Buschreiter.de — aktuell: CIC*/** Kreuth

Spannendes Herzschlag-Finale

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Spannender kann der Buschsport kaum noch sein: Mit einem hauchdünnen Zwei-Sekunden-Polster im Cross gewann die 19-jährige amtierende Deutsche Meisterin der Jungen Reiter, Sandra Auffarth (Ganderkesee), im Sattel des 9-jährigen Oldenburgers Carlos den Zwei-Sterne-CIC in Kreuth (Fotos: Fotoagentur Dill, 2, und Wolf-Dietrich Nahr).Bilderbuch 1, Bilderbuch 2, Bilderbuch 3, Bilderbuch 4, Bilderbuch 5, Bilderbuch 6.

"Ich habe schon gemerkt, dass mich die Zuschauer anfeuern, aber ich wusste natürlich nicht, wie schnell ich sein musste, um zu gewinnen." So beschrieb die Abiturientin aus Weser/Ems die letzten Augenblicke ihres Rittes vom letzten Kreuther Wasserkomplex zum Zieloxer des CIC**. Die Uhr blieb bei 6 Minuten und 23 Sekunden stehen. Drei Sekunden langsamer und Michael Jung hätte mit Miss Meller TSF die Nase vorne gehabt. Der Baden-Württemberger, gelegentlich wegen seiner forschen Reitweise im Gelände kritisiert, pilotierte die Amatcho-Stute besonnen über die festen Hindernisse, kassierte 6.8 Zeitfehler und begnügte sich mit dem 2. Platz. Die Amazone formulierte nach dem Zwei-Sterne-Sieg im buschreiter-Interview ihr Saisonziel: Die Teilnahme an der Junge-Reiter-EM im August im tschechischen Pardubice. Nationale Championaterfahrung hat der selbstgezogene Wallach bereits: Sandra Auffarth war mit dem selbst ausgebildeten Pferd 2004 in Bonn-Rodderberg Deutsche Vizemeisterin bei den Junioren, und im vergangenen Jahr bei den Jungen Reitern stand sie bei der DM in Krusemark ganz oben auf dem Treppchen. Carlos hat sich schon früh für höhere Aufgaben empfohlen: Durch die Teilnahme am Bundeschampionat als 5-Jähriger und den 2. Platz beim Nachwuchschampionat 2003 in Warendorf. "In der Dressur und im Springen ist er sehr gut. Nur im Gelände fehlt uns beiden noch etwas die Erfahrung, aber er ist mit neun Jahren ja noch ziemlich jung", sagte Sandra Auffarth. Michael Jung ritt auch den Dressursieger Birkhofs Grafenstolz TSF mit einer vergleichsweise moderaten Runde auf den 5. Platz — hinter den Österreicher Harald Ambros/Miss Ferrari (3.) und den ungarischen Eventer Balazs Kaizinger/Gidran Nimfa. Mit Doppelplatzierungen sorgten Janet Wiesner (Piccolo, 6., Libero, 7.) und Alfred Bierlein (Torcida, 10., Glendale, 11.) für Aufsehen. Nach wolkenbruchartigen Regenfällen an den Tagen vor dem Cross-Sonntag hatte der Boden merklich gelitten, was viele Reiter zur Tempo-Zurückhaltung veranlasst hatte. Von den 62 Paaren in der Wertung des CIC** blieben nur drei unterhalb der Optimum Time von sechs Minuten: Janet Wiesner/Piccolo, die Italienerin Silvia Bazzani/Sleuth (8.) und die Österreicherin Katrin Khoddam-Hazrati/Graziano di Carinzia (31.). Der Ein-Stern-Event sah schließlich in den Senioren-Abteilung 73 Paare in der Wertung, während in der Junioren-Junge-Reiter-Abteilung 31 Jockeys und Vierbeiner die Platzierungen unter sich ausmachten. Kreuth folgte dem Trend, den jungen "Einsteigern" im internationalen Turniergeschäft einen eigenen Wettbewerb zu widmen, um ihnen bei den ersten Ein-Sterne-Prüfungen die überaus harte Konkurrenz mit den Routiniers zu ersparen. Die Finanzierung der Sonder-Abteilung gelang mit Eltern-Sponsoren-Mitteln und auch einem kleinen Beitrag von buschreiter.de. Gold ging hier an Lisa Neukäter/Brian Barkley vor Celina Nothofer/Peter Lustig und Cord Westmeyer/Castell. Platz 4 sicherte sich Melanie Held, die mit dem Burghley-Pferd Salino ihres Vaters für Aufsehen sorgte. Bei den "Großen" nahm das Perspektivgruppen-Mitglied Andreas Ostholt im Sattel von Waidstern (Foto) mit einem Start-Ziel-Sieg Goldschleife und Preisgeld mit nach Hause. Der 9-jährige Hannoveraner Wallach von Waldstar und aus einer Dupont-Mutter ist zusammen mit Water Dance xx (7. Im CIC*) "meine Hoffnung und meine Zukunft", sagte der frisch an der Sporthochschule in Köln examinierte Diplom-Trainer im buschreiter-Interview. Waidstern, Bundeschampion der 6-Jährigen 2003, soll nach einem weiteren Zwei-Sterne-Start in Marbach seinen Drei-Sterne-Einstieg in Schenefeld bekommen. "Er ist in allen drei Disziplinen sehr stark, ein Pferd das unheimlich viel eigenen Willen hat, das konzentriert sein muss, um sich noch mehr auf den Reiter einstellen zu können." Andreas Ostholt blickt so recht gelassen in die Zukunft, obwohl er aller Voraussicht nach sein Top-Pferd Lady Lemon nach der Weltcup-Tour und dem Finale in Malmö in diesem Jahr aus dem aktiven Sport verabschieden will. Die 14-Jährige soll dann als Zuchtstute eine neue Erfüllung finden.

Ergebnisse: CIC* (Junioren-Junge Reiter und Senioren), CIC**



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