Buschreiter.de Lesermeinungen:
Typischer Mangel an Kommunikation
Andreas Baumann schreibt:
Leider muss ich diesen Negativbericht bestätigen. Was das Rheinland angeht, so lässt sich feststellen, dass bei mir diese Anfrage aus Warendorf nicht angekommen ist. Ein typischer Mangel an Kommunikation durch den Landesverband.Andreas Baumann
Fürchten Funktionäre um ihre Pfründe?
Kontantin Kurschke schreibt:
Das Problem, worum sich das hier dargestellte Szenario dreht, ist nicht die Frage, ob die betreffende Sondermaßnahme sinnvoll ist oder nicht. Insofern dürfte zumindest innerhalb der Aktiven Einigkeit bestehen: Personen, die durch reitsportliche Erfolge und ausbilderische Tätigkeit ihre Fachkenntnis im Vielseitigkeissport bewiesen haben, sollte der Weg an den Richtertisch erleichtert werden. Schließlich besteht ein akuter Mangel an qualifizierten Richtern.Zudem müssen sich die derzeit tätigen Richter die Frage gefallen lassen, wie es mit der für jede Prüfung neu erforderlichen, absoluten Objektivität steht, wenn ein kleiner Kreis von Richtern auf jedem Turnier auf den selben Teilnehmerkreis trifft. Meiner Ansicht nach kann sich kein Mensch - auch derjenige, der sich bewusst darum bemüht - frei davon machen, den Eindruck, den ein Teilnehmer bei ihm über Jahre hinweg hinterlassen hat, nicht in die Betrachtung der aktuelle gezeigten Leistung einfließen zu lassen. Dies betrachte ich nicht als Vorwurf, sondern als psychologische Tatsache. Insofern wäre "frisches Blut" in der Richterei dringend erforderlich, um verkrustete Strukturen aufzubrechen.
Ein Einwand, dass die Sondermaßnahme nicht die erforderliche Qualifikation der angehenden Richter garantiere, ist auch nicht haltbar. Zunächst wurden hierfür nur solche Reiter zugelassen, die in der Vergangenheit durch sportliche Erfolge ihre Fachkenntnis bewiesen hatten. Ferner müssten sich die Teilnehmer der Sondermaßnahme genau der gleichen Prüfung unterziehen wie jeder andere Richter. Es wurden keine Abstriche beim Leistungsniveau gemacht. Sieht man das Bestehen einer Prüfung - wie üblich - als Gewähr für die erforderliche Qualifikation eines Prüflings, entkräftet sich der Vorwurf, die Teilnehmer der Sondermaßnahme seien nicht ausreichend qualifiziert.
Im Rahmen der Sondermaßnahme wurde lediglich darauf verzichtet, dass die Prüflinge davon entlastet wurden, zwei Jahre lang als Beisitzer an den Richtertischen zu sitzen, um turniersportliche, insbesondere richterliche, Erfahrungen zu sammeln. Das geschah auch mit guten Grund, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmer der Sondermaßnahme im Gegensatz zum üblichen Klientel der Richterprüfungen zum Teil jahrzehntelange Erfahrungen in Turniersport bis zur höchsten Klasse, bestandene reitsportliche Berufsausbildungen, Funktionärstätigkeit, etc. vorweisen konnten.
Wird dennoch eingewandt, die zweijährige Beisitzertätigkeit sei zwingend erforderlich, um das Niveau der Richterei in Deutschland zu halten, zeigt der Fall "Kriegisch" eine Besonderheit: Dr. Kriegisch hat dem Landesverband Bayern angeboten, sich zu verpflichten, selbst bei Bestehen der Sondermaßnahme weitere zwei Jahre als Beisitzer tätig zu sein, um die angeblich notwendigen Erfahrungen zu sammeln. Erst danach wollte Herr Dr. Kriegisch in eigener Verantwortung als Richter auftreten.
Welchen Grund gab es dann noch Herrn Dr. Kriegisch die Teilnahme an der Sondermaßnahme zu verwehren? Waren es persönliche Eitelkeiten? Fürchtet ein kleiner Kreis von Funktionären und Richtern um ihre Pfründe? Hat man Angst davor, aus Positionen, die man jahrelang inne hat, verdrängt zu werden? (Und das auf Kosten des Sports.) Oder wollte man - so wie vorgegeben - einer angeblich "krummen Tour" den Riegel vorschieben? Wobei sich mir verschließt, warum es sich um eine "krumme Tour" handelt: Es ist völlig legitim, dass ein Sportler zum Jahreswechsel, wenn seine Mitgliedschaft in dem alten Verein fortgeschrieben werden muss, dies unterlässt und stattdessen einem neuen Verein zu Jahresbeginn beitritt. Nichts anderes hat Herr Dr. Kriegisch getan. Es lag kein Vereinwechsel innerhalb des laufenden Jahres mit sich evtl. anschließender Sperrfrist vor, sondern die Neubegründung eines Vereinmitgleidschaft.
Im übrigen gibt es im Vereinswesen nicht etwas wie ein grundsätzliches "Wohnsitzprinzip". Jeder Reitsportler kennt eine Vielzahl von Personen (z.B. Hugo Simon), die in Deutschland trainieren und leben und für andere Länder starten. "Wohnortprinzip" ist lediglich ein Schlagwort, was sich zugkräftig anhört, aber nirgendwo verortet ist. Wenn eine Person ordnungsgemäß zum Jahreswechsel einem Landesverband neu beigetreten ist, ist es ein Unding, dass sich der alte Landesverband dafür einsetzt, dass diese Person an seinem Fortkommen im neuen Landesverband gehindert wird. Und das auch noch mit dem paradoxen Argument, der neue Landesverband mische sich in die Angelegenheiten des alten Landesverbandes ein, wobei es genau umgekehrt ist. Mit dem regulären Austritt aus dem alten Landesverband und dem Eintritt in den neuen Landesverband unterliegt die betreffende Person allein der Obacht des neuen Verbandes. Und es war allein eine Entscheidung des neuen Verbandes, welche Personen er zur Richterprüfung anmeldet.
Man konnte über den Eindruck gewinnen, über Herr Dr. Kriegisch wurde vom alten Landesverband wie über die Ware Mensch verfügt, die man nicht aus seinem Einflussbereich entlassen wollte. Wir leben in einer Gesellschaft, die ihren Erfolg und Wohlstand dem Wettbewerb verdankt. Wenn eine Gruppierung innerhalb seiner Organisationsstrukuren flexibler und beweglicher ist als eine andere, ist es ein Offenbarungseid, wenn die andere ihre Position dadurch zu sichern versucht, indem Maßnahmen anderer sabotiert und boykottiert werden. Letztendlich ist dem neuen Landesverband durch das Einschreiten des alten ein fähiger Richter verloren gegangen, auf den nicht verzichtet werden wollte und sollte.
Selbst für diejenigen, die das Vorgehen von Herr Dr. Kriegisch immer noch als "krumme Tour" betrachten, muss gelten: Jede Entscheidung muss in Sinne des Sportes sein. Und das ist es ganz gewiss nicht, wenn man Personen, die sich ehrenamtlich um den Sport verdient machen wollen, Steine in den Weg legt. Jeder neue, qualifizierte Richter ist eine Bereicherung. Dass ein Ehremamtler nach diesen Hickhack die Schauze voll hat, verstehe ich nur allzu gut. Wird auf Funktionärsebene mit jedem couragierten Ehremamtler so verfahren, können wir alle unseren Sport an den Nagel hängen.
Konstantin Kruschke
Buschreiter-Übersicht© Verlag Nahr, D-93059 Regensburg/Germany, Wöhrdstr. 49
Werben in buschreiter.de?E-Mail
verlag-nahr@buschreiter.de