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Wird aus dem Vize-Weltmeister von 2006 der WM-Titelträger 2007? La Biosthetique Sam FBW und Michael Jung.

Le Lion d'Angers 2007/WM der jungen Vielseitigkeitspferde: buschreiter-Preview

Deutsche Eventer scharf auf den Weltmeistertitel

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Die Professionalisierung der deutschen Vielseitigkeit gewinnt eine neue Dimension: Top-Eventer bauen rechtzeitig hochtalentierte Nachwuchs-Pferde auf und machen sie früh genug mit dem Spitzensport vertraut. Das Ziel: Die Championatspferde von heute sollen eines Tages leistungsfähige Cracks als Nachfolger haben. Die WM der sechs- und siebenjährigen Vielseitigkeitspferde im französisichen Le Lion d'Angers (18. bis 21. Oktober 2007) am Ende der Saison ist die internationale Leistungsschau für die Medaillengewinner von morgen. Deutsche Reiter und Pferde sind dort seit Jahren sehr erfolgreich, doch in diesem Jahr ist das schwarz-rot-goldene Aufgebot besonders hochkarätig – bis hin zu potentiellen Weltmeistern. Buschreiter.de hat die acht Talente vor dem Event "gesichtet". Die Details:

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Bei den 6-jährigen Vielseitigkeitspferden gab es in der Endauswahl zwölf Bewerber für drei WM-Plätze. Den Zuschlag hat einmal die von Mannschaftsweltmeister Frank Ostholt selbst gezogene Stute Quite Easy erhalten. Der Pferd stammt von Quattro und ist aus einer Akitos xx-Mutter. Die Stute ist 2006 beim Bundeschampionat nicht im Finale gelaufen und war auch in diesem Jahr für die Warendorfer Leistungsschau qualifiziert, aber nicht am Start. "Quite Easy kann eher Weltmeister als Bundeschampion werden", sagte Frank Ostholt im buschreiter-Interview. Er schätzt ihre "superehrliche" und "brave" Einstellung im Gelände und vor allem ihre sehr gute Dressurleistung. Beim CIC* in Kreuth lieferte die Stute beeindruckende 30.7 ab. Hohe Platzierungen bei Geländepferdeprüfungen und bei der VL in Bielefeld sowie ein 5. Platz in der Ein-Sterne-Prüfung in Kreuth und Platz 2 beim CIC* in Strzegom/Polen waren die bemerkenswerten Vorleistungen von Quite Easy.

Elmar Lesch stellt in Le Lion den 6-jährigen Wallach Raumalpha vor, der von der Züchterfamilie Schmidtlein vom Gestüt Heidekaten stammt. Er hat den Trakehner Friedensfürst zum Vater und stammt aus einer Mont du Cantal AA-Mutter. Lesch ist auf das 5-jährige Pferd beim Bundeschampionat aufmerksam geworden. Der Wallach ging dann im November 2006 via Top-Eventers-Auction an den Schweizer Peter Attinger. Der neue Besitzer beauftragte Elmar Lesch mit der weiteren Ausbildung von Raumalpha, welcher ein weiteres Gastspiel beim Bundeschampionat, bei Ein-Sterne-Prüfungen sowie Springpferde- und Dressurpferdeprüfungen hatte. "Er war immer vorne platziert", freute sich Elmar Lesch im buschreiter-Interview. Raumalpha wurde relativ spät gelegt und wird von dem Reiter gleichermaßen als "sehr dominant und sehr sensibel" eingeschätzt. Lesch: "Er ist im Gelände bedingungslos und sehr charakterstark im positiven Sinn." Über eine Platzierung in Le Lion mit Raumalpha würde sich Elmar Lesch sehr freuen, aber schon die Qualifikation für die WM sieht der Berufsreiter aus Bavendorf bei Lüneburg als "schöne Werbung für die Top-Eventers-Auction".

Nummer 3 bei den 6-jährigen WM-Pferden ist Desperado S von Divino DL und aus einer Grand Ferdinand II-Mutter, ein Pferd mit Württemberger Brand. Michael Jung schätzt an dem Vierbeiner die sehr guten Nerven auf dem Dressurviereck und die nicht minder guten Leistungen im Cross und über bunte Stangen. Die Dreifach-Veranlagung hat sich bei einer Reihe bemerkenswerter Platzierungen niedergeschlagen, unter anderem bei CIC* in Kreuth und Dijon sowie beim Süddeutschen Geländepferdechampionat und im großen Finale des Bundeschampionates in Warendorf.

Michael Jung ist der einzige Eventer, der in diesem Jahr zwei Pferde bei der WM präsentiert – neben Desperado S den 7-jährigen Wallach La Biosthetique Sam FBW im Besitz des Reiters und von Sabine Kreuter (Kaufbeuren). Sam ist ein Stan the Man xx-Sohn aus einer Heraldik xx-Mutter (Züchter: Günter Seitter, Aldingen). Den WM-Zirkus in Frankreich kennt das Pferd vom vergangenen Jahr: 2006 war Sam Vize-Champion bei den 6-Jährigen gewesen. "Er hat das Zeug zum Weltmeister, aber es kommt natürlich auf die Tagesform an", sagte Michael Jung im buschreiter-Interview. Die Leistungsbilanz des Pferdes ist beeindruckend: Platzierungen auf Ein-Sterne-Niveau in Fontainebleau und Kreuth, der Zwei-Sterne-Sieg in Pardubice sowie **-Platzierungen in Compiegne, Marbach und Luhmühlen.

Aber nicht nur Michael Jungs Sam ist kurz vor der Weltmeisterschaft glänzend aufgelegt. Auch die 7-jährige Stute Grand Amour ist "super drauf", berichtet Dirk Schrade. "Ich rechne mit einer hohen Platzierung, vielleicht wird sie ja Weltmeisterin...", liebäugelt Schrade im buschreiter-Interview mit einem respektablen Resultat in Le Lion d'Angers. Züchterin und Besitzerin des Pferdes von Cabaret und aus einer Weltrang-Mutter ist Carola Liedtke (München). Die Stute blickt auf eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz zurück: Zwei hohe Finalplatzierungen beim Bundeschampionat 2005 und 2006, zwei dritte Ein-Sterne-Plätze in Bonn und Kreuth 2006, in diesem Jahr der CCI*-Sieg in Ede und der 7. Platz beim CIC** in Strzegom, der Ein-Sterne-Sieg in Sahrendorf und schließlich der 2. Platz bei der Zwei-Sterne-Testprüfung in Hongkong – wo ja 2008 olympische Medaillen vergeben werden. Diese Erfolgsserie bezeichnet Dirk Schrade schlicht als "unglaublich". Die Stute war immer hoch platziert oder siegreich. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das nahtlos im Drei-Sterne-Bereich fortsetzen wird, das ist für mich ein Championatspferd, definitiv."

Ein Sprung aufs Treppchen ist auch für Andreas Dibowski mit der 7-jährigen Stute FRH Fantasia drin. Die Hannoveranerin von Federweisser und aus einer Quasi Roi-Mutter (Züchter: Gerd Cohrs, Oldendorf/Luhe) gehört je zur Hälfte dem Verein zur Förderung des Reitsports auf hannoverschen Pferden (FRH) und dem deutschen Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch, der schon seit einiger Zeit nach einer Möglichkeit gesucht hat, als Förderer des Vielseitigkeitssports aufzutreten. Was ist noch alles drin bei dieser Event-Bilanz: Siege bei Zwei-Sterne-Prüfungen in Strzegom und in Bad Harzburg, ein 2. Platz in Hannover-Langenhagen und eine Platzierung bei der letzten Vorbereitungsprüfung in Kreuth. Eine internationale Top-Karriere war dem Pferd wahrlich nicht in die Wiege gelegt: Andreas Dibowski suchte im vergangenen Jahr ein "nettes Reitpferd" für seine Frau Susanna und bekam die Stute 6-jährig gerade angeritten vom Züchter. Doch Fantasia wurde schließlich zu groß für die Amazone und deshalb nahm sie "Dibo" selbst unter die Fittiche und fand nach eigener Aussage "eher durch Zufall heraus, dass die Stute ein wirklich außergewöhnliches Pferd ist".

Eine "Hoffnung für die Zukunft" ist die 7-jährige Stute Licaja Sue, eine Siebenachtelblüterin von Sevillano xx und einer Justeanen xx-Mutter, gezogen von Roger Böckmann (Lastrup) und im Besitz von Simone Böckmann. In Le Lion bringt Anna Junkmann das Pferd an den Start, die in der Stute keinen unbedingten Siegertyp, aber eine sichere Ankommerin sieht. Licaja Sue war im vergangenen Jahr im Bundeschampionats-Finale platziert gewesen. 2007 beeindruckte die Stute durch Top-Platzierungen beim CIC* in Sahrendorf und beim Zwei-Sterne-Event in Bad Harzburg. Schließlich gewann das Paar beim CIC* in Ströhen.

Die Qualitäten eines Vollblüters und eines Holsteiners vereint der 7-jährige Wallach Parko, der Peter Thomsen und Christoph Lehrmann gehört. Parko stammt von dem gleichnamigen Vollblüter und aus einer Alcatraz-Mutter. Thomsen hat Parko 4-jährig bekommen und ihn im vergangenen Jahr beim Bundeschampionat auf Platz 3 geritten. Bei Zwei-Sterne-Prüfungen in Sahrendorf und Bad Harzburg trug das Pferd jeweils Schleifen an der Trense. Zuletzt freute sich der Jockey über einen 3. Platz beim CCI* in Bad Segeberg. "Er ist in allen drei Disziplinen sehr gut", charakterisiert Peter Thomsen den 7-Jährigen. Auf dem Viereck ist er schon einmal für eine Note unter 40 gut. An der Springleistung gibt es nichts auszusetzen. Und im Cross sei er sehr einfach zu bedienen, berichtet Thomsen im buschreiter-Interview wenige Tage vor der Abreise nach Le Lion. Von einem Titel möchte der Mitbesitzer und Reiter von Parko noch nicht sprechen. Nur so viel: "Ich bin mir sicher: Er kann ganz vorne sein."

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