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CIC**-Sieger Marina Köhncke und Calma Schelly und Frank Ostholt mit Air Jordan (Fotos: Julia Rau)

CIC*/CIC** Kreuth

Hoffnungslauf für hochtalentierte Paaren

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Für ambitionierte Junge Reiter der internationalen Szene war das Frühjahrsturnier in Kreuth der Testevent für die Europameisterschaft im Herbst. Fünf potenzielle Olympiapferde legten in Ostbayern den Grundstein für die Reise nach Hongkong. Den Sieg trug schließlich aber ein Paar davon, das weder die Nachwuchs-EM noch Olympia im Turnierplan 2008 hat. Ergebnisse CIC**, CIC*, Bilderbuch 1, Bilderbuch 2, Bilderbuch 3, Bilderbuch 4, Videos

Die Goldschleife ging im CIC** schließlich an die 9-jährige Stute Calma Schelly und an die vielfache frühere Championatsreiterin Marina Köhncke. Das Paar fügte seinem Dressurergebnis von 41.6 (Platz 6) nur noch 7.2 Zeitfehler im Cross hinzu. "Ich glaube, sie bringt für den ganz großen Sport alles mit", sagte Marina Köhncke im exklusiven buschreiter-Interview am Sonntag nach der Siegerehrung. Da ist die hervorragende Dressurveranlagung: Die Stute von Chambertin und aus einer Leonid-Mutter ist auf dem Viereck "die Ruhe selbst" und zeigt dabei "wunderschöne Grundgangarten". Im Parcours stellt sie ihr enormes Springvermögen unter Beweis, das der 9-Jährigen schon M-Platzierungen eingetragen hat. Dabei erweist sie sich als sehr vorsichtig am Sprung.

"Das muss ich noch verbessern"

Marina Köhncke hat lediglich im Cross gerade am Anfang der Saison einiges zu tun, um die Übermotivation der Stute etwas zu kanalisieren. "Sie rennt noch im Gelände etwas los, da hatte ich heute einiges zu halten. Das muss ich noch verbessern", sagte die Amazone gegenüber buschreiter.de. 4-jährig hat Horst Schelletter (Ahrensburg) das Pferd gekauft, um es Marina Köhncke zur Verfügung zu stellen. Züchterin ist Angela Meuser (Todendorf). Kreuth ist für die Stute offenbar ein gutes Terrain: 2007 hatte die Holsteinerin im CCI** den 2. Platz belegt. In Marbach im Mai wird Clama Schelly die erste S-Prüfung gehen.

Ansonsten dominierten die möglichen EM-Kandidaten aus dem Lager der Jungen Reiter die 25 Platzierungsränge: Runner Up wurde Sonja Buck/Ohio; Platz 3 belegte die Französin Charlotte Racois/Kopa des Boires.

Cross verkürzt

Nicht nur die Hongkong-Hoffnungsträger wollten es bei den Bodenverhältnissen in Kreuth nicht auf ein erhöhtes Risiko angekommen lassen. Dauerregen über Stunden hatte dem eigentlich recht aufnahmefähigen Boden rund um die Ostbayernhalle arg zugesetzt. Die Nacht und der Sonntag blieben zwar trocken und das Geländeteam um Designer Rüdiger Schwarz tat sein Bestes, um allzu weiche Passagen für den Geländeritt zu stabilisieren; aber letztlich geriet das Geläuf durch die Regeneinwirkung in den Grenzbereich. Die Ground Jury entschloss sich, in der Schlussschleife des CIC** vor dem alten Wasser zwei Sprünge herauszunehmen und die Distanz zu verkürzen. Kuriosum: Kseniya Rybak aus Weißrussland war diese Änderung im Gelände offensichtlich entgangen. Sie ritt die komplette Prüfung wirklich komplett und sprang im Sattel von Prestige die ausgeflaggten und nicht gesperrten Hindernisse. Mit einer Verweigerung an anderer Stelle und der Riesenpackung von 54 Zeitfehlern war sie schließlich noch in der Wertung.

Ausgezeichnete Form

Die fünf möglichen Olympioniken machten durchaus eine gute Figur. Dirk Schrade ritt den irischen Wallach Husky auf den 5. Platz. "Er hat sich sehr gut angefühlt", freute sich Schrade nach dem Cross. Eine Dressur von 40.8 (4.Platz), ein Abwurf im griffigen, aber feuchten Stadion und eine dynamische Runde im Cross haben Bundestrainer Hans Melzer die ausgezeichnete Form des Paares signalisiert. Schrade war auch noch mit Sindy (17.) platziert, die allerdings nicht für Olympia, sondern für Badminton vorgesehen ist. Durchaus Richtung Hongkong blickt dagegen Be My Guest, die Schrade aber nach dem 11. Dressurplatz vor dem Springen aus dem Rennen genommen hatte, um die Stute für den Einsatz ebenfalls beim Klassiker in Badminton zu schonen.

Abraxxas in Laune

Ingrid Klimkes FRH Butts Abraxxas büßte nach einer glänzenden Dressur von 39.3 (2. Platz) durch zwei Abwürfe im Parcours einige Plätze ein, zeigte sich aber im Gelände in bester Laune, so dass immer noch ein 8. Platz heraussprang.

Vier-Sterne-Pferde außer Konkurrenz

Dressursieger Frank Ostholt hielt mit Air Jordan nach dem Resultat auf dem Viereck von 35.4 mit einem Abwurf im Springen vor dem Cross zwar den Spitzenplatz. Aber nach dem Gelände "verschwand" das Paar aus der Ergebnisliste, obwohl es sich querbeet nichts hatte zu Schulden kommen lassen und schnell unterwegs gewesen war. Die Erklärung: Nach dem Vier-Sterne-Einsatz in 2007 darf Air Jordan den CIC** eigentlich nicht gehen. Ging er auch nicht, denn formal war er in einer eigens ausgeschriebenen nationalen M-Prüfung unterwegs gewesen. Dies galt auch für Frank Ostholts zweites Pferd Little Paint.

Litte Lemon zurückgezogen

Andreas Dibowski widerstand der Versuchung, mit seinem Badminton-Pferd FRH Little Lemon auf Sieg zu setzen: An Platz 2 liegend zog er die kleine Zitrone vor den Gelände zurück und freute sich über den 4. Platz von FRH Fantasia.

Leiser Abschied für Torcida

Während sich die Top-Jungen-Reiter und die Olympioniken auf künftige Championatseinsätze freuen, gab einer still und leise beim CIC** seine Abschiedvorstellung: Alfred Bierleins fast 17 Jahre alter Torcida beendete mit einer eindrucksvollen Nullrunde im Gelände und einer Platzierung seine Karriere im großen Sport. Die Nennung in Marbach steht nur noch auf dem Papier. Der Wallach aus Neuseeland darf voraussichtlich als Lehrpferd für einen Juniorenreiter fungieren. Torcida war als 7-Jähriger bei der Junge-Pferde-WM in Le Lion bestes Pferd aus einem deutschen Stall gewesen. Zwei Einsätze bei Deutschen Meisterschaften und mehrere hohe Platzierungen auf Drei-Sterne-Niveau dokumentieren das Potenzial Torcidas. Höhepunkt seiner Karriere war der Sieg im Nationenpreis 2001 in Bonn-Rodderberg. "Er ist immer ein Fighter gewesen", charakterisierte Bierlein den Schimmel im buschreiter-Interview.

Aortenabriss vermutet

Ein trauriges Ereignis belastete den Gelände-Sonntag: Der 1994 geborene Wallach Sokke hatte mit Jette Kögeböhn routiniert und frisch das Cross beendet. Lange nach den Austraben im Ziel ging das Pferd schließlich schwankend und erlag dann noch im Gelände vermutlich den Folgen eines Aortenabrisses. Beim Geländeritt deutete überhaupt nichts auf gesundheitliche Probleme hin. Turnier-Veterinär Dr. Siegfried Eiler: "Das sah im Cross alles sehr rund und gefällig aus und das Pferd ist sehr frisch durchs Ziel galoppiert." Der Tierarzt verabreichte noch ein Kreislaufmedikament und legte eine Infusion an, aber jede Hilfe kam zu spät. Eine Schwachstelle oder Ausbuchtung der Hauptschlagader kann zu einem Platzen des Gefäßes führen. Nach Angaben des Tierarztes gibt es kein Diagnoseverfahren, um eine solche Gefäßveränderung zu erkennen. Der Kollaps ereignete sich nach dem Geländeritt. Dr. Eiler: "Das kann genauso gut daheim auf dem Springplatz oder beim Galoppieren im Wald passieren."

Ergebnisse CIC**, CIC*, Bilderbuch 1, Bilderbuch 2, Bilderbuch 3, Bilderbuch 4, Videos

 

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Lesermeinungen

Bedingungen dem Preis angemessen?

Ich denke, alle Reiter freuen sich, dass sich ein Veranstalter wie Kreuth überhaupt bereiterklärt, uns eine tolle Prüfung zu präsentieren, deshalb ist das Nennungsergebnis so hoch, und es macht ja auch immer Spaß.

Trotzdem fand ich es etwas befremdlich dieses Mal, dass die Erhöhung ja zum Teil auch mit dem Recht auf Anlagennutzung begründet wurde. Da aber mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfanden, war keiner der Beteiligten in der Lage, die Anlage wirklich so zu nutzen, wie in den  Jahren zuvor. Von "hervorragenden Bodenverhältnisse" war auf dem Springabreiteplatz am Samstag nicht viel zu merken. Kein Wunder bei dem Dauerregen, und sonst konnte das Abreiten problemlos in die Springhalle verlegt werden. Ging aber nicht, denn da lief eine andere Veranstaltung, deren Teilnehmer am Tag zuvor sich mit den Vielseitigkeits-Dressurabreitern einen Platz teilen mussten und sich zum Teil auch sichtbar schwer damit taten.

Ich finde es in Ordnung, wenn die Pauschale erhöht wird und das Turnier teuer wird, aber dann sollten die Bedingungen dem Preis angemessen sein. Die MCP- Gebühr  von 8,50 Euro noch zusätzlich einzureiben, kam kleinlich rüber und bescherte dem armen Andi Geier eine Menge ungehaltener Kommentare. Und übrigens: im CIC* gab es ab Platz 4 90 Euro zu gewinnen. Es bleibt also ein Amateursport.  Wenn man Sprit, Hotel und Essen dazurechnet, ist eine Woche Mallorca richtig billig dagegen. Macht allerdings auch nicht so viel Spaß.

Der Punkt in Kreuth ist wahrscheinlich, dass es den neuen Verantwortlichen  nicht wirklich wichtig ist, wer dort am Wochenende rumreitet, Hauptsache die Zahlen stimmen. Deshalb wird man mit einem Boykott auch nicht viel weiter kommen. Bruno Six müht sich sichtbar, den  Vielseitigkeits-Geist zu erhalten und vielleicht können wir ihm ja helfen, um den Standort zu erhalten. Und vielleicht gibt einem der Veranstalter dann auch irgendwann mal das Gefühl, willkommen zu sein.

Carola Bierlein

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Alfred Bierleins Torcida (links; Foto Wolf-Dietrich Nahr). Rechts: Jette Kögeböhn mit Sokke (Foto Julia Rau)

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