Buschreiter.de Forum
Experten-Gremium und FN-Beauftragter
Die Redaktion von buschreiter.de veröffentlicht hier die Meinungsäußerungen des Publikums zu den kritisch-konstruktiven Anmerkungen Andreas Dibowskis in Bezug auf Tendenzen bei der Gestaltung von Geländestrecken. Das Memorandum und öffentliche Äußerungen Dibowskis haben inzwischen ihre Wirkung getan: Eine Arbeitsgruppe soll nun einen Leitfaden ausarbeiten, der Cross Designern auf allen Prüfungsniveaus an die Hand gegeben werden soll. Diesem Experten-Gremium, das sich in den nächsten Wochen konstituieren wird, sollen neben den Bundestrainern Hans Melzer, Christopher Bartle und Rüdiger Schwarz natürlich auch zwei Reitervertreter angehören: Andreas Dibowski und aller Voraussicht nach Peter Thomsen. Zudem wird es in der Saison 2004 einen Ombudsmann oder Geländebeauftragten geben, der ab dem Zwei-Sterne-Niveau möglichst alle Strecken im Land inspiziert und zwar so rechtzeitig, dass tatsächlich noch Veränderungen vorgenommen werden können. Die Rolle soll nach buschreiter.de-Informationen Bundestrainer Rüdiger Schwarz einnehmen. Er ist bekanntlich selbst Parcoursbauer. Unter anderem wird er für die Geländestrecke der Weltreiterspiele 2006 in Aachen verantwortlich zeichnen.
Hier die fortlaufend eingehenden Publikumsäußerungen:
Offener Brief von Hendrik von Paepke an Andreas Dibowski:
Turnier-Highlights anders definieren
Lieber Andreas,
mit Schrecken habe ich die Einseitigkeit Deiner Darstellung, warum es in Deutschland nicht mehr klappt mit den großen Championatserfolgen, gelesen. Dass Du in Teilen Recht hast, wenn es um die zunehmende Vertechnisierung unserer Geländestrecken geht, steht wohl außer Frage. Du machst es Dir allerdings relativ leicht, und den Kern der Problems triffst Du aus meiner Sicht nicht. Ich sehe diesen vielmehr in der Gesamtattraktivität des Vielseitigkeitssports für Reiter, potenzielle Reiter, das Publikum und die von Dir nicht nur zwischen den Zeilen so gescholtenen Veranstalter, die aus reiner Sensationslust in Zusammenarbeit mit Ihren "Verbündeten", den Geländeaufbauern, die Prüfungen in Deutschland immer technischer und technischer werden lassen. Du forderst also implizit von den Veranstaltern, ihrer Verantwortung nachzukommen, ihre Rolle im Gesamtkonzept "Vielseitigkeitssport" zu leben und sich als Aufbauprüfung für die großen Finals im Frühsommer (DM) oder im Herbst (EM, WM, OS) zu sehen - aber zu welchem Preis??
Wenn Du Dich in die Lage eines Veranstalters versetzt, so stellt sich die Situation im wesentlichen derzeit folgendermaßen dar: Knechterei beim Geländeaufbau im Frühjahr, Aufopferung jeglicher Freizeit, kaum freiwillige Helfer, Eingehen eines finanziellen Risikos, einen Tag Event mit positiver, aber auch immer negativer Resonanz, Abrechnung Verlust! Der Zuschauerzuspruch auch des kleinsten Events und damit negativ korrelierend auch das Verlustrisiko hängt nun mal unter anderem auch von dem gebotenen Spektakel ab.
Wenn Du also von den Veranstaltern forderst, auf möglichst viele gesundheits- und motivationsgefährdenden Einlagen (Tiefsprünge, schmale Sprünge etc.) zu verzichten, dann solle man sich auch über darüber im klaren sein, dass dies einen Preis hat. Ein Veranstalter, der 100 Pferd-Reiter-Kombinationen vor "leeren Rängen" fehlerfrei in die Zeit bringt, erbringt aus meiner Sicht für die Reiter eine zu vergütende Dienstleistung. Das heißt im Klartext: Er muss an seinem Event verdienen! Und im Umkehrschluss: Rauf mit den Nenn- und Startgeldern oder runter mit den Gewinngeldern, obwohl ich erstere Variante bevorzugen würde. Das würde auch bedeuten, dass der Wettbewerb unter den Veranstaltern nicht dahin geht, möglichst eines der wenigen spektakulären Highlights im Jahr zu veranstalten, sondern sich ein Highlight erstens anders definieren würde - nämlich aus pferdesportlicher Sicht und nicht aus der reinen Publikumsbrille - und zweitens nicht das Geld des Veranstalters oder Vereins kostet, die schon häufig nicht mehr bereit sind, das finanzielle Risiko mitzutragen.
Des weiteren sollte das System Ausschreibungen und Nennungen zeitlich flexibler gehalten werden, um Turniereinsätze kurzfristiger umplanen zu können, wenn ein Einsatz als bspw. gesundheitsgefährdend angesehen wird. Aus meiner Sicht würde der Wettbewerb unter den Veranstaltern vor allem die Qualität der Bedingungen, unter denen geritten wird, erhöhen und - je besser die Bedingungen desto höher Teilnehmerzahl und letztlich die finanzielle Situation des Veranstalters. Dadurch ergibt sich eine natürliche Selektion der Veranstalter.
Der große Vorteil wäre, dass der Sport, wie übrigens fast alle anderen Sportarten auch, durch die Basis finanziert wird. Diese wird sich deshalb erhöhen, da die Vereine an den geeigneten Standorten wieder Turniere veranstalten würden und in der Vereinsarbeit am richtigen Ort das Interesse an der Vielseitigkeiteit geweckt wird. Die Spitze könnte sich bei langfristigen und vor allem nachhaltigen Championatserfolgen, der sich Deiner Argumentation folgend, bei besseren Veranstaltungen einstellen würde, durch Sponsorenverträge und höhere Gewinngelder bei großen Turnieren finanzieren.
Gruß Hendrik von Paepke
Offene Antwort von Andreas Dibowski auf Hendrik von Paepke
Publikum will mehr Pferde im Ziel sehen
Lieber Hendrik,
dass Du heute als Veranstalter einer renommierten **-Prüfung eine andere Sichtweise zu unserem Sport entwickelt hast, ist verständlich und nachvollziehbar. Dass Du aber meine Ausführungen, im Hinblick auf die alarmierende Entwicklung im Geländeaufbau kritisierst,weil Du Dich als Veranstalter angegriffen fühlst, nicht. Meine Ausführungen haben ja davor gewarnt, dass gerade das Puplikum, also die, denen Du ein "Spektakel" versprochen hast, mehr und mehr Unzufriedenheit signalisieren. Unzufriedenheit deshalb, weil man mal wieder mehr Pferde im Ziel sehen will. Weil man die Freude der Pferde, an dem was sie im Gelände tun, vermisst und weil das Puplikum sensibler geworden ist. Auch kann ich nicht Deine Meinung teilen, dass auch nur ein einziger Zuschauer weniger kommt, weil es drei Tiefsprünge oder fünf schmale Elemente im Gelände weniger zu springen gibt. Im Gegenteil. Die Zuschauer fahren nicht nach Hause mit dem Eindruck, eine langweilige Prüfung gesehen zu haben. Sie fahren nach Hause, mit dem Spiegel der Begeisterung in ihren Augen, die sie bei den Pferden und Reitern erleben durften, die zusammen einen Schritt im Gelände weiter gekommen sind und sich bereits im Zieleinlauf auf den nächsten Ritt freuen.
Blankes Entsetzen löste bei mir allerdings der erste Satz im dritten Absatz aus, in dem Du, wenn ich deine Worte richtig interpretiere, motivations- und gesundheitsgefährdende Sprünge in Kauf nimmst, um dem Puplikum etwas zu bieten und im Verzicht solcher von den Reitern verlangst, dieses entgeltlich auszugleichten, weil sonst die Zuschauer wegbleiben. Denkst Du den wirklich, dass die Zuschauer nur das sehen wollen???
All die anderen Punkte, die Du aus Deiner Veranstaltersicht aufgeführt hast, sind vertret- und diskutierbar und dienen sichlich auch als Anhaltspunkte für weitere sinnvolle Diskussionen.
Dein DIBO
Der Gipfel: Nur ein Pferd platziert
Hier wird im Moment nur von den höheren Prüfungen gesprochen. Das bedauere ich sehr. Denn schon in den unteren Prüfungen, das heißt auch schon ab E ist es leider zu beobachten, dass die Kurse derart technisch sind, dass die Kinder das Ziel nicht sehen. Oder bei Prüfungen, in denen K- M- Ponys zugelassen sind, unbedingt am Höchstmaß gebaut werden musste, so dass Eltern ihre Kinder nicht starten lassen, da sie es für zu gefährlich halten. Der Gipfel war meiner Meinung nach allerdings in dieser Saison die Geländepferdeprüfung der Klasse A in Lage. Dort war der Kurs dermaßen schwer, dass nicht ein Pferd ohne Hindernissfehler ins Ziel kam!! Der Sieger gewann diese Prüfung, die für 4-jährige Pferde ebenfalls offen war, mit einer Note unter 6, und es war aufgrund der Noten nicht möglich, ein 2. Pferd zu platzieren. Und das lag sicher nicht nur an dem dortigen Pferdematerial. Ich glaube, niemand der diesen Sport als Amateur macht, nimmt eine lange Anreise in Kauf mit der Gewissheit: Mein Pferd ist der Aufgabe nicht gewachsen. Sicher fehlt es einigen an der nötigen Selbstkritik, aber dies sollte man nicht dem Großteil der Reiter anlasten. Nicht einmal heimische Reiter waren dort in der Lage, ihre Pferde fehlerfrei durch diesen Kurs zu bekommen. Daher bin ich der Meinung: Gerade in diesen Prüfungen muss eine genauere Kontrolle stattfinden, ansonsten bleibt es bei manch unschönen Bildern und demotivierten Reitern und Pferden.
Chr. Schenk
Am internationalem Niveau orientieren
Ich will mich auch mal rasch in diesem Forum zu Wort melden, weil ich bislang den Eindruck habe, dass hier Einiges aus reichlich enger Perspektive gesehen und diskutiert wird:
++ Technische Kurse: Ich denke, wir sind uns alle einig, dass im unteren Bereich (A/L) der Übungs/Trainings-Charakter der Strecken weit wichtiger ist als die Abfrage von "Klein-Luhmühlen". Im oberen Bereich (ab **) denke ich aber, müssen wir auf alle Fälle die Öffentlichkeit berücksichtigen, und zwar in einem anderen Sinne als bisher hier diskutiert: Es geht hier nicht um spektakuläre Bilder, sondern um die Vermeidung von Stürzen, vor allem von solchen mit schweren Folgen. Und da sind nun mal schmale Elemente sicherer als die 2 m tiefen oben offenen Oxer, wie sie früher in den CCI*** standen. Sicherheit sollte immer oberstes Gebot sein bei der Konzeption eines Kurses.
++ Internationale Erfolge: Andreas ist doch hier sicherlich ein gutes Beispiel, indem er national und international vorne mitreitet. Aber wer kommt danach? Meine Überzeugung ist, dass der grosse Sport professioneller geworden ist. Die deutschen Championatsreiter der erfolgreichen 80er und 90er Jahre waren doch zu einem erheblichen Teil Amateure, und die gibt es vielleicht immer noch; aber der deutsche Vielseitigkeitssport ist sehr arm an Profis, und ich denke, ohne diese kann man auf Dauer in diesem Sport nicht mehr mithalten.
Ich will hier nicht den Amateuren den Spass verderben, und ich will nicht den supertechnischen Kursen eine Lanze brechen. Aber wir sollten danach trachten, unsere nationalen Anforderungen am internationalen Niveau zu orientieren und nur Reiter/Pferde auf Championate berufen, die die gleiche Anforderung schon wenigstens einmal als Paar bewältigt haben. Das war meines Wissens bei der EM 2003 nicht der Fall.
Abschliessend noch ein Gedanke zur Funktion der Richter, der sich mir aufdrängt im Zusammenhang mit dem Kommentar von C. Schenk (nur 1 Pferd in einer GPA platziert): Es ist natürlich nicht möglich, diese Strecke und die Qualität der gestarteten Reiter/Pferde im Nachhinein zu beurteilen. Aber vielleicht waren hier auch die verantwortlichen Richter nicht kritisch genug bei der Abnahme der Geländestrecke. Es ist letztendlich die Aufgabe dieser Fachleute, einen Geländekurs als klassengerecht in seinen Anforderungen zu akzeptieren oder auch nicht. Das geht aber nicht so gut, wenn man z.B. den Kurs nur rasch 30 min vor Prüfungsbeginn per PKW abfährt. Also bitte nicht nur unsere Parcourschefs kritisieren, ohne die wir nur wenig zu reiten hätten!
In diesem Sinne: Vieles kann besser werden, wenn alle Beteiligten offen miteinander reden.
Dr. Helmut Mett
Vom Bauer wird Spektakuläres verlangt
Wir stehen oft in der USA vor dem gleichen Problem, dass die Strecken unendlich technisch sind und immer technischer werden, oder oft sind aeltere Strecken nicht so gut erhalten. Leider haben wir Reiter auch hier wenig zu sagen und stehen sehr oft vor der Frage: reiten oder nicht reiten, der Druck zu reiten ist sehr gross, da wir ja sehr oft 1 bis 2 Tage Anfahrt haben hier im Westen. Ein Freund von mir ist Reiter, Veranstalter und Kursbauer, wir haben uns oft ueber die Strecken unterhalten, die wir geritten sind. Er erklaerte mir, dass sehr oft vom Bauer Spektakulaeres verlangt wird, deswegen kommt es oft zu unsinnigen Ansammlungen von Drops, engen Spruengen und endlosen Kombinationen. Auf der Ostseite der Rockies in Colorado haben wir ein sehr grosses VS-Turnier, das ab L so technisch ist, dass von 40 oder 50 Pferden pro Gruppe nur 5 oder 6 die Zeit machen. Ich habe noch keinen S - Ritt auf dem Tunier gesehen, der in der Zeit war.
Die Geschwindigkeiten bleiben die selben, aber die technischen Anforderungen steigen jedes Jahr, die Strecken werden voll gepackt mit Spruengen und Kombinationen, bis sie ihren Fluss verloren haben und kaum noch Raum zum Galoppieren vorhanden ist.Guenther E. Hardt/USA
Gelbe und rote Karten für Aufbauer
Mit Interesse habe ich den Artikel von Andreas gelesen und stimme dem voll zu. Ich selbst bin in diesem Jahr schon zweimal vor dem Gelände nach Hause gefahren, obwohl ich nach Dressur und Gelände sehr gut platziert war. Grund war der Aufbau der Prüfungen in Klasse A. Hier wurden genau die Probleme, die Andreas angesprochen hat, als Musterbeispiel vorgeführt. Ein Aufbau, der nicht zur Motivation junger Pferde und Reiter einlädt, wozu die Klasse A eigentlich da ist. Wenn Aufgaben verlangt werden, wie am Ende einer Strecke einen steilen, steinigen Berg hinauf reiten zu lassen, um dort zum Schritt durchzuparieren, zwei kleine Stufen runterspringen zu lassen und dann wieder den steilen Berg hinunter, ohne Sinn und Lerneffekt, wobei das Gelände eigentlich sehr viel hergibt und für Prüfungen toll geeignet ist, dann fragt man sich als erfahrender Reiter schon, wo das hinführen soll. Man muss schon vorher wissen, wer der Aufbauer ist, um überhaupt noch zu Prüfungen fahren zu wollen. Es sollte eine Punktewertung für Aufbauer geben und ebenfalls eine gelbe und eine rote Karte.
Dr. Norbert Kriegisch
Reiter sollen sich zu Wort melden
Zu dem von Andreas Dibowski dankenswerterweise angestossenen Thema ist kaum etwas hinzuzufügen. Für uns Reiter gilt es jetzt, diesen Punkt "Kursgestaltung" aktiv aufzugreifen und sich sachlich zu Wort zu melden. Es darf nicht länger passieren, kommentarlos auf eine Strecke zu gehen, die uns Reitern erhebliche Sorgen bereitet. "Die Anderen reiten ja auch" oder "jetzt bin ich schon einmal hier" sind Argumente, welche die Situation nicht verbessern werden. Merke: Entweder wir korrigieren diese Entwicklung oder diese Entwicklung "korrigiert" unseren Sport. Wollen wir das??
Andreas Baumann
HULINGSHOF
Kempen
Strecken sind kein Selbstzweck
Zu dem Beitrag von Andreas Dibowski sage ich:" Bravo". Sachlich auf den Punkt gebracht und sehr anregend. Noch nie waren wir auf dem internationalen Parkett so schlecht wie heute. Deutschland hat immer sehr gute Buschreiter gehabt, die auch immer im Mannschafts- und/oder Einzelwettbewerb für einen Platz auf dem Treppchen gut waren. Ich glaube nicht, dass alle Reiter des A- und B-Kaders innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne nicht mehr reiten können oder wir bei 1 Million Pferden in Deutschland nicht die richtigen Pferde finden können. Unsere deutschen Reiter kommen doch auch während ihres Trainingsaufenthaltes in England nach vorne, platzieren sich in Badminton, und hier geht dann nichts mehr oder eben in Bezug auf den Aufwand zu wenig. Man kann ja nicht von einer völligen Erfolglosigkeit sprechen, dass wäre überzogen.
Wir werden immer technischer und immer schmaler und immer philosophischer. Die Ergebnisse von Kreuth, Riedhausen und Luhmühlen sprechen doch eine deutliche Sprache. Wie deutlich muss es den noch werden??????? Auf unserem Amateur - Niveau war Krusemark der Höhepunkt. Ich habe daraus meine Konsequenzen gezogen und werde so eine Strecke nicht mehr reiten. Schmal, schmäler, ganz weg und als Fang eine dreijährige Fichte! Kombination auf Kombination.
Ich fahre ja nicht zum Turnier, um mich zu ärgern. Soviel Zeit, Geld und Geduld, nur um mit schlechter Laune nach Hause zu segeln? Nein Danke, verprellt uns Amateure nicht zu doll. Der Sport lebt durch uns, nicht durch Funktionäre und Warendorf. Strecken sind kein Selbstzweck, sondern für die Teilnehmer. Es gab aber auch im CIC/CCI* genug positive Beispiele und ich will wirklich nicht nur meckern. Die eine Strecke liegt einem Reiter mehr und die andere Strecke eben weniger. Man kann nicht nur Sieger sein, das ist der Sport und auch gut so. Zwei oder drei schmale Sprünge reichen doch und auch die tieferen Landestellen müssen nicht permanent abgefragt werden. Andreas Dibowski hat Recht. Eine Strecke kann doch auch auf anderen Wegen schwer und selektiv gebaut werden.
Nico Schmidt
Nicht überall kann Luhmühlen sein
Solange die "kleinen Aufbauer" ihren "großen Vorbildern" nacheifern, kann der Aufbau nicht besser werden, denn nicht überall kann Luhmühlen sein. Und selbst die "großen Aufbauer" in Deutschland sollten sich Gedanken über einen pferdefreundlicheren Aufbau machen. Denn ohne Pferde kein Aufbau bzw. keine Arbeit.
Horst Müller
Kein Spektakel und kein einziger Zuschauer-Euro
Lieber Andreas Dibowski, herzlichen Dank für Ihren Anstoß. Möge er heilende Wirkung haben, bevor man sich betroffen fragen muss: "Vielseitigkeitssport in Deutschland - was nun"? Ich wünsche Ihnen die Kraft, den Stein am Rollen zu halten, bis die entscheidenden Leute durch das Poltern endlich wach geworden sind. "Aufbau" und "Finanzierung" lassen sich nun einmal nicht von einander trennen. Es gab dazu vor etwa 2 Jahren beispielsweise ein "Wachrüttelbrief" von Peter Thomsen. Allerdings: Was hat sich bis heute geändert? Über welche Ideen ist mit welchem Ergebnis diskutiert worden? Aus meiner bescheidenen Sicht als bescheidener Basissport-Veranstalter "dazu" dieser kleine "Finanzierungs"-Beitrag.
Hendrik von Paepcke: Der Zuschauerzuspruch auch des kleinsten Events und damit negativ korrelierend auch das Verlustrisiko hängt nun mal unter anderem auch von dem gebotenen Spektakel ab.
Dazu: "Negernbötel", dessen mittlerweile auch international guten Ruf ich in den letzten 15 Jahren mitgestalten durfte, hat diesen guten Ruf gerade dadurch begründet, dass es keinerlei Spektakel gegeben hat. In den letzten 5 Jahren nahmen jährlich etwa 350 Reiter-Pferd-Paare teil. Ob die sich alle geirrt haben? Zur Finanzierung von "Negernbötel" hat keine einzige Zuschauer-Mark, kein einziger Besucher-Euro beigetragen!
Hendrik von Paepcke: Der große Vorteil wäre, dass der Sport, wie übrigens fast alle anderen Sportarten auch, durch die Basis finanziert wird.
Dazu: Es wäre ein großer Vorteil, wenn der Basissport durch alle gleichermaßen finanziert wird. Alle, die am Basisport teilnehmen und daraus ihren Nutzen ziehen: Die Kleinen "just for fun", die Anderen aus "Übungs-/Trainingsgründen", die Großen aus "Aufbaugründen" für ihren großen Sport. Übrigens: Wussten Sie, dass ich meine letzten 5 Jahre "Üben und Trainieren in Negernbötel" durch jährlich je 2 A- und L-Prüfungen nur so und nicht anders finanzieren konnte?
1. Ein ganzer Sack voll ehrenamtlich kräftig anpackender Helfer (Pflege!!!)
2. 65% aus Spenden und Zuschüssen - in 5 Jahren rund 100.000,00 Euro
3. 35% aus Nenn- und Startgeldern.
Manches hätte noch schöner gemacht werden können, mancher Aufbau noch mehr dem Sport und der Freude daran dienlicher gestaltet werden können, wenn nicht das unsägliche "Preisgeld aus Übungs- und Trainingsstunden" die so dringend erforderlichen "Kröten" geschluckt hätte .
Dr. Helmut Mett: Ich denke, wir sind uns alle einig, dass im unteren Bereich (A/L) der Übungs-/Trainings-Charakter der Strecken weit wichtiger ist als die Abfrage von "Klein-Luhmühlen".
Dr. Norbert Kriegisch: Ein Aufbau, der nicht zur Motivation junger Pferde und Reiter einlädt, wozu die Klasse A eigentlich da ist ......
Dazu: In welcher Sportart bekommen Teilnehmer an Übungs- und Trainingsstunden Preisgelder? Fazit: Preisgelder in der Vielseitigkeit ab "M" - von mir aus. Darunter sollte man das Geld ausschließlich auf die Förderung des Nachwuchses konzentrieren. Ich war jedes Jahr froh, wieder 20.000,00 Euro an Spenden und Zuschüssen eingesammelt zu haben. Ich war aber auch jedes Jahr wieder traurig, einen nennenswerten Teil davon an die kleinere Zahl der Teilnehmer (max. 1/3 !!!!) an Preisgeldern ausschütten zu müssen, anstatt es der Nachwuchsförderung über noch mehr Strecken-Qualität, mehr Strecken-Sicherheit und mehr Trainingstage zuführen zu können.
Nico Schmitt: Ich fahre ja nicht zum Turnier, um mich zu ärgern. Soviel Zeit, Geld und Geduld, nur um mit schlechter Laune nach Hause zu segeln? Nein Danke, verprellt uns Amateure nicht zu doll. Der Sport lebt durch uns, nicht durch Funktionäre und Warendorf. Strecken sind kein Selbstzweck, sondern für die Teilnehmer.
Dazu: Wie wahr, wie wahr.
Jürgen von Friedeburg
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