mark Phillips, Trainer der amerikanischen Vielseitigkeitsreiter und Vater von Zara Phillips, war in Deutschland bereits als Aufbauer in Achselschwang tätig.

Youngster Cup: Die Serie richtet sich an junge Reiter bis 25 Jahre und an Reiter mit Pferden bis neun Jahre. Der Sieger der dritten Qualifikation im Youngster Cup in Luhmühlen erfüllt beide Kriterien: Michael Jung (Horb), im vergangenen Jahr noch Deutscher und Europameister der Jungen Reiter, wird Ende Juli 22 Jahre alt, sein irischer Wallach Candle Light zählt in diesem Jahr acht Jahre. Mit seinem Erfolg setzt sich das Paar zugleich an die Spitze im Zwischenstand des Youngster Cups, der im Oktober mit dem Finale in Kreuth (1. bis 3. Oktober) endet. Auf dem zweiten Platz landete in Luhmühlen Bettina Hoy (Gatcombe/GBR) mit Diamond Magic. Nach Dressur und Springen noch in Führung, ließ es die 41-jährige mit ihrem Nachwuchspferd im Gelände ruhig angehen, blieb 20 Sekunden über der Zeit und nahm dafür 8,0 Zeitfehler in Kauf. Diamond Magic ist übrigens eines der wenigen Pferde mit "Athen-Erfahrung". Im vergangenen Jahr startete Bettina Hoy mit den Braunen beim Olympia-Testevent in der griechischen Hauptstadt. Den dritten Platz belegte der 24-jährige Max von Bredow (Dießen), der wie Jung bereits an allen drei Qualifikationsprüfungen teilgenommen hat, mit Sid Sullivan. In der aktuellen Gesamtwertung rangiert der Bayer damit mit 53 Punkten auf Platz vier hinter Michael Jung (73 Punkte), Christiane Stahl (Nagold) mit Bantry Bay (66 Punkte, Archivfoto Julia Rau), Siegerin in Marbach und Siebte in Luhmühlen, sowie Martin Fink (Warendorf) mit Sunny Side Up (60 Punkte).

Einen Start-Ziel-Sieg landete Marc Fiege (Greven), Europameister der Ländlichen Vielseitigkeitsreiter, mit Armani (Archivfoto Julia Rau) in der internationalen Zwei-Sterne-Prüfung in Luhmühlen. "Ich wollte meinem Pferd noch einmal eine angenehme Vorbereitung auf Bonn-Rodderberg geben", sagte der 26-jährige, der vor zwei Wochen in Schenefeld sein Drei-Sterne-Debüt mit einem siebten Platz beendete und nun seinen ersten Deutschen Meisterschaften entgegensieht. 41,7 Punkte brachte der Weltenbummler (bereits als 16-jähriger war er für sieben Monate in Australien, studierte BWL in Berlin, Oxford, Madrid und Paris), der nicht nur Vielseitigkeits- sondern auch Dressurerfolge bis zum Grand Prix vorzuweisen hat, aus der Dressur mit und fügte diesen in Springen und Gelände keine weiteren hinzu. Zehn von 47 Teilnehmern beendeten die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis, darunter auch Anna Junkmann (Warendorf) mit Cancun (42,7, Platz zwei), Kai Rüder (Blieschendorf) mit Sundancer (44,0, Platz drei) und der Sieger der Luhmühlener Youngster Cup Qualifikation, Michael Jung (Horb) mit Miss Meller (45,0, Platz vier).

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