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Kreuth/Turnierpauschale Rückgang der Nennungszahlen ausgeblieben VON WOLF-DIETRICH NAHR Unter enormem Kostendruck hat der Veranstalter der internationalen Vielseitigkeit im bayerischen Kreuth die kombinierte Boxen- und Nennungspauschale für das Turnier am vorletzten April-Wochenende kräftig angehoben. Der befürchtete massive Rückgang an Nennungen ist nicht eingetreten. Im Gegenteil. "Wir sind aus den roten Zahlen", sagte Chef-Organisator Bruno Six im exklusiven buschreiter-Interview. Der Organisations-Hintergrund des Kreuther Turniers: Das Ostbayerische Pferdesport- und Turnierzentrum e.V. als Veranstalter bekommt vom Kreuther Eigentümer, der EWS Freizeit- und Tagungszentren GmbH & Co. KG, die Anlage zur Verfügung gestellt. Früher gab es anscheinend eine sehr großzügige Abwicklung (und Abrechnung) des Turniers. Doch das gehört offensichtlich der Vergangenheit an: Seit Ende 2007 muss der Verein an die EWS schlicht "kostendeckende Preise" bezahlen. "Die EWS subventioniert das Turnier nicht mehr, der Sport muss sich selbst finanzieren", sagte Bruno Six. Massive Preissteigerungen Demnach hat die EWS das Boxengeld deutlich angehoben. Zudem gab es laut Six in allen Bereichen eine deutliche Kostensteigerung: Zu bezahlen ist für das von der FEI vorgeschriebene Personal von den Stewards über den Technischen Delegierten bis zu den Veterinären. Ein erheblicher Kostenfaktor sei beispielsweise das Sägemehl für das Einstreuen der Boxen. Hier seien die Preise um mehr als 50 Prozent gestiegen. Dem steigenden Aufwand stehe ein immer geringer werdendes Aufkommen von Sponsorengeldern gegenüber. Es werde zunehmend schwierig, beispielsweise bei Banken oder Automobilherstellern Geld für Vielseitigkeitsturniere locker zu machen. Beste Bodenverhältnisse Gleichzeitig folgt Kreuth der "Kernphilosophie", den Reitern "vernünftige Qualität" zu bieten. Bei der Pferdeunterbringung und der Qualität der Böden in allen drei Teildisziplinen versuche der Veranstalter, höchsten Ansprüchen gerecht zu werden – was nicht zum Nulltarif zu haben sei. Bruno Six: "Sie können heute kein Springen mehr auf der Wiese oder keine Geländeprüfung mehr auf einem Acker durchführen, die Ansprüche der Reiter werden immer größer." Die schlechte Nachricht ist, dass der Veranstalter die ohnehin schon recht hohe Pauschale von 175 Euro (Ein-Sterne-Prüfung) und 200 Euro (Zwei-Sterne-Event) auf 250 und 275 Euro angehoben hat, wobei in dem Eintrittsgeld ein komplettes Abendessen für Reiter und Pfleger mit eingeschlossen ist. "Furchtbar arrogant..." In der Vielseitigkeits-Szene gibt es offensichtlich mehr oder weniger laute Kritik an der Kreuther Preisgestaltung. "Ich habe befürchtet, dass es einen Aufschrei gibt", so Six, der gleichzeitig kein Blatt vor den Mund nimmt: "Auch wenn das jetzt furchtbar arrogant klingt, aber wer nicht kommen will, weil es ihm zu teuer ist, der soll woanders reiten." Es sei jedenfalls nicht Gewinnsucht, sondern der Zwang zu wirtschaftlichem Handeln gewesen, welcher zu diesen erhöhten Pauschalen geführt habe. Bruno Six nannte Gesamtkosten von 42000 Euro, die zu decken gewesen seien. 94 Nennungen im CIC** Wegen der höheren Pauschale habe er mit einem spürbaren Rückgang der Nennungszahlen gerechnet. Doch wider Erwarten hätten die Nennungen mit 94 in der Zwei-Sterne-Prüfung und 81 in der Ein-Sterne-Prüfung voll die Erwartungen erfüllt. Die Folge: "Wir sind aus den roten Zahlen raus." Bruno Six versicherte im buschreiter-Interview, dass Kreuth nun das "Geld nicht horten", sondern an die Reiter in Form von Sonderprämien und Ehrenpreisen zurückgeben werde. Auf zusätzliche Geldpreise darf sich nun nicht ein Viertel, sondern insgesamt ein Drittel der Platzierten freuen. Sondergenehmigung der FN Falls Veranstalter nun schon den Taschenrechner herausholen und kalkulieren, wie sie ihr Budget decken können: Ganz so simpel lässt sich das Modell nicht verwirklichen. Für die Turnierentgelte gibt es detaillierte LPO-Regelungen, an die die Veranstalter zunächst gebunden sind. Die Kreuther Pauschale musste von der FN im Einvernehmen mit der bayerischen Landeskommission gesondert genehmigt werden – als Pilotprojekt. Arbeitseinsatz angeboten Dann gibt es auch noch die Sondergruppe der Reiter, die im Umfeld von Kreuth beheimatet sind und ihre Pferde gewöhnlich nicht am Turnierort aufstallen. Auch diese müssen die Pauschale entrichten, falls sie in Kreuth in der Startbox stehen möchten. Bruno Six bedauert es, dass etwa ein halbes Dutzend bayerischer Eventer auf einen Start in Kreuth verzichtet, weil ihnen das Unternehmen zu teuer ist. Für die Sparfüchse hat sich Bruno Six auch etwas einfallen lassen: Der Reiter bekommt die Chance, einen Arbeitseinsatz in Kreuth zu leisten. "Wer mir einen Tag hilft, der bekommt so viel, dass er die Box bezahlen kann." Ein Modell, das die meisten berufstätigen Reiter aber kaum nützen können. Ihre Meinung zum Thema?/Kontakt zur Redaktion Lesermeinungen Nur noch "Formel 1" für Superreiche? Also auch die Vielseitigkeit demnächst nur noch ein Sport für Superreiche? Wirklich schade! Hier kann man weder mit einem "Bewegungswunder", welches die Woche über vom ehemaligen Olympiareiter vorbereitet wird noch mit einem LKW voller Ausnahme-Springtalente samt dazugehöriger Jockeys gewinnen - um das im Cross notwendige Vertrauen zwischen Ross und Reiter zu erreichen, muß letzterer schon eigenhändig reiten - auch im Training. Also hatten hier bisher auch "Normalverdiener" eine Chance auf sportlichen Erfolg - und was ist das für eine nette Truppe! Auf mehrtägigen Events treffen sich die Enthusiasten, mit unermüdlich in Schuß gehaltenen Schätzchen von Pferdetransportern, in denen die Besitzer (nicht nur die Pfleger!) übernachten, während die Pferde im angrenzenden Paddock friedlich grasen. Abends wird gemeinsam gegrillt, und am nächsten Morgen leiht sich der Olympiareiter das Zaungerät von der Hausfrau, die ihren 18-jährigen selbstgezogenen Wallach seit Jahren tapfer durch die 2*-Prüfungen schiebt... Das ist noch echtes horsemanship, und die Basis, aus der bisher der (durchaus international erfolgreiche) deutsche Buschnachwuchs kam. Um Sponsoren- und Werbegelder zu mobilisieren, muss ein Sport populär sein (oder gemacht werden). Es gibt zur Zeit mehrere "Pilotprojekte" in der FN/DOKR, die zum Ziel haben, unseren Sport in der Öffentlichkeit bekannt und interessant zu machen - warum denn nun diese "Verzweiflungstat", die doch völlig in die andere Richtung losgeht? Das relativ hohe Nennungsergebnis für das anstehende Frühjahrsturnier haben die Veranstalter mit Sicherheit der Tatsache zu verdanken, dass im September in Kreuth die EM der Jungen Reiter ausgetragen wird - den interessierten deutschen Jugendlichen wurde ein Start dort dringend nahegelegt, und die ausländischen Starter (ein ungewöhnlich hoher Anteil) werden auch die Gelegenheit nutzen wollen, schon mal zu "schnuppern" . Es würde mich interessieren, in welche Richtung nach der Vorstellung der Veranstalter der Vielseitigkeitssport gehen soll, wenn der enthusiastischen Basis die Möglichkeit zur Teilnahme genommen wird - für einen elitären Sport für reiche Amateure erfordert diese Disziplin doch zu viel Durchhaltevermögen und Risikobereitschaft. Vielleicht eine Art "Formel 1 des Reitsports", in dem fernöstliche Konzerne ihre Teams gegeneinander antreten lassen? Warten wir's ab, noch gibt es ja zum Glück viele Veranstalter, deren Vielseitigkeitsturnier immer ein tolles Erlebnis (bei normalen Preisen) ist, auf das man sich jedes Jahr wieder freut! Christina Krajewski
Steigende Preise in der Vielseitigkeit Seit einigen Jahren organisiert unsere Familie das CCI* und CCIP* „Gut Weiherhof“ in Radolfzell. Auch wir haben dieses Jahr eine Nennpauschale von 250.- Euro für jede Prüfung. Das ist viel Geld, doch deckt dieser von den Reitern bezahlter Betrag bei weitem nicht die Kosten. Die deutsche FN hat sich auch bei uns schwer getan, diese Pauschale zu genehmigen. Doch herzlichen Dank. Ich frage mich ob es wirklich so sein soll, dass Menschen und Unternehmen, die mit unserem Sport nichts zu tun haben (der Bäcker und Metzger vom Dorf, der Maler, die Autohändler etc), unser Hobby oder unseren Beruf finanzieren müssen? Wir Veranstalter investieren enorm viel Freizeit und Arbeit, wir bitten viele Freiwillige während Wochen bei uns zu helfen (z.T. unter widrigen Wetterverhältnissen), wir betteln überall um Unterstützung und dies alles für den Vielseitigkeitssport. Deutschland ist das Land mit den niedrigsten Pauschalen. Im Frankreich und Italien sind Nennpauschalen von 300.- bis 350.- € für eine CIC** üblich. Gut, die Gewinngelder sind höher, doch nur eine kleine Anzahl der Reiter kann auch etwas gewinnen. Die Reiter haben immer höhere Ansprüche an die Veranstalter - Bruno Six erwähnt die Boxen- oder die Bodenqualität. Aber was ist, wenn nur Toi-Toi’s aufgestellt werden, wenn kein Blumenschmuck an den Geländesprüngen ist, der Boden im Wasserhindernis zu weich ist, die Gastronomie nicht mundet, die Schleifen zu klein sind etc? Auch wir in Radolfzell sind trotz hoher Nennpauschale überrannt worden von Nennungen: 61 Ponys und 120 Pferde im CCI* verlangt von Richtern (die übrigens für einen Minimalstundenlohn arbeiten) und Helfern viel ab. Doch wir sind stolz und freuen uns über dieses tolle Nennergebnis. Kein Veranstalter von Vielseitigkeitsprüfungen kann über die Jahre Geld verdienen, sondern ist immer angewiesen auf gutmütige Seelen, die „seine“ Veranstaltung unterstützen, damit die Reiter reiten können! Danièle Vogg
Nenngelder müssen kostendeckend sein Ich habe volles Verständnis für die Anhebung der Kosten-pauschale in Kreuth. Wir richten auf unserer Anlage nur ein ländliches Turnier mit 5 Prüfungen, A-Vielseitigkeit, A u.L. Geländepf.- prfg. E- Viels.und Geländereiterwettbewerb aus, die Kosten für die Herrichtung der Strecken und die übrigen Turnierkosten stellen uns immer vor große Probleme. Alle Reiter, wir auch, investieren viel in Pferde, Training, Ausrüstung, und, und, und, Daher kann ich beide Standpunkte gut nachvollziehen.. Ich bin der Meinung, gemessen an den sonstigen Kosten des Sports und dem enormen Aufwand der Turnierausrichter sind höhere Kosten als bisher zu vertreten. Wenn aus Kostengründen die Turnierveranstaltungen wegbrechen, hat kein Reiter etwas davon. Die Finanzierung der Turniere gehöhrt zum Reitsport dazu. Mit den bisher üblichen Nenngeldern ist dies nicht zu bewerkstelligen. Nenngelder müssen kostendeckend werden. Dieter Bölting
Noch nie kostendeckend Nenngelder waren noch nie kostendeckend und werden es auch -hoffentlich- nie sein. Dagmar Kirsch
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