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Der Anblick von schweren Stürzen hat bei vielen Reitern das Sicherheitsbedürfnis noch gesteigert. Inzwischen schwören viele auf Airbag-Lösungen (Fotos Julia Rau) |
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Buschreiter-Report: Airbagwesten Keine Luftnummer: Mehr Sicherheit durch Hightech VON WOLF-DIETRICH NAHR Die Saison 2010 hat den Durchbruch gebracht: Immer mehr Eventer versuchen im Training und in der Prüfung die Risiken des Vielseitigkeitssports zu verringern, indem sie Airbag-Westen tragen. Beim Un-Fall sollen die blitzschnell ausgelösten Luftkissen den Körper des Reiters vor schlimmeren Verletzungen schützen. Es waren auch spetakuläre Unfälle, die den Airbags am Beginn der Saison einen kräftigen Schub gegeben haben. Die fürchterlichen Bilder gingen leider um die Welt: Oliver Townend in Kentucky, vom Hinterteil seines gestürzten Pferdes halb erdrückt. Der Profi von der Insel erlitt eine Reihe von Knochenbrücken. Aber alles hätte noch viel schlimmer kommen können, denn Olli trug eine Airbagweste. Ohne den Luftschutz? Vielleicht läge Townend noch heute auf der Intensivstation. So konnte er schon einen Tag nach dem Crash im Cross von Lexington wieder eine ziemlich dicke Lippe risikieren. Lächeln nach dem Wasserbad Oder Europameisterin Christina Cook: Sie ging vor der Buschreiter-Weltöffentlichkeit auf Tauchstation – Sturz am und ins Wasser von Badminton. Doch auch bei dem eher harmlosen Abgang ins kühle Nass passierte nichts. Der Airbag schloss sich fürsorglich um den Body der Championess. Und Tina Cook konnte wenige Augenblicke nach der kalten Dusche schon wieder lächeln. Die publikumswirksamen Unfälle verfehlten ihre Wirkung nicht: Viele andere Profis und immer mehr Amateure konnten unmittelbar miterleben, dass die zeitweise als unhandlich, uneffektiv, unsportlich beargwöhnten Spezialwesten offenbar doch einen guten Schutz bieten. Dass etliche professionelle Eventer und Championatsreiter den Airbag überziehen, wirkt eindeutig verkaufsfördernd. Besorgte Eltern "Die Resonanz ist nicht schlecht, ich habe schon einige verkauft", berichtete Svenja Williams von Williams Horse&Wear im buschreiter-Interview. Und es seien nicht nur Profis, die die nicht ganz billigen Sicherheitsartikel kaufen. Viele Eltern wollten die Unfallrisiken für ihre Kinder so gering wie möglich halten. Einen 59-jährige Reiterin berichtet buschreiter.de: "Nach zwei Stürzen von meiner jungen und sehr schreckhaften Stute habe ich mir vor bald 2 Jahren eine Airbagweste gekauft, mit Einlage im Rückenteil - da mir gesagt wurde, dass es auch Unfälle am Boden gibt.. Funktionierte immer tadellos, bin 2 oder 3 x sanft gelandet, Wirbelsäule und Hals waren dabei gut eingepackt. Seit über einem Jahr bin ich nicht mehr gestürzt, habe aber schon 2x vergessen, vor dem Absteigen die Leine zu lösen. Die sensible Stute hatte nachher eine gewisse Zeit Angst, aber auch dies hat sich nun sehr verbessert.. Die Weste stört beim Reiten überhaupt nicht. Das Einsetzten einer neuen Kartusche ist einfach. Würde die Weste sofort wieder kaufen - wenn man nur einen schwereren Unfall damit vermeiden kann.... Beim Auto möchte ja auch niemand mehr den Airbag missen." Auch Dibo trägt den Luftprotektor "Es hat lange gedauert, aber jetzt geht es los." So beschreibt Linda Heising von Horse&Rider in Luhmühlen Resonanz und Nachfrage. Sie vertreibt ebenso wie Williams Horse&Wear das englische Produkt "Point Two", das im Mutterland bei den Top-Reitern ziemlich verbreitet ist. Und neben Horse&Rider und Williams ist die "Point Two" auch in dem bekannten Online-Shop www.crosscountryshop.de zu haben, wo sich schon seit einiger Zeit die Eventer bei Tanja Knipping mit dem luftigen Sicherheitsprodukt eindecken. Die Fachfrau nutzt buschreiter.de seit Jahren als Kommunikationsplattform, weil sie weiß, dass sie damit im deutschsprachigen Raum regelmäßig eine große Zahl von Vielseitigkeitsreitern erreicht. Und Linda Heising von Horse&Rider war es, die auf Verlassung des Herstellers von Point Two Mannschaftsolympiasieger Andreas Dibowski den reaktionsschnellen Blasebalg zur Verfügung gestellt hat. |
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Andreas Dibowski findet Airbags bei Geländeprüfungen überhaupt nicht störend (Foto Julia Rau) |
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Und Dibo hatte durchaus ein schmerzhaftes Schlüsselerlebnis: In Schenefeld 2009 fiel der Profi so unglücklich auf den Rücken, dass er sich einen Muskelriss zugezogen hat. Und der Sturz war für die weitere Saison durchaus folgenreich: Andreas Dibowski konnte wegen der schmerzhaften Blessur keine Pferde beim Bundeschampionat vorstellen. Linda Heising überzeugte Dibo, dass eine Airbagweste diese Verletzung wohl verhindert hätte. Seitdem schlüpft der vielfache Championatsreiter allerdings nur beim Turnier in das Luftkissenteil. "Es stört mich im Ablauf überhaupt nicht, ich bin in keinster Weise abgelenkt", sagte Dibowski im buschreiter-Interview. "Das muss bestraft werden" Und den echten Ernstfall hatte Dibo bisher auch noch nicht - abgesehen von zwei gedankenlosen Sprüngen vom Pferd nach dem Ritt. Die am Sattel befestigte Reißleine hat jedes Mal den Airbag ausgelöst. "So etwas muss einfach bestraft werden", sagte Dibowski. |
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Bei dieser haarigen Situation im Wiesbadener Cross musste der Airbag von Dirk Schrade nicht in Aktion treten (Foto Julia Rau) |
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Auch für Dirk Schrade war Townends Sturz in Kentucky eine "wunderbare Werbung" für die luftigen Protektoren. Und dann hat auch noch eine Besitzerin eines Pferdes in Schrades Aufgebot den dringenden Wunsch geäußert, dass dem Reiter ihres Vierbeiners bestmögliche Sicherheit geboten wird. Sie hat ihm dann einen Airbag zur Verfügung gestellt. "Sie ist um mein Wohl besorgt und möchte, dass ich den Airbag trage, ich finde das sehr nett, denn das ist ja auch keine ganz günstige Weste." Schrade, ein gebürtiger Schwabe: "Ich selbst hätte das Geld nicht ausgegeben, vielleicht bin ich zu geizig." Meistens unspektakulär Immerhin vermittelt der neue Ausrüstungsgegenstand dem Pau-Gewinner von 2009 ein gewisses Sicherheitsgefühl: "Die Dinge passieren ja meistens unspektakulär, man knallt auf einen Sprung und hat sich schnell eine Rippe angeknackst." Allerdings hat Dirk Schrade gewisse Zweifel, ob bei einem "ganz bösen Sturz" sich mit Hilfe eines Airbags die schlimmsten denkbaren Verletzungen vermeiden lassen. Doch fachmännisch möchte sich Dirk Schrade nicht dazu äußern: "Da bin ich zu wenig in der Materie drin." Hit-Air kommt vom Rennsport Auf dem deutschen Markt konkurrieren – soweit der buschreiter-Beobachter sehen kann – drei Produkte miteinander: Die Point Two aus England und Hit-Air, die ebenfalls luftbewehrte Reitweste, deren Hersteller auch viel Erfahrung mit Protektoren für den Motorrennsport gesammelt haben; der dritte Wettbewerber ist die Equiairbag-Weste des Reitsport-Ausrüsters USG. Letzterer profitiert vom Knowhow eines italienischen Ingenieurs und Herstellers, der eigentlich Sicherheitsartikel für Feuerwehr, Militär und Polizei entwickelt und produziert. Luftprotektor in Sicherheitsweste integriert Während laut Reglement bisher die Airbags mit einer zugelassenen Sicherheitsweste kombiniert werden mussten, hat USG nach eigenen Angaben gegenüber der Konkurrenz etwas die Nase vorne:In diesen Tagen hat USG-Chef Stefan Schwanbeck einen neuen Prototyp vorgestellt, der den Airbag in die Sicherheitsweste integriert. Das nagelneue Kombiprodukt soll in Luhmühlen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Schwanbeck: "Es handelt sich hierbei um die weltweit erste Version einer LPO- und FEI- zugelassenen und zertifizierten Sicherheitsweste geprüft nach EN 13158-2009 Level 3 plus dem Wirbelsäulen/ Halswirbelschutz beim Sturz. Der Equiairbag ermöglicht einen Zusatzschutz für die lebenswichtige Wirbelsäule, die Sicherheitsweste erfüllt die Anforderungen der aktuellen Norm 13158-2009 Level 3." Praktisch unverletzt Und all das ist für den USG-Boss alles andere als graue Theorie: Tochter Julia Schwanbeck hatte in Radolfzell einen schweren Sturz erlitten und dank der Airbagweste praktisch unverletzt überstanden. |
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Kai-Steffen Meier trägt das Luftpolster bei manchen Pferden sogar im Training (Foto Julia Rau) |
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USG-Airbag-Produkte tragen nach Stefan Schwanbecks Angaben unter anderem Frank Ostholt, Ingrid Klimke und Kai-Steffen Meier. Letzterer hat einen schweren Unfall mit massiven Verletzungen erlitten, als es Airbag-Westen noch nicht gab: Bei einem Sturz mit einem Nachwuchspferd in einer VL Anfang 2007 hat sich KSM einen Halswirbel angebrochen. Meier im buschreiter-Interview: "Ich hatte damals Glück, ich bin glimpflich davon gekommen." Seit März steckt der EM-Teilnehmer in dem Produkt seines Hauptsponsors USG und schätzt den seiner Meinung nach gut ausgebildeten Nackenschutz des Equiairbag. "Damit wird das komplette Nachhintenschlagen des Kopfes eher verhindert." "Ausklinken" Kai-Steffen Meier benutzt den Luftschutz generell in der Prüfung und zusätzlich bei einigen jungen Pferden, den "Halbstarken", auch im Training. Er hat auf den Turnierplätzen beobachtet, dass bei größeren Prüfungen inzwischen über die Hälfte der Teilnehmer Airbag-Lösungen wählt. Auch ihm ist schon das Missgeschick passiert, dass er die Reißleine beim Absteigen vergessen hat. Inzwischen schallt schon immer der Ruf seiner Pflegerin Trinette Kleinteich über den Platz: "Ausklinken, ausklinken." Wer sich für eine Kombilösung - Sicherheitsweste plus Airbag - entscheidet, muss nach Angaben von Svenja Williams rund 800 Euro auf die Ladentheke blättern. Alles relativ: "Aber im Vergleich zum Rollstuhl ist das der Witz des Jahrhunderts." Wichtige Links: |
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Die USG-Sicherheitsweste mit aktivem Airbag. |
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