Adam Liedermann: Träume werden wahr
Reiten als Philosophie und Schule fürs ganze Leben
Über 500 Gäste aus ganz Norddeutschland verfolgten beim siebten Reiterforums im Autopark Hoyer in Walsrode die Vorträge von Reitmeister Martin Plewa und Buschprofi Adam Liedermann.
In die Welt der Profi-Vielseitigkeit entführte Adam Liedermann seine Zuhörer. Seine Kernaussage: „Wenn man ganz fest an sich und an sein Ziel glaubt, dann kann man es auch erreichen.“ Der gebürtige Pole kam 1983 mit einem Fiat 500, einer großen Dogge auf dem Rücksitz, Reitstiefeln und Sattel nach Deutschland – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Sein Lebenstraum: Nach Irland – der Pferde und der Vielseitigkeit wegen.
Kommunikation und Vertrauen
Er blieb in Deutschland hängen, kannte nichts und niemand und überlegte, wie er in diesem fremden Land Fuß fassen, voran kommen könne. Und da begann er das, was er heute zu einer Art Lebensphilosophie gemacht hat: Er übertrug die Prinzipien, die er beim Reiten mit Erfolg anwendete, auch auf das übrige Leben: „Da ich mit meinen Pferden kommuniziere, um erfolgreich zu sein, wurde mir schnell klar, dass ich zuallererst in diesem fremden Land die Spreche lernen musste.“ Acht Monate lang fünf Stunden deutsche Grammatik pauken, das war der erste Schritt. Das nächste Prinzip kam auch aus seiner Reiterei: Vertrauen schaffen. Er ging auf die Menschen zu, bewies ihnen, dass sie ihm vertrauen können. Und so kam Adam Liedermann voran. Im Leben und im Sport – aber sein Traumziel war noch nicht erreicht.
Auf der anderen Seite des Flusses
Er ritt am Tag zehn bis 15, meistens hoch im Blut stehende, schwierige Pferde. Und traf auf Lyrik, einen Anglo-Araber-Hengst, „der schon auf der anderen Seite des Flusses war. Er wollte nichts mehr mit Menschen zu tun haben.“ Drei Jahre dauerte es, bis das Pferd seinem Reiter hundertprozentig vertraute. Selbst lukrative Angebote für diesen Hengst schlug er aus, „denn ich wusste, er würde danach fertig sein mit den Menschen“.
Fairness und Beharrlichkeit
Adam Liedermann reitet wie er lebt – und er lebt wie er reitet. Konsequenz, Fairness, Beharrlichkeit, Glaube an Ziele, das sind Prinzipien, die er entwickelt hat – und die ihn schließlich seinen Lebenstraum verwirklichen ließen. Mit einem Pferd, das als unreitbar galt, kam er 2003 zu den Europameisterschaften nach Irland, als deutscher Mannschaftsreiter! Dort war sein „Rainbow“ bestes deutsches Pferd im Gelände. Ein Traum war wahr geworden.
Zügel nicht zum Festhalten da
Ex-Bundestrainer Martin Plewa referierte über Zäumung. Neben vielen Fachinformationen gab der Leiter der Reit- und Fahrschule Münster seinem Publikum auch Sätze mit nach Hause, die zum weiteren Nachdenken anregten: „Die Zügel sind nicht dazu da, sich auf dem Pferd festzuhalten“ oder „Für ein Pferd ist es nicht der Natur entsprechend, über das Maul beherrscht zu werden.“
Kritik an neuer LPO
Nur wenige Prozent der reiterlichen Hilfen entfallen laut Plewa auf die Zügel – „der Reiter reitet mit Kreuz, Gewicht und Beinen – und nicht mit den Händen.“ Ein Teufelskreis: Der Reiter wirkt zu stark ein mit seinen Händen, das Pferd reagiert mit Zungenfehler, Kopfschlagen oder anderen Versuchen, sich dem Druck zu entziehen. Die Folge: noch härtere, noch schärfere Gebisse.
Plewa kritisierte die neue Leistungsprüfungsordung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, nach der zukünftig auch scharfe Gebisse von Kindern benutzt werden dürfen. „Das kann ich nicht nachvollziehen, der Zügel ist doch kein Bremspedal.“ Die Beizäumung entspreche der Gymnastizierung des Körpers – im Klartext: das Pferd tritt nur soweit weich und willig ans Gebiss, wie es mit treibenden Hilfen herangeritten werde. Die Fokussierung auf die Kopf-Hals-Haltung führe zu einer viel zu starken Reiterhand. Statt diverser Gebisse sollte es der Reiter „einfach mal mit Reiten versuchen. Richtig Reiten reicht. Rolf Hillmann
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