Buschreiter.de aktuell: Kritik am Cross-Design
"Gravierende Fehlentwicklung"
VON WOLF-DIETRICH NAHR

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Vielseitigkeitsreiter und zudem ein konstruktiv-streitbarer Geist, der Kritik und Ideen zur positiven Weiterentwicklung des Buschsportes reflektiert und den Mut hat, die Dinge öffentlich beim Namen zu nennen: Andreas Dibowski hat nach intensiven Gesprächen mit Aktiven eine "gravierende Fehlentwicklung im nationalen Geländeaufbau" als eine der Ursachen für die relative Erfolglosigkeit der deutschen Eventer bei internationalen Championaten festgestellt. Buschreiter.de bietet die Gelegenheit, Meinungen zum Thema im Forum zu äußern.
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"Dibo" ist auf der eigenen Website www.dibo-online.de mit zwei Beiträgen an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem 14 Tage vorher ein offenbar informelles Aktiventreffen stattgefunden hat (Foto: Mit Serve Well bei der Junge-Pferde-WM in Le Lion, Foto Julia Rau). Im Mittelpunkt stand dabei die Schlüsselfrage aller, die am deutschen Spitzen-Vielseitigkeitssport Anteil nehmen: Warum haben die Deutschen bei Europa-, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen so recht nichts mehr zu bestellen? Selbst die Olympia-Teilnahme in Athen wird mangels Team-Qualifikation wahrscheinlich nur durch das Hilfskontrukt einer Einzelreiter-Nominierung möglich sein. Die Top-Eventer diskutierten dieses "Erfolgsdefizit" und die vielfältigen Ursachen und fanden eine von mehreren Grundursachen, die Andreas Dibowski beim norddeutschen Geländeaufbauerseminar in Bad Harzburg öffentlich formuliert hat: "Zu viele technische Anforderungen, eine zu starke Häufung an wiederholenden Aufgaben innerhalb eines Geländekurses und unrythmische und pferdeunfreundliche Linienführungen sind die Hauptpunkte, die von Seiten der Aktiven bemängelt werden." Der Sprecher der Eventer hatte bereits 2002 nach dem Bundeswettkampf in Luhmühlen eine öffentliche Diskussion angestoßen, die teilweise über buschreiter.de geführt worden ist und eine breite Resonanz gefunden hat.
Hohe Ausfallquote
"Dibo" bedauert die Folgenlosigkeit der Kritik: Ein Jahr später beim Pendant in Krusemark das gleiche Bild. In der offenen Abteilung des CCI* kamen nur elf von 39 Teilnehmern ohne Hindernisfehler ins Ziel. Er bemängelt die hohe Ausfallquote beim CCI** in Kreuth und wirft den Blick sogar auf das Nachwuchs-Championat der Kleinsten: "Muss man weinende Kinder bei der Pony-DM im letzten Jahr hinnehmen, weil sie nicht über den dritten Sprung im Gelände gekommen sind und die Verantwortlichen meinen, dass auf der DM ein so schmaler Sprung abgefragt werden muss?" Beispiele aus der laufenden und davor liegenden Saison, die Andreas Dibowski als einer derjenigen anführt, der sich aufgrund seiner zahlreichen Starts im In- und Ausland ein fundiertes Urteil erlauben kann. Der Profi zieht eine ernüchternde Bilanz, wenn er die beiden einzigen Events nennt, bei denen er nach dem Abgehen mit Freude ins Cross gestartet ist: Das CIC** in Unterbeuern und das CCI*** in Boekelo.
"Zermuerbte Pferde"
Wie lautet die Kritik im Detail? Offenbar motivieren viele Kurse Reiter und Pferde zu wenig. Je nach Zeitpunkt in der Saison sind die Anforderungen der einzelnen Prüfungsniveaus nicht hinreichend differenziert. Der hohe Anteil von Sprüngen im Cross mit so genannten Aufgabenstellungen "zermürbt die Pferde mental und ist weit übertrieben", so Andreas Dibowski. Nach den Klippen gibt es zu wenig Motivations- und Erholungssprünge. Acht bis zehn schmale Elemente und technische Hindernisse pro Cross überschreiten die Grenze zum "Zumutbaren". Dibowski: "Auch das routinierteste Pferd sucht irgendwann die Lücke, und es hat sich gezeigt, dass durch die Häufung der Abfragen die Pferde eher schlechter als besser wurden, auch oder gerade, wenn man diese Art der Aufgabenstellung zu Hause viel geübt hat."
Druck aufs Tempo
Viele Designer können nicht gut damit leben, dass etliche Paare ihr Cross in der Zeit absolvieren. Die Folge sind Linienführungen, mit denen künstlich das Tempo genommen werden soll ein Charakteristikum, das weniger erfahrene Reiter in den unteren Prüfungen erheblich verunsichert und für die Pferde vermeidbare Verschleiß- und Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Verschärft wird das Problem dadurch, dass Alternativen zu zeitraubend sind und letztlich ihre pferdeschonende Wirkung verfehlen. Auch hinsichtlich der Bodenqualität ist nach Meinung von Andreas Dibowski noch immer kein allgemein zufriedenstellendes Niveau erreicht. Der Championatsreiter formuliert einen Befund, der in seiner Wirkung ganz unten beim Aufbau von Pferden und Reitern beginnt und beim Top-Kader endet. Für den Aktivensprecher spitzt sich die Situation zu: "Wenn sich nicht gravierend was im Aufbau ändert, werden im nächsten Jahr die ersten Reiter vor dem Geländeritt die Veranstaltung verlassen, um eine mögliche Demotivation ihrer Pferde zu verhindern."
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